Kalergi Als Freimaurer -- Das Schlüsseldokument

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OTTO ZUBER

RICHARD NIKOLAUS COUDENHOVE-KALERGI (1894-1972)

Europa einige Dich! Die Paneuropa-Bewegung als Vorlufer zur Errichtung der Vereinigten Staaten von Europa als europischer Staatenbund und Zollverein. Eine Europa-Union zur Sicherung des europischen Friedens, der europischen Freiheit und der europischen Wirtschaft war das Ziel von Richard Nikolaus Coudenhove. Er wurde am 17. November 1894 in Tokio geboren als Sohn der Japanerin Mitsuko Aoyama und Heinrich Coudenhoves. Heinrich, erzogen im Jesuitenkolleg Kalksburg bei Wien, wandte sich der diplomatischen Laufbahn zu. Sein erster Posten war Athen, sein zweiter Rio de Janeiro, dann Konstantinopel. Sehr sprachbegabt, beherrschte er schlielich achtzehn Sprachen und lie sich nach Tokio versetzen. Hier wurde die Begegnung mit Mitsuko Aoyama zum entscheidenden Ereignis seines Lebens. Er war dreiunddreiig Jahre alt, sie achtzehn. An Kultur und Erziehung waren sie so verschieden, als wren sie von anderen Planeten. Geboren als Siebenmonatskind war Edjiro Richard so schwach, da sein Leben an einem Faden zu hngen schien. Eine japanische Diplomatenfrau, bekannt fr ihr zweites Gesicht, beruhigte die Mutter: "Dieses Kind wird am Leben bleiben und eines Tages ein berhmter Mann sein". Die Coudenhoves, von nordbrabantischem Uradel, kmpften im niederlndischen Freiheitskrieg auf Seiten der Habsburger und wanderten damals nach Flandern aus. In den Revolutionskriegen, als die Habsburger aus Belgien vertrieben wurden, folgten sie ihrem Kaiser nach sterreich.

Die niederlndische Familie Coudenhove und das griechische Geschlecht der Kalergis verbanden sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris durch die Heirat der Groeltern. Die Kalergis sind Nachkommen der byzantinischen Kaiserdynastie Phokas. Kaiser Nikophoros Phokas, der im zehnten Jahrhundert Kreta den Arabern entri, betraute einen seiner Verwandten mit der Kolonisierung und Verwaltung dieser verwsteten Insel. Im dreizehnten Jahrhundert fhrte dieser Zweig der Phokas zum ersten Mal den Namen Kalergis zusammengesetzt aus den beiden griechischen Wrtern Kalon = schn und Ergon = Tat. Ein Chronist berichtet, da dieser Name an den Friedensvertrag erinnert, den Alexios Phokas Kalergis schlo, als Kreta sich mit dem venezianischen Seereich verband: "Wegen der schnen Tat des Friedens". Richard Nikolaus wuchs zusammen mit seinem vierzehn Monate lteren Bruder Hansi in Schlo Ronsperg, Bhmen, in vollendeter Harmonie auf. Spter gesellten sich noch fnf weitere Kinder hinzu, die die Mutter unter dem Sammelnamen "die Bhmer" zusammenfate. Der Vater, selbst eine tiefreligise Natur, legte grten Wert auf die religise Erziehung der Kinder. Den ersten Unterricht im Lesen und Schreiben erteilte eine Klosterfrau des Ronsperger Borromerinnen-Klosters, das von der Coudenhove-Familie erhalten wurde. Spter bernahm der Stadtpfarrer die geistliche Erziehung und ein sterreichischer Hofmeister die weltliche. Bei den Mahlzeiten am Elterntisch saen englische und franzsische Gouvernanten, die ungarische Gesellschafterin der Mutter und der bayerische Privatsekretr des Vaters. Schlo Ronsperg liegt, als kosmopolitische Oase, in Deutsch-Bhmen, dem Spielball der nationalen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Tschechen. Der Vater Heinrich starb, als Richard elf Jahre alt war, am 14. Mai 1906. In seinem Testament hatte er seine "japanische Frau" zur Universalerbin und zum Vormund der sieben Kinder bestimmt. Im September 1908 trat Richard als Zgling in die Theresianische Akademie, eine von Kaiserin Maria Theresia gegrndete Erziehungsanstalt ein, um in einem der Palste ihres Vaters die Shne des Adels zu Diplomaten, Offizieren und Staatsbeamten zu erziehen. In diesem "Laboratorium fr praktische Psychologie" lernte er in fnf Jahren Menschenkenntnis und Menschenbehandlung. Das Milieu des Theresianums war international, ein Abbild des Habsburger Vielvlkerstaates, mit einem sterreichischen Patriotismus, der in der gemeinsamen Verehrung fr den greisen Kaiser Franz Joseph gipfelte. Damals war Wien die internationalste Hauptstadt der Welt, und doch fhlte sich Richard unbefriedigt; sein Herz zog ihn in den Bhmerwald. Dort lebte seine Mutter im kleineren Schlo Stocken nach der Auflsung des Ronsperger Haushalts. Nach der Matura immatrikulierte er sich an der Wiener Universitt fr Philosophie und moderne Geschichte. Er promovierte ber die "Objektivitt als Grundprinzip der Moral". Im letzten Winter des europischen Friedens begleitete er seine Mutter hufig ins Theater. Im Deutschen Volkstheater wurde eines Abends das Schauspiel "Die Zarin" aufgefhrt. Es trat eine

junge Schauspielerin auf, die zum strahlenden Stern am Wiener Theaterhimmel wuchs: Ida Roland. Das hufige Zusammentreffen mit der schnen Schauspielerin fhrte, trotz des Unterschiedes von Alter und Milieu, zum Heiratsentschlu. Das Veto von Mutter und Mitvormund Max Coudenhove, Familienchef und Statthalter in Bhmen, fhrte zum Abbruch der Beziehungen des noch nicht zwanzigjhrigen Richard zur Familie Coudenhove. Durch Ida Roland lernte er ein neues Milieu kennen: das der Knstler und Schriftsteller. Es gelang, die Ehe-Hindernisse zu berwinden: ein Priester traute sie in der Schlokapelle ohne Zivilheirat. Erst nach Kriegsende wurde mit Hilfe des Erzbischofs von Salzburg und der dortigen Regierungsstellen die Trauung in die zivilen Register sterreichs bertragen. Trotz aller dsteren und wohlgemeinten Prophezeiungen beider Familien folgten 37 glckliche Ehejahre. Beider Interessen lagen zwar weit auseinander, aber eine gemeinsame Grundeinstellung zum Leben verband sie. Es kam die Zeit des Ersten Weltkrieges, entstanden durch den Zusammenprall zwischen dem europischen Nationalismus und der bernationalen Habsburger Monarchie im Juli 1914. Coudenhove begann sich von dem Augenblick an fr Politik zu interessieren, als Prsident Wilson mit seinem weltumspannenden Friedensprogramm auf den Plan trat. Endlich schien ihm der Krieg sinnvoll, als ein Kampf zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen den europischen Idealen des Nationalismus und dem amerikanischen Ideal der Vlkervershnung. Nach Ende des Ersten Weltkrieges hatte die Zivilisation eine neue Welt: demokratisch, republikanisch, sozialistisch und pazifistisch. Fr diese neue Welt wollte er nun arbeiten und kmpfen. Er war gerade 24 Jahre alt und nach sterreichischem Recht volljhriger Staatsbrger. Statt Parlamentarier wurde er freier Schriftsteller und durch Publikationen in ersten deutschen Zeitschriften in den intellektuellen Kreisen Mitteleuropas bekannt. Er verfate etliche Bcher und eine Reihe kleinerer Schriften zur Darlegung seiner Ideen ber Politik, Geschichte und Philosophie. Er studierte, wie die europischen Demokratien zu einem Staatenbund nach dem Vorbild der panamerikanischen Union zusammenzuschlieen wren. Das fhrte ihn unwiderstehlich zur Paneuropa-Idee. Darin sah er den einzigen Weg zur Verhinderung eines zweiten Weltkrieges. Ein weiteres Argument fr Paneuropa war durch Schaffung eines groen europischen Marktes ohne Zwischenzlle eine rasche Hebung des europischen Lebensstandards. Ein drittes Argument fr Paneuropa war die drohende bolschewistische Gefahr. Nur ein Zusammenschlu der dreihundert Millionen Europer zu einem gemeinsamen Defensivsystem knnte den Frieden mit den einhundertfnfzig Millionen Sowjetbrgern sichern und eine beiderseitige Abrstung ermglichen. Hauptschwierigkeit fr die Einigung Europas lag aber in der britischen Frage. Dieses Haupt eines weltumspannenden Imperiums, einer Gromacht auf fnf Weltteilen, wrde sich wohl kaum einseitig an Europa binden.

Richard Graf Coundhoven Kalegeri im Jahre 1923, als er die Paneuropa Union grndete

Durch den Frieden von St. Germain tschechoslowakischer Staatsbrger geworden, versuchte er, Thomas Masaryk fr seine Plne zu gewinnen. Dieser empfing ihn im Hradschin, hrte zu und erwiderte: "Ich glaube, Ihre Idee ist richtig, die Vereinigten Staaten von Europa werden eines Tages zustande kommen. Aber ich frchte, da die Zeit dafr nicht reif ist". 1922 fand in Wien der 29. Weltfriedenskongre statt. Prof. Dr. Wladimir Misar, Gro-Sekretr der Grologe von sterreich, legte in seiner Begrungsansprache ein Bekenntnis zum Frieden und zu Europa ab, und Prof. Dr. Friedrich Hertz. Mitglied der Wiener Loge "Zukunft", legte seine Denkschrift "Die Wirtschaftsnot in Mitteleuropa und der Weltfriede" vor. Auf diesem Kongre wurde der Paneuropa-Gedanke geboren. Graf Richard Coudenhove-Kalergi. 1922 in die Wiener Loge "Humanitas" aufgenommen, entwickelte seine Ideen. Im Einklang mit den pazifistischen Ideen des Nobelpreis-Trgers Alfred Hermann Fried (1864-1921).Mitglied der Wiener Loge "Sokrates", grndete der Freimaurer Richard Coudenhove-Kalergi die Paneuropische Union". Als Symbol wurde das Sonnenkreuz gewhlt: ein rotes Kreuz auf goldener Sonne. Motto wurde der Spruch des heiligen Augustinus: In necessariis unitas - in dubiis libertas - in Omnibus Caritas (Wo es ntig ist Einheit, wo es Zweifel gibt Freiheit, in allem ttige Liebe). Prof. Hertz wurde Sekretr. Die Grologe von sterreich ebnete dem "Europa-Grafen" den Weg in die ffentlichkeit. Er verfate ein Buch "Paneuropa", das in den ersten Oktobertagen im Neugegrndeten Wiener Paneuropa-Verlag erschien. Tausende von Propaganda-Exemplaren waren notwendig fr die rasche Verbreitung der Idee. Ohne fremde Finanzierung oder Subvention meldeten sich innerhalb Monatsfrist mehr als tausend Mitglieder zur Union. Da kein Mitgliederbeitrag vorgesehen war, hatte die Paneuropa-Union zwar Mitglieder, aber keine Mittel.

Durch die Popularitt der Idee wurde Wien die Wiege der Paneuropa-Bewegung, bald zu ihrem Mekka. Eine deutsche Paneuropa-Gruppe konstituierte sich unter dem Vorsitz von Reichstagsprsident Paul Loebe. Der Fhrer der deutschen Auenpolitik, Dr. Gustav Stresemann, schrieb nach der Begegnung in der Reichskanzlei in sein Tagebuch: "Herr Coudenhove - Kalergi war heute bei mir, seine Gedanken von Paneuropa machen groe Fortschritte. Wie man auch be