Auch bei bipolarer Depression wirksam

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    23-Dec-2016

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  • 20 IN|FO|Neurologie & Psychiatrie 2012; Vol. 14, Nr. 5

    Journal Screen DepressionJournal Screen

    Holtzheimer PE, Kelley ME, Gross RE

    et al. Subcallosal cingulate deep

    brain stimulation for treatment-resistant

    unipolar and bipolar depression. Arch

    Gen Psychiatry 2012; 69: 1508

    Tiefe Hirnstimulation der Area subcallosa des Gyrus cinguli

    Auch bei bipolarer Depression wirksamFragestellung: Wirkt die tiefe Hirnstimulation (THS) bei der therapieresistenten bipolaren Depression?

    Hintergrund: Nachdem eine effektive und nachhaltige Wirkung durch THS bei Patienten mit therapieresistenter Depression erzielt werden konnte, stellte sich die Frage, ob auch die therapieresistente bipolare Depression mit-hilfe der THS erfolgreich behandelt werden knnte.

    Patienten und Methodik: Im Rahmen einer offenen einfach geblindeten Studie mit Placebo-Stimulations-phase wurden von 323 gescreenten Patienten zehn mit Major Depression und sieben mit Bipolar-II-Strung eingeschlossen. Alle Patienten erhielten stereotaktisch gefhrt bilaterale quadripolare THS-Elektroden unter Mikro elektrodenableitung. Anschlieend erfolgte die infraklavikulre Implantation des Impulsgenerators. Post operativ wurden die korrekte Implantatlage mittels Magnetresonanztomografie (MRT) und kranieller Com-putertomografie (cCT) berprft.

    Nach dem Eingriff folgte eine vierwchige Placebo-Stimulationsphase, wobei die Patienten bezglich der Aktivierung des Stimulators geblindet waren. Daran schloss sich eine 24-wchige Phase mit kontinuierlicher, mono polarer und bilateraler Stimulation an. In den wchentlichen klinischen Untersuchungen wurde bei einem Rckgang der HRDS (Hamilton Depression Ra-ting Scale) unter 10% zunchst die Stimulationsinten-sitt gendert und gegebenenfalls auch der stimulieren-de Kontakt auf der quadripolaren Elektrode gewechselt. Eine zweite Placebo-Stimulationsphase wurde bei drei Patienten aufgrund erhhter suizidaler Gedanken nach zwei Wochen abgebrochen. Die Effektivitt wurde mit-hilfe verschiedener Fragebgen (HDRS, Beck-Depres-sion Inventory II [BDI-II], Global Assessment of Func-tion [GAF]) erhoben. Der primre Endpunkt entsprach der longitudinalen Entwicklung der HDRS ber die Zeit (Abbildung 1). Ansprechen (Reduktion des HDRS Scores um mehr als 50%) und Remis sion (HDRS < 8 Punkte) wurden ebenfalls bestimmt.

    Ergebnisse: Eine Dauerstimulation bewirkte eine sig-nifikante Reduktion der Depression und Funktionsver-besserung. Eine Remission wurde bei drei (18%) Pati-enten und ein Ansprechen bei sieben (41%) nach 24 Wochen sowie bei jeweils fnf (36%) nach einem Jahr und bei sieben (58%) und elf (92%) Patienten nach zwei Jahren festgestellt. Die Ergebnisse fr Patienten mit bipolarer Strung II und Major Depression unterschie-den sich nicht. Manische oder hypomanische Phasen traten nicht auf. Ein geringfgiger Placebo-Effekt wur-de unmittelbar postoperativ festgestellt.

    Schlussfolgerungen: Diese Studie konnte zeigen, dass eine bilaterale chronische Dauerstimulation der Area subcallosa des Gyrus cinguli eine effektive und sichere antidepressive Wirkung bei Patienten mit Major Depression und bipolarer Strung II erzielt.

    Kommentar: Es handelt sich um die erste publizierte Studie, in der Patienten mit einer bipolaren Strung mittels THS behandelt wurden. Die Studie ist nicht ran-domisiert und einfach geblindet (Jadad-Score 2).

    Es konnte gezeigt werden, dass eine chronische Dauerstimulation der Area subcallosa des Gyrus cinguli zu einem effizienten Ansprechen bei der Major Depres-sion und bei bipolarer Strung II fhrt. Wesentlich dabei war, dass bei den Patienten mit bipolarer Strung keine erhhte Suizidalitt auftrat. Die Ergebnisse waren in

    beiden Krankheitsgruppen gleich. Der klinische Wert der Studie wird durch die geringe Zahl an behandel-ten Patienten und eine fehlende Randomisierung mit doppelter Verblindung kompromittiert. Das Ergebnis ist fr eine solche Pilotstudie dennoch sehr eindrck-lich und bereitet den Weg fr die Durchfhrung einer multizentrischen kontrollierten Studie um diese vielver-sprechenden Ergebnisse weiter zu validieren.

    Naureen Keric, Mainz

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    2012

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    0Baseline Vor Rand. Plac.-Stim. 4 Wochen 24 Wochen 1 Jahr 2 Jahre

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    HDRSBDI-IIGAF

    (n = 17) (n = 11) (n = 17) (n = 17) (n = 17) (n = 14) (n = 11)

    Tiefe Hirnstimulation

    Funk

    tions

    verb

    esse

    rung

    Abbildung 1 Positiver Effekt der

    tiefen Hirnstimulation auf Depressions schwere und Funktionsniveau.

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