Deutsche Fachgesellschaft Psychose und Sucht e.V .Psychose und Sucht e.V (DFPS) e.V Wenn die Sucht

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  • Deutsche Fachgesellschaft

    Psychose und Sucht e.V (DFPS) e.V

    Wenn die Sucht die Psych(os)e regiert

    Zentrum fr Psychose und Sucht Marburg

    Frhjahrstagung 2012

    15. und 16. Mrz 2012

    Donnerstag 15. Mrz 2012, 16:30 Uhr

    Die Funktion der Sucht bei Menschen mit Psychose

    Psychose induziert Sucht?

    Dr. Jrgen Rink - Heidelberg

    Praxis fr Psychotherapie, Beratung und Supervision

  • Die Funktion der Sucht bei Menschen mit Psychose

    -Geschichtliches

    -Prvalenz und Inzidenz

    -tiologiemodelle

    -Kausalmodelle fr die Praxis

    -Behandlung und Behandlungsmodelle

    -Spezifische Behandlungsprogramme

    -Daten aus der Praxis

    -Geschichten aus dem Praxisalltag, Zahlen und Kasuistik

    1

  • Geschichtliches In psychiatrischen Institutionen ging man bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts davon aus,

    dass nur wenige Patienten zu ihrer psychotischen Erkrankung auch Suchtmittel konsumieren. Der

    Psychose wurde eine suchtprventive Wirkung zugeschrieben.

    Bleuler 1900

    Stringaris 1940

    forschten als erste zum Thema cannabisiduzierte Psychosen.

    1980 Tschner fand eine deutlich erhhte Prvalenzrate von Psychosen bei Drogenkonsumenten

    1983 Die Fachklinik Eiterbach begann ihre Arbeit als erste Spezialeinrichtung zur medizinischen

    Rehabilitation bei Doppeldiagnosen

    1991 erste Tagung zum Thema Psychose und Sucht in Hamburg

    1992 Schwoon, Krausz: Erstes Fachbuch zum Thema Psychose und Sucht im deutschsprachigen Raum

    1994 Zweites Fachbuch Thema Komorbiditt , Michael Krausz, Tomas Mller Thomsen

    Auch in den USA nahm durch die Einfhrung deskriptiver Klassifikationssysteme DSM III und 3 CD 10,

    die ermglichen mehr als eine psychische Strung zu diagnostizieren, die Komorbidittsforschung ihren

    Anfang

    2

  • Zur Art und Weise der Zusammenhnge zwischen den

    Diagnosen

    Unter Doppeldiagnosen wird im Allgemeinen die Komorbiditt oder das gemeinsame

    Auftreten einer psychischen Strung und einer Substanzstrung bei derselben

    Person in einem bestimmten Zeitraum verstanden

    Die Diagnose Komorbiditt sowie der Begriff

    Doppeldiagnose beeinhalten bewut keine Aussage

    ber die Art der Zusammenhnge noch die Form

    Personen mit einer Schlangenphobie und Alkoholmibrauch haben eine Doppeldiagnose

    wie Personen mit einer chronischen Schizophrenie und Mehrfachabhngigkeit

    (Moggi 2002)

    3

    Psychose - Sucht

  • Prvalenz und Inzidenz Ist die fast inflationre Entwicklung in Forschung und Versorgung in den letzten 3 Dekaden durch Vernderungen bei den epidemiologischen Daten begrndet?

    Gouzoulis Mayfrank 2007:

    Nach klinischem Eindruck scheint sich das Ausma des Komorbidittsproblems in

    den letzten Jahren immer weiter zu verschrfen wobei die Prvalenzrate fr

    psychisch kranker Menschen mit einer zustzlichen Abhngigkeit deutlich hher

    liegt als umgekehrt.

    Daten aus dem amerikanischen Raum (nach Gouzoulis-Mayfrank)

    Lifetime Prvalenz fr Mibrauch Anteil unter Patienten mit Schizophrenie:

    und Abhngigkeit von:

    Kokain 15 50%

    Amphetamine 2 25%

    Alkohol 20 60%

    Canabis 12 42%

    Nikotin 70 90%

    Die Lifetime Prvalenz bezglich Abhngigkeit ist bei Schizophrenie am hchsten mit 47%, bei Depression nur 27%, bei

    Angststrungen nur 24% - ECA Studie 4

  • Im europischen Raum:

    Hufigkeit von Doppeldiagnosen, berblick - Metastudie Reprsentative Bevlkerungsstichproben: 33% der Menschen mit Substanzstrungen weisen auch eine psychische Strung auf. Klinische Stichproben: 50% der Menschen mit Substanzstrungen weisen auch eine psychische Strung auf (Lieb und Isensee, 2007, Max-PlanckInstitut Mnchen)

    Bei Schizophrenen kommt es mindestens 3 mal hufiger zum Alkoholismus und 6 mal

    hufiger zu anderem Suchtmittelmibrauch (insbesondere Cannabis) im Vergleich zur

    Normalbevlkerung (Gouzoulis-Mayfrank 2007)

    Komorbiditt ist im klinischen Alltag keine Ausnahme sondern die Regel

    5

  • Patienten mit einer schizophrenen

    Psychose haben zu:

    17-35% Alkoholmissbrauch oder abhngigkeit

    6% Cannabissmissbrauch oder abhngigkeit

    3% Kokainmissbrauch oder -abhngigkeit

    2% Amphetaminmissbrauch oder -abhngigkeit

    3% Halluzinongenmissbrauch oder abhngigkeit

    2% Opiatmissbrauch oder -abhngigkeit

    Hambrecht und Hfner 2004 6

  • tiologiemodelle: Psychose und Sucht: Theorien zur Beziehung von Suchtmittelkonsum und psychischen Strungen (nach Tracy 1995)

    Modell der geteilten Anflligkeit Shared Vulnerability Modell (genetisch ererbte, neuropsychologische Entwicklungsstrung)

    Disposition fr beide Erkrankungen

    Interaktionsmodell durch Interaktion von Suchtmittelkonsum und psychische Erkrankung entsteht ein

    spezifisches Krankheitsbild mit spezifischen Mustern

    Modell der Krankheitsauslsung Exacerbations Modell psychoseanfllige Menschen erfahren durch Suchtmittelkonsum eine Auslsung ihrer

    psychotischen Symptome

    Modell der Potenzierung Exacerbations Modell psychotische Menschen erfahren durch Drogenkonsum eine Potenzierung

    (Verschlechterung) ihrer Symptomatik

    Modell der Willfhrigkeit Sensivity Modell psychotische Menschen sind gegenber der Wirkung von Drogen anflliger

    Selbstmedikationsmodell Enhancement Modell psychotische Menschen erfahren durch Suchtmittelkonsum eine Verbesserung ihrer

    Symptomatik

    7

  • Mueser et al., 2007, Gouzoulis-Mayfrank, 2004

    I Selbstmedikationshypothese Behandlung psychotischer Symptome

    > Sensitivittsmodell Vernderung des dopaminergen Systems durch Suchtmittelkonsum, insbesondere Cannabis

    > Affektregulationsmodell Verringerung von Dysphorie

    II Psychoseinduktion Cannabis, Halluzinogene und Stimulanzien

    III Gemeinsame tiologie Dysfunktion des zentralen dopaminergen Systems

    tiologiemodelle

    8

  • Die Selbstmedikationshypothese impliziert, dass bestimmte Substanzen zur

    Selbstbehandlung bestimmter Krankheitssymptome eingesetzt werden, z.B.

    1. ein berwiegen der Positivsymptome der Schizophrenie fhrt zur Einnahme von

    Alkohol oder Benzodiazepinen

    2. ein berwiegen von Negativsymptomen fhrt zur Einnahme von

    Psychostimulanzen

    Diese gerichteten Zusammenhnge konnten jedoch bislang nicht empirisch nicht

    verifiziert werden.

    Im Affektregulationsmodell wird postuliert, dass der Substanzmibrauch als

    ungerichteter Selbstbehandlungsversuch bei diffusen, unspezifischem Unwohlsein

    (Prodromal Symptom) zu verstehen ist.

    Das Supersensitivittsmodell Bidirektionales Modell - basiert auf dem

    Vulnerabilittsmodell von Zubin und besagt, dass der negative Einfluss des Konsums

    auf den Verlauf der Psychose sich auch bei geringen Konsummengen zeigt

    Gouzoulis-Mayfrank 2007

    Modell der sekundren Suchtentwicklung

    9

  • Integratives Modell

    Symptome und Auswirkungen der Psychose werden einerseits durch die

    Drogeneinwirkung verstrkt und begnstigen gleichzeitig den Konsum dieser

    Substanzen (Teufelskreis)

    Das bedeutet das gleichzeitige Auftreten von zwei Strungen unter Verzicht auf die

    Implikation eines tiologischen Zusammenhangs.

    Aber:

    Davon unabhngig spielen auch soziale Faktoren eine groe Rolle social drift

    Psychisch kranke Menschen werden hufig in den sozialen Brennpunkt manvriert, wo

    deviantes Verhalten einschlielich Alkohol und Drogenkonsum hufig ist.

    Umgekehrt kann die Diagnose antisoziale Persnlichkeit bei Drogenabhngigen ein

    Artefakt sein.

    10

  • 2 Sucht Psychose (drogeninduzierte Psychose)

    1 Psychose Sucht (Selbstmedikations-Hypothese)

    3 Sucht Psychose (Modell der gemeinsamen

    tiologischen Faktoren)

    4 Sucht Psychose - Integrationsmodell

    5 Sucht I I Psychose 11

  • Doppelte Diagnose halbe Hilfe?

    12

    Behandlung

  • Behandlung :

    Unterschiedliche Behandlungskonzepte

    basierend auf unterschiedlichen

    Prmissen in psychiatrischer

    Versorgung und Suchtkrankenhilfe

    prallen aufeinander

    13

  • Unterschiedsmerkmale bei der Behandlung von

    Psychosekranken und Abhngigen

    Frsorge

    Abstinenz-

    orientierung

    Deinstitutiona-

    lisierung

    Konfrontation

    Abstinenz-

    voraussetzung

    Rehabilitation

    14

  • Die verschiedenen Welten des therapeutischen Handelns

    in der Suchttherapie und der Psychosebehandlung

    konfrontierend

    realittsnah

    gruppenorientiert

    Verzicht auf Medikation

    Abstinenzforderung

    systematische berwachung

    gewhrend, beschtzend

    frsorglich

    Schutz vor berforderung

    individuell

    lngerfristig neuroleptische

    Behandlung

    Missbrauch als

    Nebenthema

    sporadische berwachung

    Suchttherapie Psychosebehandlung

    15

  • Die meisten Behandlungseinrichtungen prferieren

    ein integriertes Behandlungsprogramm

    Rehabilitation

    Suchtkranker psychotherapeutisch

    konfliktorientiert

    psychoedukativ

    medikaments sttzend

    Psychiatrische Versorgung

    Psychosekranker

    16

    Familienintervention

    Familientherapie

    Motivierende

    Gesprchsfhrung

    Verhaltenstherapie

    Manuale zur