Ausstellungs- und Messe-Berichte. Technische Messe Hannover vom 27. April bis 6. Mai 1952

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    15-Jun-2016

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  • Ausstellungs- und Messe-Berichte Technische Messe Nannover vom 27. April bis 6. Mai 1952

    Die Technische Messe der Deutschen Industriemesse Hanno- ver 1952 ist als ein voller Erfolg fur die deutsche Technik zu werten. Nicht nur das Inland konnte sich von dem wiederge- wonnenen hohen Stand unserer technischen Leistungen uber- zeugen, sondern auch das Ausland bekundete durch seinen aui3erordentlich regen Besuch, dai3 es dicser Messe eine hohe Bedeutung beimai3.

    In 21 hlessehallen und dem dazugehorigen Freigelande rnit einer Gesamtflache von 1% 650 qm stellten die Aussteller aus dem In- und Ausland ihre Leistungsfahigkeit unter Beweis. Die Auswahl der gezeigten Giiter, seien es Maschinen, Appa- rate oder Rohstoffe, legten ein beredtes Zeugnis fur den Ent- wicklungs- und Konstruktionsstand der Technik ab. Kleinere und groi3cre Neuentwicklungen kundeten von dem Vorwarts- drangen von Wissenschaft und Technik. Daher richtete sich die Messe auch in erster Linie an den Techniker und Ingenieur und nicht so sehr an den Kaufmann. Die Mcsse war ein ein- drucksvolles S y m b o l d e u t s c h e r W i r t s c h a f t s k r a f t . Es war eine t e c h n i s c h e R e p r a s e n t a t i o n s s c h a u , die anregen und neue Entwidtlungen vermitteln sollte.

    Dafl die Sympathie fur die deutsche Messe und nicht zuletzt fur unsere deutsche Technik rund nm den ganzen Erdkreis sehr grog ist, bewies nicht nur die Tatsache, dai3 uber 150 nam- hafte auslandische Firmen sich an dem teclinischen Wettstreit beteiligten, sondern dai3 daruber hinaus sich unter den 800 000 Messebesuchern mehr als 55000 aus dem europaischen und iiberseeischen Ausland befanden, was gegeniiber dem Vorjahr eine Steigerung um mehr als 10u/o bedeutet.

    Nach anfanglichem Zogern konnte sich im Laufe der Messe- tage eine rege Geschaftstatigkeit, namentlich auch mit dem Ausland, entialten. Erfreulicherweise kam es in einer groi3en Anzahl von Fallen auch schon zu direktem Abschlui3, wcnn sich auch im Exportgeschaft der Liberalisierungsstop einiger Lander bemerkbar machte. Bei einem im allgemeinen starke- ren Hervortreten des Auslandsgeschaftes gegeniiber dcm In- landsgeschaft zeigte sich naturgemafi auch in Hannover die etwas depressive Tendenz des Weltmarktes. Zusammenfassend kann jedoch betont werden, dai3 die Messe erheblich dazu beigetragen hat, die Exporthemuhungen, vor allem auch der Maschincn-Industrie, trotz verscharfter Weltmarktkonkurrenz zum Erfolg zu fiihren. Auf diese Weise kam der Technischcn Messe Hannover nicht nur eine auflerordcntliche Bedeutung als berufcne Mittlerin ZUI Intensivierung des deutschen Expor- tes zu. Sie war auch bei der Versorgung der deutschen Indu- strie mit Produktionsmitteln, Investitionsgutern, Werkstorlen und jeglichem Induslriebedarf sehr wohl in der Lage, dem verantwortlichen Betriebsleiter die fur seincn Betrieb geeig- netsten Produktionsmittel bestmoglich vor Augen zu fiihren. Das in ihren Hallen herrsclaende, im friedlichen, aber scharfen Wettbewerb gepflegte Prinzip der Auslese erlcichterte ihm diese Aufgabe.

    Die Technische Messe Hannover hat somit ihre entscheiden- den Aufgaben fur den Export, fur die Rationalisierung der deutschen Industriebetriebe und fur die technische Entwidclung als solche bestens erfiillt.

    Zum ersten Ma1 seit nahezu 40 Jahren gab es in Hannover wieder eine ,,H a 11 e d e r C h e m i e", die eine Leistungsschau der chemischcn Industrie darstellte. Die Tatsache, dai3 die namhaftesten Firmen der deutschen chemischen. und der Kunst- stoff-Industrie fast geschlossen vor dic Offentlichkeit getreten waren, hat ihre Wirkung auf die Intercssenten des In- und Auslandes nicht verfehlt. Mehr als 150 000 Besuder hahen die ,,Halle der Chemie" aufgesucht. Zwar konnten nicht alle chemischen Unternehmen in dieser Halle Platz findcn, so dai3 vide in dcn benachbarten Hallen mitten untcr ihren Abneh- mer-Industrien ausstellen mufiten. Was in der ,,Halle der Chemie" geboten wurde, war noch keine luckenlose Ubersicht

    FETTE U N D S E I F E N 54. Jahrg. Nr.8 1952

    uber die Leistuiigsfahigkeit der gesamten deutschen chemi- schen Industrie. Vielmehr wurde die enorme Vielfaltigkeit der deutschen Chemie, dargestellt an dem Querschnitt der Fabri- ltationsprogramme maflgeblicher Unternehmen, und ihre Aus- strahlung in das tagliche Lehen aufgezeichnet. Nebcn Ver- kaufserzeugnissen wurden au& Anregungen und Ideen zur Diskussion gestelrt, Wenn auch viele Firmen gerade der Grundstoff -Chemie den Hauptzweck der Beschickung der Messe nicht in einem unmittelbaren Verkaufsgeschaft sahen, so er- gaben sich doch im Verfauf der Gesprache iiber verfahrens- technische Fragen, uber neuentwickelte Erzeugnisse, Lizenzen, Liefer- und Exportmoglichkeiten einzelner Produkte manche Vcrkaufschancen. Als sehr vorteilhaft hatte es sich erwiesen, dai3 viele Ausstcllerfirmen einen groi3en Stab von Fachleuten eingesetzt hatten, die die Kunden in d e n sie interessierenden Fragen saciikundig beraten konntcn.

    Trotz des heterogenen Gebietes bot die Schau einen be- mcrkenswert geschlosscncn Eindruck. Dieses ,,Kraftfeld der Chemie" ubte daher mit Recht an allen Messetagen eine be- sondere Anziehungskraft auf alle Besucher und vornehmlich auC die Techniker fast aller anderen Industrien aus. Die Zahl von iiber 50 Ausstellerfirmen ist fur den Besucher wahrschein- lich nicht so entsrheidend gewesen wie die Tatsache, dai3 fast alle bedeutenden Chemie-Unternehmen der Bundesrepublik in der >,Halle der Chemie" vertreten waren. Den auslandischen Besucher interessierte besonders, da8 fast alle Nachfolge-Un- tcrnehmen der ehemaligen IG-Farbenindusirie AG. in Hanno- ver vertreten warcn.

    Die Messe hat den Beweis geliefert, dai3 die deutsche chemische Industrie trotz der giofien Substanzverluste durch den Krieg und seine Folgen heutc wieder mit einer beaht- lichen Anzahl von neuen Spezialerzeugnissen aufwarten kann, die ihre Position im Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt er- leichtern diirften. Lebhaftes Interesse beanspruchten vor allem die neuartigen Produkte der deutschen Kunststoff-Industrie.

    Die chemische Industrie des Bundesgebietes erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 9.9 Mrd. DM. Dies ent- spricht dem Werte nach einer Steigerung gegcniibcr 1950 von e t ~ a 40"/0. Obwohl auch in der chemischen Industrie Preis- steigerungen zu verzeichnen waren, so hielten sie sich doch in vie1 engeren Grenzen als bei den mcisten anderen Industrie- zweigen. Giinstig hat sich 1951 die westdeutsche Kunststoff- Eizeugung entwickelt, die sich von 80000 to 1950 auf etwa 170000 to im Jahre 1951 erhijht hat. Gcgenuber einem allge- meinen Ansteigen der Produktiomswerte der chemischen Indu- strie war die Erzeugung von Seifcn und Waschpulver im Jahre It351 Ieicht rucklaufig.

    1951 konnte die chemische Industrie Westdeutschlands auf fast allen fuhrendcn Mirkten der Welt wieder Fui3 fassen. Der Ausfuhrwert von 21 Mrd. DM 1951 kommt annahernd ciner Verdoppelung gegenuber 1950 gleich. Beriicksiditigt man dabei die Prcisbcwegungen, so diirlte dennoch die Exportstei- gerung der Menge nach etwa 5OU!o betragen haben. Die chemischen Erzeugnisse bestritten 1051 rund 14.5 "/o des Ge- samt-Exportes der Bundesrepublik gegeniiber 17 O/u vor dem Kriege. Wahrend 62.5 O/n der Chemie-Ausfuhr in das europaische Ausland gingen, entfielcn auf Ubersee 37.5 O/u (vor dem Krieg durchschnittlich ctwa 40 " / o ) .

    Untcr den einzelnen Sparten der chemischen Erzeugnisse hielten 1951 die Schwerchemikalien mit 26.6O/0 des Gesamt- Chemieexports die Spitze. Es folgten Teerfarben mit 14.5 "/o uiid pharmazeutische Erzeugnisse mit 8.8 "in. Eine ganz be- achtliche Ausfuhrsteigerung, namlich von 29 Mill. auf rund 100 Mill. DM, hatten die Kunststoffe aufauweisen. Trotz die- ses erfreulichen Exportergebnisses 1951 (14 "/" des Weltmark- tes) hat unsere Chemie-Ausfuhr noch bei weitem nicht den Stand von vor dem Krieg erreicht (30/o) . Nach USA und

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  • Fngland nimmt Deutschland heute den dritten Platz im Welt- Chemie-Geschaft ein.

    In Anbetracht des zunehmenden Konkurrenzdruckes, der vor allem von USA und England ausgeht, wird die westdeutsche chemische Industrie das Vorjahrs-Exportergebnis 1951 nur unter groflten Anstrengungen halten konnen. In den ersten Monaten dieses Jahres war bereits eine rucklaufige Bewegung unserer Chemie-Ausfuhr za verzeichnen. Es steht aber zu hof- fen, dafl der Konkurrenzkampf der deutschen chemischen In- dustrie auf dem Weltmarkt nicht durch unnotige Ausfuhr-Er- scliwernisse gehemmt wird, sondern eine wirksame Unter- stutzung aller verantwortlichcn Stellen erfahrt.

    Nachstehend bringen wir in alphabetischer Reihenfolge eine Anzahl von Firmen, deren Erzeugnisse fur unsere Leser von Interesse sein durften.

    Abshagen X Go., Hamburg-Wandsbek Die Firma stzllt im wescntlichen Lack- und Druckfarben-

    rohstoffe auf Harz- und Ulbasis her. Der Schwerpunkt der Fertigung liegt auf dem Gebiet der Harzveredlungsprodukte in Form von Spezial-Harzestern sowie auf dem Gebiet der Standol- und Druckfirnisherstellung mit ihrer Fortentwicklung in Richtung auf modifizierte Olkombinationen und Weich- macher. Daruber hinaus legt die Firma besonderen Wert auf die Herstellung und den Vertrieb von Trockenstoffen, wie Re- sinate, Linoleate und Naphthenate, und hat als wichtiges Hilfsmittel ein Netzmittel cntwickelt, das der einschlagigen Industrie beachtliche Vorteile bietet.

    AEG, Allgcmeine Elektricituts-Gesellschaft, Berlin Ein bedeutsamer Ausschnitt des vielseitigen Schaffens wurde

    auf der Technischen Messe in Hannover gezeigt. Das Ferti- gungsproqramm der AEG konntc in den letzten Jahren erheb- lich erweitert werden. Der ausgestellte Pruftransformator in Kaskadenschaltung fur 1.2 Mill. V weist darauf hin, dad das Hochspannungsgebiet - Transformatoren, Wandler, Schalt- gerate usw. - von dem Unternehmen besonders gepflegt wird. Ein AEG-Groi3-Kontaktgleichrichter, der in Einheiten bis zu 10 000 A bei Spannungen bis 800 V gebaut wird, bedeutet eine wesentliche Stromersparnis uberall dort, wo in der Industrie im Dauerbetrieb Drehstrom in Gleichstrom umgeformt wer- den mu& z. B. in Elektrolyse-Anlagen. Die mechanisch beweg- ten Kontakte dieses Grod-Gleichrichters arbeiten praktisch ohne Abnutzung, obwohl sie stundlich 180 000 Schaltungen machen. Durch Schaltdrosselspulen wird erreicht, dai3 die Kontakte im- mer beim Stromnulldurchgang schalten. Mit derartigen Kon- takt-Glcichrichtern werden Wirkungsgrade bis 97 O/o erreicht. - Im letzten Jahr hat die AEG ein neues Registriergerat rnit tintenloser Aufzeichnung eingefuhrt, wobei der Schreibarm des Medwerkes an Stelle der Tintenfeder eine Stiftelektrode er- halt, die auf dem mit einer dunnen Metallschicht versehenen Registrierstreifen eine feine Schreibspur ausbrennt. Diese Mei3- gerate zeichnen sich durch gcringere Wartung, groi3ere Schreib- sicherheit und erhohte Schrcibgeschwindigkeit aus.

    Anker-Werk Gebr. Gnller, Nurnberg Die Firma stellt KunststoK verarbeitende Maschinen her,

    die in ihrer Betriebsweise sowohl manuell, halh- als auch voll- automatisch gesteuert werden konnen. Alle Bewegungsvor- gange ermoglichen ein leichtes und sicheres Einstellen der Ma- sdline. Druck, Geschwindigkeit, Zeit, Weg, Temperatur und Menge sind als wesentliche Verformungskomponenten schnell, stufenlos und voneinander unabhangig einstellbar. Der Pla- stik-Spritzgd-Automat T P A erfullt somit die Aufgaben, die die heutige Spritzgudtedinik an ihn stellt, wovon man sich auf der Messe personlich iiberzeugen konnte.

    Anorgana, Gendorf Neben den zahlreichen bekannten Glycolprodukten, Textil-

    hilfsmitteln, Pflanzenschutz- und Schadlingsbekampfungsmit- teln brachte die Firma eineri Ausschnitt aus der Kunststoff-Er- zeugung. Fur den Lack- u~id Farbenfachmann war besonders das Spezialprodukt Alkydharz WM interessant. Es handelt

    ,

    sich dahci um ein Erzeugnis fur die Herstellung rein weider, nicht gilhender, hochelastischer, wasser- und wetterfester Harn- stoff- und Melaminharz-Kompositionen, die als Einbrennlacke Temperaturen bis 180 und dariiber vertragzn. Neue Fettalko- hulsulfate (Genapol SN, LR-Paste und -Pulver und LRT) aus modifizicrten Fettalkoholen konnen sowohl ifi Fein- als auch in Schwerwaschmitteln, ferner in kosmetischen Produkten zum Einsatz gelangen und zeichnen sich durch besserc Loslich- keit, durch hohes Dispergier- und besseres Waschvermogen aus.

    Bcidischs Anilin- und Soda-Fabrik, Ludwigshafen a. Rh. In einer groi3 angelegten Scbau wurde ein gedrangter Uber-

    blick uber das Fabrikationsprogramm gegeben, das mehrere 1000 Verkaufsprodukte fur fast samtliche Industrien umfafit. Darunter waren eine Reihe von Neuheiten auch gerade fur die Lack-, Kunststoff - und pharmazeutische Industrie zu finden. Herauszugreifen sei nur, dad fur die Lackindustrie in den .Laropal-Marken" neue synthetische Edelkopale gcschaffen sind. Sie lassen 01- und Spritlacke rascher trodtnen und hellste Klarlacke und Weii3emaillen erzielen. Die winzigen Perlen des ,,Polystyrol VRP" reflektieren, dem entsprechenden Lack aufgestreut, auftreffendes Licht wie eine Unzahl von Katzen- augen - ein wertvolles Hilfsprodukt zur Herstellung von Auto-Reflex-Lacken. - Die langjahrige Entwicklungsarbeit an den Rohstoffen fur vollsynthetische Fasern wurde auflerdem bildhaft dargestellt.

    Dr. Beck R. Go. GmbH., Hamburg Auf dem Messestand sah man die verschiedensten Elektro-

    Isolierlacke, Drahtisolationen, Kabel- und Schaltdraht-Lack- gewebe und Schlauchlacke, Uberzuglacke sowie Schmelz- und PreBmassen-Uberzuge, die uber das umfassende Fertigungs- programm dieser Firma Auskunft gaben.

    P. Beiersclorf k Co., Hamburg Durch Bildmaterial unterstutzt wurden die einzelnen Tesa-

    Fabrikate und ihr groi3es Anwendungsgebiet in den verschie- densten Industriezweigen aufgezeigt: so z. B. Tesafilm mit und ohne klebfreiem Rand (farbig und farblos) im kaufmannischen und technischen Buro, Tesaflex, das neue Isolierband, Tesa- borde, das reiflfeste EinfaBband fur Zeichnungen, Folien, Musterkarten usw.

    /. P . Bemberg AG. , Wuppertal-Oberbarmen Das Zellglas .Cuprophan" erobert sich immer weitere An-

    wendungsgebiete. Nicht nur die Verpackungsindustric hat die Vorteile des Cuprophans erkannt, daruber hinaus werder, auch heutzutage Leitungsdrahte mit diesem Werkstoff umsponnen. Es dient sogar als vollwertiges Austauschmaterial fur Bast. Eine reiche Ausstellungsschau unterstrich das weitc Anwen- dungsgebiet.

    A. Bitter X Co. GmbH., Kassel Von dieser Firma wurden neu entwickelte Spezial-Zentri-

    fugen-Motoren ausgestellt, deren besondere Eigenart darin liegt, dad sie fur ganz besonders niedrigen Einschaltstrom ge- baut sind, urn die direkte Einschaltung am offentlichen Netz auch fur groi3e Wascherei-Zentrifugen zu ermoglichen. Es handelt sich um Kurzschlui3-Motoren mit Sonderanker, die eine auderordentlich hohe Stromverdringung im Augenblick des Einschaltens aufweisen und daher sehr hohes Anlaufdreh- moment eniwickeln. Z. B. haben Antriebsmotoren fur Wasche- Zentrifugen mit 1000 mm Trommel-@ einen maximalen Ein- sc...

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