Ausstellungs- und Messe-Bericht. Technische Messe Hannover vom 26. April bis 5. Mai 1953

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    15-Jun-2016

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  • Ausstellungs- und Messe-Bericht Technische Messe Hannover vom 26. April bis 5. Mai 1953

    Auch in diesem Jahr konnte die Technische Messe der Deut- sdlen Industrie-Messe Hannover 1953 wiederum als ein voller Erfolg fur die deutsche Technik gewertet werden. Nebcn den bekannten Standarderzeugnissen deutscher Unternehmen konn- ten den Besuchern aush zahlreiche tedmische Neuerungen vor- gefiibrt werden. Die Besu+er aus dcm In- und Ausland ge- wanncn somit ein eindrudisvolles Bild van dem hohen Lei- stungsstand unsercr Industrie.

    Auf dem insgesamt 650 000 qm umfassenden Messegelilnde traten Aussteller aus dem In- und Ausland in einen fried- lichen Wettbewerb und stellten ihre Leistungsfahigkeit unter Beweis. Die Auswahl der gezeigten Giiter - Maschinen, Ap- parate, RohstoKe - lcgte ein beredtes Zeugnis fur den Ent- wir-klungs- und Konstruktionsstand der Technik ab. Zahlreichc Verbesserungen und sogar Neukronstruktionen bzw. Neuent- wicklungen kiindeten von dem Vorwartsdrangen van Wissen- schaft und Technik. Insgesamt stellte die Technische Messe Hannover 1953 wieder ein S y m b o l d e u t s c h c r W i r t - s c h a f t s k r a f t dar.

    Wie groi3 das Interesse an dieser deutschen Wirtschaftsschau und zuglcich an den deutschen Giitern ist, beweist die Tat- sache, da8 rund 800 000 Interessenten diesc Messe besuchten. Dabei ist besondcrs zu bemerken, dai3 sic!! die Zahl der Aus- lander in diesem Jahr auf 70 000 steigerte. Darunter waren Interessenten aus 74 europaischen und ubersceischen Landcrn. Dies ist ein deutliches Zcichen dafur, welche Anziehungskraft das heute in Hannover auf der Technischen Messe vorhandcne Angebot ausiibt. Hervorzuheben war besonders der starke Be- such (starker als im Vorjahr) aus dem Mittleren und Nahen Osten. Gleichzeitig verlautet, dai3 zwar ein starkerer auslan- discher Besuch zu verzeichnen war, der jedoch nicht auf ein starkeres Kaufinteresse schlieaen liei3.

    Gegenuber dem Vorjahr war eine weitere Konzentration wescntlichster und exportintensivster deutscher Industriegrup- pen auf dem Hannovcrschen Mcsseplatz erfolgt und zugleich eine langfristige Bindung entscheidender Teile der deutschen Industrie an dieses grocte und schonste Messegelande der Bundesrepublik. Zusammenfassend mui3 festgestellt werden, daO alle Gruppen von einem positiven Geschaftsergebnis be- rjchten und dai3 dies besonadcrs iiberrascht, nachdem die vor- hergehenden Messen im Bundesgebiet ein wesentlich anderes Bild gezeigt hatten. Es mui3 besonders betont werden, dai3 die Aussteller immer wieder bekundeten, wie sehr sie nicht nur von der groaen ZahI dcr auslandischen Interessentcn, son- dern insbesondere auch von der Qualitat des auslandischen Bcsucherstroms beeindruckt waren.

    Im gronen und ganzen mui3 der Verlauf der Technischen Messe mit ihren Abschliissen als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden. Besondcrs im Maschinenbau wurde eine groi3e Zahl von ernsthaften Kaufinteressenten .aus dem In- und Ausland hcrvorgehoben. Wcnn auch unmittelbare Ge- smaftsabschlusse wahrend der Messe nicht in allen Fachzwei- gen des MaschinenbaueT moglich waren, so konnte d o h an der groflen Zahl ernsthaft kaufinteressierter Besucher aus dcm In- und Ausland der Schlui3 gezogen werden, dai3 die etwas pessimistischen Messeerwartungen unbegrundet waren. Die Messe hat vielmehr bestatigt, dai3 die in den Monaten Februar unfd Marz bereits beobachtete Geschaftsbelebung iiber reine Saisoneinfliisse hinausgeht und dai3 auf groderer Rreite die Aussicht besteht, auf langere Sicht das Produktionsniveau im Maschinenbau zu halten. Hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang, daD die Siiflwaren-Maschinenindustrie gute geschaftliche Erfolge verbuchen konnte. Auch Verpackungs- maschinen wurden lebhaft gefragt.

    Die Zuversicht, mit der die elektrotechnische Industrie der Technischen Messe entgegensah, hat sith sowohl auf dem Konsumgiiter- als auch auf dem Investitionsgiiter-Sektor als

    FETTE UND SEIFEN 55. Jahrg. Nr. 9 1953

    berechtigt erwicsen. Allgemein konnte festgestcllt werden, dai3 das Interessc des europaischen Auslandes fur elektrotech- nischc Erzeugnisse das des Vorjahres iilberstiegcn hat. Aber nicht weniger grofi war die Nachfrage und die Abschldfreu- digkeit des Inlandes.

    Die Erwartungen dcr Aussteller der feinmechanisrhen und optischen Industrie galten vornehmlich der Anbahnung von Gcsprachcn und Geschaften. Dariiber hinaus konnten jedoi:h auch Abschlusse getatigt werden, die die Erwartungen bc- trachtlich uberschritten.

    Nachdem im Vorjahr erstmalig in der ,,H a 11 e d e r C h e - m i e" einc geschlossene Leistungsschau der chemischcn Indu- strie dargeboten 'wurde, vermittelte sie auch in diesem Jahr wieder einen reprascntativen Uberblidc iiber nahezu den ge- samten Bereich dcr Chemiewirtschaft einschliefllich der Kunst- stoffe. Nach dem Export-Ruckgang auf dcm Chemie-Sektor im vcrgangcnen Jahr und den erheblichen Anstrengungen war das grode Interesse vcrstandlich, das man dem Ausstellungs- pmgramm der Chemie-Firmen gerade diesmal entgegcn- brachte. Es bestatigte sich die Vermutung, dai3 viele Firnien die Messelbesucher mit Weiterentwicklungen und Neuheiten iiberraschten. Dies galt sogar fur die Kunststoff-Industrie, die erst vor wenigen Monaten durch ihre Diisseldorfer Schau welt- weit von sich reden machte. Die Ausstcllcr der chemiscbcn so- wie der Kunststoff erzeugenden und verarbeitenden Industrie SuBerten sich fast ausnahmslos iiber den Messcvcrlauf bcfrie- digend. Wie immer lag das Schwergewiht bei den Chemic- Ausstellern in der Beratung und Information dcr Kundschaft iiber das Produktionsprogramm. Hierbei konnte ein a d e r s t reges Interesse speziell fur Kunststoffe sowic fur Weitcrent- wicklungen auf dem Kunststoff-Gcbiet (z. B. GieBharze und Silikone) und in der Textilvercdelung festgestcllt werden. Gut gefragt waren auch sonstige tecbnische Hilfsmittel fur die ver- schiedensten Industriezweige, z. B. Leuchtfarben, Farbkorprx, Lackrohstoffe usw. Die zahlreichcn Auslandsbcsucher sprachen wiederholt ihre Anerkennung iiber den hohen Leistungsstand der dentsrhen chemischen und der Kunststoff-Industrie aus. Der Erfahrongsaustausch mit dem Ausland konnte weiter aus- gebaut wcrden. lnteressanterweise waren auch deutsche Lizen- Zen starker gefragt.

    Die Mehrzahl der Auslandsbesucher kam aus dem europai- schen .4usland, insbesondere aus den skandinavischen Lan- dern. Unter den Interessenten aus Obersee iiberwogen die sudamerikanischen Lander. Aber auch aus dem Nahen und Fernen Osten lag ein bemerkenswertes Interesse vor. Zahl- reiche neue Geschilftsanbahnungen ergaben sich, die ihren Nie- deIschlag im kiinftigen Cbemie-Export finden diirften.

    Wie der Messeverlauf bewiesen hat, liegt eine der Haupt- schwierigkeiten im Export-Geschift darin, dai3 dic Abnehmer ZII Iange Zahlungsziele verlangen, die die deutsche Industrie aus Kapitalmangel nicht immer gewahren kann. Dem Problem der Finanzierung langfristiger Export-Geschafte sollte daher in naher Zukunf t entscheidende Bedeutung zukommcn.

    Mit dem Ergebnis der diesjahrigen Messe hat der Messe- platz Hannover seinen Weltrang. den er bereits im vergan- gcnen Jahre erreicht hatte, wciter behauptet und gelestigt. Jeder Deutsche kann stolz darauf sein, dai3 sic11 Nhier ohne jede matericlle Unterstiitzung durch die Bundesrepublik in weni- gen Jahren ein Messeplatz durchgesetzt hat, der heute die internationale Einkauferschaft in einem Ausmaa anzieht, das den groi3en auslindischen Messen nicht mehr nachsteht. W r r sich cine Dbersicht iiber die Totalitat der technischcn Konkur- renz verschaffcn will, um seinen eigcnen technischen Leistungs- standard zu kontrollieren und urn sich iiber die Entwicklungs- chancen seiner Branche auf dcm Weltmarkt zu iuformieren, der kommt heute nach Hannover, dcm deutschen Messeplatz, der zu einem der stirksten Anreger fur den deutschen Export geworden ist.

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  • AEG Allgemeine Elektricitats-GeselIschaft, Berlin-Grunewald Auch in diesem Jahr wurde eine grol3e Anzahl neuent-

    wickelter und verbesserter Gerate und Erzeugnisse ausgestellt, von denen nur einige wenige im folgenden kurz besprochen werden kiinnen. Die elektromagnetische Vibrationstechnik wurde von der AEG in neuen Anwendungsmiiglichkeiten ge- zeigt, so z. B. in dcr Siebtechnik und fur Dosierungszwecke im Zusammenhang mit Waagen groBcr Leistungen. Das von der AEG entwidtelte elektrische tintenlose Schreibverfahren fur Sonderschreiber wurde ebenfalls weiter durchgebildet. Vor allem gelang es, die in Zusammenarheit mit der Firma Bosch geschaffenen, einseitig mit einer Metallschicht bedampften Re- gistrierstreifen so herzustellen, dafi keine Schichtverfarbungen

    auftreten. Bei der neucn tintenlosen Aufzeichnungsart wird bekanntlich auf der Metallschicht des durchlaufenden Regi- strierstreifens mit einer Gleichspannung von 18 his 24 Volt eine feine, exakte Schreibspur ausgebrannt. Die Wartung der Schreibeinrichtung, insbesondere bei Registriergeraten zur Aufzeichnung mehrerer Werte, kommt dadurch in Fortfall. Ferner wird die Schrelbsicherheit erhuht, und auch dlie Schreib- geschwindigkeit konnte gesteigert werden.

    Alpine AG.. Augsburg Auf einem grGBeren, modern gestalteten Ausstellungsstand

    wurde den Besuchern ein Querschnitt aus dem Fabrikations- piogramm vermittelt. Besondere Erwahnung verdient die konstruktiv einwandfreie und besonders formschone Gestal- tung der gezeigten Maschinen. Ein besonderer Anziehungs- punkt war der erstmalig gezeigte Mikroplex-Spiralwindsichter in Vertikalausfuhrung (MPVJ). Dieser arbeitet in Umluftbe- trieb, also ohne jegliche Filter- oder Zyklonabscheidung. Er findet Verwendung fur exakte Korntrennung im Bereich von 6 his 100 Mikron. Von dieser Baureihe wurde die Type 400 MPVJ im Original und eine groDere Ausfuhrung mit Durch- saizleistung his 75 toiStd. im Modell gezeigt. Als Neukon- struktion mu6 ferner die Superplex-Kiihlstrommuhle mit P~allr~ippen-Mahlbahn, seitlichen Tellersieben und eingebau- tern Fordcrgeblase, das eine besonders kiihle Vermahlung er- mijgli&t, erwahnt werden. Weiterhin wurden u. a. gezeigt: Contraplex-Weitkammermuhle, Biplex-Zdhnscheibenmiihle, Omniplex-Mahlanlage, Perplcx-Universalmiihle, Kolloplex- SLiftmiihle und Augsburger Universalmuhle 25 U.

    Aliiminiumwerke Gottingen Gmblf., Gottingen Ausgestellt wurden auf der Technischen Messe Transport-

    behalter aus Aluminium und Aluminiumverpadtungen. Das Transportbehalter-Programm umfai3t Transportflaschen, -kan- nen und -fasser. Die Gerate werden vorzugsweise nahtlos gefcrtigt. Von den Transportfassern wurde eine Ausfiihrung vorgefuhrt, die vollstandig aus Aluminium besteht. Selbst die Rollreifen sind aus einer festen Leiditmetall-Legierung her- gestellt, wodurch das Gewicht der Fasser noch geringer wird und Korrosionen zwischen eisernen Rollreifen und Aluminium- fassern vermieden werden. Es wurde auBerdem ein nahtlos

    gefertigter Transportkastentyp gezeigt, der grofie Beahtung fand und der besonders in der Nahrungsmittel-Industrie und ini Lebensmittel-Grofihandel Verwcndung finden wird.

    A m a g . - H i l p e r t - P E g n ~ ~ ~ ~ i i ~ t t ~ AG., Niirnberg, Werk Pegnitz Diese Firma zeigte auf der Tcchnischen Messe nur kleine

    Ausschnitte aus ihrem weiten Fabrikationsgebiet. So waren verschiedene GroBen der bewahrten Dickstoff-Pumpen KWK zu sehen, die rnit ihren a d e r s t stabilen Iqers tuhlen schon darauf hinweisen, dafi sie auch fur schwerste Beanspruchung geeignct sind. Ihre Weiterentwicklung fur die Zuckerindustrie fuhrte u. a. zu Konstruktionen wie die der Schnitzelpumpen mit Spezial-Laufrad.

    Aus der Vielzahl der Amng-Saure-Kreiselpumpen, die in allen saurebestandigen Werkstoffen zur Verfugung stehen, ist cine horizontale Saurepumpe VSK aus Chromnickel-Molyb- dinstahl und eine Pumpe GUK mit Gummiverkleidung aller flussigkeitsberuhrten Teile zu sehen. Eine Tauchsaurepumpe TVS ist fur den Einbau in Tanks oder Behalter vorgesehen und in allen Grufien und Einbautiefen lieferbar. Besonders erwahnenswert sind noch die Kreiselpumpen HzK, die mit Heizmantel ausgestattet sind und fur die Forderung von Wachs, Bitumen, dicken Olen usw. vorgeseheri sind. - Aus der Gruppe der Saure-Armature11 sind besonders interessant Freiflufi-Ventile aus hochlegierten Legierungcn.

    Anorgma GmbH., Gendorf Es wurde eine Serie von Glykol-Produkten, Tcxtilhilfsmit-

    telri und Waschrohstoffen, fcrner Pflanzenschutz- und Schad- lings~bekampfungsmitteln, Kunststoffen und Produkten der Gummierungsabteilung des Werkes vorgcfuhrt. Die Firma demonstrierte in eindrucksvoller Weise die Uberlegenheit des ,,Genodyn" als Kupplungsfliissigkeit zur hydrodynamischen Kraftiibertragung iibcr die bisher fast ausschliefilich fur diesen Zweck verwendeten Mineralole.

    Gezeigt wurden aui3erdem zwei synthetische Harze, uncl zwar Kunstharz TS, das insbesondere zur Herstellung von Kitrozelluloselacken von guter Schleif- und Polierbarkeit ver- wcndet wird sowie Kunstharz BS, das als farbloses, lichtechtes Lackbarz fur Acetylzellulose besondere Bedeutung verdient.

    ion Rrnimsche W e r k e GmbH. W'erk Schneider & Helmethe. Offenbach a. M. Auf der Messe wurde erstmalig ein ,,Duple"-Regler zum

    selbstiatigen Ein- und Ausschalten ciner Kesselspeisepumpe durch Quedcsilber-Kippschalter iiber einen Sdialtschiitz gezeigt. Dieser speist bei Ausfall des elektrischen Stromes den Kessel selbsttatig durch HeiBwasser aus einem Boiler weiter und gibt iiber den zweiten Quedtsilber-Kippscbalter Alarmsignal, sobald der Speiseregler in Tatigkeit tritt oder bei Erreichcn des nied- rigst zulassigen Wasserstandes im Kessel, wenn durch Was- sermaugel auch die Speisung durch den Speiseregler ausfal- len sollte. Lieferbar ist dieser Regler vorerst fur biis 1 atu Betriebsdruck und fur einen WasserzufluBdruck bis 6 atu.

    Askmia-Werke AG., Berlin-Friedenau In dem reichhaltigen Lieferprogramm befinden sich neue

    oder verbesserte Konstruktionen, die dem Messebesucher wert- volle Einblicke in die Leistungsfiihigkeit der Asknnia-Werke gaben. Auf dem Gebiet der Betriebs-Me& und Regel-Technik wurde neben dem bewahrten hydraulischen Strahlrohr-Regler eine vollelektrische Reglcranlage in Betrieb gezeigt. Diese ar- beitet mit induktivem Geber und einem kombinierten Rohren- verstarker. In verbesserter Ausfiihrung wurden die bekann- ten Temperatur-Kegler Thermolus A mit Drehspul- oder Kreuzspul-Mefisystem zur Anwendung in schwierigen Regel- strecken rnit nacbgicbiger Riickfuhrung und Vorhaltbildung so- wie die Bauart Thermolus B (I'roportionalregler), beide rnit Druckluft als Hilfskraft, ausgestellt.

    Ein neues, sehr betriehszuverlassiges Gerat wurde mit dem ,,Fluxer" gezeigt. Es handelt sich dabei im wesentlichen um einen direkt wirkenden Differenzdrudtregler, der die Menge

    624 FETTE UND SEIFEN 5.5. .Tahrg. Nr. 9 1953

  • 5iissiger Medieri unabhangig voni schwankenden Vordruck kon- stant halt. Dieses Gerat wird namentlich bei Ulbrennern be- vorzugt angewendet, um bestimmte Litermengen je Std. ein- zustellen oder auch, um von der konstanten Fiirderung einer Zahnradpumpe e...

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