6. Internationales Symposium für Soziologie des Sports vom 20. bis 24. August 1979 in Warschau — Jablonna

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    25-Aug-2016

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    sichtigt. So zeigt z. B. der originelle Beitragvon DIGEL, wie man den Praxis-Theorie-Bezug in Form von Unterriditseinheitenplanen kann, wenngleich fr die Hand desSchlers die Arbeitsmaterialien aus diesenUnterrichtseinheiten noch herausgezogenund auch wohl noch etwas aufbereitetwerden mssen. Und die beiden Beitrgevon FPEY drften beispielhaft darlegen,wie solche Schlermaterialien strukturiertsein knnen, wenngleich die Planung vonUnterrichtseinheiten zu diesen Themennoch erfolgen mu. Das Gemeinsame allerUnterrichtsmaterialien sind die Orientie-rung der Sporttheorie am Sporttreiben derSchler und die Absicht, dieses Sporttreibenkognitiv zu fundieren. Auf jeden Fall darfman auf die praktischen Unterriditserfah-rungen mit diesem didaktischen Ansatzund die diesem Ansatz folgenden Unter

    -richtsmaterialien gespannt sein, vor allemdarauf, welche Vor- und Nachteile auf dieeinzelnen Strukturierungsmerkmale derMaterialien zurckzufhren sind. In dernoch ausstehenden erweiterten Drucklegung

    des sportart-spezifischen Bandes sollte aberwenigstens das erweiterte Verstndnis derLeichtathletik und des Gertturnens nochbeispielhaft bercksichtigt werden, um diesozial-regulativ-normative Handlungsdi-mension des Rahmenkonzepts aufzuneh-men. Denn es ist nicht einleuchtend, dader Schler im Zusammenhang mit sporart-bergreifenden Fragestellungen eine ver-nderte Sportpraxis am Beispiel des Bas-ketballspiels und Handballspiels erfhrt,da ihm aber solche variierten Bewegungs-formen in anderen Sportarten vorenthaltenbleiben und sie kein Thema sportart-spezi-fischer Theorie sein sollen. Bliebe zumSchlu noch der Preis. Er erscheint mir zuhoch - nicht fr das, was das Buch quali-tativ bietet, sondern fr seinen Einsatz alsUnterrichtsmaterial. Aber vielleicht gelingtes, die geplanten zwei Bnde demnchstfr etwa den gleichen Preis zu erstehen.Denn es wre schade, wenn ein zu hoherPreis den Einsatz dieser Unterrichtsmateri-alien behindern wrde.

    R. NAUL

    BERICHTE

    6. Internationales Symposium fr Sozio-logie des Sports vom 20. bis 24. August1979 in Warschau - Jablonna.

    Das 6. Internationale Symposium fr So-ziologie des Sports stand unter dem ThemaSport und Kultur ". Nach den program-matischen Einleitungen von LSCHEN (Ur-bana, Ill.) und KxnwczYK (Warschau)wurde das Thema in sechs Diskussions-strngen entfaltet:

    - Sport als Element der Kultur,- Verbindungslinien zwischen Sport und

    Kunst,- Sport als Form der Partizipation an der

    Kultur,- Kulturelle Werte des Leistungssports in

    der ffentlichen Meinung,- Sport und Lebensstil,- Prognose der Entwicklung des Sports im

    Wandel der Kultur.LUSCHEN widmete sich der Entwicklungund dem derzeitigen Stand der Sportsozio-logie, indem er eine Bestandsaufnahmesmtlicher bis Ende 1978 geschriebenerArtikel und Bcher auf diesem Gebiet vor-

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    legte. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte er711 Bcher und 2458 Artikel registrieren,wobei von den Artikeln bis 1945 nur 93verfat worden sind, mehr als die Hlftejedoch nach 1970. Es ist also davon aus-zugehen, da sich eine Scientific Com-munity" von Sportsoziologen etablierthat, zu der unter dem Kriterium von min-destens fnf Artikeln international ca. 100Personen zu zhlen sind. Der Rezeptions--Fixpunkt des Halblebens" eines Artikelsin der Sportsoziologie (gemessen durch denMedian smtlicher Bezugnahmen auf einenArtikel) ist derzeit mit ca. fnf Jahrenmehr als doppelt so lang wie etwa beieinem Artikel in der Physik. Dies deutetm. E. auf einen sich erst allmhlich ent-faltenden thematischen Bestand dieses Wis

    -senschaftsgebietes und auf eine Entwick-lung hin, die sich zur Zeit mehr in dieBreite als in die Tiefe bewegt.Um Sport nicht nur in seiner derzeitigenhistorischen Spezifizitt zu sehen, sondernum ihn auch als komplexes kulturellesPhnomen fabar zu machen, diskutierteKz wczYx sechs Interpretationswege oderTypen der theoretischen Analyse, von de-nen er hofft, da sie nicht nur dazu bei-tragen, den Sport als Phnomen der mo-dernen Kultur zu verstehen, sondern dar-ber hinaus auch helfen, die Kultur alsGanzes greifbar zu machen. Inhaltlichmchte er die Diskussion des Sports als kul-turelles Phnomen im Zusammenhang einersoziologischen Theorie der Kultur in dreiSphren unterschieden haben:1. die Sphre der materialen Infrastruktur;2. die Sphre der direkten Kultur, wie sie

    sich in direkten Zielen des Sports, inseinen instrumentellen Funktionen, inden unmittelbar wahrnehmbaren Ergeb-nissen der Entwicklung des Sports undin der Aufrechterhaltung der Leistungs-fhigkeit des Menschen niederschlgt;

    3. die Sphre der symbolischen Kultur, wiesie an den dem Sport zugeschriebenen

    Werten, den im Sport entwickelten Hal-tungen und an der kulturellen Verdich-tung des Sports als Kunst sichtbar wird.

    Die nachfolgende Diskussion in den o. a.Themenschwerpunkten verlief sehr wider-sprchlich. Den immer artikulierten Heils-erwartungen an den Sport" und an denLebensstil (kind of life) des Athleten frkulturelle Entwicklung wurde von mehre-ren Teilnehmern des Kongresses entgegen-gehalten, da Sport zwar einerseits aktiveTtigkeit sei, andererseits aber und diessei kulturell wahrscheinlich bedeutsamer als passiver Konsum am Sport vorliege undschlielich als Symbolbestand der Gesell-schaft, der z. B. in Gesprchen sein Eigen-leben entfalte. Als aktive Ttigkeit hatSport sicherlich nicht die Bedeutung in derGesellschaft, wie hufig gedacht wird, oderdie Bedeutung, die Sportsoziologen ins-besondere solche, die selbst nie Sport trei-ben dem Sport gerne beilegen: Nur we-nige treiben aktiv Sport, und diese tun diesin der Regel beilufig. Von hier aus ergibtsich ein Gespenstertanz, wenn dieser eherbeilufigen Ttigkeit ein hoch bedeutsamerPlatz in der Entwicklung der Qualitt desLebens und der gesellschaftlichen Entwick-lung in toto zugewiesen wird.In diesem Zusammenhang wirkten die Be-merkungen von OLSZEwsKA, der chair-per-son des Research Commitee Soziologieder Freizeit" in der International Sociolo-gical Association, herzerfrischend. Sie pl-dierte dafr, in der Analyse und Beurtei

    -lung weniger von dem Sport" und derhohen Kultur" auszugehen, sondern da-von, wie Menschen wirklich leben. Vonhierher knne man sicherlich zu zutreffen-deren Einschtzungen gelangen, wie Sportkulturell verankert und in das gesellschaft-liche Leben integriert ist. M. E. knnte einesolche Rckwendung der Soziologie zwarin dem Ansatz der komplexen Lebensfh-rung (style of life) vollzogen werden; aller-dings besteht gerade hier die Gefahr, da

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    die Soziologie ihre analytische und kriti-sche Rolle aufgibt und sich mit bloerLegitimationsfunktion begngt, insbeson-dere, wenn sie ihren Ausgang nicht voneiner Soziologie des Alltags nimmt, son-dern den style of life" an der Melatteeiner abstrakten Kultur" analysiert.

    Gerade auf diesem Forschungsgebiet mssenallerdings die positiven Entwicklungsten-denzen insbesondere jngerer Wissenschaft-ler in Polen hervorgehoben werden, diesich durch eine qualifizierte theoretische undmethodologische Fundierung ihrer Studienauszeichnen. Hierbei lassen sich zwei Lagerregistrieren: einerseits die eher an derSportwissenschaft orientierten Soziologen,die in der Regel normativ und spekulativverfahren, und andererseits eine eher sozio-logisch ausgerichtete Gruppe. In deren vor

    -wiegend quantifizierender Empirie gehenallerdings die beraus fruchtbaren Anstzeverloren, die die klassische Tradition in derpolnischen Soziologie in der Vergangenheitauszeichnete: qualitative und historischeAnalysen, nichtreaktive und biographischeErhebungsmethoden.

    Gerade an dem Thema Sport und Kultur"zeigt sich verstrkt ein grundstzliches Di-lemma der Sportsoziologie, da theoreti-sdie" Propositionen, die in der Regel nurnormative Begriffskonstruktionen darstel-len, mit platten empirischen Studien kor-respondieren, in denen der naive Glaubevorausgesetzt wird, da Krperkultur diePersnlichkeit und die Kultur als Ganzesvertiefe oft getragen von der Annahme,Zuwachsraten an prozentualen Partizipa-tionen knnten dies belegen. Hierbei mudoch zunchst einmal davon ausgegangenwerden, da Feststellungen des Inhalts,welche soziale Gruppe aktiver am Sportpartizipiert, per se gar nichts aussagen undder Beitrag der sportlichen Ttigkeit zurallseits entwickelten Persnlichkeit" spe-

    kulativ bleibt, solange die Organisations-strukturen des Handlungsfeldes Sport nurnormativ abgehandelt werden. Auch der Irr-glaube, widersprchliche Ergebnisse, die intheoretisch beliebiger Prozentzahlen-Pro-duktion gewonnen worden sind, knntendurch einen datentechnisch perfekten Fra-gen- und Datenpool bereinigt werden,hilft hierbei nicht weiter. Bedauerlich ist,da hochbedeutsame Themen, an denendieses Dilemma htte aufgearbeitet werdenknnen, in diesem Symposium nur allzunebenbei abgehandelt wurden. Hierzu ge-hrt beispielsweise das Thema Frau undSport", an dem kulturelle Diffusionspro-zesse, die subjektive Aneignung gesell

    -schaftlicher Stereotypen und kulturellerNormen, die Widersprchlichkeiten domi-nanter Gesellschaftsstrukturen, der Zu-sammenhang von psychischer Ausrichtungund realer Lebenssituation exemplarischund sinnfllig htten verdeutlicht werdenknnen. Unklar weil zu wenig disku-tiert blieb auch, von woher eine kultu-relle Konzeptualisierung des Sports ihrenAusgang nehmen msse, ob beispielsweisevon einer Soziologie des Krpers (so HEI-NEMANN, Trier) oder von einer Axiologiedes Krpers (so KRAwczxx).Auf dem Bereich der Prognose erreichte dieSoziologie des Sports schlielich ihre Gren-ze und war allzuleicht versucht, gelegentlichins Reich der Phantasie" abzuheben.Durchgngig beherrschte die Kontroversezwischen projektiver Planung und analyti-scher Prognose die Diskussion. In denVortrgen dominierten eindeutig die intel-lektuellen und ideologischen Programmeund die projektiven Entfaltungen und Ent-wicklungen von Zukunftsprojekten, beidenen die Zielvorgaben zumeist implizitbleiben, gegenber analytischen Positionen,die danach fragen, welche Art von Politik inden den Sport bestimmenden Organisatio-nen gemacht wird und welche Hindernisse

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    an Zeit, Gesundheit, Finanzen, Infrastruk-tur, Form des Familienlebens und kulturel-len Mustern dem Sporttreiben entgegen-stehen. In diesem letzteren Sinne hatPrognose zunchst nur eine prdikativeFunktion fr die Planung, ohne aber dieWahl der Mglichkeiten bestimmen zu kn-nen.

    Andererseits ist aber auch richtig, da dieZukunft nicht nur durch Prognose geflltwird, sondern auch durch Planung. Diesaber ist eine prinzipielle Frage nach derOffenheit der Zukunft sowie der Offen-heit und Wertgebundenheit der kulturellenEntwicklung in der Zukunft des Menschen.In diesem Zusammenhang mte m. E. auchdie Stellung des Soziologen als gesellschaft-liche Instanz diskutiert werden. Wenn worauf insbesondere

    Worn. (Warschau)hinwies die Mehrzahl menschlicher Akti-vitten auf die Zukunft gerichtet ist undauch antizipatorischen Charakter hat, istzuzustimmen, da auch das wissenschaft-liche Interesse an gesellschaftlichen Ver-lufen stets bemht ist, die Zukunft miteinzubeziehen. Real sind in der Tat nichtnur die Tatsachen, die sich institutionellverfestigt haben, sondern auch die darinenthaltenen Mglichkeiten. Will sich derSoziologe allerdings nicht mit der Diagnosedominanter Tendenzen oder mit der Legiti-mation der jeweils herrschenden Struktu-rierungsprinzipien der gesellschaftlichenEntwicklung begngen, so darf er nicht nurdie Entwicklung der Kultur beobachten,sondern mu vor allem auch seine eigeneStellung in der und zur sich wandelndenKultur in Rechnung stellen.Diese Arbeit mu allerdings in der Zu

    -kunft erst noch geleistet werden, drfteallerdings nicht unerheblich zu einer zu

    -mindest vorlufigen Klrung des Standortsder Sportsoziologie in der Analyse desSports im Zusammenhang kultureller Ent-wicklung beitragen. M. KLEIN

    5. Europischer Kongre fr Sportpsycho-logie vom 17. bis 21. September 1979in Varna (Bulgarien)Auf Einladung der Fdration Internatio-nale de Psychologie et des Activits Cor

    -porelles (FEPSAC) fand vom 17.-21.9.1979in Varna (Bulgarien) der 5. EuropischeKongre fr Sportpsychologie statt. DieOrganisation lag in den Hnden eines bul

    -garischen Komites unter der Leitung derPrsidenten Prof. S. GANOwsKY und Prof.Dr. Ph. GENOV. Der Kongre wurde vonetwa 300 Teilnehmern aus mehr als 18Lndern besucht. Die BundesrepublikDeutschland war durch 21 Teilnehmer ver-treten, die in verschiedenen Arbeitskreiseninsgesamt 15 Vortrge hielten.Whrend beim 1. Europischen Kongrefr Sportpsychologie, der 1968 am gleichenOrt stattfand, ca. 55 Referate vorgetragenwurden, lagen der Programmkommissionunter Leitung von Frau Prof. Dr. GENOVA(Bulgarien) diesmal weit ber 200 Referat

    -anmeldungen zu sehr heterogenen Teilge-bieten vor, die folgenden sechs Themen-gruppen zugeordnet werden muten: Psychologische Probleme der Leibeser-

    ziehung bei Kindern und Jugendlichen, Beitrge zur Persnlichkeitsstruktur des

    Sportlers, Beitrge zur psychologischen Wett-

    kampfvorbereitung,

    Sozialpsychologische Probleme sportli-cher Aktivitt,

    Psychologische Probleme bei hoher Trai-ningsbelastung,

    Psychologische Fragen der Sportpdago-gik.

    Obwohl ein umfassender Bericht sowohlfr den wissenschaftlich Arbeitenden alsauch fr den Praktiker von Interesse er-scheint, kann hier nur unvollstndig undsummarisch ber die Flle der Vortrgeberichtet werden. Die hier vorgenommeneAuswahl orientiert sich an wesentlichenProgrammschwerpunkten, ist jedoch auch

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