Lieder- und Lebensgeschichten - 9783865917638

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    06-Mar-2016

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Margret Birkenfeld - oder "Tante Margret", wie sie von vielen liebevoll genannt wird - hat ganze Generationen mit ihrer Musik begleitet und geprgt. In diesem Buch gibt sie Einblicke in die Geschichten hinter ihren Liedern und ldt Sie ein, noch einmal mit ihr in vergangene Zeiten einzutauchen. Lassen Sie sich mitnehmen zu den Anfngen der deutschsprachigen christlichen Musik. Lesen Sie nach, wie es zu der Entstehung von Klassikern wie "Ja, Gott hat alle Kinder lieb" oder "Fr mich gingst du nach Golgatha" kam. Mglicherweise ertappen Sie sich beim Lesen ja sogar dabei, wie Sie die eine oder andere Melodie leise vor sich hin summen.

Transcript

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    18Ich muss keine Leistung bringen

    Kaum zu glauben!

    Ich muss keine Leistung bringen? Schn wre es ja, seufzt der Schler, aber erzhlen Sie das mal meinem Lehrer. Der lsst mich glatt sitzen!

    Ich muss keine Leistung bringen?, protestiert der ehrgeizige Firmenmitarbeiter. Wo kommen wir denn dann hin? Schlielich will ich ja auch Karriere machen. Bleib mir weg mit solchen Sprchen!

    Keine Leistung? Wie soll das denn gehen?, fragt irritiert die Frau des Hauses. Dann ist doch das Chaos perfekt.

    Und auch die Verkuferin beim Bcker will mir die Brtchen nicht umsonst ber die Theke reichen.

    Gibt es denn wirklich keine Leistung ohne Gegen-leistung? Dieser Satz, Ich muss keine Leistung brin-gen, scheint fr unsere Welt vllig untauglich zu sein.

    Ist er auch. Hier wird einem nichts geschenkt. Aber es gibt tatschlich einen Platz, an dem ich keine Leis-tung bringen muss, ja, gar nicht bringen kann. Das ist der Platz an Gottes Vaterherzen. Der vollstndige Satz lautet nmlich so: Ich muss keine Leistung bringen, um von Gott geliebt zu sein.

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    Das ist so ungeheuerlich, dass wir es kaum begreifen knnen. Es geht uns zwar leicht von den Lippen: Gott liebt uns bedingungslos, unser Kopf sagt Ja dazu so haben wir es schlielich gelernt , und trotzdem plagen wir uns damit ab, uns Gottes Liebe verdienen zu wol-len. Denn es kann doch nicht mglich sein, dass ich gar nichts dafr tun muss. Irgendwas muss ich Gott doch bieten, damit er mir gewogen bleibt.

    Diese Einstellung spukt immer wieder in unserem Unterbewusstsein herum, weil wir es gewohnt sind, uns fr alles zu revanchieren. Und geben wirs doch zu weil wir Angst vor Gott haben.

    Das ist eine bse Falle. In Gottes Reich herrschen so vollstndig andere Gesetze als in unserer verkehr-ten Welt. Unter diesem bewussten oder unbewussten Zwang, gut sein zu mssen, um bei Gott angesehen und beliebt zu sein, leben viel mehr Christen, als wir es ahnen. Wie kann man sich das Leben damit so schwer-machen!

    Eines Tages wurde mir bewusst, dass auch ich im-mer wieder in diese Falle hineintappte, obwohl ich doch die Wahrheit kannte und gern von Gottes be-dingungsloser Liebe sang und sprach. Welch eine Be-freiung war es, als mein Herz endlich begriff, dass ich wirklich nichts tun kann und tun muss, als mich ber diese Liebe zu freuen und dafr zu danken. Das muss-te ich weitersagen. Und so kam es zu dem folgenden Lied:

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    Ich muss keine Leistung bringen, um von Gott geliebt zu sein,

    nicht um fromme Formen ringen, brauche keinen Heilgenschein.

    Ich darf kommen, wie ein Kind luft auf seinen Vater zu.

    Und in seinen offenen Armen komme ich zur Ruh.

    Zu Gottes offenen Armen fllt mir eine Geschichte ein: Ich war etwa 20 Jahre alt. Mit meiner Geige und der

    Notentasche in der Hand kam ich aus dem Geigenun-terricht. Wie hatte es heute so schlecht geklappt, ob-wohl ich so viel gebt hatte! Aber das Stck war auch zu schwer, gespickt mit Doppelgriffen ein herrliches Stck brigens. Aber mein Geigenlehrer war ganz und gar nicht mit meiner Leistung zufrieden gewesen. Die unsauberen Tne mssen fr seine empfindlichen Oh-ren auch schrecklich geklungen haben. Mein sonst so gtiger alter Lehrer war recht ungehalten. Mit Trnen in den Augen verabschiedete ich mich und lief rgerlich und zerknirscht zur Straenbahnhaltestelle.

    Die Bahn stand schon da und wrde gleich abfahren. Ohne nach rechts und links zu schauen, lief ich ber die Fahrbahn, als ich pltzlich einen sehr heftigen Sto bekam. Der herankommende VW-Kfer konnte nicht mehr bremsen und lud mich auf seine Khlerhaube. Sehr unsanft landete ich dann auf dem mit schwar-zer Asche bestreuten Gehweg. Meine Geige hatte ich festgehalten. Ihr war bei dem Aufprall nichts passiert.

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    Nur ich trug eine handgroe, tiefe und aschenschwarze Schrfwunde davon, die mir heftige Schmerzen bereite-te. Trotzdem war ich froh und dankbar, dass mir weiter nichts zugestoen war. Gott hatte mich bewahrt und mir darber hinaus noch ein wunderschnes Geschenk gemacht. Denn ich hatte schon eine ganze Weile das Gefhl, Gott wrde mich nicht mehr lieben. Wieso ich das meinte, wusste ich nicht. Aber es machte mich sehr traurig. Der Feind tut ja nichts lieber, als unsere Gefhle zu verwirren. Deshalb sollen wir uns auch nicht auf sie verlassen.

    Als ich in meinem Bett lag, schenkte mir Gott ber-raschend und ganz einfach das erneute Wissen, dass er mich liebt und immer geliebt hatte. War das schn! Dieser kleine Unfall war sein Haltesignal gewesen, damit ich mich wieder neu auf seine Liebe besinnen konnte.

    Und dann geschah es so, wie es am Ende der Strophe heit: Und in seinen offenen Armen komme ich zur Ruh.

    Jesus mchte uns befreien aus der selbst gemachten Not,

    dass wir uns von Herzen freuen ohne Angst vor unserm Gott. Du bist ein geliebter Mensch, wirf die alten Zweifel fort.

    Gott will dich so reich beschenken, glaube seinem Wort.

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    Aber wie ist das nun mit unseren guten Werken? Gibts denn wirklich nichts fr uns zu tun? Wir sollen doch jedermann Gutes tun. Stimmt. Darber habe ich auch nachgedacht und folgende Antwort gefun-den:

    Dieses tiefe, frohe Wissen, dass mich Gott, mein Vater, liebt,wird dann nicht zum Ruhekissen,

    weil die Liebe Antwort gibt. Dienen ist dann keine Pflicht, Liebe wird von selbst zur Tat,

    wird zum Dank fr Kreuz und Krone, wird zur guten Saat.

    Gengt diese Antwort? Ein Leben als Dank fr Kreuz und Krone?

    Ich glaube, das wnschen wir uns alle. Ein Glck, dass wir einen guten Lehrmeister haben und immer wieder neu anfangen knnen. Denn die alten Denkmus-ter melden sich zu gern immer wieder zu Wort. Kein Grund zum Verzweifeln.

    Und nun die letzte Strophe. Sie beginnt mit einem Gebet, das Gott nur zu gerne erhrt. Denn auch er sehnt sich nach Gemeinschaft mit uns, seinen Kindern. Ist das nicht atemberaubend? Unser Vater freut sich, wenn wir ihm unsere Liebe schenken.

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    Herr, ich bring dir meine Sehnsucht, lehre mich durch deinen Geist,dass er mir durch alle Wirren neu den Weg zum Vater zeigt.Ja, ich bin und bleib dein Kind,

    du bist meine Garantie.Vater, Dank fr deine Liebe!

    Ewig, ewig whret sie!

    Ja, wir haben eine Garantie auf Gottes Liebe und Treue. Keine befristete, wie man sie etwa fr ein Bgeleisen bekommt. Nein. Es ist eine ewige Garantie, die sich schon durch Jahrtausende bewhrt hat. Und der Garan-tieschein, sein ewig gltiges Wort, luft nie ab.

    Whrend ich dies schreibe, fllt mir eine Begebenheit aus meiner frhen Kindheit ein:

    Ab und zu kamen Brder von auswrts und besuch-ten die Familien der Gemeinde. Man nannte sie Reise-brder. Auch wir Kinder wurden dann herbeigeholt. Ich sehe mich noch ganz zutraulich vor einem dieser ehrwrdigen Brder stehen, die immer kleine bunte Kindertraktate bei sich hatten. Obwohl ich noch nicht zur Schule ging und also nicht lesen konnte, wollte ich auch welche haben. Ich bekam sie natrlich.

    Und dann fragte mich der Bruder: Was meinst du, was ist besser wenn du den Herrn Jesus festhltst oder wenn der Herr Jesus dich festhlt?

    Ich schaute auf meine kleinen runden Hnde und dachte einige Augenblicke angestrengt nach. Dann ver-kndete ich mit Bestimmtheit: Wenn der Herr Jesus

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    mich festhlt! Und das ist nun schon ber 80 Jahre der Fall. Sonst wrde ich jetzt nicht hier in unserer Holly-woodschaukel sitzen und solche Geschichten aufschrei-ben. Vater, Dank fr deine Liebe! Ewig whret sie!

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    19Seht mal meinen Regenschirm

    Unter dem Schirm des Hchsten

    Es ist ein trber Novembertag. Das Wetter gefllt mir ganz und gar nicht. Etwas missmutig trete ich aus dem Supermarkt in den strmenden Regen und mache mich mit meinen Einkaufstaschen auf den Weg zum Auto. Da sehe ich vor mir ein kleines Mdchen von etwa sechs Jahren mit einem offensichtlich neuen Regenschirm laufen. Frhlich schwatzt es mit seiner er-wachsenen Begleiterin ber diesen Schirm, wie schn der ist. Und wie gut, dass es auch regnet!

    Hoppla! Pltzlich ist mein Missmut wie weggeblasen. Mei-

    ne Antenne fr neue Kinderliederideen, die ich stn-dig ausgefahren habe, fngt natrlich dieses frhliche Geplauder auf, und ich denke: Wie toll muss es sein, einen neuen Regenschirm zu besitzen. Und dass es dann auch noch regnet! Da mach ich was draus!

    Schnell ins Auto, und bis zu Hause es waren ja nur fnf Kilometer hatte ich bereits die erste Strophe im Kopf:

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    Seht mal meinen Regenschirm! Ist der nicht schn?Jetzt kann ich bei jedem Wetter auf die Strae gehn.

    Klapp! Ich spann ihn auf ber meinem Kopf und nun kann es regnen; tropf tropf tropf!

    Ich musste lachen, whrend ich mir diesen Spa zusam-menreimte. Zu Hause angekommen, setzte ich mich gleich hin, schrieb den Vers auf und berlegte, wie es weitergehen sollte, denn es mssten ja noch wenigstens zwei weitere Strophen dazukommen ... Was konnte man denn sonst noch Gescheites ber einen Regenschirm sagen?

    Ja ich habs! Wie unangenehm ist es doch, wenn es anfngt zu

    regnen, und man hat keinen Schirm dabei! Wenn doch jetzt einer mit so einem Regendach vorbeikme ... Und weil wir ja auf den anderen achten wollen, damit es ihm auch so gut geht wie uns, gibt uns dann die zweite Stro-phe eine kleine Anleitung in Sachen Nchstenliebe, na-trlich lustig verpackt:

    Rennt dann jemand ohne Schirm an mir vorbei, ruf ich:Unter meinem Schirm ist noch ein Pltzchen frei!

    Dann halt ich den Schirm ber unsern Kopf,und nun kann es regnen; tropf tropf tropf.

    Und dann kam mir pltzlich der Schirm des Hchsten in den Sinn: Wer unter dem Schirm des Hchsten sitzt ... (Psalm 91,1). Wie schn! Unter Gottes Schirm ist Platz fr alle, bei jedem Wetter. Und das sollen die Kin-

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    der so frh wie mglich wissen. Und so ergab sich als Hhepunkt die dritte Strophe des Regenschirm liedes:

    Doch den allerschnsten Schirm, den es nur gibt,den hat unser Vater in dem Himmel, der uns liebt.

    Unter seinem Schirm sind wir wohl bewacht,er ist ber uns bei Tag und Nacht.

    Als ich den Kindern dieses Liedchen vorsang, waren sie gleich hellauf begeistert und hatten es ruckzuck gelernt. In der nchsten Chorstunde wurde es dann uraufgefhrt mit Schirm, den entsprechenden Be-wegungen und den beiden glcklichen Akteuren. Wie gern spielen Kinder mit, wenn sie sich in dem Spiel wiederfinden knnen! Das Lied sang sich schnell he-rum und bald stand es mit oben auf der Beliebtheits-liste.

    Dieses kleine Lied mit dem groen Thema vom Schirm des Hchsten inspirierte mich dann zu einer ganzen LP mit lauter wahren Geschichten von Gottes Bewahrung. Die Quellen zu diesen Geschichten fand ich in der groen Familie meines Bruders. Denn bei sie-ben Kindern kann man jeden Tag mindestens einmal die Luft anhalten.

    Wozu ein trber Novembertag doch gut sein kann!Doch nun will ich etwas ber Gottes Bewahrungen

    in meinem eigenen Leben berichten. Ich knnte ein ganzes Buch darber schreiben. Und oft denke oder singe ich: In wie viel Not hat nicht der gndige Gott ber dir Flgel gebreitet (J. Neander).

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    Ich will zwei sehr unterschiedliche Erlebnisse he-rausgreifen:

    Es war im Nachkriegswinter 1947/48. Die Zge fuh-ren immer noch sehr unregelmig. Zu viele Gleise und Bahnhfe waren noch zerstrt. Oft fand man eher zu-fllig den richtigen Zug und man musste auch schon mal Umwege in Kauf nehmen. Ich wei heute nicht mehr, auf welchem Bahnhof ich mich damals befand. Es soll-te dort jedenfalls ein Zug nach Dortmund abfahren. Ich strzte auf den entsprechenden Bahnsteig und sah, wie sich mein Zug in Bewegung setzte. Das durfte doch nicht wahr sein!

    Ich nahm mein Gepck Geige, Aktentasche und klei-nen Koffer zusammen in die rechte Hand und riskier-te es tatschlich, auf den fahrenden Zug aufzuspringen, wobei ich mit der linken Hand den Griff neben der noch offenen Tr erfasste. Doch der Zug hatte schon zu viel Fahrt. Ich konnte mich nicht mehr aufrichten, um durch die Tr in den Zug zu gelangen. So hing ich an dem Griff und sah, wie die Schottersteine unter mir immer schneller dahinglitten. Sollte ich mich lieber fallen lassen, bevor der Zug noch schneller fuhr? Auf den Gedanken, mein Ge-pck abzuwerfen, kam ich nicht. Es war ja auch so kostbar!

    Furchtbare Sekunden! Ich schloss die Augen. Da sprte ich, wie eine Hand meinen Grtel erfasste. Die Hand zog und zog. Ich konnte nicht mithelfen. Der Zug fuhr schon sehr schnell. Wie es geschah? Ich wei es nicht. Jedenfalls stand ich pltzlich mit furchtbar zitternden Knien zwischen vielen Leuten, die mich teils vorwurfsvoll, teils mitleidig anschauten.

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    Ich war wie betubt und stammelte irgendwas. Ich wollte meinem Retter so gern danken und tat dann in meiner Aufregung etwas ganz bestimmt Unangemessenes: Ich fingerte einen 20-Reichsmark- Schein mein ganzes Vermgen aus meiner Mantel-tasche und steckte ihm diesen in die Hand. Er wehrte sich vehement dagegen verstndlicherweise. Was er getan hatte, das hatte er als seine Pflicht angesehen. Und auerdem war das berhaupt nicht zu bezahlen. Was dann weiter geschah und wie ich nach Hause ge-kommen bin, das habe ich total vergessen. Mir stehen nur noch diese wenigen furchtbaren Minuten vor Au-gen.

    Und noch etwas: Spter besah ich mir diesen Gr-tel, an dem mich mein Lebensretter in den Zug gezo-gen hatte. Es war ja nur ein Bindegrtel aus dem glei-chen armseligen Teddy-Stoff, aus dem mein Mntelchen gefertigt war. Und da entdeckte ich auch noch in der Mitte eine Naht, mit Nachkriegsgarn zusammengenht. Wie dieser elende Fetzen das ausgehalten hat, konnte ich mir nicht vorstellen. Das erhhte einerseits noch einmal mein Entsetzen, aber andererseits und das bis heute meine Dankbarkeit Gott gegenber, der mich so wunderbar bewahrt hatte.

    Nur mit Mhe, mit klopfendem Herzen und eiskal-ten Hnden habe ich diese Geschichte zu Papier ge-bracht. Aber es ist gut, wenn wir uns dann und wann an Gottes Wunder in unserem Leben erinnern. Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat (Psalm 103,2).

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