22 Tunnelblick – woran Recherchen scheitern können

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Der 22. Band der Reihe nr-Werkstatt dokumentiert die Ergebnisse der Fachkonferenz Tunnelblick woran Recherchen scheitern knnen, die das netzwerk recherche in Kooperation mit dem WDR und der WAZ-Mediengruppe am 11. und 12. November 2011 in Kln ausrichtete. Kolleginnen und Kollegen berichten darin ber ihr Scheitern und ihre Fehler. Nicht aber um sie kleinzureden oder einfach zu entschuldigen, sondern die Grnde fr ihr Scheitern zu finden.

Transcript

  • nr-Werkstatt 22

    TunnelblickWoran Recherchen scheitern knnen

  • Protokolle exzellenter Recherchen

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    aktuelle Probleme des Journalismus

    internationale Trends im Fokus

    fundierte Berufsethik-Analysen

    Wissen, was hinter den Kulissen geschieht

    Die globale Nachrichtenkluft

    Journalistenpreise: Qualittsverstrker oder PR-Instrumente? Warum Journalisten mit Migrationshintergrund kaum zu Wort kommen

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    2Internationale Zeitschrift

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    1-2012

    Die globale NachrichtenkluftInformationsrevolution im Sden, berdruss im Norden

    Journalistenpreise: Qualittsverstrker oder PR-Instrumente? S. 30Warum Journalisten mit Migrationshintergrund kaum zu Wort kommen S. 82

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    012

    Internationale Zeitschrift fr Journalismus

    14,00 www.message-online.com

    2-2012

    Rckfall in alte ZeitenEuro-Krise: Gefhrliche Spiele mit dem Nationalismus

    Hrfunk: Warum es ein Zukunftsmedium ist S. 38Den Haag: Die ignorierten Gerichtshfe S. 76

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  • nr-Werkstatt 22

    TunnelblickWoran Recherchen scheitern knnen

    Wir danken unseren Kooperationspartnern

  • 4 nr-Werkstat t 22: tunnelblick

    Inhalt

    7 VorwortVon Gert Monheim

    9 Nichts ist so lehrreich wie der MisserfolgVon Hans Leyendecker

    13 Was das netzwerk tut, ist wichtig fr den JournalismusVon Jrg Schnenborn

    18 Aus Fehlern lernen Ein Impuls von auen

    Von Prof. Dr. Peter Sawicki

    29 Der kollektive IrrtumWie Sebnitz zum Recherche-Gau wurde

    Dokumentiert von Sebastian Koch

    39 Wer immer Erfolg hat, schummeltWie es nach dem Scheitern weitergehen kann

    Dokumentiert von Lena Brochhagen

    44 (Fehler)Quellen Vom Umgang mit Expertenwissen

    Dokumentiert von Philipp Anft

    52 Geflschte Hitler-TagebcherWie der Stern des Stern sank

    Dokumentiert von Tobias Habig

  • 5

    68 Ganz nah dran!?Von den Zwngen der Lokaljournalisten

    Dokumentiert von Annabell Neuhoff

    75 StrfeuerWie juristischer Druck Recherchen behindert

    Dokumentiert von Birthe Snnichsen

    83 Lost in spaceWie Internet-Fakes tuschen und wie man sie enttarnt

    Dokumentiert von Friedel Groth

    94 Richter, Rotlicht, Rechercheure Wer versinkt im Sachsensumpf?

    Dokumentiert von Jule Krber

    113 BilanzenIm Dickicht der Zahlen

    Dokumentiert von Anne Wohland

    130 Der Todesschuss von Bad KleinenDas Trauma des Hans Leyendecker

    Dokumentiert von Kamilla Pfeffer

    137 Bertelsmannrepublik DeutschlandWas Medien-Macht mit Journalisten macht

    Dokumentiert von Carolina Zimmermann

  • 6 nr-Werkstat t 22: tunnelblick

    151 Volles RisikoRecherchen in radikalen Szenen

    Dokumentiert von Katrin Antonia Rssler

    158 HemmschwellenDrfen wir ber alles berichten?

    Dokumentiert von Matti Hesse

    168 Medienhype um die KindersoldatinDer Streit um die Wahrheit

    Dokumentiert von Shanli Anwar Haghighi

    182 Dicke Bretter bohrenStolpersteine bei investigativen Recherchen

    Dokumentiert von Simon Ptzstck

    196 Gesucht wird Mengele und wie Felix Kuballa ihn nicht fand

    Dokumentiert von Christian Wesener

    206 Von Manipulation und EinschchterungDie Hrden eines Auslandsreporters

    Dokumentiert von Anna-Katharina Stracke

    212 Eine ganz und gar nicht gescheiterte Tagung!Von Prof. Holger Wormer

    226 Impressum

  • 7Vorwort

    Vorwort

    Von Gert Monheim

    Journalisten machen Fehler. Journalisten stoen bei ihren Er-kundungen an Grenzen an tatschliche und an die eigenen. Journalisten scheitern mit ihren Recherchen. Nur reden sie in der Regel nicht gerne darber. Das sollte bei unserer Konferenz Tunnelblick woran Recherchen scheitern knnen am 11. und 12. November 2011 beim Westdeutschen Rundfunk in Kln an-ders sein. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen erzhlten von ih-rem Scheitern, ihren Fehlern. Versuchten diese nicht einfach zu entschuldigen oder wegzudiskutieren, sondern die Grnde fr ihr Scheitern zu finden, die Grenzen zu beschreiben, an die sie gestoen waren. Der WDR-Chefredakteur Jrg Schnenborn be-frchtete in seiner Begrung eine Art von Selbstgeielung. Soweit ist es Gott sei Dank nicht gekommen. Aber beeindru-ckend war, wie offen viele Kolleginnen und Kollegen mit ihren Fehlern und ihrem Scheitern umgingen. Hans Leyendecker hat es auf den Punkt gebracht: In meinem journalistischen Leben war nichts so lehrreich wie der Misserfolg. Wenigen Erfahrun-gen verdanke ich so viel Neues wie meinen Katastrophen, und er belegte dies mit dem Bekenntnis zu ganz konkretem eigenen Scheitern. Wenn einer der Groen unserer Zunft so ehrlich, so selbstkritisch mit sich umgeht, dann ist ein Klima geschaffen, in dem auch andere offen und ehrlich ber Unangenehmes reden. Denn im Vordergrund stand nicht die in Journalistenkreisen so weit verbreitete Hme, sondern das gemeinsame Ringen dar-um, wie man mit Fehlern umgehen, wie man sie mglicherweise zuknftig verhindern kann.

    Die Fachkonferenz beschftigte sich zum einen mit den gro-en Fllen. Wie zum Beispiel Sebnitz zum Recherche-Gau fr den deutschen Journalismus wurde oder wie es zum Skandal um die Hitlertagebcher kam, darber diskutierten Beteiligte und Betroffene auf dem Podium. Zugleich wurden aber auch Workshops angeboten, in denen Kolleginnen und Kollegen ber ihre Schwierigkeiten bei Recherchen im lokalen und regionalen Journalismus berichteten oder ber ihre speziellen Probleme bei Wirtschafts-, Wissenschafts- oder Auslandsrecherchen dis-

  • 8 nr-Werkstat t 22: tunnelblick

    kutierten. Schlielich wurden zu einigen besonders aufsehen-erregenden Fllen was die Medien-Macht von Bertelsmann mit Journalisten macht oder wie juristischer Druck Recherchen be- oder sogar verhindert einzelne Journalisten interviewt und von den Teilnehmern befragt.

    Verschwiegen sei nicht, dass es in einzelnen Fllen wochenlan-ger berzeugungsarbeit bedurft hatte, um gestandene Journa-listen von einem Vortrag ber eigenes Scheitern zu berzeugen. Verschwiegen sei auch nicht, dass dies bei einigen Kollegen nicht gelungen ist. Der Satz das ist aber eine tolle Tagung, da nehme ich gerne teil, aber nicht als Referent umschreibt noch die ehrlichste Antwort. Meistens wurden Termine so mein Ein-druck vorgeschoben. Denn wer wei bei einer Tageszeitung schon fnf Monate vorher, dass er gerade an diesem Wochen-ende fr eine wichtige Recherche unterwegs sein wird? Bei ei-ner berregionalen Qualittszeitung gab es gleich vier Absagen dieser Art, obwohl oder gerade weil? sie an einigen der ganz groen Recherche-Gaus der jngeren Zeit fhrend beteiligt war. Im Widerspruch zu ihrem eigenen Qualittsanspruch war die Zeitung schlielich berhaupt nicht auf der Tagung vertreten.

    Bei einer anschlieend durchgefhrten Befragung bezeichne-ten 89 Prozent der Teilnehmer ihren Gesamteindruck von der Fachkonferenz als gut oder sehr gut. Den Tagungsort und die Gesamtorganisation fanden sogar 96 Prozent gut oder sehr gut. Unser Dank gilt deshalb insbesondere der Intendantin des WDR, Monika Piel, die fr die Fachkonferenz die gesamte Infra-struktur also Rume, Technik und Personal sowie das Catering zur Verfgung stellte. Darber hinaus bedanken wir uns bei der WAZ-Mediengruppe, die diese Tagung ebenfalls untersttzt hat. Und natrlich mssen an dieser Stelle nochmals alle Refe-renten lobend erwhnt werden, die sich bereitgefunden haben, ihre beruflichen Schlappen offenzulegen brigens ohne jedes Honorar fr ihre Mitwirkung, wie bei den Tagungen von netz-werk recherche blich.

    Als besonderen Erfolg empfinden wir es, dass auch bei dieser Fachkonferenz wieder mehrheitlich jngere Journalisten betei-ligt waren das ist inzwischen schon ein Markenzeichen der nr-Tagungen. Die Berichte fr diese Broschre haben im Wesent-lichen Volontre des WDR und der WAZ geschrieben. Auch bei ihnen mchten wir uns fr die engagierte Mitarbeit bedanken.

  • 9Nichts ist so lehrreich wie der Misserfolg

    Nichts ist so lehrreich wie der Misserfolg

    Von Hans Leyendecker

    Ein Tunnel ist ein unter der Erde angelegter, durch einen Berg fhrender Verkehrsweg. Das Wort wurde, so verraten uns seri-se Wrterbcher, im 19. Jahrhundert aus dem englischen Wort tunnel (also unterirdischer Gang, Stollen, Tunnel) entlehnt. Was seinerseits aus dem franzsischen stammt dort meint der einschlgige Begriff Fass, Tonnengewlbe. Ein Tunnelblick ist also manchmal der Blick aus dem Fass, der Blick aus dem Stollen.

    Tunnelblick Woran Recher-chen scheitern knnen ist der Titel dieser Fachkonferenz. Wir werden darber reden vielleicht auch streiten ob Re-cherchen scheiterten, weil jemand nicht nach rechts oder links schaute oder weil er am Ende in einem dunklen Tun-nel gelandet ist und keine Ahnung hatte, wo er sich befand. Beachten sollten wir auch, dass der Tunnelblick ein Synonym fr absolute Konzentration sein kann: ber Boris Becker schrie-ben frher die Sportreporter gern: Mit Tunnelblick ins Wohn-zimmer und meinte damit, dass der Tennisstar in Wimbledon spielte.

    Kein Scheitern nirgendwo.

    Fr die spezielle Variante des Tunnelblicks mit der wir uns auf dieser Tagung beschftigen wollen gibt es ein Synonym: den neumodischen