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  • BildungfrnachhaltigeEntwicklung

    Hintergrnde,Legitimationund(neue)Kompetenzen

  • Bildung fr nachhaltige Entwicklung

    1 Hintergrnde:DerNachhaltigkeitsdiskurs 2

    2 BildungfrnachhaltigeEntwicklung(inter)national 4

    3 WarumBNEinnovativeLernformenerfordert 8

    4 GestaltungskompetenzimWandel: NeueTeilkompetenzenundihreLegitimation 11

    5 WielegitimierensichdieTeilkompetenzenund welchesindhinzugekommen? 12 5.1 InteraktiveVerwendungvonMedienundToolsS.12 5.2 InteragiereninheterogenenGruppenS.14 5.3 EigenstndigesHandelnS.16

    6 Anhang 19

    7 DieneuenTeilkompetenzenimberblick 21

    Literatur 22

    Links 24

    BildungfrnachhaltigeEntwicklunginderSchule, EmpfehlungderKMK 25

    1 Ausgangslage 27

    2 ZielsetzungeinerBildungfrnachhaltigeEntwicklung anSchulen 29

    3 HinweisezurUmsetzungderBildungfr nachhaltigeEntwicklung 30 3.1 ErwerbvonKompetenzenS.31 3.2 ZusammenarbeitinderSchuleund KooperationmitPartnernS.32 3.3 ThemenderNachhaltigkeitimUnterrichtS.33 3.4 LehrerbildungS.33

    4 Anhang 35

    inhalt

    Personen-undBerufsbezeichnungenumfassenstetsweiblicheundmnnlichePersonen.

    Teil2

    Teil1

  • Bildung fr nachhaltige Entwicklung

    1 Hintergrnde:DerNachhaltigkeitsdiskurs

    MansollteindieLehrplnenuraufnehmen,wasmindestensseit20JahrenalsErkenntnisinderWeltist.DaswarimJahr1900nochdiefesteAuffassungdesPdagogenFriedrichPaulsen.ImVergleichzudiesemDiktumhatdieBildungfrnachhaltigeEntwicklung100JahrespterauerordentlichschnellindieCurriculaEinganggefunden.NachhaltigeEntwicklungwirdschlielicherstseitMitteder1980erJahrealsnormativerHandlungsrahmenfrPolitik,konomieundGesell-schaftpropagiert(vgl.Hauff1987)undseitden1990erJahreninderPdagogikalsBildung frnachhaltigeEntwicklung (BNE)konzeptionell entwickelt,prak-tischerprobtundcurricularverankert(vgl.deHaan1996).DenAnlassfrdiePropagierungvonnachhaltigerEntwicklungundeinsichdaranorientierendes pdagogisches Handeln bilden auf der einen Seite die seit den1960er JahrenvielfachundverstrktbeobachtetenkologischenKrisenphno-mene sowie die Kritik an der ungerechten Verteilung der Lebenschancen derMenscheninderheutigenWeltaufderanderenSeite.DieKritikamArtensterben,an Schadstoffeintrgen, am Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen und dieKritikanderungerechtenVerteilungderReichtmerderErdeandengeringennationalenwieindividuellenEntwicklungschancenvonLndernundMenschenindersogenanntenDrittenWeltgingmitderBefrchtungeinher,dasssichdieknftigen Zustnde eher verschlimmern als verbessernwrden (vgl. Meadowsu.a.1972;1993).GesuchtwurdedahernacheinerdoppeltenStrategie:EssollteneinerseitsdienatrlichenGrundlagenfrdasmenschlicheLebengesichertwer-den.AndererseitssolltediesabernichtzumVerzichtaufkonomischeProsperittfhrenmssen,denndamitwrendieChancenderEntwicklungslnderdrama-tischeingeschrnktworden,einenverbessertenLebensstandardundWohlfahrtfrallezuerreichen.SeitherwirdintensivanStrategiengearbeitet,dieeinenWegausderFallevonUngerechtigkeit, riskanter Natur verbrauchender und zerstrender ProsperittundderNotwendigkeitvonkonomischerwiesozialerEntwicklungbieten.DerLsungsweg heit: nachhaltige oder zukunftsfhige oder auch dauerhaft um-weltgerechteEntwicklung.Seitden1990erJahrensindzahlreicheKonferenzen,Strategiepapiere und Beschlsse zu verzeichnen, in denen international, aufder europischen Ebene sowie auf den verschiedenen Ebenen der Politik inDeutschlanddienachhaltigeEntwicklungzumGrundsatzundzur Leitlinie frpolitischesHandelnerklrtwurde.InDeutschlandwurdedasPrinzipNachhaltigkeit1994alsStaatszielimGrundgesetzverankert.(BMU1997,S.10)

    BeiallemKonsensberdasLeitbildNachhaltigkeitimAllgemeinenisthinsicht-lichderKonkretisierungvonZielsetzungen,derFormulierungvonPriorittendesHandelnsundderEntwicklungvonStrategieneineauerordentlichkontrover-seDiskussionzuregistrieren.SollinersterLiniedieBiodiversitterhalten,derKlimawandelgestopptundsollderRessourcenverbrauchreduziertwerden?SollinersterLinieaufdenAusgleichzwischenarmenundreichenLnderngeachtetwerdenoder kommtesprimr aufdiekonomischeEntwicklungan,weilmitihr die Bedingungen der Mglichkeit von Wohlfahrt geschaffen werden? DarfmandieFragenberhauptsostellenodermussmansogleichaufeineBalanceinsistieren?undkannesdiesetatschlichgeben?DiewissenschaftlichenwiepolitischenDifferenzensindindiesenFragenbeachtlichundsubstanzielleinte-grativeKonzeptenurseltenzuregistrieren(zweiAusnahmenseienhiergenannt:Kopfmlleru.a.2001;Coenen/Grunwald2003).BeiallerDivergenzhinsichtlichderFormulierungvonsubstanziellenNachhaltig-keitspostulatenund-regelnistallerdingseinesauffllig:Generellbeurteiltmanin der Diskussion um Strategien nachhaltiger Entwicklung die Frage als ent-scheidend, inwieweit Gesellschaften berhaupt in der Lage sind, eine solcheumfassendeundweitreichendeTransformationzubewltigen,wiesiedasKonzeptderzukunftsfhigenEntwicklungimpliziert.DasssichdiesnichtandersalsbereineweitreichendeModifikationindenLebensweisenderMenschen,nichtohnetiefgreifendenWandelderdominantenProduktions- undKonsumptionsmusterundnichtohneeineNeuorientierungvonPlanungs-undEntscheidungsprozessenerreichenlsstundzwarweltweitgehrtzudenweitgehendgeteiltenGrund-einsichtenderSustainability-Debatte(Kopfmlleru.a.2001,S.33).

    1 hintergrnde: der nachhaltigkeitskurs

  • Bildung fr nachhaltige Entwicklung

    2 BildungfrnachhaltigeEntwicklung(inter)national

    Wenn es erstens um einen weitreichenden mentalen Wandel geht, werdenProzesse vernderter Bewusstseinsbildung der Individuen notwendig unddiesesindnurberdasLernenzuverwirklichen.DemEinzelnenwerdenindie-sem Zusammenhang erhebliche Kompetenzen bei der Beteiligung und Selbst-organisationvonVerstndigungs-undEntscheidungsprozessenabverlangt,zumBeispielbeidereigenstndigenAneignungundBewertungvonInformationen,Kommunikations- und Kooperationsfhigkeit sowie vorausschauendem PlaneninvernetztenSystemen.DieAgenda21pldiertdeshalb inKapitel 36 frdieNeuausrichtung der Bildung auf eine nachhaltige Entwicklung. Um wirksamzusein,sollsicheineumwelt-undentwicklungsorientierteBildung/Erziehungsowohl mit der Dynamik der physikalischen/biologischen und der sozio-konomischenUmweltalsauchmitdermenschlichen(evtl.aucheinschlielichdergeistigen)Entwicklungbefassen,inalleFachdisziplineneingebundenwerdenund formale und nonformale Methoden und wirksame Kommunikationsmittelanwenden,heitesdort(BMU1997,S.261).Der damit formulierte doppelte Aufforderungscharakter, Lernkonzepte fr dieMglichkeit des Handelns im Sinne der Nachhaltigkeit zu entwickeln und indieofferiertenHandlungsstrategienElementederPartizipationder Individuenzu integrieren, fhrtdirekt inKonzeptionenderBNE. Ihrwird seitMitteder1990er Jahre in Deutschland sowie international von politischer Seite gre-reAufmerksamkeitgewidmet.AufflligsindindiesemZusammenhangsogleichdie Schwierigkeiten in der Konturierung der BNE. Ein exorbitantes Problemerwchst insbesondere aus dem sehr weiten Verstndnis von Nachhaltigkeitund von den Aufgaben der BNE, wie sie in internationalen Dokumenten derVereinten Nationen und der UNESCO formuliert werden. Fr die VereintenNationenwiefrdieUNESCOgehrtEducationforAll,dieUnitedNationsLiteracyDecade(2003bis2012),dieArmutsbekmpfungsowohldieBekmpfungvonHIV/AIDSunddieGleichstellungderGeschlechterzudenAufgabenfeldernderBNE(vgl.UNESCO2005oderUnitedNations2002).Freilichwerdenauchdie Entwicklung nachhaltiger Lebensstile, der demografische Wandel, inno-vative Technologien, Probleme des Konsums, die Umweltverschmutzung, derKlimawandeletc.alsThemenvonBNEgenannt.NachhaltigeEntwicklungwirddamiteinerseitszueinemLernfelddeklariert,andererseitsaberwirdalles,waseiner Entwicklung im positiven Sinne entgegengeht oder fr die Zukunft alssinnvollerscheint,unterderBNEsubsumiert.Esscheintundwirdmanchmalsogar formuliertals sollemanausderBNEherausgenerell dieQualittderBildungssystemebeurteilen,berBNEdieArmutbekmpfen,dieAlphabetisierungvorantreibenunddieGleichheitderGeschlechterdurchsetzen.

    SosinnvollalldieseInitiativensind,sosehrberfrachtetmandieBNEmitsolchenAnsprchen.ZudemgertdasVerstndnisvonBNEdiffusundmanmachtsichunglaubwrdig,wenneinsoschmalesLern-undHandlungsfeld,wieesBNEimformellenwienonformellenBildungsbereichdarstellt,alldieseThemenbehandelnsoll.WiekannmanmitdieserDiffusionundberfrachtungvonBNEumgehen?

    MeinVorschlagist,derBNEausmehrfachenGrndeneinenationaleAusprgungzugeben.DashatwenigermitderSouvernittderStaatendieserWeltzutunalsmitdenspezifischenProblemlagenund jeweiligengesellschaftlichenStruk-turensowievorhandenerExpertiseundProfessionalitt.SoistesunterGesichts-punktenderNachhaltigkeitsicherlichrichtig,inetlichenLnderneducationforalleinzufordern.WonichteinmaleineGrundbildungfrachtbiszehnSchul-jahre verwirklicht ist und zudem Mdchen und Frauen kaum ein Zugang zurBildunggewhrtwird,mussmandiesesProblemausderPerspektivederBNEaufdieAgendasetzen.Woaber,wiehierzulande,einDeckeneffekterreichtist,d.h.fralleeineSchulpflichtbiszumEndederSekundarstufeIbesteht,isteswenigsinnvoll,dieseAufgabederBNEnochzuzuschreiben.Dasgiltauchdann,wennmanaufdiehoheQuotederAnalphabeteninDeutschlandverweist,dietrotzderSchulpflichtexistiert.DennmitderAufgabe,dieseQuotezureduzie-ren,wrendieExperten/innenfrBNEberfordert.EswreeinZeichenvonUnprofessionalitt,wrdemandiesesFeldmitbedienenwollen.Schlielichgibtesdafr inDeutschlandExperten/innen,die sichdieserThematikvielbesserannehmenknnen.DasgiltauchfrandereThemen,dieinternationalderBNEzugedachtwerden.AuchfrdieHIV-PrventiongibtesinDeutschlandprofes-sionellarbeitendeOrganisationenundExperten/innen,diehierttigsind,wieessieimKampfgegenRassismusundinderFrsorgesowieArmutsbekmpfunggibt.Damitsinddiese(wiezahlreicheandere)ProblemfelderdennochnichtausdemHorizontderBNEverschwunden.Siewerden,andersfokussiert,durchauszumThema,aberimmerausdemBlickwinkeleinesengerenVerstndnissesvonNachhaltigkeit.Eine nationale Ausprgung ist auch aus anderen Grnden sinnvoll. Wir lebenin einer Wissensgesellschaft. Deutschland ist ein rohstoffarmes Land, dessenProsperitt von Hightech und intelligenten Dienstleistungen abhngt. Inno-vatio

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