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Familiäre Krebsrisiken

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Ein Ratgeber der Krebsliga Schweiz für Betroffene und ihre Familien

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  • 1Familire Krebsrisiken

    Familire Krebsrisiken

    Ein Ratgeber der Krebsliga fr Betroffene und ihre Familien

  • Impressum

    _HerausgeberinKrebsliga SchweizEffingerstrasse 40Postfach 8219 3001 BernTel. 031 389 91 00Fax 031 389 91 [email protected]

    _Projektleitung und RedaktionSusanne Lanz, Krebsliga Schweiz, Bern

    _Fachberatung(alphabetisch)Dr. med. Suzanne Braga, FMH Medizi-nische Genetik, Bern PD Dr. med. Nicole Brki, Chefrztin Frauenklinik, Kantonsspital LiestalDr. med. Katharina Buser, FMH Innere Medizin, speziell Onkologie, BernProf. Dr. med. Monica Castiglione, FMH Innere Medizin, speziell Onkologie, BernPD Dr. med. Karl Heinimann, Medizinische Genetik UKBB, Universitt BaselDr. rer. nat. Rolf Marti, Leiter Forschungs-frderung, Krebsliga Schweiz, BernProf. Dr. med. Hansjakob Mller, Medizi-nische Genetik UKBB, Universitt BaselDr. med. Rosanna Zanetti Dllenbach, Leitende rztin Frauenklinik, Universi-ttsspital Basel

    _TextRuth Jahn, dipl. Natw. ETH, Wissen-schaftsjournalistin, Bern

    _BilderTitelbild, S. 4, 18: ImagePoint AG, ZrichS. 10, 24: corbis/Specter, Zrich

    _DesignWassmer Graphic Design, Zziwil

    _Druck Geiger AG, Bern

    Diese Broschre ist auch in franzsischer und italienischer Sprache erhltlich.

    2011, 2005, Krebsliga Schweiz, Bern3., berarbeitete Auflage

    KLS / 4.2011 / 9000 D / 1005

  • 3Familire Krebsrisiken

    Inhalt

    Editorial 5

    Was hat Krebs mit den Genen zu tun? 6Eine Genvernderung bewirkt noch keinen Krebs 7

    Wie hufig sind erbliche Krebserkrankungen? 8Welche Krebsarten werden vererbt? 8

    Familir erhhtes Krebsrisiko Was kann man tun? 12Frherkennung als Chance 12Brust- und Eierstockkrebs 12Dickdarm- und Enddarmkrebs 13Melanom 14Seltenere Krebsarten 15

    Genetische Beratung und Gentest 16Beratungsstellen 16Was ist ein Gentest? 19Was kann ein Gentest aussagen? 20Wann ist ein Gentest sinnvoll? 20Sollen Familienmitglieder das Resultat erfahren? 22Das Gendiagnostikgesetz der Schweiz 23

    Leben mit dem Krebsrisiko 25

    Anhang 26

  • 4 Familire Krebsrisiken

  • 5Familire Krebsrisiken

    Hufen sich Krebserkrankungen in Ihrer Familie, so mchten Sie viel-leicht wissen, ob Sie selbst, Ihre Kinder, Ihre Geschwister oder an-dere Familienmitglieder ebenfalls gefhrdet sind.

    Sie fragen sich mglicherweise: Wie gross ist das Risiko, dass in meiner Familie eine Krebsveran-lagung weitervererbt wird? Wie kann ich oder wie kann meine Fa-milie mit diesem Risiko umgehen? Wo knnen wir uns beraten las-sen? Was bringt ein Gentest?

    Diese Broschre greift solche und hnliche Fragen auf. Denn hufig wirft eine Krebserkrankung bei den andern Familienmitgliedern Fra-gen zum eigenen Risiko auf.

    Oft sind die Sorgen unbegrn-det: Die meisten Verwandten von Krebspatientinnen und -patienten mssen, soweit man heute weiss, nicht mit einem erhhten Risiko rechnen, einmal selbst an Krebs zu erkranken.

    Allerdings gibt es Familien, in de-nen sich die Veranlagung zu be-stimmten Krebsarten von Genera-tion zu Generation weitervererbt. Fr die Betroffenen kann es wich-tig sein, um diese Veranlagung zu wissen, damit sie rechtzeitig ent-sprechende Vorsorgemassnahmen treffen knnen.

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Sie erhalten mit dieser Broschre eine erste Orientierungshilfe, um festzustellen, wo Sie stehen und um zu entscheiden, wie es weiter-gehen knnte.

    Wir informieren Sie ber medizi-nische Hintergrnde und die Hu-figkeit von familirem Krebs; und Sie erfahren, in welchen Fllen eine genetische Beratung von Nut-zen ist.

    Ausserdem legen wir dar, welche weitreichenden Konsequenzen ein Gentest haben kann, und was Sie bei der Entscheidung fr oder gegen einen Gentest bedenken sollten.

    Die Sorge um Ihre eigene Gesund-heit oder die Ihrer Nchsten knnen wir Ihnen nicht abnehmen. Wir wollen Sie aber dazu ermutigen, Ihrer rztin oder Ihrem Arzt die Fragen zu stellen, die fr Sie per-snlich wichtig sind.

    Unser Anliegen ist es, Sie dabei zu untersttzen, fr sich und Ihre Fa-milie einen Weg zu finden, der Sie vertrauensvoll in die Zukunft fhrt.

    Ihre Krebsliga

    Steht im Text nur die weibliche oder mnnliche Form, gilt sie jeweils fr

    beide Geschlechter.

  • 6 Familire Krebsrisiken

    Das Erbgut, das wir von Vater und Mutter geerbt haben, befindet sich in nahezu allen Zellen unseres Kr- pers.

    Es enthlt Abertausende von Ge-nen (Erbfaktoren) und ist sozusa- gen eine Rezeptsammlung, nach der jede einzelne Zelle lebt und ar-beitet.

    Aufgrund dieser Rezepte teilt oder spezialisiert sich die Zelle, kom-muniziert sie mit anderen Zellen oder produziert sie Baustoffe (Hor-mone, Enzyme etc.).

    In die Gene knnen sich Fehler einschleichenEin Rezept in einer Zelle kann sich verndern und ist dann sogenannt mutiert. Genmutationen in einzel-nen Zellen entstehen spontan oder durch Umwelteinflsse (Schad-stoffe, Strahlen oder Viren).

    Aufgrund des falschen Rezepts in der betroffenen Zelle kann zum Beispiel die Reparatur von neu entstandenen Defekten am Erb-gut oder die Teilung der Zelle aus den Fugen geraten, je nachdem, welches Gen betroffen ist.

    Was hat Krebs mit den Genen zu tun?

    In der Folge entstehen entartete Zellen, die sich nicht mehr wie an- dere Zellen in dem Gewebe verhal- ten; sie sterben nach einer bestimm- ten Zeit nicht mehr ab, sondern beginnen vielmehr zu wuchern. So bildet sich mit der Zeit ein Tumor. Dies allerdings meist erst dann, wenn weitere Gene ebenfalls mu-tieren oder andere Faktoren hinzu-kommen.

    Hinter den meisten Krebserkran-kungen stehen Genvernderun-gen einzelner Krperzellen. Diese Art von Genvernderungen wer-den nicht an die Kinder weiterge-geben.

    Einige Menschen aber tragen von der Zeugung an eine Genvernde-rung in sich, die zu einem erhh-ten Krebserkrankungsrisiko fhrt.

    Das kommt daher, dass sich bei einem Vorfahren einmal eine Mu-tation in einer Keimzelle ereignet hat:> in einer Eizelle bei einer

    weiblichen Vorfahrin oder> in einem Spermium bei einem

    mnnlichen Vorfahren.

  • 7Familire Krebsrisiken

    Genvernderungen in Keimzellen knnen an die Kinder vererbt wer-den.

    Statistisch betrachtet, erkranken Mitglieder solcher Familien hu-figer und frher an bestimmten Krebsarten (z.B. Brustkrebs oder Darmkrebs) als die Durchschnitts-bevlkerung. Mediziner sprechen von familirer Belastung oder von erblichem (hereditrem) Krebs.

    Eine Genvernderung bewirkt noch keinen KrebsZwar treten in Familien mit ei-ner Krebsveranlagung bestimmte Krebsarten hufiger auf als in an-deren. Glcklicherweise bedeutet das aber nicht, dass deswegen alle Familienmitglieder an Krebs erkranken.

    Wie werden Genvernderungen vererbt? Und mit welchen Folgen?

    Die Genvernderung zur Krebsveranlagung wird nicht an alle Nachkommen vererbt.

    Jedes Kind hat hchstens ein Risiko von 50%, die Genvernderung von einem Elternteil zu erben.

    Auch wenn ein Nachkomme die Genvernderung erbt, heisst das noch nicht, dass bei ihm im Laufe des Lebens ein Tumor entsteht.

    Es erkrankt also nicht jeder Trger, jede Trgerin einer Genvern-derung an Krebs. Denn die verantwortlichen Erbfaktoren sind in doppelter Ausfhrung vorhanden:> Eine Genkopie haben wir von der Mutter, die andere vom Vater geerbt.

    > Vererbt wird in der betroffenen Familie jeweils nur eine vern-derte Genkopie: entweder die vom Vater oder die von der Mutter.

    Krebs entsteht erst dann, wenn die zweite (vorerst normale) Gen-kopie in einer Krperzelle ebenfalls eine Mutation erfhrt.

    Personen mit einer Krebsveranlagung haben somit im Vergleich zur brigen Bevlkerung statt zwei Sicherungen nur eine Sicherung zum Schutz vor bestimmten Krebsarten.

  • 8 Familire Krebsrisiken

    Wie hufig sind erbliche Krebserkrankungen?

    Von allen Krebspatienten haben hchstens 10% eine nachweisbar angeborene Veranlagung, die den Entartungsprozess von Zellen be-gnstigt.

    In diesen Fllen spricht man von erblichen (hereditren) Tumor-krankheiten, weil die Veranlagung dazu von Generation zu Genera- tion vererbt werden kann. Dabei spielt meist ein einzelnes mutier-tes Gen eine entscheidende Rolle.

    Bei etwa weiteren 15 bis 20% der an Krebs erkrankten Personen liegt wahrscheinlich eine ge-wisse Veranlagung vor, die jedoch hchst komplex und mit den heu-tigen Methoden der Gendiagnostik schlecht nachweisbar ist, da meist mehrere Gene involviert sind.

    Weil Krebs weit verbreitet ist in der Schweiz erkranken rund 40% der Bevlkerung einmal im Leben daran sind mehrere Krebsflle in einer Familie keine Seltenheit.

    Gehuft auftretende Krebsflle mssen demnach nicht unbedingt auf einer erblichen Grundlage be-ruhen:> Sie knnen zufllig, durch

    voneinander unabhngigen Mutationen entstanden sein.

    > Oder sie haben ihre Ursache in einer gemeinsamen Exposi-tion gegenber dem gleichen krebsfrdernden Umwelt- einfluss, da Menschen aus derselben Familie oft einen hnlichen Lebensstil pflegen.

    Es gibt jedoch Hinweise, die einen Rckschluss erlauben, ob man zu einer Risikofamilie gehrt bzw. ob gehuft auftretende Krebserkran-kungen in einer Familie eine erb-liche Ursache haben knnten (sie-he Kasten).

    Welche Krebsarten werden vererbt?

    Eine erbliche Veranlagung zu Krebs (mit einer oder mehreren Genvernderungen) fhrt meist nicht zu einer generellen Krebsten-denz, sondern zu einer Neigung zu ganz bestimmten Krebsarten.

    Heute kennt man ber zwanzig ver- schiedene erbliche Tumorkrank-heiten; die meisten davon sind usserst selten.

    Bei Brust- und Eierstockkrebs, bei Dickdarm- und Enddarmkrebs und beim Melanom jedoch sind rund 5 bis 10% der Erkrankungen nach-weislich familir bedingt.

  • 9Familire Krebsrisiken

    Brust-/Eierstockkrebs (und Prostatakrebs) In der Schweiz erkranken pro Jahr mehr als 5000 Frauen an Brust-krebs und etwa 600 Frauen an Ei-erstockkrebs. 5 bis 10% dieser Er- krankungen sind auf erbliche Ver-anlagung zurckzufhren.

    Eierstockkrebs kann auch bei hoher familirer Belastung fr Dickdarm- krebs vermehrt auftreten (siehe S. 11).

    Ausserdem erkranken Mnner in Familien, die von Brust- und Eier- stockkrebs betroffen sind, hufi-ger an Prostatakrebs und auch an Brustkrebs.

    Mgliche Hinweise auf eine erbliche Ursache

    Dieselbe Krebsart tritt in der Familie, besonders bei Verwandten ersten Grades (Vater, Mutter, Kinder, Geschwister) gehuft auf, eventuell in Verbindung mit anderen typischen Tumorarten (siehe auch Abschnitt Welche Krebsarten werden vererbt?).

    Unter Umstnden werden bei der Beurteilung auch die Krebs-erkrankungen bei Verwandten zweiten Grades (Grosseltern, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen) einbezogen.

    Eine Krebserkrankung tritt frh im Leben auf: vor dem 40. oder 50. Altersjahr.

    Ein Familienmitglied hat eine unbliche Art eines Tumors, zum Beispiel einen rechtsseitigen Darmkrebs, oder es tritt Brustkrebs bei einem Mann auf, oder jemand erkrankt an mehreren Tumoren.

    Die Familie gehrt zu einer speziell betroffenen Volksgruppe. So tritt beispielsweise die familire adenomatse Polyposis (FAP) bei Nachkommen von Familien aus dem Puschlav, einem italie-nischsprachigen Tal im Kanton Graubnden, hufiger auf, als in der Durchschnittsbevlkerung. Oder in einer bestimmten Volks-gruppe haben Frauen ein hheres Brust- und Eierstockkrebsrisiko als Frauen anderer Ethnien (Volksgruppen).

  • 10 Familire Krebsrisiken

  • 11Familire Krebsrisiken

    Dickdarm- oder Enddarmkrebs (und weitere Krebsarten)In der Schweiz erkranken jedes Jahr ber 4000 Menschen an Dick-darm- oder Enddarmkrebs, 5 bis 10% davon an einer der erblichen Formen.

    HNPCC-RisikoDer erbliche nicht-polypse Darm-krebs (hereditary nonpolyposis colorectal cancer, kurz HNPCC) ist die hufigste Form von erblichem Dickdarmkrebs: H steht fr hereditr

    (vererbbar).NP steht fr nicht Polyposis.CC steht fr colorectales

    Carcinom.

    HNPPC wird, nach dem Entdecker Henry Lynch, auch als Lynch-Syn-drom bezeichnet.

    Die Veranlagung ist von Geburt an vorhanden und kann schon in jun-gen Jahren zu Darmkrebs fhren.

    In den davon betroffenen Familien treten auch Tumoren in der Gebr- mutterschleimhaut, im Magen, Dnndarm, Harnleiter, in den Gal-lenwegen oder in den Eierst-cken etwas hufiger auf als in der Durchschnittsbevlkerung.

    FAP-RisikoViel seltener ist die familire ade-nomatse Polyposis coli (FAP). Bei einer FAP knnen sich bereits im frhen Lebensalter im Darm hun-derte bis tausende kleiner Poly-pen bilden. Auch der Magen und Dnndarm knnen befallen sein.

    Diese an und fr sich gutartigen Ge-webewucherungen knnen mit der Zeit, auch bei jungen Menschen, zu Darmkrebs entarten. Dieser kann gleichzeitig an verschiedenen Stel- len des Dickdarms auftreten. Unge- fhr 1% aller Dickdarm- und End-darmkrebserkrankungen geht auf eine FAP zurck.

    Melanom (und andere Krebsarten)Bei der Entstehung des Melanoms (schwarzer Hautkrebs) knnen erb- liche Faktoren eine Rolle spielen.

    Auch die Neigung zu Mutterma-len und zu bestimmten Pigment-strungen der Haut kann vererbt werden. Diese sind ihrerseits ein Risikofaktor fr Melanome.

    In der Schweiz erkranken pro Jahr etwa 1900 Menschen an einem Melanom, 5 bis 10% aufgrund eines familir erhhten Risikos. In den davon betroffenen Familien treten auch Glioblastome (eine be-stimmte Form von Hirntumoren) und Bauchspeicheldrsenkrebs hufiger auf.

  • 12 Familire Krebsrisiken

    Familir erhhtes Krebsrisiko Was kann man tun?

    Frherkennung als ChancePersonen mit einer vermuteten oder nachgewiesenen Krebsver-anlagung sollten auf Frherken-nung setzen: Durch regelmssige Kontrolluntersuchungen knnen Tumoren eventuell schon in einem frhen Stadium entdeckt werden, was die Behandlungs- und ber-lebenschancen verbessern kann.

    Zustzlich empfiehlt sich, einen mglichst risikoarmen Lebensstil zu fhren. Dazu gehren:> Nichtrauchen > Bewegung > eine ausgewogene Ernhrung > das Vermeiden von

    bergewicht > ein mglichst geringer

    Alkoholkonsum> guter Sonnenschutz

    Gut zu wissenEine griffige Prvention oder die Garantie, nach frhzeitiger Diagnose erfolgreich behan-delt zu werden, gibt es fr die meisten Krebskrankheiten nicht.

    Brust- und Eierstockkrebs Je mehr und je frher nahe Ver-wandte an Brust- oder Eierstock-krebs erkrankt sind, desto eher sollten Abklrungen einsetzen: sptestens 5 bis 10 Jahre vor dem frhesten Erkrankungsalter in der Familie.

    Wenn die Mutter also mit 40 Jah-ren erkrankt ist, sollte die Tochter mit den Kontrolluntersuchungen im Alter von 30 bis 35 Jahren be-ginnen; bei nachgewiesener Ver-anlagung ab dem 25. Lebensjahr.

    Frauen mit nachgewiesener Veran-lagung und auch Verwandten er-sten Grades in einer Risikofamilie (siehe Kasten S. 9) werden inten-sivierte Frherkennungsuntersu-chungen empfohlen:> Unverzgliche rztliche

    Konsultation bei Beschwerden und ungewohnten Vernde-rungen der Brust.

    > Halbjhrliche rztliche Untersuchung der Brust.

    > Halbjhrliche Ultraschallunter-suchung (Sonographie).

  • 13Familire Krebsrisiken

    > Halbjhrliche Ultraschallunter-suchung der Eierstcke und Bestimmung des sogenannten Tumormarker (CA-125) im Blut.

    > Zustzlich ab 30 Jahren: Eine jhrliche Mammographie-untersuchung, evtl. ergnzt durch ein MRI (Magnetreso-nanz-Untersuchung).

    Die effizienteste, aber auch radi-kalste Art der Prvention ist eine vorsorgliche Brust- und/oder Eier- stock-/Eileiterentfernung. Diese Optionen knnen bei nachgewie-sener Genvernderung diskutiert werden. Das Fr und Wider sollte dabei sorgfltig abgewogen und allenfalls auch eine Zweitmeinung eingeholt werden.

    Ob sich eine Frau zu dem Eingriff entschliesst, hngt unter anderem auch von ihrer persnlichen Le-benssituation ab, von ihren ngs-ten und Wnschen sowie ihrem Umgang mit Chancen und Risiken. Und auch davon, ob die Familien-planung schon abgeschlossen ist, oder ob die Frau noch Kinder be-kommen mchte.

    Letztlich entscheidet sich nur ein kleiner Teil der betroffenen Frauen dafr.

    Auch die Mglichkeit einer medi- kamentsen Prvention kann im Rahmen der genetischen Beratung diskutiert werden. Die dabei verab-reichten Medikamente beeinflus-sen auf unterschiedliche Weise den Hormonhaushalt und haben ent- sprechende Auswirkungen. Auch die Nebenwirkungen sind in die Beurteilung mit einzubeziehen.

    Dickdarm- und Enddarmkrebs

    Bei Dickdarm- und Enddarmkrebs ist das Wissen um eine mgliche erbliche Veranlagung fr die Be-troffenen ntzlich: Sie werden fr die Frherkennung sensibilisiert. Frh erkannt, lsst sich die Krank-heit gut behandeln.

    Risikopersonen wird empfohlen, sich alle 5 bis 10 Jahre, bei nach-gewiesener Veranlagung alle 1 bis 2 Jahre, mittels einer Darmspie-gelung untersuchen zu lassen. Da-bei knnen bereits existierende Darmpolypen erkannt und entfernt werden:> Bei einer HNPPC-Veranlagung

    sollten die Untersuchungen etwa 10 Jahre vor dem frhesten Erkrankungsalter in der Familie einsetzen.

  • 14 Familire Krebsrisiken

    > Falls ein Familienmitglied vor dem 45. Altersjahr erkrankt ist, sollten die Untersuchungen der Verwandten ab dem 20. bis 25. Lebensjahr beginnen.

    > Frauen sollten sich zudem jhrlich gynkologisch unter-suchen lassen.

    > Bei Menschen mit einer Veranlagung zur FAP sind jhrliche Untersuchungen zur Frherkennung schon im Teenageralter ratsam, auch wenn keine Beschwerden vorliegen.

    > Auch die vorbeugende opera-tive Entfernung des Dick- und Enddarms (oder nur des Dick-darms) kann erwogen werden, um so die Bildung von Krebs in diesen Darmabschnitten zu verhindern. Der After bleibt dabei erhalten; das heisst, es muss kein bleibendes Stoma (knstlicher Darm- ausgang) angelegt werden.

    > Danach werden weiterhin jhrliche Untersuchungen empfohlen, da die Neigung zu Polypen und damit zu einer Krebserkrankung bestehen bleibt.

    Melanom

    Familir belastete Personen sollten sich mglichst wenig der direkten Sonnenstrahlung aussetzen, sich an der Sonne mit geeigneter Klei-dung und Sonnenschutzmitteln schtzen und Solarien meiden.

    Darber hinaus sollten Sie Ihre Haut etwa drei- bis viermal pro Jahr in regelmssigen Abstnden selbst auf Vernderungen unter- suchen. Beim geringsten Verdacht, jedoch mindestens einmal jhr-lich, sollten sie fr eine genaue Untersuchung Ihren Hausarzt oder eine Dermatologin aufsuchen.

    Mehr Informationen finden Sie in den entsprechenden Broschren der Krebsliga (siehe S. 27).

  • 15Familire Krebsrisiken

    Seltenere Krebsarten

    Schliesslich gibt es weitere, erb- liche Krebserkrankungen, die zwar sehr selten sind, bei denen aber die Aussicht auf eine erfolgreiche Therapie sehr gut ist. Vorausset-zung ist, dass eine entsprechende erbliche Veranlagung schon vor der Erkrankung festgestellt wird oder die Krankheit frh diagnosti-ziert werden kann.

    > Das Retinoblastom ist ein Augentumor, der erblich bedingt sein kann. In der Schweiz erkrankt eines von etwa 18000 Neugeborenen an einem Retinoblastom. Frh eingesetzt, kann eine Laser-Strahlentherapie den Tumor zerstren und das Augenlicht unter Umstnden erhalten.

    > Auch bei sogenannten multi-plen endokrinen Neoplasien Typ 2 (MEN2), die sich unter anderem als Schilddrsen-krebs manifestieren, ist der Erfolg einer frhen Entfernung des Tumors beziehungsweise des gefhrdeten Organs sehr gut. Einer von 30000 Men-schen erkrankt im Laufe seines Lebens an dieser Krebsart.

    > Die von Hippel-Lindau-Erkran-kung (VHL) ist eine Tumorart, die unterschiedliche Organe befallen kann und an der einer von 36000 Menschen erkrankt. Mit einer frhzeitigen Laser-behandlung der bei VHL oft auftretenden gutartigen Blut-gefss-Tumoren im Auge kann man zum Beispiel eine Netz-hautablsung und Sehbehin-derungen verhindern.

  • 16 Familire Krebsrisiken

    Genetische Beratung und Gentest

    Beim Schweizerischen Institut fr angewandte Krebsforschung SAKK (siehe S. 26, Fachstellen) erhal- ten Sie die Adressen der im Net-work Cancer Genetics zusammen- geschlossenen Genetic Counsel-ing Centers. Obwohl die Bezeich-nung Englisch ist, spricht man dort selbstverstndlich Deutsch.

    Diese Centers legen Wert auf mul-tidisziplinre, krebsspezifische Be- ratung. Nebst einem Facharzt, einer Fachrztin FMH fr medizinische Genetik werden je nach Indikation weitere Fachpersonen, zum Bei-spiel fr Innere Medizin, Gastro- enterologie, Gynkologie, Onko-logie, Pdiatrie, Psychologie, Uro-logie, Pflege etc., beigezogen.

    Ein Gesprch mit Ihrem Hausarzt oder einer Fachrztin ist eine erste Mglichkeit, sich ber eine allfl-lig familir gehuft auftretende Krebskrankheit zu informieren. Ge- meinsam kann entschieden wer-den, ob Sie an eine genetische Be-ratungsstelle verwiesen werden sollten und es auch mchten.

    Selbstverstndlich knnen Sie sich auch direkt an eine solche Bera-tungsstelle wenden.

    Beratungsstellen

    Bei der Schweizerischen Gesell-schaft fr medizinische Genetik SGMG (siehe S. 26, Fachstellen) erhalten Sie Adressen von Fach-stellen fr medizinische Genetik.

    Gut zu wissenEine genetische Beratung ist nicht zu verwechseln mit einem Gentest (siehe S. 19). Sie ist jedoch eine unabdingbare Voraus- setzung, bevor man einen Gentest durchfhrt.

    In einer genetischen Beratung kann u. a. sorgfltig abgewogen werden, ob ein Gentest ins Auge gefasst werden knnte oder sollte, und was dies fr die Betroffenen und ihre Angehrigen allenfalls bedeuten wrde.

    Die Kosten fr die genetische Beratung werden von der Grund- versicherung der Krankenkasse bezahlt, sofern sie von dazu berechtigten rztinnen und rzten durchgefhrt wird.

  • 17Familire Krebsrisiken

    Die Beratung erstreckt sich ber mehrere Sitzungen. Es ist wichtig, dass Sie sich schon vorher Gedan-ken zu Ihren Erwartungen an die Beratung machen und dabei auch

    Ihre Hoffnungen und ngste aus-drcken. Notieren Sie sich Ihre Fragen und nehmen Sie Ihre Noti- zen mit.

    Die genetische Beratung kann Ihnen helfen zu klren,

    > ob Krebsflle in Ihrer Familie eine erbliche Ursache haben oder haben knnten;

    > wie hoch Ihr persnliches Risiko ist, an Krebs zu erkranken. Grundlage fr diese statistische Abschtzung sind Ihre Familien-geschichte (mit einer Zusammenstellung aller Krebskrankheiten ber zwei, drei Generationen hinweg), andere Daten und eventuell auch ein Gentest;

    > ob Ihre Kinder ein erhhtes Risiko haben, an Krebs zu erkranken;

    > ob ein Gentest fr die entsprechende Krebsveranlagung existiert;

    > welche Art von Testresultat Sie bei einem Gentest erwarten knnten;

    > ob Sie einen Gentest durchfhren lassen mchten oder nicht;

    > warum Sie sich von Gentests via Internet distanzieren sollten;

    > welche Massnahmen zur Vorsorge und Frherkennung geeignet sind;

    > ob Sie psychotherapeutische Beratung und Betreuung brauchen oder wnschen;

    > wie Sie mit einem allenfalls erhhten Krebsrisiko zuversichtlich und selbstbewusst umgehen knnten und welche persnlichen Mglichkeiten Ihnen dabei zur Verfgung stehen.

  • 18 Familire Krebsrisiken

  • 19Familire Krebsrisiken

    Was ist ein Gentest?

    Gentest ist ein umgangssprach-licher Begriff fr verschiedenste molekularbiologische Methoden zur Analyse des Erbgutes. Der Gentest wird anhand einer Blut-probe durchgefhrt. Die Techno-logie fr Gentests und die Art und Weise, wie Resultate erfass- und analysierbar sind, werden laufend verfeinert.

    Dank der Identifizierung von Gen- vernderungen, die eine bestimm-te Krebskrankheit verursachen knnen, lsst sich herausfinden, ob eine Person ein erhhtes Risiko fr eine bestimmte Krebserkran-kung hat. Dies noch bevor die Krank-

    heit entsteht oder erste Symptome auftreten. Es gibt allerdings zur-zeit nur bei wenigen Krebserkran-kungen entsprechende Gentests.

    Die auf Gentests spezialisierten La-boratorien in der Schweiz fhren derzeit jhrlich ber 1000 Krebs-Gentests durch, um zu ermitteln, ob jemand Trgerin oder Trger einer bestimmten Genvernde-rung ist oder nicht.

    Zwei Drittel dieser Tests betref-fen Brust- und Eierstockkrebs, un-gefhr ein Viertel Dickdarmkrebs. Auf Genvernderungen, die zu anderen Krebsarten fhren kn-nen, wird deutlich seltener getes-tet.

    WichtigEin Gentest auf eine Krankheitsveranlagung muss laut Gesetz (siehe S. 23) von einer genetischen Beratung begleitet sein. Er bedarf der schriftlichen, gut informierten Zustimmung des Betroffenen, die sich immer nur auf einzelne definierte Gen- vernderungen bezieht.

    Die Kosten fr einen Gentest reichen von etwa dreihundert bis zu einigen tausend Franken. Je nach Anzahl der untersuchten Gene, je nach Grsse dieser Gene und der von den Laboratorien angewendeten Technik. Beim Verdacht auf erblichen Brust- und Eierstockkrebs, erblichen Darmkrebs, FAP, Multiple endokrine Neoplasien sowie auf ein Retinoblastom bezahlt die obligato- rische Krankenpflegeversicherung den Gentest (Stand Analyse- liste 2011).

  • 20 Familire Krebsrisiken

    Was kann ein Gentest aussagen? Ein Gentest kann die geerbte Ver-anlagung des Einzelnen fr eine bestimmte Krebsart ans Licht brin- gen. Die Familienanamnese, das heisst das Zusammenstellen der Krebserkrankungen innerhalb ei- ner Familie, gibt lediglich erste Hinweise darauf, ob die Mitglieder einer Familie allenfalls ein erhh-tes Risiko haben, an Krebs zu er-kranken.

    Das Resultat ist keine KrebsdiagnoseDas Testresultat besagt nur, ob je- mand Trger einer bestimmten Genvernderung ist und wie hoch die Wahrscheinlichkeit fr ihn ist, an dem erblichen Krebs zu er- kranken. Nicht jeder Trger eines Krebsgens erkrankt an Krebs (siehe Kasten S. 7).

    Aufgrund von Erfahrungswerten errechnen Genetikerinnen und Ge- netiker fr jedes Individuum die Wahrscheinlichkeit zu erkranken: Neben Ort und Art der gefundenen Genvernderung fliessen das Er-gebnis der krperlichen Untersu-chung, die Bevlkerungsgruppe, die Anzahl Erkrankter im Stamm-baum und verschiedene andere In- formationen in die Risikoabscht- zung mit ein (siehe Kasten S. 9).

    Gentests via InternetGenetische Daten bedrfen einer umfassenden Interpretation durch Spezialisten. Deswegen wird aus-drcklich abgeraten von Tests, die ber das Internet angeboten wer-den. Die Schweizerische Gesell-schaft fr Medizinische Genetik SGMG hat hierzu ihre Stellung-nahme Gentest ber das Internet verffentlicht (siehe S. 28, Inter-net).

    Wann ist ein Gentest sinnvoll?

    > Ein Gentest sollte ausschliess-lich auf entsprechende Indi-kation erfolgen.

    > Ein Gentest sollte den Betroffenen einen klaren Nutzen bringen.

    > Kinder sollten nur getestet werden, wenn dies fr ihre eigene Gesundheit oder fr diejenige ihrer Geschwister relevant ist. Das ist insbeson-dere dann der Fall, wenn in der Familie eine dieser vier Erkrankungen vorkommt: familire adenomatse Poly-pose (FAP), Retinoblastom, multiple endokrine Neoplasien, von Hippel-Lindau-Erkrankung (VHL).

  • 21Familire Krebsrisiken

    Recht auf NichtwissenIm Gesetz (siehe S. 23) ist das Recht auf Nichtwissen verankert: Nie-mand darf zu einem Gentest ber-redet oder gezwungen werden. Jede Person soll frei fr sich ent-scheiden knnen, > ob sie sich zutraut, das Wissen

    um eine genetische Belastung zu verkraften, oder

    > ob sie lieber unbelastet in die Zukunft blickt; zumal ein Gentest nie ein Schicksal, sondern immer nur ein hheres Risiko beschreibt.

    Fraglich sind auch Gentests auf Krankheiten, bei denen man vor-

    sorglich nichts tun kann, um sie zu verhindern. Noch weiss man zu wenig, welche Auswirkungen ein positives Testergebnis langfristig auf die Psyche der Betroffenen hat. Positiv heisst in diesem Fall, dass man Trger oder Trgerin einer bestimmten Genvernde-rung ist.

    Fllt ein Gentest negativ aus, ist das fr die Betroffenen beruhi-gend; denn ihr Krebsrisiko ist nicht grsser als das der Durchschnitts-bevlkerung. Dennoch sollten sie auf eine gesunde Lebensweise achten und Frherkennungsunter-suchungen wahrnehmen.

    Voraussetzungen fr einen Gentest

    Die oder der Betroffene stammt aus einer Familie mit erhhtem Krebsrisiko.

    Die Person erkennt, dass sie selbst mit dem Befund einer Gen- vernderung besser leben kann als mit der Ungewissheit.

    Bei der entsprechenden Krebsart gibt es eine gute und persnlich akzeptierte Frherkennungs-, berwachungs- oder Behandlungs-mglichkeit.

    Zu den Krebsarten, bei denen das Wissen um eine genetische Belastung unter Umstnden Leben retten kann, gehren: Dickdarm- und Enddarmkrebs, familirer Brust- und Eierstock- krebs das Retinoblastom, multiple endokrine Neoplasien und die von Hippel-Lindau-Erkrankung.

  • 22 Familire Krebsrisiken

    Sollen Familien-mitglieder das Resultat erfahren?

    Hinter einem Gentest steht immer eine persnliche Entscheidung, die auch andere Familienmitglie-der betrifft.

    So sagt das Resultat eines Gentests nicht nur etwas ber die Gene der getesteten Person aus, sondern auch etwas ber nahe Verwandte. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch sie von derselben Krebsveranla- gung betroffen sind, ist relativ gross (bis zu 50%).

    Das Ergebnis eines Gentests mit dem Befund einer Genvernde-rung sollte mglichst allen Bluts-verwandten sachlich und scho-nend mitgeteilt werden, sagen Genetiker. Denn so liessen sich Lebenserwartung und Lebensqua-litt der Betroffenen verbessern.

    Verwandte, die um ihr (statistisch) erhhtes Krebsrisiko wissen, neh-men Prvention und Frherken-nung ernster: Sie sind fr eine ge-sunde Lebensweise sensibilisiert, knnen sich einer engmaschigen berwachung unterziehen (siehe S. 12 ff.) und sind frei in der Ent-scheidung, ob sie selbst sich auch genetisch untersuchen lassen mchten.

    Das Gleiche gilt auch, wenn in der Familie (noch) niemand einen Gentest gemacht hat, die Familien- geschichte jedoch auf erbliche Krebserkrankungen hinweist. Auch dieses Wissen sollte man mit den anderen Familienangehrigen tei-len.

  • 23Familire Krebsrisiken

    Das Gendiagnostik-gesetz der SchweizKernpunkte des am 1. April 2007 in Kraft getretenen Bundesgesetzes ber genetische Untersuchungen beim Menschen (GUMG):

    1. Niemand darf wegen seines Erbguts diskriminiert werden. Das Erbgut einer Person darf nur untersucht, registriert oder offenbart werden, wenn die betroffene Person zu-stimmt oder es das Gesetz vorschreibt.

    2. Genetische Untersuchungen zu medizinischen Zwecken mssen einen vorbeugenden oder therapeutischen Zweck haben oder als Grundlage fr die Familien- oder Lebens- planung dienen.

    3. Genetische Untersuchungen mssen von einer genetischen Beratung begleitet sein.

    4. Es gilt das Recht auf Nicht-wissen: Niemandem drfen Informationen ber sein/ihr Erbgut aufgezwungen werden.

    5. Der Arzt darf das Untersu-chungsergebnis nur mit aus-drcklicher Zustimmung des Betroffenen den Angehrigen

    mitteilen. Aber: Verweigert dieser die Zustimmung, kann sich der Arzt von der beruf-lichen Schweigepflicht ent- binden lassen, zum Beispiel falls dies fr die Gesundheit der Verwandten des Betrof-fenen wichtig ist.

    6. Laboratorien, die genetische Tests machen, brauchen eine Bewilligung.

    7. Arbeitgeber drfen keine genetischen Untersuchungen verlangen, ausser wenn der Arbeitnehmer bei seiner Ttig-keit Dritte oder die Umwelt schwer schdigen knnte oder wenn die Gefahr einer Berufs-krankheit besteht und diese nicht mit Schutzmassnahmen ausgeschlossen werden kann.

    8. Versicherer knnen Einsicht in die Ergebnisse frherer gene- tischer Tests verlangen, wenn die Versicherungssumme bei Lebensversicherungen 400000 Franken bersteigt, bei freiwilligen Invaliditts- versicherungen 40000 Franken.

    Den vollstndigen Gesetzestext finden Sie auf der Internetseite des Bundesamtes fr Gesundheit(siehe S. 28, Internet).

  • 24 Familire Krebsrisiken

  • 25Familire Krebsrisiken

    Leben mit dem Krebsrisiko

    Wie lsst sich das Wissen um eine genetische Hypothek bewlti-gen? Wie weiter, wenn ein Gen-test keine genetische Vernderung zeigt? Oder wenn sich jemand in der Familie gegen einen Gentest entscheidet?

    Hierzu gibt es keine Patentrezepte. Krebskrankheiten knnen auch mit Gentests weder sicher vor-hergesagt noch sicher ausge-schlossen werden.

    Gerade wegen dieser Ungewiss-heit knnen die Gedanken immer wieder um das Thema kreisen. Ist dies der Fall, sollten Sie mit Ih-rem Arzt, Ihren Verwandten oder andern Betroffenen darber spre-chen, damit Sie gedanklich und emotional nicht in eine Sackgasse geraten.

    Unser Leben hlt viele berra-schungen bereit und ist mit oder ohne genetische Belastung be-grenzt. Dies zu erkennen, fllt den meisten Menschen schwer.

    Es ist verstndlich, wenn Sie sich Sorgen machen. Da ist die Angst vor der Krankheit, vor dem Tod. Da sind vielleicht Schuldgefhle Ihren Kindern gegenber, denen Sie mglicherweise eine familire Krebsveranlagung vererbt oder erst spt mitgeteilt haben.

    Die meisten Menschen aus Fami-lien, in denen sich Krebsflle hu-fen, mchten sich aussprechen und sich mit ihren Sorgen dem Lebenspartner, der Freundin, dem Hausarzt anvertrauen. Andere ver- drngen mgliche zuknftige Er-krankungen lieber weil sie sich so ihre Lebensfreude besser be-wahren.

    Es braucht Mut und erfordert auch Zeit, mit einem vermuteten fami-liren Krebsrisiko oder mit einer nachgewiesenen genetischen Be-lastung sein Leben zu leben. Je-der Mensch muss mit dem Unge-wissen der Zukunft und mit einem allfllig erhhten Krebsrisiko auf seine persnliche Weise zurecht-kommen.

    Lassen Sie sich fachlich kompetent beraten und begleiten, wann im-mer Unsicherheiten oder Schwie-rigkeiten auftauchen sollten.

    Fragen an sich selbst > Was bestrkt mich darin,

    gelassen in der Gegenwart zu leben und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen?

    > Welche Situationen, Ttig-keiten oder Rituale strken mein gutes Gefhl im Hier und Jetzt?

    > Was strkt den Zusammenhalt in unserer Familie, in meinem persnlichen Umfeld?

  • 26 Familire Krebsrisiken

    Anhang

    Lassen Sie sich beraten

    Ihr BeratungsteamIhre rztin, Ihr Arzt, die klinischen Geneti-ker, und allenfalls eine Psychologin sowie weitere Fachpersonen beraten, unterstt-zen und begleiten Sie und Ihre Angehri-gen bei Ihrer Auseinandersetzung mit einem allflligen familiren Krebsrisiko.

    Ihre kantonale KrebsligaSie bert, begleitet und untersttzt Sie auf vielfltige Weise bei krebsbedingten Fragen und Problemen. Dazu gehren auch persnliche Gesprche, das Klren von Versicherungsfragen und das Ver-mitteln von Fachpersonen.

    Das Krebstelefon 0800 11 88 11Am Krebstelefon hrt Ihnen eine Fachper-son zu. Sie geht auf Ihre Fragen im Zu- sammenhang mit Krebskrankheiten ein und informiert Sie ber mgliche Schritte. Anruf und Auskunft sind kostenlos.

    Wegweiser Der Wegweiser der Krebsliga ist ein umfassendes Internet-Verzeichnis von psychosozialen Angeboten in der Schweiz: www.krebsliga.ch/wegweiser. Interes-sierte finden darin Kurse, Beratungs- angebote etc., die geeignet sind, die Lebensqualitt zu erhalten oder zu fr-dern und den Alltag mit Krebs zu erleich-tern.

    Andere Betroffene InternetforenSie knnen Ihre Anliegen auch in einem Internetforum diskutieren, zum Beispiel unter www.krebsforum.ch einem Ange-bot des Krebstelefons und www.forum.krebs-kompass.de.

    Es kann Mut machen zu erfahren, wie andere als Betroffene oder Angehrige mit besonderen Situationen umgehen.

    SelbsthilfegruppenIn Selbsthilfegruppen tauschen Betroffene ihre Erfahrungen aus und informieren sich gegenseitig. Im Gesprch mit Menschen, die hnliches durchgemacht haben, fllt dies oft leichter.

    Fachstellen fr genetische Beratung

    Schweizerische Gesellschaft fr Medizinische Genetik SGMGSekretariat Katharina Nevesc/o Medizinische Genetik UKBBBurgfelderstrasse 101, Haus J4055 BaselTel. 061 704 12 [email protected] (siehe auch S. 28, Internet)

    Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fr Klinische Krebsforschung SAKKEffingerstrasse 403008 BernTel. 031 389 91 [email protected] (siehe auch S. 28, Internet)

  • 27Familire Krebsrisiken

    Broschren der Krebsliga

    Prvention und Frherkennung

    > Werden Sie aktiv Senken Sie Ihr Krebsrisiko

    Eine Information der Krebsliga im Taschenformat

    > Gemeinsam gegen Brustkrebs Die wichtigsten Fragen und Antworten

    > Gemeinsam gegen Brustkrebs Risikofaktoren und Frherkennung

    > Darmkrebs nie? Eine Information zur Prvention und Frherkennung

    > Darmkrebs nie? Ein Risikofragebogen zur Abschtzung des eigenen Darmkrebsrisikos

    > Eine ausgewogene Ernhrung strkt die Gesundheit

    So knnen Sie das Krebsrisiko senken

    > Frherkennung von Prostatakrebs Eine Information fr Mnner

    > Sonnenschutz Eine umfassende Information ber Sonnenschutz und Frherkennung von Hautkrebs

    > 20 Sekunden zum Nachdenken Eine Prventionsbroschre zum Thema Tabak

    > Passivrauch Schtzen Sie Ihre Kinder

    Eine Prventionsbroschre zum Thema Tabak

    > Rauchstopplinie Infoblatt ber die Rauchstopp- Beratung

    > Krebs: von den Genen zum Menschen

    Eine CD-ROM ber Entstehung und Behandlung von Krebskrankheiten (Fr. 25. plus Porto und Verpackung)

    Krebstherapien, Leben mit KrebsBei der Krebsliga finden Betroffene und ihre Angehrigen ausserdem zahlreiche Broschren zu einzelnen Krebsarten und Therapien und zum Umgang mit Krebs. Siehe www.krebsliga.ch/broschueren oder fragen Sie Ihre kantonale Krebsliga.

    Bestellmglichkeiten> Krebsliga Ihres Kantons> Telefon 0844 85 00 00> [email protected]> www.krebsliga.ch/broschueren

    Auf www.krebsliga.ch/broschueren fin-den Sie alle bei der Krebsliga erhltli-chen Broschren. Die meisten Publika-tionen sind kostenlos und stehen auch als Download zur Verfgung. Sie werden Ihnen gemeinsam von der Krebsliga Schweiz und Ihrer kantonalen Krebsliga offeriert. Dies ist nur mglich dank unse-ren Spenderinnen und Spendern.

  • 28 Familire Krebsrisiken

    Internet

    Genetische Beratung/Gentestswww.bag.admin.ch/themen/medizin Genetische Untersuchungen Recht-liche GrundlagenAuf der Webseite des Bundesamtes fr Gesundheit knnen Sie u. a. das Bundes-gesetz und die Verordnungen ber gene-tische Untersuchungen beim Menschen einsehen.www.sakk.ch Patienten Genetische BeratungWebseite des Schweizerischen Instituts fr angewandte Krebsforschung. Hier fin- den Sie die anerkannten Anlaufstellen fr krebsspezifische genetische Beratung und Gentests.www.sgmg.chWebseite der Schweizerischen Gesell-schaft fr Medizinische Genetik mit In-formationen in Englisch, teils auch in Deutsch und Franzsisch. Unter Medical Genetics Genetic Centres finden Sie Adressen von Fach-stellen fr medizinische Genetik.Unter Patient Information Gentests ber das Internet finden Sie die entspre-chende Stellungnahme der SGMG.

    Krebskrankheiten www.brca-netzwerk.deEine von der deutschen Krebshilfe unter-sttzte Webseite mit Informationen ber familiren Brust- und Eierstockkrebs. Ent- hlt auch Erfahrungsberichte und prak-tische Tipps.

    www.darmkrebs.de berblick Ri-siko fr Darmkrebs Familires RisikoWebseite der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs. Die Stiftung wurde aus persnlicher Betroffenheit heraus gegrndet. www.hnpcc.deWebseite des Verbundprojekts der Deut- schen Krebshilfe.www.vhl-europa.org/switzerlandWebseite der Kontaktstelle des Vereins der von der von Hippel-Lindau-Erkrankung (VHL) betroffenen Familien. Mit Informa-tionen ber die Krankheit. www.kinderaugenkrebsstiftung.deWebseite einer aus eigener Betroffenheit heraus gegrndeten Stiftung mit Infor-mationen zu Krankheit und Vorsorge des Retinoblastoms.

    Quellen

    Die in dieser Broschre erwhnten Publi-kationen und Internetseiten dienen der Krebsliga u. a. auch als Quellen. Sie ent- sprechen im grossen Ganzen den Quali- ttskriterien der Health On the Net Foun-dation, dem sogenannten HonCode (sie-he www.hon.ch/HONcode/German/).

  • 29Familire Krebsrisiken

    Selbsthilfeorgani-sationen von Krebsbetroffenen

    ilco, Schweizerische Vereinigung der regionalen Gruppen von StomatrgernSelbsthilfeorganisation fr Menschen mit einem knst-lichen Darm- oder Urin- ausgangPrsident: Bruno LeisederRothenburgerstrasse 106274 EschenbachTel. 041 448 29 22Sekretariat:Peter SchneebergerBuchenweg 353054 SchpfenTel. P 031 879 24 68Tel. G 031 634 41 02Fax 031 634 41 [email protected] www.ilco.ch

    Leben wie zuvor, Schweizer Verein brustoperierter FrauenSelbsthilfeorganisation fr Frauen nach einer Brustkrebs-erkrankungKontakt:Dr. h.c. Susi GaillardGeschftsleiterinPostfach 3364153 Reinach 1Tel. 061 711 91 [email protected]

    Kinderkrebshilfe SchweizBrigitte Holderegger-MllerFlorastrasse 144600 OltenTel. 062 297 00 11Fax 062 297 00 [email protected]

    KKO, Kehlkopfoperierte SchweizSelbsthilfeorganisation fr kehlkopflose MenschenSchulhausweg 10Postfach 1005442 FislisbachTel./Fax 056 483 00 [email protected]

    SSP, Schweizer Selbsthilfe-gruppe fr Pankreas- erkrankungen Prsident: Conrad Rytzchemin du Chne 101260 NyonTel. 022 361 55 92Fax 022 361 56 53 [email protected]

    SFK, Stiftung zur Frderung der Knochenmark- transplantation Candy HeberleinVorder Rainholzstrasse 38123 EbmatingenTel. 044 982 12 12Fax 044 982 12 [email protected]

    Myelom Kontaktgruppe Schweiz (MKgS)Prsidentin:Ruth BhlerGrenzweg 54144 ArlesheimTel. 061 701 57 19 (nachmittags)[email protected]

    ho/noho, Schweizerische Patientenorganisation fr Lymphombetroffene und AngehrigeRosmarie PfauWeidenweg 394147 AeschTel. 061 421 09 [email protected]

  • 30 Familire Krebsrisiken

    Untersttzung und Beratung die Krebsliga in Ihrer Region

    1 Krebsliga AargauMilchgasse 41, 5000 AarauTel. 062 834 75 75Fax 062 834 75 [email protected] 50-12121-7

    2 Krebsliga beider BaselMittlere Strasse 35, 4056 Basel Tel. 061 319 99 88Fax 061 319 99 [email protected] 40-28150-6

    3 Bernische Krebsliga Ligue bernoise contre le cancer

    Marktgasse 55, Postfach 1843000 Bern 7 Tel. 031 313 24 24Fax 031 313 24 [email protected] 30-22695-4

    4 Ligue fribourgeoise contre le cancer Krebsliga Freiburg

    Route de Beaumont 2case postale 751709 Fribourgtl. 026 426 02 90fax 026 425 54 [email protected] 17-6131-3

    5 Ligue genevoise contre le cancer

    17, boulevard des Philosophes1205 Genvetl. 022 322 13 33fax 022 322 13 [email protected] 12-380-8

    6 Krebsliga GlarusKantonsspital, 8750 Glarus Tel. 055 646 32 47Fax 055 646 43 [email protected] 87-2462-9

    7 Krebsliga GraubndenAlexanderstrasse 38, 7000 Chur Tel. 081 252 50 90Fax 081 253 76 [email protected] 70-1442-0

    8 Ligue jurassienne contre le cancerRue des Moulins 122800 Delmonttl. 032 422 20 30fax 032 422 26 [email protected] 25-7881-3

  • 31Familire Krebsrisiken

    Krebsliga Schweiz Effingerstrasse 40Postfach 82193001 BernTel. 031 389 91 00Fax 031 389 91 [email protected] 30-4843-9

    KrebstelefonTel. 0800 11 88 11Montag bis Freitag 10.0018.00 UhrAnruf [email protected]

    Krebsforumwww.krebsforum.ch, das Internetforum der Krebsliga

    Wegweiserwww.krebsliga.ch/ wegweiser, ein Internet-verzeichnis der Krebsliga zu psychosozialen Ange-boten (Kurse, Beratungen etc.) in der Schweiz

    Rauchstopp-LinieTel. 0848 000 181max. 8 Rappen pro Minute (Festnetz)Montag bis Freitag11.0019.00 Uhr

    BroschrenTel. 0844 85 00 [email protected]/ broschueren

    Ihre Spende freut uns.

    9 Ligue neuchteloise contre le cancer

    Faubourg du Lac 17case postale2001 Neuchtel tl. 032 721 23 [email protected] 20-6717-9

    10 Krebsliga SchaffhausenRheinstrasse 178200 Schaffhausen Tel. 052 741 45 45Fax 052 741 45 [email protected] 82-3096-2

    11 Krebsliga SolothurnHauptbahnhofstrasse 124500 Solothurn Tel. 032 628 68 10Fax 032 628 68 [email protected] 45-1044-7

    12 Krebsliga St. Gallen-Appenzell

    Flurhofstrasse 79000 St. Gallen Tel. 071 242 70 00Fax 071 242 70 [email protected] 90-15390-1

    13 Thurgauische KrebsligaBahnhofstrasse 58570 WeinfeldenTel. 071 626 70 00Fax 071 626 70 [email protected] 85-4796-4

    14 Lega ticinese contro il cancro

    Piazza Nosetto 36500 BellinzonaTel. 091 820 64 20Fax 091 820 64 [email protected] 65-126-6

    15 Ligue valaisanne contre le cancer Krebsliga Wallis

    Sige central:Rue de la Dixence 19, 1950 Siontl. 027 322 99 74fax 027 322 99 [email protected]:Spitalzentrum Oberwallisberlandstrasse 14, 3900 Brig Tel. 027 922 93 21Mobile 079 644 80 18Fax 027 970 33 [email protected]/PK 19-340-2

    16 Ligue vaudoise contre le cancerPlace Ppinet 1, 1003 Lausannetl. 021 623 11 11fax 021 623 11 [email protected] 10-22260-0

    17 Krebsliga ZentralschweizHirschmattstrasse 29, 6003 Luzern Tel. 041 210 25 50Fax 041 210 26 [email protected] 60-13232-5

    18 Krebsliga ZugAlpenstrasse 14, 6300 Zug Tel. 041 720 20 45Fax 041 720 20 [email protected] 80-56342-6

    19 Krebsliga ZrichMoussonstrasse 2, 8044 Zrich Tel. 044 388 55 00Fax 044 388 55 [email protected] 80-868-5

    20 Krebshilfe LiechtensteinIm Malarsch 4, FL-9494 Schaan Tel. 00423 233 18 45Fax 00423 233 18 [email protected] 90-4828-8

  • berreicht durch Ihre Krebsliga: