Die Ergebnisse meiner zweiten Reise nach Mallorca

  • View
    222

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Die Ergebnisse meiner zweiten Reise nach Mallorca

  • LXXI I ] Heft 3 J Duncker, Vererbungsversuche an Kana~ienv~geln III. 881

    K I a t t , G. T., Ueber den Bastard yon Stieglitz und Kanarien- vogel. Arch. f. Entw.-Mech. Vol. 12, 1901.

    K n ies c h e, G., Ueber die Farben der Vogelfedern. I. Grtin- fiirbung auf Grundlage der Blaustruktur. Zool. Jahrb., hbt. ~.nat., 38. Bd., 1914.

    L a n g, A., Experimentelle Vererbungslehre in der Zoologie seit 1900. 1914.

    L i e b e, Th., Bastarde yon Kanarien. Der Zool. Garten 9. 1868. Noo r duyn , C. L. W., Die Farben- und Gestaltskanarien.

    Magdeburg 1905. - -D ie Erbliehkeit der Farben bei KanarienvSgeln. Arch. f.

    Rassen u. Gesellsch. biol. 1908. O I i n a, G. F., Uccelliera, etc. Roma 1622. Pap , E., Ueber Vererbung yon Farbe und Zeichnung bei dem

    Kaninchen. Zeitschr. f. ind. Abst. u. Vererbsl., 26. Bd., 1921. P la t h, O. E., Notes on the hybrids between the Canary and

    two American Finches. Mass. Inst. of Techn. Cambr. Mass. In: The Amer. Nat. Vol. 56, No. 645, 1922.

    P o I l , H., Ueber Vogelmischlinge, Verh. d. Y. Orn. Kongr. 1910. R o u x, W., Der ziichtende Kampf dor Theile. Gesamm. Abh.

    fiber Entw. Mechanik. I, 4. Leipzig 1895. R u f s , K., Der Kanarienvogel. 14. Aufi., herausg, v. K. Neunzig.

    Magdeburg, 1922. S t r e s e m a n n, E., Die Vogelbilder des Ntirabergers Lazarus

    Roting (gest. 1614) Verb. d. Orn. Ges. in Bayern XV, 3, 1923. - -Zur Gescbichte einiger Kanarienvogelrassen. Orn. Monats-

    her. XXXI, 1923, p. 103. We ismann, h., Ueber Germinaiselektion. Jena 1896.

    Die Ergebnisse meiner zweiten Reise naeh Mallorca.

    Erg~nzungen zu meiner , ,Voge l fauna Ma l lo rcas" .

    Von Dr. A. v. Jordans.

    I I. Teil. 1)

    Coceothraustes coceothraustes coccothraustes (L.). Am 11. IV. schofs ich einen Kernbeifser (Q) bei Lluch. Es

    war der einzige Vogel der Art, den ich sah, und das erste Beleg- exemplar in meiner Sammlung yon Mallorca. Er scheint mir sehr lichte Farben zu haben, aber aus Mangel an Vergleicbs- material konnte ich nichts Genaues feststellen. Ich sandte ihn deshalb an Herrn 8tresemann, der mir nach Vergleich schreibt, er gehSre zur Nominatform. Die Art briitet auf den Balearen

    1) I. Teih J. f. O. 1924, 1~. 145--170.

  • 882 v. Jordans, 2. Reise nach Mallorca. [ ~'f" O. 1924

    anscheinend n icht . - Gosse sah einen Kernbeifser am 12. IV. auf Ibiza.

    Chloris ehloris mallorcae n. subsp. Der Formenkreis Chloris ist nicht einfach; die individuellen

    Schwankungen sowohl der Farben, wie der Griifsenverh~tltnisse sind stark; mein Urteil damals krankte an der nicht genfigenden Kenntnis dieser, Will man Klarheit bekommen, so ist es wie immer ausschlaggebend, nur Viigel gleichen Alters, natfirlich gleichen Geschlechts und gleicher Jahreszeit - - hier sogar miig- lichst wenigstens aus gleichen Monatshfilften - - zu vergleichen. Wenu ich nicht zu einam klaren Urteil fiber alle Formen ge- kommen bin, so liegt das am Mangel geniigenden, oben charakteri- sierten Vergleichmaterials, obwohl mir an Zahl ein sear grofses Material zur Verfiigung stand. Bei adulten Exemplaren geniigen ganz wenige Stticke. Im Ganzen teile ich Laubmanns und Harterts hnsichten, wenn ich auch vielfach andere Mafszahlen (woht in- folge grSfseren Materials)gefunden habe. Hier ist nicht der Ort, alle Formen zu behandeln, doch mufs ich fast alle kurz erw~thnen und kleine Ergiinzungen geben, da ich aus diesen heraus die Zugehiirigkeit des Mallorca-Griinfinken darlege. Ich gehe aus con der Voraussetzung der genauen Kenntnis der 1%minatform und, wo ieh nichts anderes sage, gelten meine Parallelen dieser:

    chloris Fliigell~nge 60 ~ 86-91, 25 ~) 84--89, Schwanz 51--56. l~iirdliche Form.

    Die griifste Form ist turkestanica Sar. mit einer Fltigell~inge -~on ~ 88--95, Schwanz 55--59; Schnabel auffallend grofs und klobig. F~trbung oberseits heller, unterseits wie bei aurantiiventris, aber Schwingens~iume wie bei chloris. Unterseits und oberseits sear hell. Turkestan.

    kaukasicus Gengler (0. M. Bet. 1920 p. 55) kenne ich nieht. Nach der Beschreibung scheint er mir abet h 5 e h s t fraglich.

    bilkewitchi Sar. (?) kann ich naeh 1 Exemplar meiner Sammlung wader in der GrSfse noah in der F~irbung yon turkestanica unterscheiden. N.-Persien.

    chlorotica (Bp.) Flfigel 8 o~ 82- 85, 1 Q 82, Schwanz 47--51 (1), Extreme sicher nicht gefunden. Unterseite sehr hell, reiner gelb, weniger grfinlich, gelber als chloris; oberseits hell- grfin, Kopf nur ganz wenig grau, sehr nahe aurautiiventris, aber heller und Schwingens~ume blasser. Syrien, Paliistina.

    m~hlei Parrot; Flfigel 30 ~ 84-89, 12 QQ 84-87, Sehwanz 51--56. Ich kann diese Form in der F~trbung durchaus nicht con chloris unterscheiden, doch ist sie etwas kleiner (alle Stficke aus Rum~tnien, die ich mit Fltigell~tnge fiber 89 (his 92) sah, sind sicherlich chloris-ZugvSgel (Oktober bis Februar) und die rumanischen BrutvSgel sind mi~hlei). Balkanhalbinsel, (1%rd-?) Sfid-Italien, Kl. Asien, Cypern.

  • LKXI I ] Heft 3 "j v. Jordans, 2. r~eise nach Mallorca. 888

    madaras~i Tsch.; Flfige! 15 0~o ~ 84--88, 6 99 83--86, Schwanz 51--55; kleiner als chloris, Unterseite wenig dunkler, auffallender gegentiber aurantiiventris, Oberseite kaum oder etwas dunkler als chloris, wohl als aurantiiventris, Gelb der Schwingen gesattigter als bei ersterer und dunkler als bei letzterer. Korsika, Sardinien.

    aurantiiventris (Cab.): Unterseits reiner (weniger grfinlich) und intensiver gelb (einzelne chloris aufserst ahnlich, doch auch diese an den Schwingens~tumen zu unterscheiden), Schwingen- s~ume tiefer gelb, oft orangefarben, hie so weifslich wie bei chloris; ganze Oberseite leuchtend grfin, yon Kopf his Biirzel kaum nuaneiert (Biirzel noch etwas belier und mehr gelb), auch 9 weniger braunlich und deren Unterseite viel lebhafter gelb, Stirn leuchtender gclb; Flfigel 30 o~0 ~ 83--88, 8 99 81--85, Schwanz 49--55. S.-Frankreich, Spanien, 1) Pityasen, NW.-Afrika. 2)

    Damals vereinigte ich nun den Grfinfink der Balearen mit aurantiiventris und wies nur auf einen anscheinenden ,,minimalen" Unterschied bin; jetzt entscheidet mein grofses Material (27 0~o ~, 5 99) anders: er ist sehr deutlich, aueh bei einzelnen Stricken verschieden: Unterseite heller, ganz wie aurantiiventris und mindestens ebenso lebhaft. Schwingensaume eher noch starker gelb und vielfach noch mehr orangefarben. Oberseite viel heller als ehloris, a h n 1 i e h aurantiiventris, a b e r s t ~ r k e r g r a u, als dieser, namentlich der Oberkopf s te ts s tark grau ; wahrend der NW.-Afrikaner bereits im M~trz einfarbig griinen Oberkopf zeigt, wird das Grau der Mallorkaner erst Ende Mai dutch Abschleifsen der Federrander undeutlicher, es bleibt aber auch dann noch ein deutlicher Farbenunterschied gegeniiber dem Rticken bestehen, der auch noch viel grauer ist, als bei jenen. Er gleicht darin stark ehloris s) Er ist klein, wie aura~tiiventris, Fliigel o ~ 83--89, Q 82-84, aber sehr kurzsehw~tnz ig 47--52 ram! - - Ich mars im Gegensatz zu anderen Autoren, keinen ad. Griinfink mit einer Fltigellange yon unter 81; das yon mir in meiner Vogelf. angegebene 9 mit 79 hat abgeriebene Enden! -- Schnabel wie bei aurantiiventris, vielfaeh starker, klobiger als bei chloris.

    Merkwiirdigerweise gehSren die PityusenvSgel (7 Sttick) zur spanisch-n.w.afrikanischen Form.

    i) 4 VOgel yon Portugal sind ober- wie unterseit~ auffaUend dunkel. Inzwischen erschien meine Notiz hieriiber in den O. H.-Ber.

    ~) Ob die VSgel yon NW.-Afrika wirklich mit denen yon S.-Frank- reich fibereinstimmen, ist mir fraglich, ich sah yon hier nur 2 Exemplare (nomenklatoriseh wichtig l).

    s) 9 oberseits heller, unterseits sehr lebhaft gelbj wie ich es auch bei aurantiivenlris nie sah.

    Heine Angaben hier gelten alle nur tilt FrlibjahrsvSgel, was die Farbung anlangt. -

  • 884 v. J'ordans, 2. Reise nach Mallorca. [ I . f -O. L ~924

    Typus: o ~ 14. 5. 1921 hlcudia, Mallorca. No. 3113.

    Carduelis carduelis propeparva n. subsp.

    Hier bin ich gezwangen,eine l~ingere Untersuchung anzustellen, da nach meiuen ausffihrlichen Darstellungen in der Vogelfauna noch mehrere VerSffentlichungen fiber die Stieglitzformen er- schienen, die meinen Ergebnissen von damals wesentlich wider- sprechen; die wichtigste darunter ist die Monographie Sachtlebens fiber ,,die geographischen Formen des sehwarzkSpfigen Distei- finken" (Archiv f. l~aturgesch. 1918), aufserdem kiirzere :Notizen yon Hartert und Witherby. Die hngaben sind z. T. so wider- sprechend - - im Einzelnen werde ich auf diese Widersprfiche sogar derselben Autoren zuriickkommen -- dafs ieh lebhaft an meine unl~ingst erschienene Arbeit fiber Sturnus erinnert wurde.

    Ich gehe zun~tchst auf die Mafse der ffir die Frage dcr Rassen- zugehSrigkeit des Balearen-Distelfinken in Bctracht kommenden Formen ein: africaua, parva, weigoldi, tschusii. Zuerst zur Gegenfiberstellung der Fltigelliingen; hierbei scheint es mir nicht notwendig, die Angaben auf 1/~ mm genau zu machen, denn nach meiner Feststellung variiert die Messung derselben Exemplare dutch verschiedene hutoren, die auch dieselbe Methode anwenden, fast stets mindestens um diese Differenz; ieh lasse sie daher fort. Anders ist es bei den Schnabelmafsen, da diese bei peinlichster Untersuchung dieselben sein mfissen.

    Ich untersuchte jetzt im Ganzen 38 africana: 27 0~o ~ 70--77, 11 QQ 70-74 ram, SachtlebeD 8 eye ~ 72--76,5, 4 QQ 69,5-74,5. Hartert sehreibt in seinen Zusiitzen, dafs er bei 50 Exemplaren Flfigell~ingen ,,nicht selten bis 77 und 78, ausnahmsweise 79 und 80,5 ram" land. Es ist jedenfalls zu beaehten, dafs Hartert bei 50 Stfick bis 80,5, Sachtleben und ich zusammen bei nicht viel wenigeren hie tiber 77 fanden; aufserdem mifst Hartert sehr oft etwas mehr als ich, sodafs ich die Maximalgrenze vorl~iufig m