Empirische Alternsforschung und Forschungs- methoden blieben, als ihre S£¶hne nach Stuttgart oder Dortmund

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  • Claudia Vogel

    Familiale Generationenbeziehungen russischsprachiger

    Migranten – Forschungsstand und Forschungsbedarfe

    Empirische

    Alternsforschung

    und

    Forschungs-

    methoden

    Working Paper Nr. 9

    April 2011

  • IMPRESSUM

    Working Paper Nr. 9

    April 2011

    Zentrum Altern und Gesellschaft, Vechta

    Empirische Alternsforschung und Forschungsmethoden

    Die »Beiträge des Zentrums Altern und Gesellschaft« werden herausgegeben von

    Prof. Dr. Gertrud M. Backes

    Kontakt:

    Universität Vechta

    Zentrum Altern und Gesellschaft

    Driverstr. 22

    D-49377 Vechta

    Tel.: +49(0)4441/15-233

    Fax: +49(0)4441/15-614

    Email: info@zag.uni-vechta.de

    Web: http://www.zag.uni-vechta.de

    ISSN 1869-0009

    © bei Autorin 2011 – Alle Rechte vorbehalten.

    Zitierweise:

    Vogel, Claudia (2011): Familiale Generationenbeziehungen russischsprachiger Migranten –

    Forschungsstand und Forschungsbedarfe. Zentrum Altern und Gesellschaft, Working

    Paper Nr. 9. Vechta: Universität Vechta.

    Autorin:

    Dr. Claudia Vogel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Empirische

    Alternsforschung und Forschungsmethoden, Institut für Gerontologie und Zentrum Altern

    und Gesellschaft, Universität Vechta

    Email: claudia.vogel@uni-vechta.de

  • ZUSAMMENFASSUNG

    Migrationsentscheidungen basieren in der Regel auf der Hoffnung nach einem besseren Leben

    für sich und seine Familie. Tatsächlich wirkt sich die Entscheidung, dauerhaft in einem anderen

    Land zu leben, etwa in der Bundesrepublik Deutschland, auf die gesamte Familie aus, und ins-

    besondere auf die intra- sowie intergenerationalen Beziehungen zwischen den Familienmitglie-

    dern. In diesem Bericht steht die Frage im Vordergrund, welche Auswirkungen die Migrations-

    erfahrung bzw. die durch das Leben in einer fremden Heimat gekennzeichnete Migrationssitua-

    tion im Einzelnen auf die Familienbeziehungen und insbesondere auf die Generationenbezie-

    hungen in den Familien der Aussiedler haben. Werden die Familienbeziehungen durch die Mig-

    ration geschwächt oder gestärkt? Am Beispiel der russischsprachigen Migranten, die aus den

    Gebieten der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik gekommen sind – als Aussiedler

    oder jüdische Migranten – wird im Folgenden der aktuelle Stand der Forschung skizziert, um

    darzustellen, welche Befunde für bzw. gegen die Solidarisierungsthese sprechen und welche

    spezifischen Forschungsbedarfe sich hieraus bezüglich der Ausgestaltung bzw. Belastbarkeit der

    Generationenbeziehungen in der Migration ergeben.

    ABSTRACT

    The decision to migrate is typically based on the hope to find a better life for you and your fami-

    ly. Indeed, the decision to live in another country, e.g. in Germany, affects every member of the

    family and especially, the relationship between members of different generations. In this study,

    the consequences of international migration on the intra- and intergenerational relationships

    within families are studied for the group of Aussiedler (ethnic Germans which “have returned”

    to Germany). Are the relationships between family members more burdened or on the contrary

    less burdened after migration? For Russian-speaking migrants, who have migrated to the Fed-

    eral Republic of Germany from the former Soviet Union – most of them as Aussiedler and their

    family members, some of them as Jewish migrants – the literature is reviewed to describe the

    existing findings and the need for further research on intergenerational relationships of migrant

    families.

  • Inhaltsverzeichnis

    1 Einleitung ............................................................................................................................ 1

    2 Russischsprachige Migranten ............................................................................................. 3

    2.1 Aussiedler und jüdische Kontingentflüchtlinge ......................................................... 3

    2.2 Russischsprachige Migranten im Spiegel der amtlichen Statistik .............................. 5

    2.3 Auswahl vorliegender Studien ................................................................................... 8

    2.3.1 Zu Aussiedlern in Deutschland ........................................................................ 9

    2.3.2 Vergleichende deutsch-russische Projekte .................................................... 10

    2.3.3 Vergleichende deutsch-israelische Projekte.................................................. 10

    2.4 Vergleichsperspektiven ............................................................................................ 11

    3 Wandel der Familienbeziehungen ................................................................................... 13

    3.1 Einstellungen zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung ....................................... 14

    3.2 Einstellungen zur Pflege älterer Familienangehöriger ............................................. 16

    3.3 Familienstrukturen & familiale Netzwerke .............................................................. 17

    3.4 Wohnsituation .......................................................................................................... 19

    3.5 Generationenbeziehungen ....................................................................................... 20

    3.6 Russischsprachige Migrantenfamilien und der Wohlfahrtsstaat ............................. 20

    4 Zusammenfassung und Ausblick ...................................................................................... 22

    4.1 Zusammenfassung .................................................................................................... 22

    4.2 Ausblick .................................................................................................................... 23

    5 Literatur ............................................................................................................................ 24

  • Familiale Generationenbeziehungen russischsprachiger Migranten

    1

    1 Einleitung

    Migrationsentscheidungen basieren in der Regel auf der Hoffnung nach einem besseren

    Leben für sich und seine Familie, vor allem für die Kinder und die nachfolgenden Genera-

    tionen (vgl. Dietz 2007: 400; Ingenhorst 1997: 159ff).1 Der Preis für diese bessere Zukunft

    aber steht nicht fest, schließlich wirkt sich die Entscheidung, dauerhaft in einem anderen

    Land zu leben, etwa in der Bundesrepublik Deutschland, auf die gesamte Familie aus. Die

    Kosten, um im Bilde zu bleiben, sind von allen Familienmitgliedern zu tragen, und zwar

    unabhängig davon, ob die Einzelnen selbst auch wandern oder aber am Herkunftsort zu-

    rückbleiben. Die Kinder der „Gastarbeiter“ sind in der Regel ohne die räumliche Nähe zu

    ihren Großeltern aufgewachsen, weil letztere in der Türkei, in Italien oder in Griechenland

    blieben, als ihre Söhne nach Stuttgart oder Dortmund gingen, um in Deutschland Geld zu

    verdienen.

    Tatsächlich können sich Migrationsentscheidungen über viele Generationen hinweg auf

    Familienmitglieder und deren intra- sowie intergenerationalen Beziehungen auswirken.

    Die Familien von Aussiedlern bzw. Spätaussiedlern aus den Nachfolgestaaten der ehema-

    ligen Sowjetunion stehen exemplarisch hierfür, schließlich stammen sie selbst von „deut-

    schen Migranten“ ab, die zum Teil schon vor über 200 Jahren in Richtung Russland aufge-

    brochen waren. Heute wandern sie als „russische Migranten“ nach Deutschland ein, und

    so die These dieses Artikels, wieder müssen die intergenerationalen Beziehungen in den

    Familien der neuen Migrationssituation angepasst werden und verändern sich dadurch.

    Auch wenn Aussiedlerfamilien heute möglicherweise häufiger im Familienverbund ein-

    wandern bzw. nach Deutschland „zurückkehren“ als etwa Arbeitsmigranten (vgl. Dietz

    2007), stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Migrationserfahrung bzw. die durch

    das Leben in einer fremden Heimat gekennzeichnete Migrationssituation im Einzelnen auf

    die Familienbeziehungen und insbesondere auf die Generationenbeziehungen in den Fa-

    milien der Aussiedler haben? Grundsätzlich sind zwei sich gegenseitig ausschließende

    Szenarien denkbar:

    (1) Die Familienbeziehungen intensivieren sich nach der Einwanderung, da die gegen-

    seitige Unterstützung von größter Bedeutung ist in der Migrationssituation und

    innerhalb der Familie mangelnde Kontakte zu Nachbarn oder Freunden kompen-

    siert werden (Solidarisierungsthese). Tatsächlich könnte die Wanderung die Ab-

    1 Dieser Bericht ist nicht ohne Zutun meiner Kolleginnen und Kollegen im Institut für Gerontologie

    der Universität Vechta entstanden, bei denen ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte,

    insbesondere bei Janine Harsch für ihre gründliche Recherche und bei Claudia Kaiser, Petra Okken,

    Nele Tanschus, Elena Sommer und Harald Künemund für die frucht