32. Tagung in Göttingen vom 20. bis 22. März 1978

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    02-Oct-2016

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  • GesellschaP f i r Ernahrungsphysiologi~ der Haustiere - Tagungsbericht

    32. Tagung in Gottingen vom 20. bis 22. M a n 1978

    W. WOHLBIER, Stuttgart-Hohenheim

    25 Jahre Gesellschaft fur Ernahrungsphysiologie der Haustiere

    Der Griinder unserer Gesellschaft ist der Tierziichter Prof. Dr. Dr. h. c. WILHELM ZORN, welcher den Ausbau der Tierernahrungslehre fur so wichtig hielt, dafl er in der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) neben der Tierzuchtabteilung eine gleichwertige Futter- und Grunlandabteilung bereits eingerichtet hatte und nun ein Expertengremium von Tierernahrungswissenschaftlern fur notwendig hielt. Aufgabe desselben sollte es sein, wissenschaftlich begriindete Stellungnahmen zu Problemen der Tierernahrung zu erarbeiten, Anfragen von Regierung, DLG, Futtermittel- industrie usw. zu beantworten, so dafl eine moglichst einheitliche Unterrichtung der Praxis erfolgen konnte, ohne dai3 diese mit dem in der wissenschaftlichen Forschung nun einmal nicht vermeidbaren H i n und H e r der Ansichten verunsichert wurde.

    Die Griindung der ,,Arbeitsgemeinschaft der Tierernahrungswissenschaftler" fand in Frankfurt im Haus der DLG am 11. Marz 1953 statt, deren provisorischen Vorsitz zunachst Prof. ZORN iibernahm, im Herbst des gleichen Jahres aber an Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. WALTER LENKEIT abgab.

    E r entkraftete durch seine Autoritat und seine iiberlegene Verhandlungstaktik die Proteste verschiedener Organisationen, welche sich durch diese Neugrundung in ihrem Wirkungsbereich beeintrachtigt fiihlten. Der Arbeitsgemeinschaft gehorten 15 Per- sonen an, praktisch alles Institutsleiter aus Ost- und Westdeutschland. Aus dieser hat sich nach und nach unsere heutige Gesellschafl ,entwickelt. Bereits nach zwei Jahren wurden Privatdozenten hinzugewahlt und spater wissenschaftliche Mitarbeiter der offentlichen Tierernahrungsinstitute, so dai3 heute die stattliche Zahl von 88 Mit- gliedern erreicht ist.

    Die finanzielle Grundlage fur die Gesellschaft hat ebenfalls Prof. ZORN geschaffen, und zwar dadurch, dai3 er die DLG zur Zahlung eines jahrlichen Beitrages und zur Bereitstellung eines ehrenamtlichen Geschaftsfuhrers mit entsprechendem Biiroplatz bewog. Dies ist jetzt auch noch nach 2 5 Jahren so, wofiir die Gesellschaft der DLG sehr dankbar ist.

    Die fachliche Arbeit der Gesellschaft erfolgt in einer Reihe von Arbeitsausschiissen, von denen anfangs eine groflere Zahl bestand. Es sind zahlreiche Stellungnahmen erarbeitet worden, welche sich recht positiv in der breiten Landwirtschaft ausgewirkt haben. So ist gerade jetzt eine sehr wichtige Arbeit zum Abschlufl gelangt, namlich die ,,Enipfehlungen zur Mineralstofiversorgung". Die Arbeitskreise werden n a h Erledigung ihrer Aufgaben wieder aufgelost. Eine besondere Form eines Arbeits- ausschusses stellte das Vorstandskollegium dar, welches praktisch die Fortsetzung des Expertengremiums war, wie es bei der Griindung bestanden hat. Auch das Vorstands- kollegium hat in den ersten Jahren gute Arbeit geleistet. Spater glaubte man, ohne es auskommen zu konnen und es wird jetzt aufgelost. Heute besteht ein besonderer Ausschufl fur Bedarfsnormen.

    2. Tierphyriol., Tierernahrg. u. Furrermitrelkde. 40 (1978). 109-134 @ 1978 Verlag Paul Parey, Hamburg u n d Berlin ISSN 0044-3565 / ASTM-Coden: ZTTFAA

  • 110 Gesellschaft f u r Ernahrungsphysiologie der Haustiere

    Die Gesellschaft hat daruber hinaus auch offentliche Veranstaltungen in Form von Tagungen durchgefuhrt, von denen wir heute die 32. beginnen. Zweck dieser Tagun- gen ist, einmal zu zeigen, welche Probleme heute die Tierernahrungswissenschafi bewegen und was an neuen Erkenntnissen gewonnen wurde. Dariiber hinaus geben sie dem Nachwuchs die Moglichkeit zu zeigen, dafl der kommenden Generation das Engagement und die Freude am Forschen genau so eigen ist wie den fruheren.

    So ist unsere Gesellschaft noch voller Leben und ich mochte ihr zurn Schlufl zurufen, in Anlehnung an ein altes Studentenlied: ,,Sei jung und bliihend einmal nur, und das durchs ganze Leben."

    Vorsitz: H. HORNICKE - Stuttgart-Hohenheim

    1. U. J. E. EICENMANN und H. HORBER - Zurich

    EinfluB unterschiedlicher Eisenversorgung und Korperaktivitzt auf den Myoglobingehalt der Skelettmuskulatur

    Bei 60 24tagigen Ratten wurde der Einflufl unterschiedlicher Eisenversorgung (6,5 bzw. 250 mg Eisen/kg Futter) und Korperaktivitat (ohne bzw. mit Lauftraining) auf den Myoglobingehalt der Skelettmuskulatur nach einer Versuchsdauer von sechs bzw. zwolf Wochen gepriifl. Das Myoglobin wurde mittels Gelfiltration bestimmt.

    Obwohl die Tiere der Eisenmangelgruppen das Bild einer klassischen Eisenmangel- anamie entwickelten, wurde die Korpergewichtsentwicklung nicht beeinfluflt. Die Futterverwertung war bei den Eisenmangelgruppen nur tendenzmaflig schlechter.

    Nach einer Versuchsdauer von sechs Wochen hatte sich der Myoglobingehalt des M. gastrocnemius gegenuber dem Ausgangswert (0,lO mg/g Frischmuskel) etwa ver- dreifacht. Der Eisengehalt der Nahrung und die Korperaktivitat hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinen Einflufl auf den Myoglobingehalt.

    Nach 12 Wochen wiesen die Ratten, die 6,5 mg Eisen/kg Futter erhalten hatten, noch den gleichen Myoglobingehalt von 0,3 mg/g Frischmuskel wie nach sechs Wochen auf, wahrenddem die Ratten, die 250 mg Eisen/kg Futter erhalten hatten, einen uni 60 O / o hoheren Gehalt aufwiesen. Unterschiedliche Korperaktivitat blieb auch nach 12 Wochen ohne Einflufl auf den Myoglobingehalt.

    2. LISE NEERCAARD - Copenhagen

    Water distribution observed in calves f rom t w o to seven weeks old

    T h e endocrine regulation of the newly born calf is low in comparison to older animals, so that stressing conditions may result in various degrees of dehydration. Therefore, in order to restore the animals after transportation, when 1-3 days old calves were taken to the laboratory for energy metabolism studies, they all received 3-6 feedings of at least 2 litres each time of a solution consisting of 5 g NaCI, 2.5 g N a H C 0 3 and 50 g glucose per litre water a t 38O C.

    In a preliminary experiment, this treatment was tested by using tritiated water, the method as described by FAYET ([1971] Br. vet. J., 127, 37). H e demonstrated the significant differences in the proportions of extracellular and intracellular water space, expressed as percentage of body weight, between diarrhoic and healthy calves.

    Both total body water and the distribution was found satisfactory in the two Jersey calves used, when treated in a diarrhoic state. After the animals had recovered

  • Tagungsbericht 111

    and were fed whole milk, the repeated assay gave a similar result. As a displacement between the two water compartments is known to occur without signs of clinical diarrhoe, it was considered of interest to obtain some information about the influence of milkreplacers on the water distribution a t different stages of growth.

    Three groups of calves were given the following milkreplacers respectively: A. consisted of 30 O / o soya protein, D A N P R O (67 O / o protein), 33.8 O / o whey powder, 12.5 O / o lactalbumin (26 O / o protein), 18.6 O / o lard plus minerals, starch, vitamins and emulgator and stabilizers. B. of 80 O / o milkreplacer A and 20 O / o skimmilk powder, and C. 800/0 of A and 200/0 of whole milk powder. Tritiated water space was measured 3 times in 2 animals on each diet. Results from the determinations will be presented at the meeting.

    3. J. PALLAUF und H. BRUNE - Giefien

    Stoffwechselergebnisse von KIlbern bei Kalttrznke

    An mannlichen Rotbuntkalbern wurde die Verwertung von Kalttranke unter Zusatz von Ameisen- bzw. Fumarsaure als Konservierungsmittel geprufi. 4 X 6 Kalber wurden im Alter von 8-10 Tagen bei einer mittleren Lebendmasse (LM) von 41 kg in den Kalber-Aufzuchtversuch eingesetzt und bis zu einer mittleren LM von 110 kg aufgezogen. Bei. einer mittleren LM von 51 kg wurde eine 15tagige Stoffwechsel- periode mit folgenden vier Rationen eingeschaltet: Gruppe A: Konventioneller Milchaustauscher (MAT) fur Aufzucht (23,4 O / o RP,

    Gruppe B: Kalttranke-MAT + 0,3 O/o Ameisensaure zur Tranke, Gruppe C: Kalctranke-MAT mit 3 O/O Furnarsaure im Futter, Gruppe D: Kalttranke-MAT mit 2 O / o Fumarsaure + 2 O / o Mg-Fumarat im Futter. Der Nahrstoffgehalt des Kalttranke-MAT (Gruppe B-D) betrug 21,3 k 0,19 O / o R P , 11,9 t- 0,22 O / o Rohfett und 18,3 t- 0,17 kJ Bruttoenergie je g.

    Die Trankekonzentration wurde isonitrogen angeruhrt (90,6 g/l bei Gruppe A und 100 g/l bei C-D). Die Tiere erhielten taglich 7 1 Tranke in sechs Gaben zwischen 8.00 und 21.00 Uhr, urn Verdauungsstorungen vorzubeugen. Wasser stand ad libitum zur Verfugung. Die Tranke wurde von allen Tieren vollstandig aufge- nommen. Die mittleren Tageszunahmen in der Iotagigen Sammelperiode lagen ein- heitlich bei 220 g je Tier. Die wichtigsten Stoffwechselergebnisse sind in nachfolgender Tabelle zusammengestellt.

    10,4 O / o Rohfett, 18,3 kJ Bruttoenergie je g),

    N-Bilanz -1 In @ l o der Org I Rohprotein 1 Rohfett ~ N f E Aufnahme

    scheinbare Verdaulichkeit in 010 I G r w e 1 Substanz

    A 94,7 a 88,7 a 92,O a

    B 89,6 b 76,s b 84,2 b

    C 90,5 b 79,4 b 86,4 b

    D 90,7 b 80,O b 89,O a

    f 1,l f 3 , l f 2,2

    f 2,o f 5,8 f 3,5

    f 1,4 f 3,9 k 2,8

    2 2,4 f 6,2 f 2,8 b = Wert gegenuber a signifikant reduziert.

    98,O a k 0,5 96,6 a f 0,9 96,5 a

    95,8 a ? 0,9

    f l,o

    48,5 a

    45,s a

    45,2 a f 5,6 44,2 a f 6,3

    k 8,2

    f 3,9

  • 112 Gesellschaft f u r Ern~hrungsphys io log ie der Hamt ie re

    Zwischen Ameisensaure- und Fumarsauregruppen bestehen bei den aufgefuhrten Kriterien keine grundlegenden Differenzen. Der konventionelle M A T zeigt uber- wiegend eine hohere scheinbare Verdaulichkeit. In der prozentualen N-Retention liegt er jedoch nur in der Tendenz besser.

    4. G. BREVES und J. HARMEYER - Hannover

    Plasmaglucocorticoidspiegel bei Kiihen wahrend der Entwicklung von Ketose

    1 n einem Futterungsexperiment, bei dem im Institut fur Tierzucht und Tierverhalten, FAL Mariensee, der Einflufl der Futterung in der Trockenperiode auf puerperale Stoff wechsel- und Fruchtbarkeitsstorungen untersucht wurde, wurde bei 20 Kiihen der Plasmaglucocorticoidspiegel um die Geburt gemessen. Elf Tiere (Gruppe I) wur- den in den letzten zehn Trachtigkeitswochen nahrstoff reich - entsprechend eincr Leistung von 16 kg FCM, neun Tiere (Gruppe 11) nahrstoffarm - entsprechend einer Leistung von 2 kg FCM gefuttert. Nach der Geburt erhielten alle Tiere eine leistungsgerechte Futterung. In der Gruppe I erkrankten in den ersten funf Lakta- tionswochen vier Tiere klinisch a n Ketose, in Gruppe I1 zwei Tiere.

    Zur Bestimmung der Glucocorticoide wurde eine kompetitive Proteinbindungs- reaktion mit getrenntem Nachweis von Cortisol und Corticosteron nach saulen- chromatographischer Trennung der im Dichlormethanextrakt enthaltenen Gesamt- corticoide an Sephadex LH-20 entwickelt. Storendes Progesteron wurde mit Petrol- ather aus dem Plasma extrahiert. Als Bindungsprotein wurde verdunntes Stuten- plasma (1:lOo) verwandt.

    Zunachst wurde die Methode auf ihre Zuverlassigkeit und Reproduzierbarkeit untersucht. Die prozentuale Wiederfindung betrug fur Cortisol 75 und fur Corti- costeron 50 O / O . Die untere Nachweisbarkeitsgrenze lag fur Cortisol und Corticostcron entsprechend bei 0,5 und 1,0 ng/ml Plasma.

    Die durchschnittliche Untersuchungszeit betrug neun Wochen und reichte von der vorletzten Trachtigkeits- bis zur siebten Laktationswoche. Corticosteron war in den untersuchten Proben nicht nachweisbar.

    Der Cortisolspiegel wies bei allen Tieren ausgepragte und ungeordnete zeitliche Schwankungen auf. Der zeitliche Verlauf war vor dem Auftreten der klinischen Ketose von dem gesunder Tiere nicht verschieden. Es ergab sich jedoch eine gesicherte positive Korrelation zwischen der Blutglukosekonzentration und dem Gehalt an Glucocorticoiden (r = 0,177; p < 0,05) sowie eine signifikante negative Beziehung zwischen den Ketonkorpern und den Plasmaglucocorticoiden (r = -0,31; p < 0,Ol).

    Nach diesen Untersuchungen erweisen sich die Plasmacorticoide auf Grund ihrer starken Schwankungen als ein wenig geeignetes Merkmal zur Fruherkennung der Ketose. Die negative Korrelation zwischen Ketonkorpern und Corticoiden weist jedoch auf einen Zusammenhang zwischen Nebennierenrindenfunktion und Ketose- entstehung hin.

    Vorsitz: H. MEYER - Hannover

    5. A. DESWYSEN, H. J. EHRLEIN (Hohenheim) und M. VANBELLE - Louvain/Belgien

    EinfluB der Hacksellange auf die Regulation der Silageaufnahme beim Wiederkiiuer

    Die Aufnahmebereitschafl fur Silage ist ein wichtiger Faktor in der Ernahrung fur Wiederkauer. Hackseln des Grunfutters bewirkt eine bessere Konservierung als

  • Tagungsbericht 113

    Silage und erhoht gleichzeitig die Aufnahme durch Wiederkauer (DULPHY et al. 1975; DESWYSEN und VANBELLE 1976). In fruheren Untersuchungen konnte gezeigt wcrden, daR die Verdaulichkeit langer Grassilage, die vor der Verfutterung kurz gehackselt wurde, unverandert blieb, obwohl deren Aufnahme erhoht war. Die erhohte Auf- nahme wurde durch die groRere Geschwindigkeit der Pansenverdauung und -zerklei- nerung erklart.

    An zwei fistulierten Schafen untersuchten wir die cellolytische Aktivitat (mikro- bielle Zerkleinerung) im Pansen. Dabei zeigte sich zwischen langer und lang/kurz verfutterter Grassilage kein wesentlicher Unterschied. I n der mechanischen Zerklei- nerung ergaben sich dagegen deutliche Unterschiede. Die Zerkleinerung lang gehack- seltcr Grassilage war wahrend des Fressens vie1 intensiver als die von kurz gehack- seltein Futter. Die PansenpartikelgroRe blieb bei lang verfutterter Grassilage wahrend des ganzen Tages jedoch grofler, wodurch sich ihre Verweildauer im Pansen erhohte.

    Beim Registrieren der Kau- und Wiederkauaktivitat von Schafen (2 ,,cross-over design") und Rindern (1 ,,rowover design"), die lang oder lang/kurz gehackselte Grassilage bekamen, konnten wir feststellen, daR: 1. die Aufnahmegeschwindigkeit niedriger war (hohere Kauaktivitat pro g T.S.), 2. die Zeit zwischen Hauptmahlzeit und erster Wiederkauaktivitat groRcr war, 3. die Anzahl kurzerer Wiederkauboli vie1 groRer war (Pseudorumination). Schafe und Rinder verlieren ihre Zeit mit langer Grassilage, da sie nicht schnell und nicht gut genug wiederkauen konnen, so daR die unverdauten Partikel langcr im Pansen bleiben.

    Eine genaue Beobachtung der verschiedenen Wiederkauaktivitaten (normale Rumination, Pseudorumination) von Schafen, die lange Grassilage fraRen, konnten wir mit Hilfe der Rontgenuntersuchungen durchfuhren (bei Prof. Dr. H.- J. EHRLEIN, Universitat Hohenheim).

    Mit langer Grassilage ist die Aufnahmegeschwindigkeit kleiner. Die Partikel sind aber trotzdem noch zu lang, wenn sie in dem Pansen ankommen, so daR die Wieder- kauaktivitat spater anfangt und weniger effizient ist. Die unverdaulichen Partikel bleiben eine Iangere Zeit im Pansen und im ganzen Traktus (gemessen) und beein- flussen dadurch die Aufnahme von lang gehackselten Grassilagen negativ.

    Dies...

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