Das weiße ---Kaninchen-ALICIA IN WONDERLAND

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Das weie ---KaninchenIch knnte ja Gnseblmchen pflcken und daraus eine Kette flechten, dachte Alice gerade schlfrig bei sich, als sie pltzlich ein Weies Kaninchen mit rosarot funkelnden Augen ber die Wiese nahe am Fluss kommen sah. Ihre Schwester Celia las weiter aus dem Buch vor, aber Alice hatte sich schon zuvor gelangweilt und nun konnte sie erst recht nicht mehr zuhren. Sie hatte nur noch Augen fr das weie Felltier.

Das Kaninchen war trotz der Hitze an diesem Maitag mit einem karierten Jackett bekleidet und hoppelte nicht etwa - wie alle anderen Frhlingshasen - ber die Wiese, sondern lief auf zwei Beinen eilig ganz nah an Alices Picknickdecke unter dem Baum vorbei, sah dabei auf seine Uhr und murmelte besorgt: "Oje, ojemine, ich komme zu spt!" Dann war es auch schon vorbeigestrzt und nahe der Hecke am hinteren Feldrand angekommen. Alice sprang auf und folgte dem Weien Kaninchen. Sie hatte noch nie zuvor ein sprechendes Kaninchen mit

Taschenuhr gesehen, mt ihr wissen. Aber da war das weie Langohr bereits flugs in einem Erdloch unter der Hecke verschwunden.

Das Wunderland im KaninchenbauOhne lange zu berlegen war Alice dem Kaninchen hinterher in den Bau geschlpft und erst als sie drinnen war, staunte sie ber sich selbst. Sie war ja in einen dunklen Tunnel unter der Erde gekrochen! Hier war es nicht etwa wie in einer gewhnlichen Kaninchenhhle mit waagerecht ausgebuddeltem Kaninchengang, sondern es ging nur kurz eben geradeaus und dann geradewegs in einem Schacht nach unten in die Tiefe. Alice purzelte hinein und begann zu fallen. Sie war pltzlich ganz leicht und fiel deshalb nur sehr langsam, wie in Zeitlupe. Mit staunenden Augen schaute sie um sich. "Es sieht hier sehr gemtlich aus", dachte sie. Links und rechts waren Kchen- und Bcherregale angebracht. Ja, einige Bcher und Landkarten kannte sie sogar aus der Schule. "Mmh, und hier: eingemachte Apfelsinen", sagte sie mit lauter Stimme und schmatzte vor Naschlust. Aber da war sie auch schon wieder weiter und weiter nach unten gesegelt. Ihr Kleid war aufgebauscht wie ein Fallschirm, so dass Alice schaukelte und schwebte wie ein Blatt im Wind. Sie hatte weit aufgerissene groe Augen, schaute und schaute, flog und flog, tiefer und immer tiefer. Dabei dachte sie: "Die Hhle ist offenbar sehr tief. Denn ich fliege zwar langsam, aber schon ganz schn lange." "Vielleicht komme ich ja bis zum Mittelpunkt der Erde," berlegte sie dann laut und hrte dabei ihre Stimme in der Leere hallen. Da sie nichts weiter zu tun hatte, begann sie leise zu rechnen: "Das wren dann wieviel Meter? Ungefhr 6500 Kilometer?" Bevor sie aber zu Ende gerechnet hatte, kam ihr eine neue Idee: "Vielleicht falle ich ja ganz durch die Erde hindurch und

komme auf der anderen Seite auf dem Kopf wieder heraus!" Wieder hrte sie ihre eigene Stimme in der Stille. "Aber wo wre ich dann?" Jetzt war sie eine ganze Weile still und dachte: "Ich sollte dann nach dem Namen des Landes fragen. Wahrscheinlich bin ich dann in Neuseeland oder Australien. Oder wo?" Sie fiel weiter, still und ohne etwas zu sagen, denn sie stellte sich vor, wie sie es am besten anstellen sollte, wenn sie herauskme. Dann sagte sie mit heller Stimme und machte dabei einen Knicks: "Guten Tag, knnen Sie mir sagen, wo ich bin?" Sie wollte ausprobieren, was sie tun wrde, kme sie am anderen Ende der Weltkugel wieder zum Vorschein. Doch jetzt fiel sie pltzlich ganz schnell, strzte hinab in die Tiefe, so dass sie mit dem Kopf zuerst fiel und einen Schreck bekam. Aber bald drehte sie sich im Flug wieder um ihre eigene Mitte und schwebte also wieder Kopf nach oben weiter langsam in die Tiefe. Ihr fiel jetzt auf, dass sie im Flug einen Knicks gemacht hatte und sie fand, das war ein ganz beachtliches Kunststck: "Mmh!" Da ihr hier aber niemand antwortete und sie auch niemanden sah, wurde sie schlielich vom langen Fallen schlfrig. Normalerweise schlief ja ihre Katze bei ihr, deshalb rief sie nach ihrer Katze: "Dinah! Miez! Miez! Miez! Ach, ich wnschte, du wrst hier!" Dann dachte sie daran, dass Dinah etwas zu Fressen brauchte und murmelte: "Du knntest hier in der Luft statt Muse, Fledermuse oder Spatzen fangen. Muse oder Spatzen? Essen Katzen Spatzen mit den Tatzen?" Sie spielte im Traum eine Weile mit den Wrtern, dachte sich Reime aus, zum Beispiel: "Machen Katzen Fratzen?" und berlegte gerade noch einmal, ob sie wohl jemals auf dem Boden ankommen wrde, da landete sie mit einem "Plumps" in einem Haufen raschelnder weicher Bltter.

Aber nein, Alice hatte sich nicht weh getan. Sie schaute gleich neugierig um sich. ber ihr, von wo sie gekommen war, war es stockdunkel, vor ihr aber war ein heller schmaler Gang mit schnen Leuchtern an den Wnden. "Ah!" Dort sah sie gerade noch den Stummelschwanz des Weien Kaninchens, das um die Ecke bog, wobei sie es wieder sagen hrte: "Oje ojemine, ojemine! Bei meinen Lffeln und Schnurrbarthaaren. Ich komme zu spt!" Sie sprang also geschwind auf und rief: "Warte auf mich!" Aber das Kaninchen lief hastig weiter ohne auf Alice zu achten. Alice eilte ihm hinterher, war ihm jetzt auch schon direkt auf den Fersen, ja meinte sogar, seinen Stummelschwanz zu erhaschen. Aber so schnell sie auch versuchte, es einzuholen, als sie um die Ecke bog und in der angrenzenden grossen Halle stand, war das Kaninchen bereits durch eine der vielen Tren ringsum entschlpft! Durch welche Tr war es blo gegangen? Alice lief an den Wnden entlang, versuchte jedoch vergeblich eine der Tren zu ffnen. Alle waren zu! Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen!

Unter der Erde: Alices TrnenmeerAlice sah sich ein zweites Mal in der Halle um, dabei entdeckte sie auf einem kleinen Glastisch einen winzigen goldenen Schlssel. Nur er wollte in keines der vielen Trschlsser passen. Entweder waren die Schlsser zu gro oder ihr Schlssel zu klein. "Ich suche ein kleines Weies Kaninchen", sagte sie leise und drehte dabei einen Trknauf. Aber auch diese Tr ffnete sich nicht und niemand war da, der ihr htte helfen knnen.

Nun betrachtete sie den Raum noch genauer, schob dann vorsichtig einen kurzen roten Vorhang an der Wand beiseite, den sie zuvor nicht beachtet hatte. Und siehe da! Dahinter verbarg sich eine kleine, nur etwa 40 Zentimeter groe Tr, mit einem winzigen Schlsselloch! Ja, das war sicher das passende Schloss fr den kleinen Schlssel! Die Tr sprang auf und Alice wollte natrlich hineinschauen, musste dazu aber zuerst in die Knie und dann auf alle Viere gehen, um endlich hineinschauen zu knnen. "Oh!" Dahinter verbarg sich ein wunderschner Blumengarten! Er war wie ein Labyrinth angelegt mit ineinander verschlungenen Wegen und hohen Hecken. "Wenn ich nur wsste, wie ich da hinein kommen kann", fragte sich Alice ungeduldig. "Ich mchte mich wie ein Fcher zusammenfalten und dann wie ein Teleskop ineinanderschieben knnen!" Nur, wie sollte sie das anstellen? Es schien ihr ganz unntz, lnger bei der kleinen Tr zu warten, denn in der unterirdischen Hhle hier waren bereits so viele ungewhnliche Dinge passiert, dass sie hoffte, in der Halle noch einmal etwas berraschendes zu entdecken. Also ging sie erneut umher.

"Siehst du, da auf dem Tisch steht ein Flschchen", sagte sie zu sich selbst. Tatschlich fand sie also auch diesmal wieder etwas. "Die kleine Flasche war vorher noch nicht da", stellte Alice mit detektivischem Instinkt fest. Um den Flaschenhals herum war ein Zettel gebunden, auf dem stand: "Trink mich!" "Nun ja, das werde ich tun, aber ich sehe zuerst nach, ob ein Totenkopf darauf ist", sagte Alice, denn sie wusste, das bedeutete, dass die Flasche Gift enthielt. Als sie sich vergewissert hatte, dass das nicht der Fall war, kostete sie. "Mmh!" Der Saft schmeckte nach Kirschkuchen mit Schlagsahne, Ananas, Karamellbonbon und warmem, mit Butter bestrichenem Toast. "Kstlich!" Nach und nach trank Alice die Flasche ganz leer. Aber, "was fr ein eigenartig kribbeliges Gefhl!" dachte sie, als sie merkte, dass pltzlich in ihrem Krper etwas Seltsames vor sich ging. "Ich schrumpfe!", rief sie dann gespannt. Ihr Gesicht begann zu strahlen bei dem Gedanken, dass sie nun die geeignete Gre haben wrde, um durch die kleine Trffnung in den rtselhaften Garten zu gelangen. Jetzt war sie tatschlich gerade

noch 25 Zentimeter gro und wollte also gleich hineingehen. Aber, arme Alice! Als sie an die Tr kam, bemerkte sie, dass sie beim Trinken aus der Flasche den goldenen Schlssel auf den Tisch gelegt hatte und die Tr mittlerweile wieder zugefallen war. "Oh, wie rgerlich, ich habe den goldenen Schlssel auf dem Tisch vergessen!", sagte sie. Sie ging zurck, den Schlssel zu holen, aber, sie konnte ihn in ihrem jetzigen Zustand unmglich erreichen. Zwar sah sie ihn von unten durch den glsernen Tisch hindurch oben liegen, als sie aber an einem der Tischbeine hinaufklettern wollte, rutschte sie sofort wieder hinunter. Sie versuchte es immer und immer wieder, und als sie sich schon ganz mde geklettert hatte, setzte sich die kleine Alice hin und weinte. "Still, Alice, hr sofort auf zu weinen!", sagte sie augenblicklich mit strenger Stimme zu sich selbst. Ja, sie gab sich oft selbst Anweisungen, msst ihr wissen. Manchmal schimpfte sie sogar so heftig mit sich selbst, dass sie weinen musste. Alice war ein Mdchen, das sich gerne vorstellte, zwei Personen zu sein und sich auch gerne eine Welt vorstellte, in der Dinge mglich waren, die sonst nicht sein durften oder als unmglich galten. "Aber jetzt bringt es nichts, so zu tun als ob ich zwei verschiedene Personen wre. Es ist ja kaum genug von mir selbst brig. Und das Heulen bringt auch nichts, denn ich bin jetzt wirklich zu klein, um dort hinaufzukommen!" dachte sie. Was also tun? Da fiel ihr Auge auf ein kleine Schatulle, die unter dem Tisch lag. Sie ffnete umstndlich den fest verschlossenen Riegel. In der Schatulle lag ein kleiner Keks, auf dem mit Korinthen geschrieben stand: "I mich!" "Nun", dachte Alice bei sich: "werde ich grer, so kann ich den Schlssel oben greifen, werde ich abe