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Leitfaden zur Erstellung eines Museumskonzepts

DEUTSCHERMUSEUMS

BUND

MUSEUMSBUND

Leitfaden zur Erstellung eines Museumskonzepts

Impressum

Leitfaden zur Erstellung eines Museumskonzepts

Herausgeber: Deutscher Museumsbund e.V.

gemeinsam mit der Konferenz der Museumsberatung in den Lndern (KMBL)

Redaktion: Ausschuss Museumskonzept der KMBL

Heike Heinzel Hessischer Museumsverband e.V., Darmstadt

Dr. Susanne Kstering, Museumsverband des Landes Brandenburg e.V.

Prof. Dr. Oliver Rump, HTW, Hochschule fr Technik und Wirtschaft, Berlin

Bettina Scheeder, Museumsverband Rheinland-Pfalz e.V., Ludwigshafen / Rh.

und Vorstandsmitglied des Deutschen Museumsbundes e.V.

Gestaltung: blum DESIGN & KOMMUNIKATION GmbH, Hamburg

Titelfoto: Verena Mller, Hannover

Deutscher Museumsbund e.V., Berlin,

gemeinsam mit der Konferenz der Museumsberatung in den Lndern, Berlin 2011

ISBN 978-3-9811983-7-9

Inhalt Vorwort

Wege zu einem Museumskonzept

Analyse des Ist-Zustands0. Geschichte, Entwicklung und Profil1. Dauerhafte institutionelle und finanzielle Basis 2. Leitbild 3. Museumsmanagement4. Qualifiziertes Personal5. Sammeln6. Bewahren7. Forschen und Dokumentieren8. Ausstellen und Vermitteln

Wege zum Soll-Zustand: Zielfindung und Handlungsplan

Literaturauswahl ab Erscheinungsjahr 2000

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Vorwort

Museen sind das sammelnde, speichernde und verarbeitende Gedchtnis des kulturellen Erbes unserer Gesellschaft. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der gesellschaftlichen, insbesondere kulturellen Standortbestimmung und Strukturentwicklung. Sie sind lehrende und lernende Institutionen, welche immer wieder der aktuellen Positionierung bedrfen.

Ein Museum wird nach ICOM definiert als eine gemeinntzige, auf Dauer angelegte, der ffentlichkeit zugngliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, erforscht, bekannt macht und ausstellt. 1

Basierend auf den Erfahrungen der Museumsberater in den Lndern stellt der vorliegende Leitfaden ergnzend zu den 2006 verffentlichten Standards fr Museen eine fachliche Handreichung fr die Entwicklung eines Museumskonzepts bereit. Leitbild und Museumskonzept bilden die Grundlage fr die Museumsarbeit. Sie bedingen sich gegenseitig, dienen der Orientierung und drcken das Selbstverstndnis des Museums aus. Sie sind mit dem Trger und anderen Beteiligten abgestimmt und liegen in verbindlicher Form schriftlich vor. 2

Ein Museumskonzept dient der Museumsleitung und den Museumsmitarbeitern bei der aktuellen Standortbestimmung und bei der Entwicklung mittel bis langfristiger Ziele und Aufgaben des Hauses. Unterschiedliche Anlsse knnen der Auslser sein, ein Museumskonzept zu erarbeiten: die Planung eines Museumsneubaus, die Entwicklung der touristischen Infrastruktur oder etwa die Neukonzeption der Dauerausstellung. Auch bei Grndungsvorhaben bietet der Leitfaden Orientierung.

Unabhngig davon sollte aber in jeder Einrichtung ein Museumskonzept als Instrument der Qualittssicherung vorliegen. Da Museen heute im ffentlichen Diskurs stehen, knnen Diskussionen ber Museumskonzepte Menschen moti vieren, sich mit dem, was ihr Museum war, ist und werden soll, intensiv zu beschftigen.

Der Vorstand des Deutschen MuseumsbundesDie Konferenz der Museumsberater in den Lndern (KMBL)

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Wege zu einem Museumskonzept

Das Museumskonzept stellt die Grundlage fr die tgliche und zuknftige Museumsarbeit dar. Es bleibt nicht bei der Analyse des IstZustandes stehen, sondern zeigt Potenziale und Perspektiven fr die mittel bis langfristige Ent wicklung des Hauses auf. Es dient der Orientierung, der Reflexion und Trans parenz der eigenen Arbeit und frdert letztlich auch die Motivation der Mit arbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit ist das Museumskonzept fr jedes Museum eine Art Statut und somit ein unverzichtbares Instrument der Qualittssicherung.

Museumskonzepte sind fr die interne, in Teilen auch fr die externe Kom mu nikation gedacht. Zielgruppen sind haupt und ehrenamtliche Museums mitarbeiter innen und mitarbeiter, Politik und Verwaltung, Trger und Geldgeber. Sie knnen darber hinaus in der Kommunikation mit der ffentlichkeit ein gesetzt werden.

Das Museumskonzept entsteht durch eine Zusammenfhrung von Einzelkonzepten, z. B. dem Sammlungskonzept, dem Ausstellungs und Vermittlungskonzept, dem Marketingkonzept, einem Sicherheitskonzept. Diese Einzelkonzepte sind vor allem fr grere Huser ausfhrlicher zu fassen und werden daher am Ende der jeweiligen Checkliste als mgliche ergnzende Konzepte aufgefhrt. Umzusetzende Ergebnisse und Leitlinien, die aus diesen Einzelkonzepten folgen, sollten in das Museumskonzept aufgenommen werden. Im Museumskonzept werden die Ziele aller Arbeitsfelder des Museums fr die nchsten Jahre umfassend formuliert.

Abgeleitet von den Zielen des Museumskonzeptes wird dieses ergnzt durch einen konkreten Handlungsplan, der eine berprfung des Umsetzungsgrads der Manahmen ermglicht. Die Ziele mssen in einem Zielfindungsprozess erarbeitet werden, der fr die Akzeptanz und den Erfolg der spteren Umsetzung von entscheidender Bedeutung ist.

Da es nicht immer mglich sein wird, alle Aufgabenbereiche zusammenhngend zu bearbeiten, ist der Leitfaden wie ein Baukasten angelegt. Je nach zeitlichen und personellen Ressourcen knnen die einzelnen Konzepte wie Bausteine mithilfe der Checklisten entwickelt werden. Da alle Funktionsbereiche des Museums ineinander greifen, sollten mglichst viele Handlungsfelder abgedeckt werden. Die Checklisten dienen als Werkzeug zur Erarbeitung der einzelnen Konzepte, wie dem Sammlungskonzept und dem Ausstellungskonzept, usw. Sobald eine einzelne Checkliste zufriedenstellend bearbeitet wurde, empfiehlt es sich, es nicht bei den stichwortartigen Antworten auf die Fragen der Checkliste zu belassen, sondern davon ausgehend einen fortlaufenden Text zu verfassen, der in der Folge fr

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die verschiedenen Kommunikationszwecke genutzt werden kann. Es ist darauf zu achten, auch diese Texte jeweils zu aktualisieren.

Neben der Leitung sollten soweit sinnvoll die Mitarbeiter der Arbeitsebene mit in den Gestaltungsprozess einbezogen werden. Das Museumskonzept kann von der Leitung, aber auch in einem internen Selbstverstndigungsprozess der Museumsmitarbeiter erarbeitet werden. Am Ende muss das Museumskonzept gemeinsam mit dem Trger abgestimmt und verabschiedet werden.

Da ein Museumskonzept nicht statisch ist, sondern sich neuen Anforderungen und Ideen anpassen muss, bedarf es in regelmigen Abstnden der Aktualisierung. Die Museumskonzeption bietet immer wieder die Chance, das eigene Handeln selbstkritisch zu reflektieren und auf vernderte Rahmenbedingungen und Anfor derungen auszurichten. Setzen Sie deshalb Zeitabstnde fest, in denen die Muse ums konzeption aktualisiert werden soll!

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Analyse des Ist-Zustands

Die Fragen zum IstZustand helfen, den Status quo zu ermitteln und Strken und Schwchen klar zu definieren. Basierend auf dieser Analyse knnen so mittel bis langfristige Ziele und sich daraus ableitende Strategien und Manahmen formuliert werden. Aus der komplexen Betrachtung aller relevanten Entwicklungsziele resultiert dann im nchsten Schritt eine Priorittenliste. Diese bildet die Grundlage fr einen zeitlich gegliederten Handlungsplan. Ob und welche Vernderungen auch in Bezug auf die Rahmenbedingungen umsetzbar sind, kann dann entschieden werden. Ziel des Museumskonzepts ist die Profilbestimmung des Museums. Inhaltliche, sachliche, finanzielle und mentale Ressourcen sind ebenso Ausschlag gebend fr das Profil eines Hauses wie seine Einbindung in vorhandene Strukturen.

0. Allgemeines: Geschichte, Entwicklung und Profil des Museums bis zur Gegenwart Die Entstehung und die Entwicklungslinien des Museums bis heute nachzuzeichnen und dabei seine Besonderheiten klar herauszuarbeiten, bietet einen guten Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Erscheinungsbild des Hauses.

Checkliste 0: Allgemeines zur Geschichte, der Entwicklung und dem Profil des Museums bis zur GegenwartWas war der Anlass, das Museum zu grnden?

Welche Entwicklungsphasen des Museums knnen unterschieden werden? (Grndungsinitiative, einflussreiche Personen des Museums bzw. im Umfeld, Schwerpunkte der Arbeit )

Was wurde gesammelt und aus welchen Interessen und Motivationen heraus? (Sammlungsgebiete, Sammlungsschwerpunkte )

Gab es Sammlungsverluste? (Umzge, Kriege, Katastrophen, Verkauf, Zusammenlegung )

Beeinflussten wirtschaftliche und politische Verhltnisse die Arbeit des Museums?

Was fr Gebude nutzt das Museum? (Museumsneubau, Baudenkmal / historische Gebude in Nachnutzung, inhaltlicher Zusammenhang mit Sammlung / Museumstyp )

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Wie ist die rtliche, geografische Lage und wirtschaftliche Struktur des Museumsumfelds? (Stdtebauliches Umfeld, Ortskern, Stadtrandlage, Gebiet, strukturschwache oder aufstrebende Region, agrarisch oder urban geprgt )

Welche Funktion hat das Museum in seinem Umfeld? (Begegnungssttte, Teil eines Kulturzentrums, Veranstaltungsort )

Gab oder gibt es Kooperationen mit anderen Bildungsinstitutionen? (Universitt