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Die Energetik des Taijiquan VERSION 2.0 (2017) · PDF fileAndreas Schmidt: Die Energetik des Taijiquan V2.0 Seite 1 von 55 Update zur Theoriearbeit von Andreas Schmidt zur Taiji-Lehrer-Prüfung

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  • Andreas Schmidt: Die Energetik des Taijiquan V2.0 Seite 1 von 55

    Update zur Theoriearbeit von Andreas Schmidt zur Taiji-Lehrer-Prüfung 2015

    Die Energetik des Taijiquan VERSION 2.0 (2017)

  • Andreas Schmidt: Die Energetik des Taijiquan V2.0 Seite 2 von 55

    Gliederung:

     Einleitung

     Vorwort zur Version 2.0 von 2017

     Energiefluss im Taijiquan (am Beispiel der Seidenübungen)

     „Seitlicher Energiekreislauf“

     1-Händige Frontale Seidenübung

     2-Händige Seidenübung

     Seidenübung mit dem Bein

     „Vor- / Rückläufiger Energiekreislauf“

     Kleine Seidenübung

     Erklärungsmodelle für „Energiefluss“

     Körperstatik

     Muskelketten

     Lebensenergie

     Meridiane und Sondergefäße

     Die Energiekreisläufe der Sondergefäße und ihre Bedeutung im Taijiquan, eine Hypothese

     Zusammenfassung

     Literatur

     Anhang 1: Energiezentren / Akupunkturpunkte

     Anhang 2: „Die ganze Welt in einer Armbewegung“: Die Seidenübungen und das Yijing / Neijing

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     Einleitung

    „Die Energetik des Taijiquan“ ist ein Thema, dass mich schon seit vielen Jahren beschäftigt.

    Nach dem wir in der „Stehenden Säule“ unseren Körper ausgerichtet und den Geist zur Ruhe gebracht haben lernen wir in den „Seidenübungen“, äußere Bewegung und inneren Energiefluss miteinander in Einklang zu bringen. In den „Formen“ wird diese ganzheitliche innere und äußere Bewegung dann variiert und schließlich in den „Schiebenden Händen“ sowie der Selbstverteidigung zur Anwendung gebracht.

    Aber was ist dieser „Energiefluss“ eigentlich? Und wo genau fließt er entlang?

    Ich versuche hier diesem Thema auf den Grund zu gehen. Neben den Unterweisungen unserer Taijiquan-Meister und Ausbilder innerhalb der WCTAG fließt hier auch mein berufliches Wissen als Heilpraktiker (insbesondere aus der Akupunktur und Akupunktmassage), sowie Erfahrungen im Tao-Yoga (heute „Universal Tao“) / Innerer Alchemie nach Mantak Chia, Literatur und das Erspüren im eigenen Körper mit ein.

    Das Grundkonzept wird hierbei von der traditionellen Theorie der 2 Energiekreisläufe gebildet: Dem „Seitlichen“ und dem „Vor- / Rückläufigen“. Einzeln und in Kombination kann mit ihnen der Energiefluss in allen Taijiquan-Bewegungen erklärt werden.

    Dieses Konzept bringe ich in Verbindung mit der Theorie der „Sondergefäße“ aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Diese Sondergefäße spielen neben ihrer Anwendung in der Akupunktur / Akupunktmassage auch im Qigong und in der daoistischen Inneren Alchemie eine Rolle. Beim „Vor- / Rückläufigen Energiekreislauf“ ist diese Verbindung allgemein bekannt. In Bezug auf den „Seitlichen Energiekreislauf“ formuliere ich dies als eine eigene Hypothese, die ich zur Diskussion stelle.

     Vorwort zur Version 2.0 von 2017

    Nach weiterer Beschäftigung mit dem Thema möchte ich hiermit einige Gedanken

    revidieren. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

    - Der „Horizontale Energiekreislauf“ mit dem „Gürtelgefäß“ bildet im Taijiquan keinen

    eigenständigen Kreislauf, sondern ist ein integraler Bestandteil des „Seitlichen

    Energiekreislaufs“. Dies trifft auch für die „Seidenübung mit dem Bein“ und für

    Drehbewegungen zu.

    - Die bisher der „Energetischen Mittelachse“ („Zentralgefäß“) zugeordneten körper-

    mechanischen Effekte (Fallingstep / Inchpunch) werden jetzt als Aspekte des „Vor- /

    Rückläufigen Energiekreislaufs“ („Kleiner Energiekreislauf“) erklärt.

    - Somit sind wir wieder beim traditionellen Konzept des Taijiquan, das alle Bewegungen als

    Ausdruck von nur 2 Energiekreisläufen (und deren Kombination) erklärt.

    - Der Seitlichen Energiekreislauf bekommt einige Varianten entsprechend der Unterschiede

    der „Frontalen, Bohrenden und Seitlichen Seidenübungen“.

    - Ich habe bildliche Darstellungen der 1-händigen „Frontalen Seidenübung“ hinzugefügt.

    - In einem zusätzlichen Anhang stelle ich die Seidenübungen in Bezug auf die philosophischen

    Theorien der 5 Wandlungsphasen und der 8 Trigramme des Yijing (I Ging) dar.

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     Energiefluss im Taijiquan: 1) SEITLICHER ENERGIE-KREISLAUF: Dieser Energiekreislauf stellt die wichtigste Basis in der Energiearbeit des Chen-Taijiquan dar. Durch Gewichtsverlagerung, Beckendrehung und Heben und Senken des Armes bildet er ein 3-dimensionales Bewegungsmuster und verbindet Beine, Arme und Zentrum (Dantian) miteinander. Er ist in allen Taiji-Bewegungen vorhanden und läuft auch bei den Bewegungen des „Vor- / Rückläufigen Energiekreislaufs“ im Hintergrund mit. FRONTALE SEIDENÜBUNG (rechts) Einleitung

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    ENERGIEFLUSS RECHTER ARM

    PHASE 1 „SINKEN, OPTIONALE DREHUNG NACH RECHTS, INNERER WECHSEL“ Füße doppelt Schulterbreit, der rechte Fuß kann leicht nach außen gedreht werden. a) Drehung: Das Gewicht bleibt (zu 60%) auf dem rechten Fuß. Nachgeben in beiden Hüftgelenken, optionale Hüftdrehung um maximal 20° nach rechts. Die rechte Hand sinkt durch die Schwerkraft (evtl. unterstützt durch die Hüftdrehung) auf Höhe des Rippenbogens. Der rechte Ellenbogen dreht nach unten und sinkt auf Höhe des Rippenbogens, die Handfläche zeigt nach vorne. b) Entspannen und sinken (innerlich); vertikale Gewichtung.

    PHASE 2 „SCHLIESSEN, GEWICHTUNG NACH LINKS, ÄUSSERER WECHSEL“ a) Gewichtung: Wir „öffnen“ (entspannen) links in der Leiste und verlagern das Gewicht zu 60% auf den linken Fuß. Die rechte Hand legt die halbe Strecke von der Seite zur Position vor dem Dantian zurück, die rechte Handfläche dreht nach oben. b) Auf die Verlagerung folgt ein „geradedrehen“ um max. 20° nach rechts, je nachdem, wie viel wir in Phase 1 gedreht haben. Die rechte Hand legt die zweite Hälfte der Strecke zum Dantian zurück.

    a) Die Energie fließt spiralförmig von der Hand zum Ellenbogen b)weiter über die Arminnenseite zum Rumpf. Am Rumpf seitlich-vorne zur Leiste / Hüftgelenk.

    a) Die Energie fließt von der Hüfte von vorne (über KG 6) ins Dantian, erste Hälfte b) zweite Hälfte dieser Strecke.

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    PHASE 3 „HEBEN, DREHUNG NACH LINKS, INNERER WECHSEL“ a) Drehung: Das Gewicht bleibt zu 60% auf dem linken Fuß. Nachgeben in beiden Hüftgelenken, Hüftdrehung um 45° nach links. Knie und Füße bleiben (äußerlich) unbewegt, dabei (und in allen weiteren Drehungen) entsteht eine Spiralspannung in den Beinen. Die rechte Hand steigen durch die Drehung „schraubend“ (als würden sie einem großen Gewinde um unseren Rumpf herum folgen) auf Schulterhöhe. Der rechte Ellenbogen steigt auf Schulterhöhe, die Handfläche zeigt nach unten, das Handgelenk bleibt bei der Drehung vor der Körpermittellinie. b) Entspannen und sinken (innerlich); vertikale Gewichtung.

    PHASE 4 „ÖFFNEN, GEWICHTUNG NACH RECHTS, ÄUSSERER WECHSEL“ a) Gewichtung: Wir „öffnen“ (entspannen) rechts in der Leiste und verlagern das Gewicht zu 60% auf den rechten Fuß. Die rechte Hand bewegt sich nach rechts, die Handfläche dreht sich nach außen. Zuerst steht die Schulter, dann der Ellbogen am weitesten außen. b) Auf die Verlagerung folgt ein „geradedrehen“ um 45° nach links. Die rechte Hand setzt ihre Bewegung nach rechts fort, bis der Arm eine Position im 135°-Winkel zur Schulterachse erreicht hat. Jetzt steht die Hand am weitesten außen.

    a) Die Energie fließt vom Dantian (Körperzentrum, unter dem Bauchnabel im Inneren) nach hinten zu Mingmen (LG4, unter dem 2. Lendenwirbel), b) die Wirbelsäule hoch zum 7. Halswirbel (LG 14).

    a) Die Energie fließt nach außen über die Schulter zum Ellenbogen b) weiter spiralig zur Handfläche (Laogong, KS 8) und zu den Fingerspitzen (besonders zum Mittelfinger).

    Abschluss

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    ENERGIEFLUSS RECHTES BEIN

    1a) Das Gewicht „sinkt“ weiter abwärts, wir drücken uns jedoch dabei schon etwas in einer spiraligen Spannung vom Boden ab, so dass die Energie (von der Erde reflektiert) außenseitig-hinten zum Knie aufsteigt. b) Ebenso weiter zur Hüfte (seitlich).

    2a) Die Energie fließt hintenherum über Mingmen ins Dantian, erste Hälfte b) zweite Hälfte dieser Strecke.

    3a) Die Energie fließt vom Dantian nach vorne (KG 6) b) runter zum Damm (KG1).

    4a) Die Energie fließt über die Leiste die Beininnenseite hinab zum Knie (innen) b) und weiter zum Fuß, Innenseite, Sohle (Verwurzelung, Ni1).

  • Andreas Schmidt: Die Energetik des Taijiquan V2.0 Seite 7 von 55

    ENERGIEFLUSS LINKES BEIN

    1a) Die Energie fließt vom Dantian nach vorne (KG 6) b) runter zum Damm (KG*1).

    2a) Die Energie fließt über die Leiste an der Beininnenseite hinab zum Knie (innen) b) und weiter zum Fuß, Innenseite, Sohle(Verwurzelung).

    3a) Das Gewicht „sinkt“ weiter abwärts, wir drücken uns jedoch dabei schon etwas in einer spiraligen Spannung vom Boden ab, so dass die Energi