Empirische Sozialforschung - .Empirische Sozialforschung Modelle und Methoden der standardisierten

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Empirische SozialforschungModelle und Methoden der standardisierten Datenerhebung und Datenauswertung

Von Helmut Kromrey

11., berarbeitete Auflage

2006. 565 S., kt. 14,90 / sFr 26,80UTB 1040. ISBN 3-8252-1040-5

UTB FR WISSENSCHAFT Stuttgart Tel. 0711/782 95 55-0 FAX 0711/780 13 76

utb@utb-stuttgart.de www.utb.de

Lucius & Lucius Verlagsges. mbH StuttgartTel. 0711/24 20 60 Fax 0711/24 20 88

lucius@luciusverlag.com www.luciusverlag.com

Die in elfter Auflage vorliegende Einfhrung in die standardisierte empirische Sozialforschung ist anwendungspraktisch orien-tiert. Ihr Aufbau orientiert sich am Ablauf eines realen Forschungsprozesses. Die grundlegenden wissenschaftstheoretischenund methodologischen Fragen werden nicht als Selbstzweck, sondern entsprechend ihrer Relevanz fr die Forschungspraxisabgehandelt und durch sozialwissenschaftliche Beispiele veranschaulicht. Der Text setzt Vorkenntnisse nicht voraus und istbesonders an den Bedrfnissen der "Neueinsteiger" orientiert. Fr "Wiederholer" und Praktiker werden in den Funotenfortlaufend Hinweise zur Vertiefung geboten sowie Querbezge zu qualitativen Forschungsanstzen hergestellt.

1 Empirische Sozialforschung und empiri-sche Theorie

1.1 Vorbemerkungen zur Situation empiri-scher Sozialwissenschaft

1.2 Grundpositionen der Erfahrungswissen-schaft

1.3 Empirische Sozialforschung als "kritisch-rationale Wissenschaft"

1.4 Empirische Verfahren und alternativeWissenschaftspositionen

2 Forschungsfragen, Forschungsdesign,Forschungsprozess

2.1 Fragestellungen und Forschungsanstze:Einige Beispiele

2.2 Der Forschungsprozess als eine Reiheineinander verzahnter Entscheidungen

2.3 Entdeckungs-, Begrndungs-, Verwer-tungszusammenhang: Das Problem derWertungen in der empirischen For-schung

2.4 Forschungsplanung und Forschungs-design

3 Die empirische "bersetzung" desForschungsproblems

3.1 Problemprzisierung und Strukturierungdes Untersuchungsgegenstandes:dimensionale und semantische Analyse

3.2 Beispiel einer dimensionalen Analyse:Berufserfolg und soziale Herkunft

3.3 Beispiel einer semantischen Analyse: dertheoretische Begriff "Entfremdung"

3.4 Zusammenfassung: semantische und di-mensionale Analyse im Vergleich

3.5 Begriffe und Definitionen

4 Strategien der Operationalisierung undIndikatorenauswahl

4.1 Indikatoren4.2 Indexbildung4.3 Operationalisierung

5 Messung und Datenerhebung in denSozialwissenschaften

5.1 Die Informationsgewinnung im Prozessder empirischen Forschung

5.2 Exkurs: Die Rolle der Statistik bei empiri-schen Untersuchungen

5.3 Variablenbildung Messen Daten-matrix

5.4 Vertiefung: Die axiomatische Mess-theorie

5.5 Messen durch Indizes (Indexmessung)5.6 Der sozialwissenschaftliche Spezialfall:

Messen durch Befragung5.7 Zuverlssigkeit (Reliabilitt) der Mes-

sung

6 Auswahlverfahren6.1 Zentrale Begriffe: Grundgesamtheit,

Auswahl-, Erhebungs- und Untersu-chungseinheiten

6.2 Anforderungen an die Stichproben-konstruktion

6.3 Typen von Auswahlverfahren (berblick)6.4 Nicht zufallsgesteuerte Auswahlverfah-

ren6.5 Zufallsgesteuerte Auswahlverfahren6.6 Zusammenfassung: Vor- und Nachteile

der verschiedenen Auswahlverfahren

7 Datenerhebungsverfahren und -instru-mente der empirischen Sozialforschung

7.1 Empirische Inhaltsanalyse7.2 Beobachtung7.3 Befragung7.4 Vergleich der Erhebungsverfahren In-

haltsanalyse, Beobachtung, Befragung

8 Methoden und Modelle der deskripti-ven Statistik

8.1 Einige zentrale Begriffe8.2 Univariate Statistik8.3 Bivariate Statistik

9 Typen und Konzepte empirischer Sozi-alforschung: Eine bersicht

9.1 Spezielle Untersuchungsanordnungen9.2 Alternative Forschungsparadigmen:

Qualitative Sozialforschung undAktionsforschung

IInnhhaallttssbbeerrssiicchhtt

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86 2. Forschungsfragen, Forschungsdesign, Forschungsprozess

(Friedrichs 1977, 54). Jede Untersuchung erweitert Wissen ber soziale Zusammenhnge, kann zur Lsung sozialer Probleme beitragen (wenn die neu gewonnenen Kenntnisse mit diesem Ziel eingesetzt werden) oder diese Lsung verhindern bzw. zumindest verzgern (wenn Kenntnisse bewusst zurckgehalten werden, oder wenn durch die Untersuchung bestimmter sozialer Fragen andere Probleme unbeachtet bleiben).

2.4 Forschungsplanung und Forschungsdesign

An mehreren Stellen wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Metho-denlehre der empirischen Sozialforschung kein Handbuch mit Rezepten bereitstellen kann, die schematisch auf konkrete Forschungsprojekte anzuwenden wren. Vielmehr muss in der Regel mit Ausnahme weni-ger, hufig wiederholter Routineerhebungen fr jedes Vorhaben ein zur jeweiligen Thematik mageschneiderter Forschungsplan entwor-fen werden, mssen die jeweiligen Forschungsfragen operationalisiert, mssen problemadquate Erhebungsinstrumente entwickelt und getestet werden. Dabei knnen die verschiedenen Verfahren und Techniken aus dem Baukasten der Methodenlehre in vielfltiger Weise miteinander kombiniert werden, so wie sie bei gegebenen Rahmenbedingungen (Zeit-restriktionen, Ressourcen, Stand der Vorkenntnisse, Zugnglichkeit und Kontrolle des Untersuchungsfeldes, Art der verfgbaren Informations-quellen u.a.) fr den jeweiligen Untersuchungszweck am ntzlichsten zu sein scheinen. Solche Entwurfsarbeit ist vergleichbar der Ttigkeit eines Architekten, der ein Gebude zu planen hat, das in bestmglicher Weise der vorgesehenen knftigen Nutzung gerecht werden soll, fr dessen Realisierung der Architekt jedoch den vorgegebenen Mglich-keitsrahmen (verfgbare Finanzen, Art und Lage des Grundstcks, rtli-che baurechtliche Auflagen usw.) nicht durchbrechen kann.

Trotz aller Individualitt des jeweiligen konkreten Forschungs-vorhabens gibt es dennoch (in etwas grberer Perspektive betrachtet) fr bestimmte Gruppen von Fragestellungen durchaus einige spezifische Designtypen mit jeweils spezifischer Forschungslogik wie ja auch der Architekt unterschiedliche Gebudetypen kennt: vom Einfamilienrei-henhaus ber den freistehenden Bungalow bis zu Wohn- bzw. Bro-hochhaus oder Fabrikhalle.

2.4 Forschungsplanung und Forschungsdesign 87

Aus dem Spektrum der existierenden Designtypen sollen im Folgenden vier besonders hufig vorkommende herausgegriffen und etwas nher dargestellt werden: - die theorie- oder hypothesentestende Untersuchung, - das Experiment sowie quasi-experimentelle Anstze, - das Standardmodell der Programm-Evaluation sowie - das deskriptive Surveymodell (Querschnittserhebung nichtexperi-

menteller Daten).

Zum besseren Vergleich der ihnen zugrunde liegenden Verfahrenslogik wird das von Hempel und Oppenheim vorgeschlagene Schema deduktiv-nomologischer wissenschaftlicher Erklrung (H-O-Schema) herangezo-gen, das daher zunchst in seinen Grundzgen erlutert werden soll.

2.4.1 Das Modell wissenschaftlicher Erklrung von Hempel und Oppenheim

Der Ausgangspunkt: Es ist etwas mglicherweise Unerwartetes pas-siert, das erklrt werden soll. In der Sprache der Methodologen: Ein aufgetretenes singulres Ereignis soll logisch haltbar mit empirischen Argumenten erklrt werden. Nochmals anders ausgedrckt: Fr einen zu erklrenden Sachverhalt (Explanandum) wird ein erklrendes Argument (Explanans) gesucht.

Wird wie im analytisch-nomologischen Wissenschaftsverstndnis Kausalitt als Wirkungsprinzip in der empirischen Realitt unterstellt (vgl. Abschnitt 1.2.2), dann kann der zu erklrende Sachverhalt nur als Effekt einer wirksam gewordenen Ursache (oder mehrerer Ursachen) verstanden werden. Die Erklrung bestnde also in der Angabe der Ursache(n).

Nehmen wir als Beispiel fr einen erklrungsbedrftigen Sach-verhalt: Die Studiendauer der Studierenden an deutschen Universitten ist lang (nach Auffassung mancher Hochschulpolitiker: zu lang). Als Erklrung dafr wird von manchen angeboten (z.B. vom SPIEGEL): Die Lehre an deutschen Universitten ist schlecht (1993, Nr. 16). Als alltgliche Erklrung mag das bereits ausreichend und einleuchtend sein. Als logisches Argument allerdings ist diese Erklrung unvollstndig. Es fehlt noch die Angabe eines Ursache-Wirkungs-Prinzips. Dieses knnte in unserem Beispiel etwa lauten: Wenn die Lehre an der Hochschule

88 2. Forschungsfragen, Forschungsdesign, Forschungsprozess

schlecht ist, dann ist die bis zum erfolgreichen Studienabschluss erforder-liche Studiendauer lang. Zusammengefasst: Explanans: (1) Wenn die Lehre an der Hochschule (Ursache- (das Erklrende) schlecht ist, dann ist die bis zum Wirkungs- erfolgreichen Studienabschluss Prinzip) erforderliche Studiendauer lang. (2) Die Lehre an deutschen (Vorliegende Universitten ist schlecht. Ursache) 11_ Explanandum: (3) Die Studiendauer an deutschen (Eingetretene (das zu Erklrende) Universitten ist lang. Wirkung) Damit aus dieser Alltagserklrung eine wissenschaftliche Erklrung wird, mssen allerdings einige ergnzende Bedingungen erfllt sein: Zum einen muss es sich bei (1) um ein empirisches Gesetz handeln, des weiteren mssen die in den Aussagen verwendeten Begriffe przise definiert und operationalisiert sein,12 und selbstverstndlich mssen die Aussagen (2) und (3) empirisch wahr sein. Formaler ausgedrckt lauten diese Adquatheitsbedingungen fr Erkl-rungen singulrer Ereignisse nach Opp (1976, 128 f. und 131 ff.): 1) Das Explanandum muss aus dem Explanans korrekt gefolgert wor-

den sein. Dies bedeutet: a) Die Anfangsbedingungen (s. Funote 11) stellen raum-zeitlich lokali-

sierte Elemente derjenigen Objekte dar, die die Wenn-Kom