Experimentelle Untersuchungen über die Grösse des Herzens während und nach Fütterung mit Thyreoidin

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    26-Sep-2016

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  • 51. Knud Secher, Copenhagen.

    Experimentelle Untersuchungen uber die Grasse des Herzens wahrend und nach Futterung mit Thyreoidin.

    In der Zeitschrift Journ. of experiment. Medicine Bd. 55 haben FRANCIS SMITH und E. MAC KAY eine Versuchsreihe rnit Thyre- oidinfiitterung von Ratten mitgeteilt. Sie haben nachgewiesen, dass man eine Vermehrung der Herzgrosse im Verhaltnis zu der Uber- flache des Korpers berechnet direkt proportional rnit der Steigerung des Grundumsatzes findet. Dies driikt sich auch darin aus, dass die Vermehrung der Herzgrosse rnit der Dosis von Thyreoidin direkt proportional ist. Diese Dosis hat von 0.06 bis auf 0.3% des Futters gewechselt. Die Verfasser meinep, dass die Steigerung des Herz- gewichts nach der Thyreoidinfiitterung auf eine einfache Hyper- trophie des Myocards beruht.

    Diese Untersuchungen waren von besonderem Interesse fur den Verfasser, indem ich friiher (1921) gezeigt habe, dass es durch Trainierung moglich war eine Hypertrophie des Herzens von Labo- ratorieratten von 4.2 bis 5.1/,, des Korpergewichts zu erzeugen, was dem entspricht, dass die wilde Ratte ein Herzgewicht von 5.3O/,, hat. (KULBS (1906), GROBER (1908), THORNER (1930) haben dieselben Versuche rnit Hunden gemacht). THORNER hat in einer Arbeit aus 1934 gezeigt, dass bei Trainierung, eine 10-prozentige Verdickung der Muskelfasern des Herzens und Kernvermehrung entsteht.

    Nun zeigte ich ausserdem, dass falls man die trainierten Tiere ohne Trainierung weiter leben liess, schwand die Hypertrophie wieder.

    Auf Grund dieser Erfahrungen war es von Interesse zu unter- suchen, wie ein durch Thyreoidinfiitterung hypertrophisches Herz sich verhielt, wenn das Futtern aufhorte. Ich habe deshalb den Futterungsversuch von SMITH und MAC KAY wiederholt und habe hierzu Mac Callums Standardfutter rnit 0.3% Thyreoidin bei-

  • 507

    gemischt gebraucht, indem es mir vie1 daran gelegen war eine be- deutende Hypertrophie zu erzeugen.

    In der Tabelle I sind die Versuche alle gesammelt. In der Ta- belle I1 sind sie zusammengezogen um eine bessere Obersicht zu geben.

    Die Tabellen zeigen erstens, dass das Herzgewicht der als Kon-

    Tabel I. - ~

    i

    1 m c Q

    - 1 2 3 4 5 6 7 8 9

    10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32

    - - g5

    'i; * ;$ $3 - 81

    160 146 157 110 143 168 122 103 121 172 158 155 172 103 105 130 130 115 112 145 145 122 117 134 145 117 155 117 125 120 125

    - - 2 8 < > - < 2 % : 21 f rS: 5* - 130 199 180 161 120 157 147 168 114 115 160 142 162 179 156 172 21 1 173 168 162 230 191 157 177 155 185 157 209 184 200 185 165

    - ~

    * rA: .- 5g

    $ Z B .9

    - 49 39 34 4

    10 14

    t 2 1 46 11

    f 6 t 1 2 t 1 6

    7 7

    53 67 81 43 53 50 85 86 35 60 21 40 40 54 67 75 65 40

    - ~

    m ern * w C N .u 8 2 = rl -

    720

    940 950 920 780 950 870

    1050 1075 640

    1070 1110 1390 820

    1150 1350 1200 990

    - - c, c '5 d - 155 236

    227 201 146

    205 170 269 192 285 258 283 253 225

    - ~

    3 113 5 8 B .% 62 -

    25 37

    66 81

    L l l

    28 15 84 35 74 74 83 68 60

    6g0

    860

    870 870

    840

    800 G70 900 750 900 800

    L 000 900 900

    4 2 3,6

    398 433 597

    3,8 3,9 393 3,9 3,1 3,1 335 3,5 4,0

  • 508 - ~

    ii P d

    - _- m

    Q 5 .* -5: 5 ; a -

    950 1050 900 920 920 900 900

    800 1400 1300 1000 1320 1220

    920 920

    33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47

    49 50 51 52 53

    48

    155 134 176 179 162 150 142 123 143 180 305 134 166 148 139 169 135 140 124 146 116

    156 200 192 195 204 169 161 119 225 189 317 183 204 240 229 200 175 240 250 210 205

    1 66 16 16 42 19 19

    f 4 82

    9 12 49 38 92 90 31 40

    100 126 64 89

    1300 1400

    1135 1830 1090 1010

    257 309 233 261 249 193 249

    243 303 281 243 352 330 262 260

    65 114 29 92 88 74 24

    3 74 81 68

    112 80 52 55

    Tabel 11.

    Utterung ohne

    Thyreo- idin in Tagen

    50

    95

    87

    65

    Thyreo- linfutte- rnng in Tagen

    Qewicht des Herzens in %O

    Gewicht des Herzens

    in o / ~ ~

    Gewichts- steigerung

    Gewichts- steigerung Ratte Nr.

    0 0

    39 39

    0 65 0

    55 37 37 86 86

    44 34

    993 2

    53 62,5 40,5 54,4 33,5 27,7 27 78,7

    31

    43,3

    21,5 68,2

    69,4

    65,6

    1-2 3

    4-6 7-14

    15 16-23 24-25 26-32 33-34 35-41 42--45, 46-53

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    trolltiere gebrauchten Ratten dem von mir bei friiheren Versuchen angegebenen Gewicht entspricht.

    Dann aber zeigen die Tabellen, dass bei der Thyreoidinfutterung eine Hypertrophie erzeugt wird, die selbst in den kleinsten Graden weit uber die Werte des normalen Rattenherzens hinausgeht und in einigen Fallen bedeutende Werte bis zu 8.3O/,, erreichen kann. Die vorgenommenen Wagungen haben gezeigt, dass selbst in den Perioden der Thyreoidinfutterung eine bedeutende Gewichtsstei- gerung geschehen ist, so dass das gefundene vergrosserte Propor- tionalgewicht eine reelle Vermehrung der Herzgrosse reprasentiert. Nur in einer einzelnen Gruppe (Ratten 7-14) wurde bei einigen der Tiere ein Gewichtsverlust gefunden, der jedoch nur gering war. In der Gruppe 16-23 findet man eine Gewichtssteigerung von 62.5 g und Falle von Herzgewicht bis auf 80/,,.

    Rein klinisch zeigt sich die Thyreoidinfiitterung der Tiere da- durch, dass sie unruhig, nervos werden, im Kafig herumspringen. Ihre Haare starren. Sie sind also in einem nervosen Zustand wie Patienten rnit Morb. Basedowii (elektrokardiographische Unter- suchungen haben keine sicheren Resultate gegeben). Es ist also durch diese Versuche eine Bestatigung von SMITH und MAC KAYS Versuchen gegeben.

    Es fragt sich jetzt, wie diese Herzen sich verhalten, wenn man rnit der Thyreoidinfutterung aufhort. Nach einigen ersten Ver- suchen (Ratten 4-6) wurde rnit den Gruppen 26-32, 35-41, 46-53 versucht, indem man gleichzeitig einzelne Kontrolltiere be- nutzte, teils um das Gewicht ohne Futterung zu selien (24-25), teils um festzustellen, dass die Futterung eine Hypertrophie ver- ursacht hatte (33-34, 42-45).

    Die Lebenszeit nach dem Aufhoren der Thyreoidinfutterung hat von 65-95 Tagen gewechselt. Es zeigt sich, dass das Proportional- gewicht des Herzens nach dieser Lebenszeit durchschnittlich auf normale Werte hinabsinkt, so dass die Wirkung der Thyreoidin- fiitterung anscheinend aufgehoben ist. Nur bei der Ratte Nr. 6 ist noch eine ausgesprochene Steigerung des Herzgewichts (5.7) ge- funden, und bei 47 und 48 liegt das Gewicht mit 4.G0/,, noch ein wenig hoch.

    Es ist nicht die Absicht hier einen Vergleich zwischen diesen rein experimentellen Untersuchungen und der Klinik zu zielien. Es sei jedoch genannt, dass man in Verbindung rnit einer Strumec-

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    tomie bei Morb. Basedowii eine bedeutende Verminderung des Herzens gefunden hat. Andere Untersucher haben das jedoch nicht feststellen konnen. KRAUS, STEINER, BLAUEL, MULLER, SCHLAGER fanden Verminderung, PARADE und RABEN zeigten das sehr wich- tige, dass die Frage uber eine Verminderung nach der Operation von dem Zustand abhangt, in welchem sich das Herz befindet. Die von der Thyreotoxikose am starksten angegriffenen Herzen neh- men am meisten an Grosse ab.

    Es fragt sich nun, wie diese Rattenherzen anatomisch beschaffen sind nach der bedeutenden Vergiftung, der sie ausgesetzt gewesen sind. Es sind deshalb mikroskopische Untersuchungen gemacht worden, welche jedoch nur die Ratten Nr. 26-32 und 35-53 um- fassen und bedeutende Veranderungen aufweisen ; diese Unter- suchungen sind von Dr. VESTERDAL- JORGENSEN gemacht worden, mit dem zusammen die Arbeit in dem Acta med. Scandinavica veroffentlicht wird.

    Beim Mikrosliopieren des Myocards der genannten Tiere sind prinzipiell gleichgeartete Veranderungen jedoch mit ziemlich be- deutenden individuellen Abweichungen gefunden. Die patholo- gischen Prozesse sind in kleinen disseminierten Herden im ganzen Myocard zerstreut, sowohl in Atrien als in Ventrikeln, zu finden. Die Veranderungen zeigen sich als Muskeldegenerationen und -nekrosen mit darauffolgenden reaktiven Prozessen im Mesenchym. Im Anfangsstadium findet man eine Volumenvergrosserung der Myofibrillen, welche allmahlich die Querstreifung verlieren. In einigen Regionen erscheinen diese degenerierten Fibrillen wachs- ahnlich und basophil, wahrend sie in anderen sich klar und chromo- fob im zentralen Teil zeigen. Allmahlich entstehen feine Fett- tropfen im Protoplasma, und die Kerne werden pyknotisch. Zu letzt sieht man veritable Nekrose, und der absterbende Fibril wird von Lymphocyten und Polyblasten umgeben. Diese Zellen absor- bieren die Zerfallsprodukte, und der Prozess scheint nach dem vor- liegenden Material ohne besondere Narbenbildung abgeschlossen werden zu konnen. Hie und da sieht man jedoch kleine fibrose Foci. Die Muskeldegenerationen mussen als das primare betrachtet werden.

    Die Veranderungen entsprechen ganz den Illustrationen in MEN- NES und BOYKSENS Arbeiten, wenn sie auch nicht so intens sind (kleinere Dosis?). Am starksten hervortretend sind sie bei den Tieren 26-32, schwacher bei Nr. 35-53. Diese histologischen Be-

  • 51 1

    funde bestatigen somit friihere Untersuchungen uber die Wirkung des Thyroxins auf das Myocardium von HASHIILIOTO, TAKANE, BOYI~SEN (Ratten) und MENNE und Mitarbeitern (Kaninchen) unternommen und sind ferner mit den Beschreibungen in Uber- einstimmung, welche uber vermeintlicli thyreotoxische Myocardien- beschadigungen bei Menschen an Morbus Basedowii leidend vor- liegen (FAHR, GOODPASTURE).

    Die anatomischen Untersuchungen haben also gezeigt, dass selbst wenn die Herzen nach Thyreoidinfutterung wieder an Gewicht ab- nehmen bis das dem normalen Rattenherzen entsprechende Propor- tionalgewicht, hat jedoch die Thyreoidinfutterung bedeutende De- fekte des Myocards hinterlassen.

    Zusammenfassung : 1) Die von FRANCIS SMITH und E. MAC KAY ausgefuhrten Ver-

    suche, bei denen durch Thyreoidinfiitterung eine Hypertrophie des Herzens erzeugt ist, wurden bestatigt. Es wurde eine Steigerung des Proportionalgewichts des Herzens von dem normalen Wert 4.0/,, bis auf 8.3OiO0 gefunden.

    2) Es wurde nachgewiesen, dass das Proportionalgewicht des Herzens nach Aufhoren der Thyreoidinfutterung wieder abnimmt und normale Werte erreicht.

    3) Anatomische Untersuchungen zeigten, dass in diesen Herzen, welche hypertrophisch waren, jetzt aber von normalen Gewicht sind, bedeutende Beschadigungen der Herzmuskulatur zu finden sind in ubereinstimmung mit den von anderen Untersuchern durch Thyreoidinfutterung erzeugten Veranderungen.

    Litteratur. BOYKSEN, D.: Virchow Arch. 293: 242: '34. FAHH, T.: Centralbl. f . allg. Path. u. path. Anat. 27: no. 1 '16.

    HASHIMOTO: Endokrinol. 5 : 579: '21. MENNE, F. R.:, 0. R. JONES & N. \V. JONES: Arch. of Path. 17: 333: '34. SECHEH, I

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