Kräfte bündeln gegen Infektionen – Die Zoonosen-Forschungsverbünde stellen sich vor

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Diese Broschüre – herausgegeben von der TMF – stellt die Ergebnisse und Erfolge der deutschen Forschungsverbünde zu Zoonosen vor.

Text of Kräfte bündeln gegen Infektionen – Die Zoonosen-Forschungsverbünde stellen sich vor

  • Krfte bndeln gegen Infektionen

    Die Zoonosen-Forschungsverbnde stellen sich vor

  • Impressum

    Herausgeber

    TMF Technologie- und Methodenplattform

    fr die vernetzte medizinische Forschung e. V.

    Charlottenstrae 42/Dorotheenstrae 10117 Berlin

    info@tmf-ev.de www.tmf-ev.de

    Redaktion

    Dr. Ilia Semmler, Inger Neick, Antje Schtt

    Mitarbeit

    Die wissenschaftlichen Koordinatoren der Zoonosen-Forschungsverbnde:

    Prof. Dr. Christian Drosten, Prof. Dr. Ralph Goethe, Prof. Dr. Lothar Kreienbrock,

    Dr. Robin Kck, Prof. Dr. Stephan Ludwig, Dr. Thomas Mller, Prof. Dr. Heinrich Neubauer,

    Dr. Konrad Sachse, Prof. Dr. Dirk Schlter, Dr. Eckhard Strauch, Prof. Dr. Lothar H. Wieler

    Layout Umsetzung

    sku:l communication, Michaela Richter, Reichshof-Nosbach

    Druck Verarbeitung

    Siebel Druck & Grafik, Lindlar

    Juli 2013

  • 3Krfte bndeln gegen Infektionen

    Die Zoonosen-Forschungsverbnde stellen sich vor

  • Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die zwischen Menschen und Tieren

    wechselseitig bertragen werden. bertrger knnen wie hier im Bild

    Viren ebenso wie Bakterien oder auch Parasiten sein.

    Quelle: Sebastian Kaulitzki / Shutterstock.com

    Inhalt Gruwort 7

    Von Papageien und Schafen Chlamydieninfektionen erkennen 8Forschungsverbund Zoonotische Chlamydien

    Lebensmittelbedingte Infektionen verhindern menschliche Gesundheit schtzen 12FBI-Zoo: Forschungsverbund Food-Borne Zoonotic Infections of Humans

    Gemeinsam gegen Influenza bei Mensch und Tier 16Forschungsverbund FluResearchNet

    Tollwut noch immer eine Bedrohung fr die ffentliche Gesundheit? 20Forschungsverbund Lyssaviren

    Gegen resistente Staphylokokken in Krankenhusern und Stllen wirksam vorgehen 24Forschungsverbund MedVet-Staph: Interdisziplinres Forschungsnetzwerk

    zur zoonotischen Bedeutung von Staphylococcus aureus

    Vorsorge treffen gegen die Erreger aus der Luft 28Forschungsverbund Q-Fieber

    Resistente Keime erforschen 32RESET Forschungsverbund zu resistenten Enterobakterien

    Coronaviren: Von der Zoonose zur Anthroponose 36Forschungsverbund kologie und Pathogenese von SARS

  • 5 Ein Parasit bernimmt das Ruder wenn die Forschung nicht gegensteuert 40

    Toxonet - Netzwerk zur Toxoplasmose bei Mensch und Tier in Deutschland:

    Pathogenese, Risikofaktoren und Kontrolle

    Vibrio-Infektionen durch Lebensmittel und Meerwasser in Zeiten des Klimawandels 44Forschungsverbund VibrioNet

    Dem Morbus Crohn auf der Spur 48Forschungsverbund ZooMAP: Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis

    von der Johneschen Krankheit zum Morbus Crohn

    Infrastrukturen und einheitliche Werkzeuge fr die Zoonosenforschung schaffen 52Die Arbeitsgruppe Zoonosen und Infektionsforschung in der TMF

    Forschen im Netzwerk Zoonosen verstehen 54Nationale Forschungsplattform fr Zoonosen

    Abkrzungsverzeichnis 56Glossar 57Kontakt | Lageplan 58

    Die Erreger knnen ber die Luft oder durch so genannte Vektoren wie

    Mcken oder Zecken zwischen Tieren und Menschen transportiert werden.

    Quelle: Henrik Larsson / Shutterstock.com

  • Prof. Dr. Stephan Ludwig Prof. Dr. Lothar H. Wieler

  • 7Gruwort

    Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die zwischen Menschen und Tieren wechselseitig bertragen

    werden. Sie machen einen Groteil der vorhandenen und einen noch greren Teil der neu- und

    wiederauftretenden Infektionskrankheiten aus. In den vergangenen Jahren konnte man in regel-

    migen Abstnden Krankheitswellen bei Menschen beobachten, die mit Erregern aus dem

    Tierreich in engem Zusammenhang standen: BSE (2000), SARS (2002/2003), Vogelgrippe H5N1

    (2005/2006), Schweinegrippe H1N1 (2009), EHEC (2011), MERS-CoV (2013). Sie alle traten pltzlich

    und unvorhergesehen auf, die Erreger waren in den meisten Fllen bis dato unbekannt. Ein

    schnelles Verstndnis der Erreger und ihrer Ausbreitung sowie der rasche Aufbau diagnostischer

    Tests und Therapiemglichkeiten ist dann essentiell. Dies ist nur mit kontinuierlicher Beobachtung

    und Forschung mglich.

    Um Zoonosen zu verstehen und sie bekmpfen zu knnen, ist ein bergreifender Forschungs-ansatz ntig. Die menschliche Gesundheit ist immer unmittelbar an die Tiergesundheit geknpft,

    man bezeichnet diesen Ansatz deshalb auch als One-Health-Gedanken. Seit 2007 frdert das

    Bundesministerium fr Bildung und Forschung verschiedene Forschungsverbnde zu Zoono-

    sen, die diesen Gedanken mit der konsequenten Verknpfung von Forschern aus Human- und

    Veterinrmedizin umsetzen.

    Die vorliegende Broschre zeigt, wie vielfltig die Zoonosenforschung in Deutschland ist und wie

    die besten Forscher Deutschlands in berregionalen, interdisziplinren Netzwerken zusammen-

    arbeiten. Zahlreiche viel versprechende Ergebnisse und Erfolge nicht zuletzt auch bei den jngsten

    Ausbrchen zoonotischer Infektionskrankheiten besttigen diesen Ansatz.

    Die Zoonosen-Forschungsverbnde arbeiten in der TMF der Dachorganisation fr die medizinische

    Verbundforschung zusammen, um bergreifende und strukturelle Fragen dieser modernen Form

    der kooperativen Forschung gemeinsam zu klren. Zentrum der gemeinsamen Aktivitten ist die

    TMF-Arbeitsgruppe Zoonosen und Infektionsforschung, die auch die Produktion dieser Broschre

    initiiert hat.

    Die BMBF-Frderung fr die Vernetzung inter- und transdiziplinrer Zoonosenforscher ist eine

    Erfolgsgeschichte sie war aber lediglich eine wichtige Initialzndung. Die Forscher aus Human-

    und Veterinrmedizin werden auch weiterhin ihren Beitrag dazu leisten, dass Deutschland

    gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft so gut wie mglich gegen Zoonosen gewapp-

    net ist. Entscheidend wird sein, dass hierfr geeignete und nachhaltige Forschungsinfrastrukturen

    zur Verfgung stehen.

    Prof. Dr. Stephan Ludwig Prof. Dr. Lothar H. Wieler

    Sprecher der TMF-Arbeitsgruppe Zoonosen und Infektionsforschung

  • Von Papageien und Schafen Chlamydieninfektionen erkennen

    Forschungsverbund Zoonotische Chlamydien

    Chlamydien knnen die Ursache einer Vielzahl von ernst zu nehmenden Krankheiten sein. Whrend die Formen der sexuell bertragbaren Chlamydieninfekte sowie die respiratorischen Infekte der Lunge bereits Gegenstand intensiver Forschung sind, ist die Ornithose ein bisher vernachlssigtes Feld. Sowohl Papageien und Sittiche als auch Nutz- und Wildgeflgel stellen gegenwrtig bedeutende Ansteckungsquellen Chlamydien-bedingter Infektions-krankheiten dar. Der Verbund Zoonotische Chlamydien widmet sich insbesondere diesen Erkrankungen, die bisher wenig Beachtung fanden.

    Zu Chlamydien, die von Tieren auf den Menschen bertragen

    werden, gab es bisher wenig Forschung in Deutschland. Grund

    ist die mangelhafte diagnostische Erfassung und die in der Ver-

    gangenheit unzureichende Zusammenarbeit zwischen Human-

    und Veterinrmedizin. Im Forschungsverbund Zoonotische

    Chlamydien arbeiten erfahrene Chlamydienforscher interdiszip-

    linr zusammen und bilden damit die Basis fr die Erforschung

    der Erreger.

    Ziel der verschiedenen Projekte ist die Verbesserung der Labor-

    diagnostik und die Weiterentwicklung der medikamentsen

    Behandlung. Darber hinaus werden bertragungsmechanismen

    vom Tier auf den Menschen erforscht und der Infektionsverlauf

    bei Mensch und Tier auf molekularer Ebene charakterisiert.

    Labordiagnostik in krzester Zeit

    Im Bereich der Diagnostik gelang es dem Verbund im Verlauf

    seiner Forschung, einen neuen Test zu entwickeln, der auf einem

    DNA-Mikroarray basiert. Auf diesem am Friedrich-Loeffler-Institut

    entwickelten 3x3 Millimeter groen Mikrochip sind alle Informa-

    tionen zur Identifizierung verschiedener Chlamydienstmme als

    kurze Nukleinsurestrnge, so genannte Sonden, vorhanden.

    Dieser diagnostische Test ermglicht die schnellere Identifizierung

    einer Infektion, sodass die Ausbreitung der Krankheit verhin-

    dert bzw. die Erkrankung bei Mensch und Tier rasch bekmpft

    werden kann. Bentigte man mit konventionellen Methoden

    bisher zwei bis fnf Tage fr die Diagnostik, liegt heute das

    Ergebnis innerhalb von acht Stunden vor und ist auerdem

    wesentlich prziser.

    Experimentelle Anstze mithilfe neuer Tiermodelle

    Ebenso wurden in der Therapie zoonotischer Chlamydien-

    Erkrankungen betrchtliche Fortschritte erzielt. Anhand eines

    eigens entwickelten Tiermodells, das Chlamydieninfektionen

    im Kalb erforschbar macht, werden gegenwrtig verschiedene

    Therapiestrategien auf ihre Wirksamkeit getestet. Dieser ex-

    perimentelle Ansatz ist weltweit einmalig auf dem Gebiet der

    Chlamydienforschung und ist wesentlich aussagekrftiger als

    die weithin verwendeten Mausmodelle. Die zoonotischen Chlamydieninfektionen sind auch unter dem Begriff

    Papageienkrankheit gelufig. Quelle: simon_g / Shutterstock.com

  • 9Auch in der Erforschung der Ursachen und der Entwicklung

    Chlamydien-bedingter Erkrankungen konnten mithilfe eines

    Infektionsmodells im Grotier neue Erkenntnisse gewonnen

    werden. Im Klbermodell wurden bertragungsmechanismen

    vom Tier auf den Menschen eingehend charakterisiert. Dabei

    konnten neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Variabilitt des

    Erregers, die Immunantwort des Wirtstieres und die molekula-

    ren Wechselwirkungen zwischen beiden Seiten erzielt werden.

    Schafhaltung birgt erhhtes Gefahrenpotential

    Systematische Untersuchungen zum Vorkommen der Chlamy-

    dien in Tierbestnden fhrten