Infektionen in der Gastroenterologie

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    25-Aug-2016

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<ul><li><p>Gastroenterologe20127:211212DOI10.1007/s11377-011-0605-2Springer-Verlag2012</p><p>A.J.Ullmann1J.F.Riemann21MedizinischeKlinikundPoliklinikII,UniversittsklinikWrzburg2c/oStiftungLebensBlicke,KlinikumLudwigshafen</p><p>InfektioneninderGastroenterologieNachEHECbrauchtDeutschlanddenFacharztInfektiologie</p><p>Nach dem Ende der 70er Jahre des letz-ten Jahrhunderts herrschte die Meinung vor, dass das Buch der Infektionskrank-heiten geschlossen werden knnte. Doch diese berheblichkeit wurde berra-schend durch das Auftreten von Aids-Er-krankungen vor 30 Jahren bestraft. Heute ist allen klar, dass das Problem der Infek-tionskrankheiten wahrscheinlich nie ge-lst sein wird. Gerade die jngste Vergan-genheit hat uns vor einige Herausforde-rungen gestellt, wie z. B. SARS, MDR-TB, die Vogel- bzw. Schweinegrippe oder erst vor kurzem vor allem im norddeutschen Raum der Ausbruch von EHEC-Fllen. Es scheint tatschlich so zu sein, dass uns in der modernen Zeit die Infektionskrank-heiten wieder einholen. Eigene Unter-suchungen besagen, dass etwa 810% der stationren Flle in der Hauptdiagnose infektiser Natur sind. Auch das Auftre-ten von multiresistenten Erregern ist ein Problemfeld, das eine weitere Herausfor-derung fr die moderne Medizin darstellt.</p><p> OhneeineKooperationberFachgrenzenhinauskanneinemoderne,effizienteMedizinheutenichtmehrgewhrleistetwerden</p><p>In den nachfolgenden Arbeiten demons-trieren hier Kolleginnen und Kollegen beispielhaft ihre Kompetenz in der In-fektionsmedizin. Sie sind gewollt klinisch orientiert und dienen der Fortbildung mit Algorithmen zur Diagnostik und Behand-</p><p>lung. Dank der individuellen sehr guten Ausbildung und der inter disziplinren Verflechtung der Kompetenzen von Gastro enterologen, Infektiologen, Inten-sivmedizinern und Mikrobiologen bieten diese Arbeiten eine ausgezeichnete Lek-tre.</p><p>Heutzutage steht der Begriff Infek-tionsmedizin fr eine kooperative Zu-sammenarbeit zwischen Fchern der Diag nostik (z. B. Mikrobiologie), Kran-kenhaushygiene und den Klinikern (hier ausgebildete Infektiologen, aber auch Kli-niker aus Schwerpunktfchern der in-neren Medizin). Ohne eine Koopera-tion ber Fachgrenzen hinaus kann eine moderne, effiziente Medizin heute nicht mehr gewhrleistet werden. Die Kompe-tenzen der einzelnen Fachgruppen sind klar definiert. Nur durch die Vernetzung der diagnostischen und klinischen Kom-petenz verbunden mit der notwendi-gen Einsicht der Fachbereiche wird eine moderne und schlagkrftige Infektions-medizin in Deutschland mglich sein. Diese Zusammenarbeit war notwendig, um dem EHEC-Ausbruch zu begegnen. Aber gerade dieser Ausbruch zeigt erneut deutlich den Bedarf an Infektiologen in Deutschland. Nur durch Zusammen-arbeit und die stringente Befolgung von krankenhaushygienischen Konzepten ist eine optimale und professionelle Betreu-ung von Patienten mit Infektionskrank-heiten gewhrleistet.</p><p>Beunruhigend dagegen ist, wie Quali-fikationen erworben werden knnen. Wie sieht die Ausbildung zum Infektiologen in </p><p>Deutschland aus? Im europischen Kon-text ist die Ausbildung vllig unzurei-chend. Die Infektiologie kann in fast allen Bundeslndern mit Ausnahme von Meck-lenburg-Vorpommern als eine Zusatz-bezeichnung erworben werden. Die Aus-bildung dauert nach der Musterweiterbil-dungsordnung 12 Monate. Neben der kur-zen Ausbildungszeit sind klare inhaltliche Defizite auszumachen. In anderen euro-pischen Lndern ist dagegen eine 5-jh-rige Ausbildung mit einem deutlich pro-funderen Ausbildungscurriculum vorge-sehen (s. auch UEMS Infectious Diseases). In Anbetracht dieser Situation fordern die Sektion fr Infektiologie des Berufs-verbandes Deutscher Internisten (BDI) und die Deutsche Gesellschaft fr Infek-tiologie (DGI) die Schaffung der Schwer-punktbezeichnung Infektiologe inner-halb der inneren Medizin bzw. Pdiatrie. Hier soll vor allem die Qualitt der Aus-bildung deutlich verbessert werden. Um eine adquate Weiterbildung zu gewhr-leisten, mssten natrlich auch entspre-chende Multiplikatoren, gemeint sind Ausbilder, zur Verfgung stehen. Eine In-fektiologie kann nur dann auf Dauer exis-tieren, wenn nicht nur eine klare, klinisch orientierte Ausbildung existiert, sondern entsprechende Netzwerke von akade-mischen infektiologischen Einheiten in den Universittskliniken in der Bundes-republik Deutschland etabliert sind.</p><p>Die von verschiedenen Fachbereichen gelegentlich geuerten Bedenken sind in den meisten Fllen unbegrndet. Wenn der Bedarf der engen Kooperation mit </p><p>211DerGastroenterologe32012 |</p><p>Einfhrung zum Thema</p></li><li><p>den verschiedenen Fachbereichen von der Infektiologie ignoriert wrde, verlre sie ihre Daseinsberechtigung.</p><p>Interessante Konzepte werden bereits in der Bundesrepublik umgesetzt. Die Schaffung des Deutschen Zentrums fr Infektionsforschung (DZI) oder die Bil-dung von Zentren fr Infektionsmedi-zin in Universittskliniken sind mgliche Wege , um eine enge Vernetzung der Infek-tiologie mit anderen Fchern anzustreben. Unabhngig davon bedarf es der Erarbei-tung von individuellen Konzepten, inwie-weit z. B. Betten fr die klinische Infektio-logie vorgehalten werden.</p><p>Wer mchte sich den Forderungen nach einer verbesserten Ausbildung ver-schlieen? Dieses Schwerpunktheft von Der Gastroenterologe behandelt in kompe-tenten Beitrgen die Bedeutung der Infek-tiologie fr die Gastroenterologie und will darber hinaus den Ansto geben, auch ber klinisch-wissenschaftliche und poli-tische Konsequenzen nachzudenken.</p><p>Andrew J. Ullmann</p><p>Jrgen F. Riemann</p><p>Korrespondenzadresse</p><p>Prof. Dr. A.J. UllmannMedizinischeKlinikundPoliklinikII,UniversittsklinikWrzburgOberdrrbacherStrae6,97080Wrzburgullmann_a@klinik.uni-wuerzburg.de</p><p>Prof. Dr. J.F. Riemannc/oStiftungLebensBlicke,KlinikumLudwigshafenBremserstrae79,67063Ludwigshafenriemannj@garps.de</p><p>Aldosteron-Forschung wird gefrdert</p><p>DergemeinntzigeVereinESAC-Deutschland</p><p>VereinzurFrderungderAldosteron-For-</p><p>schunge.V.gewhrtjhrlichfr3wissen-</p><p>schaftlicheProjekteaufeinJahrbefristete</p><p>Anschubfinanzierungenvonje15.000-25.000</p><p>EurozurDurchfhrungvonForschungsvor-</p><p>habenaufdemAldosteron-Sektor.</p><p>DieAuswahlerfolgtgesttztaufeinunab-</p><p>hngigesReviewverfahrenzurBeurteilung</p><p>derwissenschaftlichenExzellenzdurchden</p><p>ESAC-Beirat.Gefrdertwerdeninsbesondere</p><p>Wissenschaftler,dieanInstitutenbzw.Klini-</p><p>kendeutscherUniversittenttigsind.</p><p>DasZielistes,jungenWissenschaftlerneinen</p><p>EinstiegindieDrittmittel-gefrderteFor-</p><p>schungzugeben.Eswirderwartet,dasssich</p><p>erfolgreicheBewerbernachderFrderphase</p><p>durchESAC-DeutschlandumdieweitereFr-</p><p>derungz.B.durchdieDFGbemhen.</p><p>BewerbungsschlussfrdasJahr2012istder</p><p>31.07.2012.</p><p>WeitereInformationenzurBewerbungum</p><p>eineAnschubfinanzierungfindensichaufder</p><p>HomepagedesVereins.</p><p>Quelle: ESAC-Deutschland Verein zur </p><p>Frderung der Aldosteron-Forschung e. V., </p><p>www.esac-deutschland.de</p><p>Fachnachrichten</p><p>Neuer Prognosetest fr Darm-krebs</p><p>HyperplastischePolypensinddiehufigsten</p><p>kolorektalenVerletzungen,vondenenfast</p><p>einVierteldereuropischenBevlkerung</p><p>zwischen20und54Jahrenbetroffensind.Sie</p><p>wurdenlangealsgutartigeingestuftundkei-</p><p>nemedizinischeWeiterbetreuungempfohlen.</p><p>EinigedieserPolypenknntenjedochVorlu-</p><p>fervonKolonkarzinomensein.Franzsische</p><p>ForscherhabeneineMethodeentwickelt,um</p><p>vorherzusagen,welcheUntergruppenvon</p><p>Polypenmglicherweisebsartigsind.</p><p>DieForscherinnenkonnteneinenwichtigen</p><p>ZusammenhangzwischendemProteinPro-</p><p>gastrininhyperplastischenPolypenundder</p><p>spterenAusbildungvonprkanzersen</p><p>Vernderungenaufzeigen.Whrendman-</p><p>chePolypenalsgutartigundungefhrlich</p><p>eingestuftwurden,konntenbei100%der</p><p>PatientenmiteinemhohenProgastrinspiegel</p><p>innerhalbvon2bis10JahrennachderPoly-</p><p>penentfernungAdenomefestgestelltwerden.</p><p>AusgehendvondiesenErgebnissenentwi-</p><p>ckeltendieWissenschaftlereinenprdiktiven</p><p>Test.Diesermacht,basierendaufdemPa-</p><p>tientenalterundderimmunhistochemischen</p><p>Markierung,einesehrgenaueundspezifische</p><p>VoraussagefrdieAusbildungvonTumoren.</p><p>EsmussnuneineStudiemitgrererPatien-</p><p>tenanzahldurchgefhrtwerden,umdiesen</p><p>TestalsRoutineverfahrenanerkennenzu</p><p>knnen.</p><p>Literatur:DoC,BertrandC,PalasseJetal(2012)Anewbiomarkerthatpredictscolonicneoplasiaoutcomeinpatientswithhyperplasticcolonicpolyps.CancerPrevRes5:67584</p><p>Quelle: http://english.inserm.fr</p><p>212 | DerGastroenterologe32012</p></li></ul>

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