1 - Die Nacht Der Drachen

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Die Nacht der DrachenDer Drachenritter 1

Gordon R. Dickson

Titel der Originalausgabe THE DRAGON AND THE GEORGE bersetzung aus dem Amerikanischen von Irene Holicki Das Umschlagbild malte Ralph Voltz Die Illustrationen im Text zeichnete John Stewart

Dieses Buch erschien unter gleichem Titel 1980 als Heyne-Buch 06/3769.

Umwelthinweis: Dieses Buch wurde auf chlor- und surefreiem Papier gedruckt.

Redaktion: Friedel Wahren Copyright 1976 by Gordon R. Dickson Copyright 1980 der deutschen bersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, Mnchen Printed in Germany 1997 Umschlaggestaltung: Atelier Ingrid Schtz, Mnchen Technische Betreuung: M. Spinola Satz: Schaber Satz- und Datentechnik, Wels Druck und Bindung: Eisnerdruck, Berlin ISBN 3-453-12693-9

Dieses E-Book ist die elektronische Sicherungskopie eines Printmediums. Es ist nicht verkuflich.

lUM GENAU 10.30 U HR fuhr James Eckert vor der Stoddard Hall auf dem Campus des Riveroak College vor, wo Grottwold Weinar Hansen sein Labor hatte. Angie Farrell stand jedoch nicht abfahrbereit am Straenrand. Natrlich nicht. Es war ein warmer, sonniger Septembervormittag. Jim blieb im Wagen sitzen und versuchte, seinen rger zu unterdrcken. Es war sicher nicht Angies Schuld. Diesem Idioten von Grottwold war zweifellos wieder etwas eingefallen, um sie berstunden machen zu lassen, obwohl oder vielleicht weil er wute, da sie und Jim eigentlich an diesem Vormittag auf Wohnungssuche gehen sollten. Es war schwer, bei jemandem wie Grottwold nicht die Beherrschung zu verlieren, der nicht nur keine Leuchte war, sondern auch noch ganz offensichtlich versucht hatte, Angie Jim abspenstig zu machen und sie fr sich zu gewinnen. Eine der beiden groen Tren an der Vorderseite der Stoddard Hall ffnete sich, und eine Gestalt trat heraus. Aber es war nicht Angie. Es war ein untersetzter junger Mann mit struppigem rtlichen Haar und Schnurrbart, der eine vollgestopfte Kollegmappe trug. Als er Jim im Auto sah, kam er die Stufen herunter, zum Wagen herber und lehnte sich auf den Rand des offenen Fensters auf der Bei fahrerseite des Vordersitzes. Du wartest wohl auf Angie? fragte er. Richtig, Danny, sagte Jim. Sie sollte schon hier stehen und auf mich warten, aber offensichtlich hlt Grottwold sie immer noch fest. Das ist so seine Art. Danny Cerdak war Assistent an der Physikalischen Abteilung. Er war der einzige andere Volleyballspieler der Klasse AA auf dem Campus.3

Fahrt ihr hinaus, um Cheryls Wohnwagen anzusehen? Wenn Angie jemals rechtzeitig herauskommt, sagte Jim. Ach, sie wird jetzt wahrscheinlich jede Minute hier sein. Sag mal, wollt ihr beiden nicht morgen abend nach dem Spiel bei mir vorbeikommen? Nichts Besonderes, nur Pizza und Bier und ein paar Leute aus der Mannschaft mit ihren Frauen und so weiter. Klingt ganz gut, sagte Jim verdrielich, wenn ich nicht in irgendeiner Extraarbeit fr Shorles stecke. Danke auf jeden Fall; und wir kommen sicher, wenn wir es schaffen. Gut. Danny richtete sich auf. Ich sehe dich dann morgen beim Spiel. Er ging. Jim kehrte zu seinen eigenen Gedanken zurck. An sich, sagte er sich, sollte er reif genug sein, nicht wegen so etwas die Kontrolle ber seine Emotionen zu verlieren, auch wenn sie nur zwei Stunden Zeit hatten, um zu dem Wohnwagenstellplatz zu kommen und wieder zurck, und um zu Mittag zu essen, bevor Angie wieder zu ihrem Teilzeitjob als Grottwolds Laborassistentin mute. Er mute sich einprgen, da Frustrationen ein Teil des Lebens waren. Er mute lernen, mit Problemen wie egoistischen Fakulttsvorstehern, unzureichenden Gehltern und einer Wirtschaft zu leben, die Riveroak College, wie alle anderen Ausbildungssttten, so weit finanziell einschrnkte, da man mit einem Doktordiplom in mittelalterlicher Geschichte nur mehr seine Schuhe putzen konnte, ehe man sich zum Kohlenschippen bewarb. Hier ri sich Jim aus seinen Gedanken, da er bemerkte, da diese Wiederholung der Dinge, die er durchzustehen hatte, ihn nicht etwa beunruhigte, sondern da statt dessen seine Knchel wei wurden vor Anstrengung und seine4

Fuste begannen, das altersschwache Steuerrad des Schluckspechts zu verbiegen. Nichts am Schluckspecht war fest genug, um eine solche Behandlung widerspruchslos hinzunehmen. Fr einen zehn Jahre alten Fiat war er immer noch ein treues, kleines Auto, aber kein ehrlicher Mensch konnte behaupten, er sei in gutem Zustand. Dagegen war Jim selbst wie viele Volleyballspieler der AA-Klasse topfit. Er war knapp 1,80 m gro, aber selbst erfahrene Ge wichtsschtzer vertaten sich gewhnlich bei seinen zweihundertzehn Pfund, meist Knochen und harte Muskeln, um zwanzig oder mehr nach unten. Unglcklicherweise gab diese Muskelmaschine, gepaart mit einem Instinkt fr sofortige Gegenaktionen bei Herausforderungen was auf dem Volleyballfeld bei der Sorte von Gegnern, denen er nun seit einigen Jahren in Turnieren gegenberstand, sehr ntzlich war, aber vielleicht nicht das Ideale in gesellschaftlicher Hinsicht Jim einigen Anla, sich Sorgen um sich selbst zu machen. Dem Himmel sei Dank fr Angie. Das Schne an ihr war, da sie bei den Leuten Resultate erzielte, ohne auch nur im geringsten wtend zu werden, und das in Situatio nen, in denen Jim geschworen htte, die anderen suchten bewut Streit. Wie sie das fertigbrachte, hatte Jim niemals ergrnden knnen. So weit er sehen konnte, tat sie nichts anderes, als die Situation in gleichmig freundlichem Tonfall zu erklren. Worauf, aus irgendeinem Grund, die anderen sofort jedes antagonistische Verhalten aufgaben und freundlich und hilfsbereit wurden. Angie war wirklich etwas Besonderes; speziell fr jemanden, den man nur als winzig bezeichnen konnte. Man brauchte nur anzusehen, wie sie mit Grottwold fertig wurde Jim wurde sich bewut, da die Zeit weitergeglitten war, whrend er hier sa und nachdachte. Er blickte auf die Uhr,5

und seine Miene wurde finster. Beinahe Viertel vor elf. Das ging zu weit. Wenn Grottwold schon nicht genug Verstand hatte, sie gehen zu lassen, htte sich mindestens Angie selbst inzwischen loseisen mssen. Er ffnete die Autotr auf seiner Seite und wollte ge rade aussteigen, als wieder eine der beiden groen Eingangstren aufschwang und Angie die Stufen herunter zum Wagen lief, wobei sie ihren leichten, beigen Mantel berzog. Ihre braunen Augen strahlten, und ihre Wangen waren von der Eile rosig angehaucht. Ach, da bist du ja, sagte Jim und stieg wieder ein. Es tut mir leid. Angie stieg auf ihrer Seite in den Schluckspecht und schlug die Tr hinter sich zu. Grottwold ist ganz auer sich. Er glaubt unmittelbar vor dem Beweis zu stehen, da Astralprojektion mglich ist Was fr eine Jektion? Jim lie den Schluckspecht an und fuhr vom Randstein weg. Astralprojektion. Der Geist wird freigesetzt und kann sich auerhalb des Krpers bewegen. Und mit den Resultaten, die er bekommen hat, als er einen gesteigerten Input in den Biofeedback-Kreislauf eingab, um gewisse Arten von Schlafzustnden zu imitieren Du lt ihn aber doch keine Experimente mit dir ma chen, oder? Ich glaube, das hatten wir doch festgelegt. Nun reg dich nicht so auf, sagte Angie. Ich lasse ihn nicht mit mir experimentieren, ich helfe ihm nur bei seinen Experimenten. Keine Angst, er wird mich nicht hypnotisieren oder sonst etwas. Er hat es schon einmal versucht. Jim lenkte den Schluckspecht aus dem Collegegelnde auf die West Street und fuhr auf die Abfahrt zum Highway6

Fnf. Er hat es nur versucht. Du hast mich hypnotisiert, wenn du dich erinnerst nachdem Grottwold es dir beigebracht hatte. Auf jeden Fall darfst du dich nie wieder von irgend jemandem hypnotisieren lassen. Weder von mir noch von Hansen oder von sonst jemandem. Natrlich nicht, sagte Angie leise. Da ging es also schon wieder los genau das, worber er nachgedacht hatte, sagte sich Jim. Jetzt war er es, der gerade ihre Spezialbehandlung bekommen hatte. Pltzlich gab es keinen Streit mehr, und er wute nicht mehr, worber er sich eigentlich ursprnglich aufgeregt hatte. Er empfand ein leichtes Schuldgefhl, weil er eine Szene wegen einer Sache gemacht hatte, die wahrscheinlich von vornherein nicht so wichtig gewesen war. Jedenfalls, sagte er, als sie ber den Highway Fnf zum Wohnwagenstellplatz fuhren, von dem ihm Danny Cerdak erzhlt hatte, wenn dieser Mietwohnwagen wirklich so gnstig sein sollte, wie Danny gesagt hat, knnen wir heiraten, und vielleicht knnen wir, wenn wir zusammenleben, mit so wenig Geld auskommen, da du nicht mehr neben deiner Assistentenstelle fr Grottwold arbeiten mut. Jim, sagte Angie, du weit doch, da das nicht geht. Wir knnten es doch schaffen. Knnten wir nicht. Das Studentenheim kann uns einzig und allein deshalb fr hundertzwanzig pro Mann und Mo nat mit Kost und Logis aufnehmen, weil sie labbriges Essen in groen Mengen kochen und uns in Etagenbetten in Schlafsle pferchen. Jede eigene Wohnung, die wir finden knnen, wird unsere Lebenshaltungskosten erhhen, nicht7

senken. Ich kann fr uns beide nicht so billig kochen wie das Studentenheim. Nein, ich kann meine Arbeit bei Grott wold nicht aufgeben. Aber wenn wir ein eigenes Heim haben, wird es sich wenigstens scheinbar lohnen weiterzumachen. Wir mssen ein eigenes Heim haben aber wir soll ten uns keine Illusionen ber die Kosten machen. Da drauen knnten wir so etwas wie Camping ma chen, wenigstens in den ersten paar Monaten. Und wie stellst du dir das vor? Wir brauchen Kchengert zum Kochen und Essen. Wir brauchen einen zweiten Tisch, damit jeder einen hat, um seine Aufgaben zu korrigieren, und fr die sonstige Collegearbeit. Und Sthle. Wir brauchen zumindest eine Matratze zum Schlafen und irgendeine Art von Kommode fr die Sachen, die man nicht aufhngen kann Na gut. Dann werde ich mir eben einen zustzlichen Job suchen. Nein, das wirst du nicht tun. Ich mute mit meiner Doktorarbeit aufhren. Aber du wirst weiterhin Aufstze fr die wissenschaftlichen Zeitschriften schreiben, so lange, bis du etwas verffentlichen kannst. Dann mchte ich doch sehen, ob dir Shorles diese D