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20.9 · PDF file Théo Charlier (1868–1944) Deuxième Solo de Concours für Trompete und Klavier (1943) Allegro ma non troppo Pause George Antheil (1900–1959) Sonate für Trompete

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    Das Beethovenfest Bonn 2019 steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet.

    Freitag, 20.9.2019, 20 Uhr Burg Namedy

    Simon Höfele Trompete Frank Dupree Klavier

    In Kooperation mit den Konzerten Burg Namedy

    Gefördert durch

    Live-Übertragung durch

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    Programm

    Vassily Brandt (1869–1923) Konzertstück Nr. 2 für Trompete und Klavier Es-Dur op. 12 (1910)

    Allegro con fuoco

    George Enescu (1881–1955) Légende für Trompete und Klavier (1906)

    Lent et grave – Vif

    Claude Debussy (1862–1918) Aus Préludes pour piano (1909–13)

    »La cathédrale engloutie«. Profondément calme »Feux d‘artifice«. Modérément animé

    Théo Charlier (1868–1944) Deuxième Solo de Concours für Trompete und Klavier (1943)

    Allegro ma non troppo

    Pause

    George Antheil (1900–1959) Sonate für Trompete und Klavier (1951)

    Allegretto Dolce – espressivo Scherzo. Vivace Allegretto

    George Gershwin (1898–1937) Three Preludes (1926)

    Nr. 2 Andante con moto Nr. 3 Agitato

    George Gershwin An American in Paris (1928), Fassung für Trompete und Klavier von Frank Dupree

    Allegretto grazioso

    Das Konzert findet im Rahmen der Kulturpartnerschaft mit dem West- deutschen Rundfunk statt und wird vom WDR und vom Deutschland- radio aufgezeichnet. Deutschlandradio überträgt das Konzert live um 20.05 Uhr auf Deutschlandradio Kultur, der WDR sendet das Konzert am Mittwoch, den 27. November 2019 um 20.05 Uhr auf WDR 3.

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    »Von Ost nach West« Eine musikalische Weltreise

    Der Zusammenklang der Trommeln und Pfeifen, Trompeten, Hoboen, Mörser und Kanonen bildete eine Harmonie, wie man sie in der Hölle nicht besser wünschen kann.« So ein Zitat von Voltaire. Noch in der Frühklassik wurden Trompeten oft nur für signalhafte (Schlachten-)Motivik eingesetzt. Kammermusikwerke für Trompete waren weitgehend Mangelware. Das änderte sich ab dem 19. Jahrhundert, besonders aufgrund der Entwicklungen im Instrumentebau wie der Erfindung der Ventile. Zahlreiche Kompo- nisten schrieben seither Werke, in denen die breite Stimmungs- palette der Trompete bis an die Grenzen ausgeschöpft wird – egal, ob es um musikalische Pastellmalerei oder rasante Achterbahn- fahrten in halsbrecherischen Tempi geht. Der preisgekrönte Trom- peter Simon Höfele entführt das Publikum an diesem Abend zu- sammen mit dem Pianisten Frank Dupree auf eine musikalische Weltreise durch verschiedene Kulturen und Genres, von Ost nach West – mit überraschenden Brückenschlägen.

    Die Exkursion beginnt mit russischer Kammermusik: Der russland- deutsche Trompetenvirtuose Vassily Brandt hatte – wie mehrere seiner Kollegen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert – den Ehr- geiz, die stilistische Bandbreite sowie die klanglichen und spiel- technischen Ausdruckmöglichkeiten seines Instrumentes zu ver- größern. 1869 in Coburg geboren, wanderte er in jungen Jahren nach Russland aus, wurde bereits mit 21 Jahren Solo-Trompeter am Bolschoi-Theater und ab 1900 Professor am Moskauer Konser- vatorium. Sein Lebensweg endete tragisch: Er starb 1923 an einer Sepsis in der wolgadeutschen Stadt Saratow. Heute gilt Vassily Brandt als Begründer der russischen Trompetenschule. Seine Etüden waren wegweisend für viele Studentengenerationen, so auch das Konzertstück op. 12 aus dem Jahr 1910: Es beginnt mit einem feurigen Allegro, zeigt im zart-melancholischen Andante des Mittel teils die Trompete von ihrer lyrischen Seite und endet mit einem temperamentvollen Marschfinale, welches die virtuo- sen Herausforderungen noch einmal steigert.

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    Der klingende Streifzug geht weiter mit einem berühmten Trom- petenwerk des rumänischen Komponisten George Enescu. Gebo- ren 1881, studierte Enescu schon in jungen Jahren in Wien und ging 1895 nach Paris – damals ein Schmelztiegel der Nationen. Dort schrieb Enescu 1906 seine Légende für den jährlichen Wett- bewerb am Pariser Konservatorium und den Trompetenprofessor Merri Franquin. Mit stilistischen und klanglichen Anspielungen erinnert das Werk bewusst an Enescus Vorbilder und Lehrer Jules Massenet sowie Gabriel Fauré, aber auch an Claude Debussy. Den- noch finden sich Spuren von Folklore seiner rumänischen Heimat, die der Kosmopolit nie verleugnete. Seine Meisterschaft zeigt Ene- scu in der Verbindung von lyrischer Ausdruckskraft mit einer über- bordenden Virtuosität: Das betörende Werk besticht durch seine bezaubernde Melodie, schwelgt in Chromatik und nutzt den vol- len Umfang der Trompete von der tiefen Lage bis in strahlende Höhen.

    Für Claude Debussy stand fest: »Man muss die Lehre in der Freiheit suchen und auf die Ratschläge Niemandes hören, als auf die des Windes, der uns die Geschichte dieser Welt erzählt.« Als ein pianis- tischer Meilenstein gilt seine zweiteilige Sammlung der Préludes, entstanden zwischen 1909 und 1912. Darin enthalten sind zahl- reiche außermusikalische Anregungen. Das populäre Stück »La Cathédrale engloutie« entführt in die Welt der Sagen: Es beschwört die keltische Geschichte von der versunkenen Kathedrale von Ys herauf – über die es heißt, dass sie unter der Meeresoberfläche ruhe und Glockengeläut, Orgelmusik und Mönchsgesang erklingen lasse. Und so entfaltet Debussys Werk auf tiefen Glocken schlägen langsam eine choralartige Melodie, die sich dynamisch steigert, um dann wieder im glockengetränkten Klangmeer zu versinken. »Feux d‘artifice«, das letzte Stück der Sammlung, wird seinem Namen gerecht und entfaltet ein pianistisches Feuerwerk.

    Im Anschluss dann ein Abstecher in Frankreichs Nachbarland: Der belgische Trompetenvirtuose Théo Charlier war bereits in jungen Jahren vielfacher Preisträger, unterrichtete ab 1901 mehr als vier Jahrzehnte am Konservatorium in Liège, arbeitete über all die Jahre außerdem mit Instrumentenbauern an der Weiterentwick- lung der Trompete, was sich auch in seinen Komponisitionen niederschlug. Sein Deuxième solo de concours entstand 1943 für einen Wettbewerb in Brüssel, ein Jahr vor seinem Tod. Sein musi-

    kalisches Vermächtnis ist ein spätromantisches Paradestück der Trompetenliteratur und besteht aus drei Sätzen. Direkt zu Beginn erfordert es ein hohes Maß an Flexibilität und Treffsicherheit des Solisten. Melodische Schönheiten weist der kantable Mittelteil auf, und das finale Allegro erinnert mit seinem ungewöhnlichen 5/4-Metrum an russische Folklore.

    Zurück nach Paris, das damals zahlreiche Komponisten anzog, auch den Amerikaner George Antheil. Dieser wurde 1900 in New Jersey als Sohn deutscher Einwanderer geboren, der dort behei- matete Jazz hat ihn lebenslang beeinflusst. Seine Biographie be titelte er später selbstironisch mit Bad Boy of Music – hatte er doch einen Hang zur Selbstinszenierung und eine extravagante Art zu komponieren. Als er 1923 nach Paris ging, sorgte er mit skandalträchtigen Werken wie dem Ballet Mécanique für Furore. 1936 kehrte er nach Amerika zurück, seine Tonsprache wurde deutlich gemäßigter: Mit der Trompetensonate schrieb er 1951 ein eingängiges Stück – sehr melodisch und mit Folk-Motiven aus Süd- amerika. Ein graziles Allegretto eröffnet die Klangvielfalt der Sonate. Das volksliedhafte Thema des ausdrucksstarken zweiten Satzes wird harmonisch vielfach umgedeutet. Es folgt ein Scherzo in Rondo-Form. Der vierte Satz greift die Motive des Allegretto wieder auf, sorgt mit schnellen Taktwechseln für Unruhe und schließt mit tänzerischen Rhythmen.

    Die Weltreise endet an diesem Abend mit Klängen aus dem »Land der unbegrenzten Möglichkeiten«. Für den Dirigenten Toscanini galten Anfang des 20. Jahrhunderts die Werke von George Gersh- win als »the only real American music«. Dieser wurde 1898 als Sohn russisch-jüdischer Immigranten in New York geboren. Durch die Einbindung des Jazz in die populäre und die symphonische Musik gelang ihm ein unverkennbar eigener Tonfall. Doch obwohl George Gershwin ein herausragender Pianist war, hat er erstaun- lich wenige Original-Kompositionen für Klavier solo geschrieben – darunter 1926 drei Preludes: Dem ruhigen Werk Nr. 2 gab er den Untertitel »Blue Lullaby« – ein deutlich vom Blues inspiriertes Stück. Mit dem Prelude Nr. 3 komponierte er ein pianistisch her- ausforderndes und äußerst lebhaftes Werk mit schroffen Rhyth- men und markanten Synkopen.

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    Neben Jazz und Folkore interessierte sich Gershwin auch für die europäische Musik. 1928 besuchte er Paris – und erlag dort der Magie der französischen Musikmetropole: Über die verwirrend- inspirierenden Eindrücke seines Aufenthalts schrieb er noch im gleichen Jahr eine sehr persönliche Tondichtung. An American in Paris ist ein musikalisches Souvenir, das nicht nur die Stimmung der Großstadt spiegelt, sondern auch die Gefühle des Komponis- ten. Es beginnt mit einem Ragtime, Skizze der Rush Hour auf der Avenue des Champs-Élysées, mit Motordröhnen und quäken- den Hupen, gefolgt von einer beschwingten Tanzmelodie. Der Mittelteil erzählt von Gershwins Heimweh nach New York: Die Trompete glänzt mit einer melancholischen Blues-Melodie, die dann von einem ausgelassenen Charleston abgelöst wird. Klang- gewaltig und mit zahlreichen Tempowechseln wirbelt das Werk seinem Ende entgegen – über das es im Programm der Urauffüh- rung mit ironischem Understatement hieß: »Paris isn’t such a bad p