Bindung im frühen Kindesalter - edoc.sub.uni- .Seite 3 1. Einleitung Persönlichkeitsstörungen,

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Bindung im frhen Kindesalter Der Einfluss von frhen Bindungserfahrungen auf die sozial-emotionale

Persnlichkeitsentwicklung

Bachelor-Thesis

Fakultt Wirtschaft und Soziales

Bildung und Erziehung in der Kindheit

HAW Hamburg

Betreuender Prfer: Herr Prof. Dr. Gerhard J. Suess

Zweitprfer: Herr Prof. Dr. Andreas Vo

Abgabedatum: 21.11.2016

Carina-Christin Traeder

Seite 2

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ...............................................................................................................................3

2. Die Bindungstheorie .............................................................................................................4

2.1 Hintergrund und Geschichte ...................................................................................................... 4 2.2 Grundlagen .................................................................................................................................. 8

2.2.1 Definition von Bindung .......................................................................................................... 8 2.2.2 Elterliche Feinfhligkeit ......................................................................................................... 9 2.2.3 Bedrfnis nach Nhe (und Distanz) ..................................................................................... 11 2.2.4 Bindung als Basis fr Exploration ....................................................................................... 12 2.2.5 Innere Arbeitsmodelle .......................................................................................................... 14

3. Die Eltern-Kind-Bindung ...................................................................................................16

3.1 Bindungsentwicklung ................................................................................................................ 16 3.2 Bindungsverhalten und Bindungsqualitt .............................................................................. 18

3.2.1 Bindungsmuster .................................................................................................................... 19 3.2.2 Bindungsstrungen ............................................................................................................... 23 3.2.3 Erklrungsanstze fr die Ausprgung verschiedener Bindungsmuster .............................. 23

4. Die Persnlichkeit ...............................................................................................................24

4.1 Allgemeine Persnlichkeitsentwicklung .................................................................................. 24 4.2 Die sozial-emotionale Persnlichkeitsentwicklung ................................................................. 26 4.3 Persnlichkeitsstrungen .......................................................................................................... 29

5. Der Einfluss von Bindung ..................................................................................................31

5.1 Der Einfluss von Bindung auf die Persnlichkeitsentwicklung ............................................. 31 5.2 Mgliche Folgen unsicherer Bindung oder Bindungsstrungen ........................................... 33

6. Schlussfolgerungen .............................................................................................................35

7. Verzeichnisse ........................................................................................................................38

7.1 Literaturverzeichnis .................................................................................................................. 38 7.2 Abbildungsverzeichnis .............................................................................................................. 40

8. Eidesstaatliche Erklrung ..................................................................................................41

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1. Einleitung

Persnlichkeitsstrungen, Angststrungen, Depressionen, Suchterkrankungen,

Zwangsstrungen und Suizidalitt diese Krankheitsbilder sind in unserer Gesellschaft keine

Seltenheit. Aber warum entwickeln manche Menschen psychische Strungen und andere nicht?

Warum knnen manche Menschen mit Schicksalsschlgen besser umgehen als andere?

Warum meistern viele Menschen die Schwierigkeiten des Lebens und andere zerbrechen

daran? Warum sind manche Menschen in der Lage, langfristige, bestndige und glckliche

Beziehungen einzugehen, und andere nicht?

Sind hierfr unsere Gene verantwortlich oder liegt es vielmehr an der Umwelt, die unser

Leben in dem Mae beeinflusst? Oder ist es letztlich das Zusammenspiel und Produkt dieser

beiden Faktoren? Das Ursachenspektrum fr die Entstehung psychischer Strungen bzw.

psychischer Sicherheit ist unendlich vielfltig. Eine mgliche Erklrung liefert uns die

Bindungstheorie. Wenn es um die Entwicklung psychopathologischer Symptome geht, spielen

meist mehrere Faktoren eine Rolle. Die verschiedenen Bindungsqualitten gelten als ein

Schutz- bzw. ein Risikofaktor. (vgl. Brisch, 2005, S. 77)

Aber was ist eigentlich Bindung? Und warum entwickeln manche Menschen eine sichere,

andere hingegen eine unsichere Bindung? Welche Auswirkungen haben die unterschiedlichen

Bindungsmuster auf die weitere Entwicklung?

In den vergangenen 25 Jahren hat die Entwicklungspsychologie enorm an Fortschritten

gewonnen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war hierbei, dass die Frsorge, die ein Kind in

den ersten Lebensjahren von seinen Bezugspersonen erhlt, fr seine sptere Entwicklung und

insbesondere fr seine sptere seelische Gesundheit von lebenswichtiger Bedeutung ist.

(Bowlby, Endres, & Ainsworth, 2010, S. 11)

Das Thema Bindungen und Bindungsstrungen findet gerade in jngster Zeit ein

zunehmendes Interesse. Diese in den 1960er Jahren begrndete Forschungsrichtung hat ber

die Jahre viel Aufmerksamkeit erhalten und es konnte eine Vielzahl von fruchtbaren

Ergebnissen gewonnen werden. Die Bindungstheorie verfgt mittlerweile ber wertvolle

Erkenntnisse aus Langzeituntersuchungen und langfristigen Projekten zur Vorbeugung

seelischer Erkrankungen in Risikogruppen. Diese Erkenntnisse ermglichen es heutigen

Bindungsforschern, viel genauere Antworten zu geben als noch vor wenigen Jahren, etwa

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ber die Auswirkungen von Gewaltttigkeit, Kindesmissbrauch oder Scheidung der Eltern auf

die Bindungsentwicklung der Kinder und ber mgliche Prventionen dieser Auswirkungen.

Erfolg hat die Bindungstheorie damit vor allem fr Psychotherapeuten, Psychologen,

Psychoanalytiker und Mitarbeiter in sozialen Berufsfeldern, da sie insbesondere in ihrer

tglichen Arbeit von den Erkenntnissen der namenhaften Forscher profitieren. (vgl. Brisch,

Grossmann, Grossmann, & Khler, 2002)

Diese wissenschaftliche Arbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, inwieweit sich

Bindung im frhen Kindesalter auf die soziale und emotionale Persnlichkeitsentwicklung

des Kindes auswirkt. Hierbei werden sowohl direkte Folgen sowie sptere Langzeitfolgen, die

mglicher Weise erst im Laufe des Lebens auffallen, thematisiert.

Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Einfhrung in die Geschichte und den Hintergrund der

Bindungstheorie. Anschlieend werden einige wichtige Grundlagen thematisiert und einzelne

bedeutende Forschungen erlutert, auf denen die spteren Ergebnisse mageblich aufbauen.

Daraufhin werden die Grundzge der Eltern-Kind-Bindung erklrt, um anschlieend auf die

Bedeutsamkeit der Bindung eingehen zu knnen. Hierzu werden Bezge zur

Persnlichkeitsentwicklung gezogen und es wird auf eventuelle Folgen unsicherer Bindung

oder Bindungsstrungen eingegangen. Final wird ein abschlieendes Fazit gezogen, in dem

auch auf die Bedeutung der gewonnenen Erkenntnisse fr die pdagogische Praxis in den

unterschiedlichsten Ebenen der sozialen Arbeit eingegangen wird.

2. Die Bindungstheorie

2.1 Hintergrund und Geschichte

Anfang der Fnfzigerjahre begrndete der britische Kinderpsychiater John Bowlby

gemeinsam mit der kanadischen Psychologin Mary Ainsworth die Bindungstheorie. John

Bowlby gilt als Grndungsvater der Bindungstheorie, welche spter mit Hilfe des Fremde

Situations Tests von Mary Ainsworth beobachtbar und somit empirisch besttigt wurde.

Durch die zahlreichen empirischen Studien gehrt diese Theorie zu den am besten fundierten

Theorien ber die psychische Entwicklung des Menschen.

Der praktizierende Kinderpsychiater John Bowlby baute nach dem zweiten Weltkrieg eine

Abteilung fr Kinderpsychiatrie an der Tavistock Klinik in England auf. Anfang der 1950er

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Jahre verfasste er im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation einen Bericht ber die Situation

von vielen heimatlosen und verwaisten Kindern in der Nachkriegszeit. (Otto, 2011, S. 390)

Bereits zu dieser Zeit verwies er auf den deutlichen Zusammenhang von mtterlicher Pflege

und seelischer Gesundheit von Kindern und deutet die Notwendigkeit einer neuen Theorie zur

Erklrung der Auswirkungen kindlicher Trennungs- und Deprivationserfahrungen an. (ebd.)

Er referierte ber das spezifische emotionale und kommunikative Beziehungssystem

zwischen Mutter und Kind, die enge Bindung (attachment