Architekturvisionen - TU Wien: .Der Erfolg von Archigram ist möglicherweise auch auf die unterschiedlichen

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  • Grundlagenforschung Entwerfen SS2010 Thema: Architekturvisionen Alan Mair, Christian Kummer

    Architekturvisionen:

  • 1 Grundlagenforschung Entwerfen SS2010 A Thema: Architekturvisionen Alan J. A. Mair, Christian Kummer

    Zeitschrift Archigram 4

    Archigram

    Die britische Architektengruppe, bestehend aus Peter Cook, Warren Chalk, Dennis Crompton, David Greene, Ron Herron und Mike Webb ist ein Synonym fr visionre Architektur. Die Gruppe wirkte von 1960 bis 1974, im Jahrzehnt der Mondlandung, der Kybernetik und der Megastdte. Ihre wilden Ideen und Entwrfe sind utopisch, auf die Gegenwart gerichtet und arbeiten mit allen Mglichkeiten der modernen Technik. Der Titel sollte etwas einfaches Signalisieren wie "Telegramm" und entwickelte sich deshalb zu "Archi(tektur)-gram" Archigram. Archigram verkrpert die Avantgarde - Architektur der sechziger Jahre, in Hightech - Phantasien. Der Einfluss der Gruppe entstand nicht aufgrund real entwickelter Bauten, sondern durch zahlreiche Verffentlichungen von gezeichneten Entwrfen. Die Entwrfe der Architekten sollten eine Reaktion auf die de des Alltags in Londoner Architekturbros sowie die Sterilitt der Szene sein. Die Gruppe wollte ein Umdenken herbeifhren und der konservativen Auffassung des Britischen Architektur-Establishments ein Ende setzten.

    1961 erscheint die erste Ausgabe des Magazins Archigram, in dem utopische Stadtentwrfe, poetische Gedichte und Comic Handlungen zu finden sind. Eine zweite umfangreichere Ausgabe erscheint schon im darauffolgenden Jahr. Das Magazin weckt anfangs vor allem bei Studenten und jungen Absolventen groes Interesse. Etablierte Architekten zeigen hingegen wenig Interesse an den Entwrfen und halten das Magazin fr unbedeutend. Archigram bekommt 1963 die Mglichkeit, ihre Entwrfe und Arbeiten am Institut for Contemporary Arts in London auszustellen. Bei der Ausstellung prsentieren sie das Projekt Living City, was ihnen zu internationaler Beachtung verhalf.

    Collage aus Archigram 5

  • 2 Grundlagenforschung Entwerfen SS2010 A Thema: Architekturvisionen Alan J. A. Mair, Christian Kummer

    Der Erfolg von Archigram ist mglicherweise auch auf die unterschiedlichen Charaktere der Gruppe zurckzufhren, die sich gut ergnzen. Jeder einzelne von Ihnen konnte die utopischen Entwrfe und Visionen aus dem Feld seiner eigenen Interessen heraus entwickeln und fand somit einen eigenen Zugang. Durch Aufstze und Verse konnte David Greene - er war der Poet in der Gruppe - seine Gedanken und Visionen der Architektur festhalten. Peter Cook hingegen bevorzugte dreidimensionale Architekturzeichnungen und Comics als Stilmittel. Ron Herron, der ruhige Beobachter und Optimist, arbeitet vorwiegend mittels groformatigen bunten Zeichnungen und Collagen. Warren Chalk, absoluter Zweifler und Pessimist, Michael Webb, der vor allem mit futuristischen Modellen arbeitete, sowie Dennis Crompton, der technisch-wissenschaftliche Zeichnungen und Texte erstellte.

    Unterwasserstadt

    Auszug aus Living Arts, 1963

  • 3 Grundlagenforschung Entwerfen SS2010 A Thema: Architekturvisionen Alan J. A. Mair, Christian Kummer

    Plug-in City

    Das Projekt Plug-in City entstand in den Jahren 1962 bis 1964. Bereits in den Ausgaben Archigram 2 und 3 wurden Themen ber Bauten die wachsen und schrumpfen knnen behandelt. Die Wohncontainer aus Metall lieferten einen Prototypen fr bewegliche und austauschbare Wohnelemente die in eine "Megastruktur" hineingesetzt werden konnten. Bei dem Projekt Plug-in City wurde der Versuch gestartet, was passiert, wenn eine ganze Stadt fr einen dauernden Austausch aller Elemente programmiert wird.

    Die Plug-in City besteht aus einem gromastblichen regelmigen Tragwerk. Das Tragwerk enthlt alle technischen Dienste und alle Erschlieungswege zu jedem Ort. In dieses Tragwerk werden Wohneinheiten mit allen Funktionen eingehngt. Die Wohneinheiten sind so konzipiert, dass sie entfernt werden knnen, wenn sie veraltet sind. Die Wohneinheiten knnen durch Krne bewegt werden, die von Schienen oberhalb des Tragwerks manvriert werden. Im inneren der Wohnkapsel sind diverse maschinelle und elektronische Einrichtungen, die die alltgliche Arbeit ersetzen.

    Plug-in City Isometrie

    Schnitt durch die Struktur von Plug-in City

  • 4 Grundlagenforschung Entwerfen SS2010 A Thema: Architekturvisionen Alan J. A. Mair, Christian Kummer

    Wohnkapsel Anordnung

    Die Kapsel

    Die Entwicklung des Projekts Kapsel begann um 1964. Inspiriert von der Raumfahrtkapsel, sollte ein vollkommen neues Wohngehuse entwickelt werden. Die einzelnen Wohnzellen sollten stapelbar in einem runden Turmhaus untergebracht werden knnen. Die Einzelteile wren mageschneidert, dem jeweiligen Stand der Technik entsprechend und an vernderbare Wnsche der Bewohner immer wieder aufrstbar.

    Das Projekt die Kapsel und Plug-in City entstanden zur gleichen Zeit als eigenstndige Projekte. Im fortlaufenden Entwicklungsprozess der Projekte wurde deutlich dass die Kapsel das ideale Element zum Auffllen der Megastruktur der Plug-in City darstellte. Die Kapseln konnten unbeschrnkt ausgetauscht werden, obwohl sie aneinander gepflockt waren. Der Turm wre so organisiert, dass die kleineren Elemente durch Krne von innen bewegt werden knnten, die greren durch Krne von auen. Dadurch ist es mglich alle Bestandteile des Turms herauszulsen und auszuwechseln.

    Ein realisiertes Vergleichsbeispiel ist der 1972 errichtete Capsule Tower von Kisho Kurokawa. Der Tower besteht aus zwei Kernen aus Stahlbeton, in welchen die Versorgungsleitungen und Erschlieungswege untergebracht sind. An diesem Kern sind 140 Zimmereinheiten befestigt. Die Konstruktion und Art der Befestigung sollte ein Auswechseln der Einheiten ermglichen, was jedoch in Praxis bis jetzt noch nicht durchgefhrt wurde.

    Wohnkapsel und Turm

  • 5 Grundlagenforschung Entwerfen SS2010 A Thema: Architekturvisionen Alan J. A. Mair, Christian Kummer

    Walking City berquert den Ozean

    Walking City kommt in New York vorbei

    Walking City

    Wie der Name bereits verrt, war der Grundgedanke der Walking City eine Stadt zu entwerfen die mobil sein sollte. Diese bewegliche Stdte wurden fr Leute konzipiert die beispielsweise durch Naturkatastrophen ihr Haus verloren oder um Arbeiter in der Nhe von saisonell bedingten Arbeitsstellen unterzubringen. Walking Cities waren mit Kontaktorganen und mit Gliedmaen ausgerstet um Stdte miteinander verbinden zu knnen. Das futuristische Projekt Walking City ermglichte eine Dislokation einer ganzen Stadt und sprengt somit endgltig die Grenzen des statischen Gebudetypus. Ein Zwitter der manchmal Maschine, manchmal Architektur sein konnte, war fhig zu wachsen und sich fortzubewegen.

    In Cape Kennedy wurden bewegliche Konstruktionen von Ingenieuren tatschlich entworfen. Die Konstruktionen sind teilweise vierzig Geschosse hoch und knnen sich durch die Landschaft bewegen. Mit Walking City kam Archigram vom allgemein geflligen Vokabular ab. Mit ihrer Entfernung von der Realitt befreiten sie sich zunehmend von allen architektonischen Fesseln. Es wurde immer weniger wichtig die Entwrfe einer Moral zu unterwerfen und dadurch konnten sie eigene Gesetzmigkeiten entwickeln z.B. Sea Farming, von Peter Cook, 1968 oder Under the Sea City, von Chalk Waren, 1964.

  • Architektonische Visionen in sterreich

    Peter Cook, Grndungsmitglied von Archigram und Erfinder der Plug-in City, war schon seit den spten 50er Jahren mit der Wiener Szene in Verbindung. Seine Kenntnis der sterreichischen Architektur-Avantgarden beweist er im Vorwort zu Gnther Feuersteins Buch Visionre Architektur - Wien 1958/1988.

    Cook beschreibt Wien als Zentrum einer "Welt der Ideen, des Raffinements, der Erfindungsgabe wie auch Wahnvorstellungen" und behauptet, dass nur eine solche Welt groe Architekten hervorbringen knne. Er kriRsiert jedoch den Mangel an neuen, innovaRven Projekten, die einen internaRonalen architektonischen Diskurs anregen wrden und die Stadt aus seinem Schlaf erwecken sollten.Da Anfang der 60er Jahre in Wien so wenige neue [architektonisch bedeutende] Bauten errichtet wurden ("Wenn das Gebude von Hans Hollein am Stephansplatz ferRg sein wird, wird es das einzige, wirklich originelle, kra^volle und sozusagen gebudegroe Bauwerk Wiens der letzten zwanzig Jahre sein, das historische GlRgkeit besitzt"), konnte die Diskussion also "von der Realitt abstrahieren". Dies wrde erklren, warum sich in dieser Zeit zahlreiche sterreichische Architekten und Architekturgruppen (Hans Hollein, Walter Pichler, Gnther Domenig, Coop Himmelblau, Haus-Rucker-Co, Znd up...) mit utopischen oder idealen Projekten besch^igten.Die meisten dieser Arbeiten haben wenig mit dem zu tun, was konvenRonell unter Architektur verstanden wird, da es sich eher um utopische Studien oder Kunstprojekte handelte. Dennoch sind sie von groer Bedeutung zum architektonischen Diskurs, einerseits weil sie

    den Zeitgeist eines unruhigen Jahrzehnts widerspiegeln, andererseits weil sie versuchen - wenn auch nur auf theoreRsche Weise - sich mit den neuesten Fortschri`en der Technik auseinanderzusetzen und diese als neuen Bestandteil in die Architektur zu integrieren.Die moderne Gesellscha^ verlangt aufgrund einer erhhten Mobilitt, dass auch die Gebude flexibler, mobiler werden: in diesem Zusammenhang entstehen Projekte, die z.B. Lu^ zu einem Baumateri