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Mineralogie, » I n das ew'ge Dunkel nieder Steigt der Knappe, der Gebieter Giner unterird'schen Welt. Gr, der stillen Nacht Gefährte, Athmet tief im Schooß der Erde, Den kein Himmelslicht erhellt. Neu erzeugt mit jedem Morgen Geht die Sonne ihren Lauf. Ungestört ertönt der Berge Uralt Zauberwort: Glück auf!« Theodor Körner. httlf» miltel Kopp, H., Einleitung in die Kristallographie. Mit 22 Kupfertafeln und 7 lithografthirten Tafeln. 2. Nust. gr. 8. Braunschroeig, Fr. Virweg u. Sohn. 2 Tlilr. 20 Sgr. Naumann, Prof. C. F., Elemente der theoretischen Krystallographie. Mit SS Holzschnitten, ^r.«. Leipzig, W. Engelmann. 1856. g Thlr. Vlum, I . N. Lchrbnch der Oryktognosie;^nnt »«3 krysiattographischen Figuren, gr. 8. Stuttgart. Schwei^erbart. »te Auflage. 1854. 2 Thlr. 15 Sgr. Nammelsbera, Lehrbucb der Krystallographie. i«b2. 2 Thlr. 20 Sgr. Tuenstedt, F. A., Handbuck, der Mineralogie. i-2te Äuft. M i t vielen Holzschnitten, gr. <?. Tübingen, Laupp. 1855. 4 Thlr. Za Sgr. Blum, I . N., Handbuch der Litholugie oder Gesteinölohre. Mit 50 Figurrn. gr. 3. Erlangen. Gnke. 1860. 2 Thlr. ssotta, B., Leitfaden und Vademccum der Geognosie ?c. Dresden, Arnold. l«49. 2 Thlr. i^Sgr. V o g t , E., Lehrbuch der Geologie und Pctrefattenknndc. 2 Vde. Äe Aufl. Mit 113V in den Text eingedruckten Holzschnitten u. 16 Kupfertafeln, gr. S. Vraunschweig, Fr. Vieweg und Sohn. Vogt, C.,'Grundriß der Geologie. Vraunscbweig, Fr. Nieweg und S'hn. i«6tt. 2 Tl,lr. istSgr. De la Beche, Eir H., Vorsckule der Geologie. M i t üb« 300 Holzschnitten. Vraunschweig, Fr. Le onharb, K. C. von^'eologie oder Naturgeschicl'te der Erde auf allgemein faMche Weise ab« gehandelt. Mit Stalilstichen. - «. Ctuttgarr, Lchwei^erl'art. is^e — 44. 15 Thlr. Vach, H., Geologische Karte von Ecntralcuropn. Ttuttgart, I95l». 2 Thlr. W Sgr. Vronn, Letli^e^ z»eossnc)»Uel>., oder Abbildung und Beschreibung der Versteinerungen. 2te Auss» Vollständig mit Atlas. 43 Thlr. ^>ie Mineralogie ist die Wissenschaft von den in ihrer Masse gleichartigen Ge- I Anständen der Erde, die wir M i n e r a l e nennen.

Mineralogie, - itat2.uni-graz.atitat2.uni-graz.at/pub/dir/tradok/ids/-08000/FPG07925/FPG07925.pdfMineralogie, »In das ew'ge Dunkel nieder Steigt der Knappe, der Gebieter Giner unterird'schen

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  • Minera log ie ,

    » I n das ew'ge Dunkel niederSteigt der Knappe, der GebieterGiner unterird'schen Welt.Gr, der stillen Nacht Gefährte,Athmet tief im Schooß der Erde,Den kein Himmelslicht erhellt.Neu erzeugt mit jedem MorgenGeht die Sonne ihren Lauf.Ungestört ertönt der BergeUralt Zauberwort: Glück a u f ! «

    Theodor Körner .

    httlf» m i l t e l Kopp, H., Einleitung in die Kristallographie. Mit 22 Kupfertafeln und 7 lithografthirten Tafeln.2. Nust. gr. 8. Braunschroeig, Fr. Virweg u. Sohn. 2 Tlilr. 20 Sgr.

    Naumann , Prof. C. F., Elemente der theoretischen Krystallographie. Mit SS Holzschnitten, ^r.«.Leipzig, W. Engelmann. 1856. g Thlr.

    V l u m , I . N. Lchrbnch der Oryktognosie;̂ nnt »«3 krysiattographischen Figuren, gr. 8. Stuttgart.Schweî erbart. »te Auflage. 1854. 2 Thlr. 15 Sgr.

    Nammelsbera, Lehrbucb der Krystallographie. i«b2. 2 Thlr. 20 Sgr.Tuenstedt, F. A., Handbuck, der Mineralogie. i-2te Äuft. Mit vielen Holzschnitten, gr.

  • 2 Mineralogie. — Einlei tung.

    Dieselben erscheinen insofern gleichartig, als am Minerale ein Theil demanderen vollkommen gleich ist« Niemals trifft man an demselben jene eigen/thümlichen Gebilde, welche O r g a n e heißen, und bei Pflanzen und Thieren ge-wisse Zwecke erfüllen, die nothwendig sind, damit der Gegenstand als solcherbestehe. Daher heißen auch die Minerale unorganische Körper. Esistdaruminder Hauptsache einerlei, ob wir große oder kleine Massen eines Minerals be-trachten. Ein faustgroßes Stück Sandstein giebt uns eine ebenso gute Vorstellungvon dessen besonderen Eigenschaften als ein großer Block, als ein Sandstein-gebirge« Ein Bergkrhstall, der eine Linie lang ist, erscheint ebenso vollkommen,als ein anderer, der die Länge eines Zolles oder Fußes hat.

    ! Wir haben in §. 7 der Chemie gesehen, daß die ganze Erdmasse dieSumme von nur sechszig einfachen Stoffen oder Elementen ist. I n Folge derjenen Stoffen einwohnenden chemischen Verwandtschaft find diese in mannich-fachster Weise mit einander verbunden, und nur selten als einfache Stoffe an-zutreffen. Von dieser Betrachtung ausgehend, ist die Mineralogie zunächst nichtsAnderes, als die Lehre von den in der Natur vorkommenden chemischen Ver-bindungen. I n der That ist dieses auch theilweise der Fal l , und in der Chemiehaben wir bereits eine Anzahl solcher natürlicher chemischer Verbindungen näherkennen gelernt, und auf andere hingewiesen«

    Doch in der großen Werkstatt der Natur wirkte auf die Elemente undihre Verbindungen nicht allein die chemische Anziehung. Eine Menge vonKräften und Einflüssen traten mit oder nach derselben auf, und so treffen wirdenn auf Reihen mineralischer Gebilde, die sich vom chemischen Gesichtspunkteallein weder an sich, noch im Verhältniß zu anderen auffassen und erklärenlassen.

    Die Minerale erscheinen demnach in zwei Hauptgruppen, die sich wohlvon einander unterscheiden. Ein Theil derselben hat alle Eigenschaften voll-kommen ausgebildeter chemischer Verbindungen, was sich namentlich durch ihrebestimmte chemische Zusammensetzung und Krystallform ausspricht. Man nenntdieselben die eigentlichen oder einfachen Minerale, und ihre WissenschaftM i n e r a l o g i e im engeren Sinne oder Ory t tognos ie»

    Eine andere Reihe von Mineralen hat dagegen eiuen wesentlich verschie-denen Charakter. Sie sind entweder geradezu wohlerkcnnbare Gemenge einfacherMinerale, oder, wenn.sie auch in ihrer chemischen Zusammensetzung jenen äbn^lich sind, so ist doch niemals die Kryftallfsrm an ihnen vollkommen ausgebildet.Sie treten nicht als abgegränzte Einzelheiten auf, sondern in Massen. Diesel-ben werden mit dem Namen der gemengten M i n e r a l e , Gesteine odciF e l s a r t e n bezeichnet, und da sie nicht allein an sich, fotckerwHuch in ihremVerhalten gegen einander und zur Erdmasse, sodann in ihrer Entstehung undBildung der Betrachtung werth erscheinen, so macht dies den zweiten Theildieser Wissenschaft, die Geognosie mit der G e o l o g i e aus. '

  • Oryktogiwsie.

    I. Die Lehre von den einfachen Mineralen.

    Oryktognosie.

    Die erste Anforderung, die wir an die Mineralogie machen, ist die, daß sie 4uns sichere Merkmale angebe, woran die Minerale sich erkennen und als beson-dere Arten bestimmen lassen. Von jeher hat man verschiedene Kennzeichen auf-gestellt, wonach dieselben unterschieden und geordnet werden. Solche sind vor-zugsweise: 1. die Ges ta l t ; 2. die physikal ischen und 3. die chemischenEigenschaften der Minerale. Erst nachdem man sich über diese verständigt hat,kann man beginnen, mit ihrer Hülfe die Beschreibung der Minerale zu ver-suchen.

    !. Gestalt der Minera le .

    Wir haben sowohl in der Physik §. 24 als in der Chemie §. 24 gesehen, 5daß die kleinsten Theilchen der chemischen Verbindungen sich in bestimmten Rich-tungen anziehen und ordnen, so daß regelmäßige Körper entstehen, die manKrysta l le nennt.

    Da nun ein and dasselbe Mineral stets in einer bestimmten Form kry-stallisirt, so ist diese ein sehr wichtiges und sicheres Erkennungsmittel derMinerale. Aber wie mannichfaltig find diese Krystallformen? Man betrachtenur eine Sammlung hon Mineralen und Hunderte verschiedener Formen wer-den dem Auge sich darbieten. Indessen lassen sich alle diese abweichenden Ge-stalten auf sechs sogenannte G r u n d f o r m e n zurückführen, und diese bilden mitden daraus abgeleiteten Formen sechs Krystallfamilien oder Systeme, die dasBereich einer besonderen Lehre, der K r y s t a l l o g r a p h i e , ausmachen.

    Vewundcrnswerth ist die Regelmäßigkeit der von der Natur gebildeten 6Krystallformen. So zeigt uns z. B. Fig. 1 die Abbildung eines aus Kiesel-säure (Chemie §. 67) bestehenden Minerals, des sogenannten Be rgk rys ta l l s .Wir erkennen denselben als eine regelmäßige sechsseitige Säule, die oben undunten durch eine sechsseitige Pyramide zugespitzt ist. Je zwei benachbarte Säu-lenflächen dieses Krystalls schneiden sich in einem Winkel von 120" , und jezwei neben einander liegende Pyranudenstächen in einem Winkel von 133" 44".Solcher Beispiele höchst regelmäßiger Gestaltung könnten wir noch manche an-führen. Allein weit häufiger begegnet man Krystallen, bei welchen eine solcheVollkommenheit nicht vorhanden ist; mehr oder weniger erscheint dieselbe ge-stört, entweder durch mechanische Hindernisse, die geradezu die Ausbildnng'des

    3

  • 4 Oryktognosie.

    Krystalls nach gewissen Richtungen nicht zu Stande kommen ließen, was z. B.immer der Fall ist an der Stelle, wo derselbe auffitzt, oder es haben unbekannteUrsachen Abweichungen hervorgerufen, die wie eine Verzerrung der eigentlichenGestalt erscheinen. Eine solche erblicken wir in Fig. 2 , die ebenfalls einen

    8

    Bergkrystall darstellt. Doch herrscht selbst in den verzerrten Bergkrystallen nochdas ursprüngliche Bildungsgeseh, denn es behalten die Winkel benachbarterFlächen die oben angegebene Größe bei.

    Bei Betrachtung der Krystalle sieht man ab von aller etwaigen Störungin ihrer Ausbildung, m m hält sich an die ideal-vollkommene Krystallgestalt.

    Der Krystall ist sin Vieleck, nmgränzt von ebenen Flachen, die inK a n t e n und Ecken sich begegnend, mit diesen die sogenannten Beg rän -zungselemente desselben bilden. Kein Krystall hat weniger als 4 Flüchen,4 Ecken und 6 Kanten; die meisten haben deren eine größere Anzahl. DieFlachen bieten eine große Mannichfaltigkeit je nach Zahl und Größe ihre?Seiten und Winkel. Wir begegnen dem regelmäßigen Dreieck, dem Quadrat,der Raute, aber auch häufig den unregelmäßigen Dreiecken und Vierecken.Eigenthümlich ist es, daß das rechtwinkelige Dreieck und das regelmäßigeFünfeck niemals an Krystallen austreten. Gle ichwer th ige oder entspre-chende Begränzungselemente find solche, die in allen Stücken Uebereinstimmungzeigen und die insbesondere in gleicher Entfernung von dem M i t t e l p u n k tdes Krystalls sich befinden. Legen wir durch dessen Mittelpunkt Linien, welchezwei gegenüberliegende Begränzungselcmente, also zwei Ecken, oder die Mitttzweier Flächen oder Kanten des Krystalls verbinden, so haben seine Flacheneine symmetrische Lage gegen diese Linien. Man nennt L M e n die Achsendes Krystalls und legt sie bei der Beschreibung und Gintheilung d ^gestalten zu Grunde. Die Verhältnisse der meisten Krystalle werden durch dreiAchsen bestimmt; eine Reihe derselben hat jedoch 'vier Achsen.

    Wir sehen in Fig. 3 den regelmäßigen Achtflächner oder, wie er in derFolge genannt wird, das regu läre Octa8der . Dasselbe hat 8 Fläche6 Ecken und 12 Kanten; Fig. 4 stellt das Achsensystem vor, welches diese:Krystallgestalt zu Grunde liegt. Es sind dies die drei gleichen und in ihremMittelpunkt m rechtwinkelig sich schneidenden Linien ao,bck und /^. Siebilden auf diese Weise ein sogenanntes Achsenkreuz, welches die Zeichnung,

  • Krystallographie. 5

    insofern unvollkommen darstellt, als die Achse / Z verkürzt erscheint. ZumStudwm dieser Verhältnisse setzt man sich aus Stäbchen oder Drähten Modellezusammen. Denken wir uns die Endpunkte des vorstehenden Achsenkreuzes

    durch Linien verbunden — was am Modell durch gespannte Fäden geschehenkann — so stellen diese die Kanten des Octasders vor, welche, wie man sieht,acht gleiche und regelmäßige Dreiecke begränzen; alle Ecken dieses Octasderssind einander vollkommen gleich und dasselbe ist die Grundform des regulärenKrystallsystems.

    Man sieht leicht ein, daß diese Regelmäßigkeit sofort verschwindet, wennin der Länge einer oder mehrerer Achsen oder in den Winkeln am Mittelpunktdie geringste Aenderung eintritt.

    Man giebt bei Betrachtung einer Krystallform einer ihrer Achsen die senk-rechte Stellung und nennt dieselbe die Hauptachse. Da im regulären Systemalle drei Achsen gleich sind, so ist es einerlei, welche man als Hauptachse nimmt;die übrigen Achsen werden alsdann Nebenachsen genannt. I n Fig. 4 istsonach a s die Hauptachse; öci und/Z? sind Nebenachsen. I n den folgendenSystemen wo ungleiche Achsen vorkommen, wählt man als Hauptachse meistdiejenige, welche größer oder kleiner ist als die Nebenachsen. Letztere liegen ineiner Ebene, welche die B a s i s oder Grundebene des Krystalls heißt.

    I n Hinsicht auf die Benennung der Begränzungselemente ist noch zubemerken: Die Sei tenf lächen sind parallel der Hauptachse; die Sche i te l -flächen laufen in den Endpunkten der Häuptachse zusammen; Endflächensind solche, in deren Mittelpunkt die Endpunkte der Hauptachse liegen; Flächen,die ein und derselben Achse parallel find, bilden zusammen eine Zone. DieLinien, in welchen zwei Flächen sich schneiden, heißen Kan ten ; sie bilden miteinander den K a n t e n w i n k e l . D ieSche i te lkanten laufen in den Endpunktender Hauptachse zusammen und bilden daselbst die Scheitelecken; die S e i t e n -kanten find der Hauptachse parallel; die übrigen Kanten heißen Randkanten.

    Man unterscheidet einfache Krystallformen, welche nur gleichnamige oder 9doch nur wenige ungleichnamige Flachen haben — und zusammengesetzteFormen, deren Flächen verschieden sind und zwei oder mehr Gestalten ange-hören; letztere werden auch Comb ina t i onen genannt. Die abgelei tetenFormen entstehen aus den Grundformen, indem Theile der ersteren nach be-

  • 6 Orpktognoste.

    stimmten Gesetzen durch Schnitte hinweggenommen werden. Es geschieht diesesdurch Hinwcgnahme der Ecken oder Kanten, oder durch Zuspitzung und Zu,schärsung derselben. Fig. 5 zeigt uns die Enteckung, Fig. 7 die Entkantung

    des Octasders. Wird m beidenFällen mit dcrHinwegnahme fort-gefahren, bis zum gänzlichen Ver-schwinden der Octa6derstächen, sobleibt im ersten Falle ein W ü r f e lübrig, während aus der Entkamtung das Rhombendodecaeder(Rauten-Zwölfflächner) Fig. 8hervorgeht, eine der schönstenKrystallgestaltcn. Auch erkennt

    man, wie aus Fig. 5 , durch Wachsen oder Ausdehnung der Abstumpfungs-stäche, bis zur gegenseitigen Dülchschmidung der Würfel, Fig. 6, entsteht.

    Würfel und Rhombosder sind alsoeinfache, vom Octasder abgeleitete undzum System desselben gehörige Gestal-ten; zugleich stellt Fig. 5 eine Combi-nation des Octasders mit dem Würfeldar. Stumpfen wir umgekehrt die achtEcken des Würfels ab, so geht aus dem-selben wieder einQctaFder hervor«

    Es fördert das Verständniß ungemein, wenn man sich aus Seife, Kar-toffeln oder sonst passendem Material diese Gestalten schneidet und daran die er-wähnten Schnitte ausführt. Auch lassen sich solche Versuche an Mineralenanstellen; es gelingt in der That, aus einem Krystallwürfel des F lußspa thsein Octaeder herauszuschlagen und das innere Gefüge der Minerale entsprichtdiesen Beziehungen ihrer Krystallsysteme so daß sie nach den entsprechendenRichtungen, welche S p a l t u n g s f l ä c h e n , B lä t te rdurchgänge heißen, sichvorzugsweise leicht trennen lassen.

    ! l ) Jedes Octatzder läßt sich betrachten als eine vierseitige Doppelpyramide;denken wir uns bei dem OctaederFig. 9 die Fläche o und die ihr entspre-chende Hintere Fläche der oberen Pyra-mide nach allen Seiten sich ausdehnend,so werden dieselben in der Kante ab sichbegegnen und schneiden. Wenn gleich-zeitig dasselbe bei der Fläche n undihrer entsprechenden Hinteren Fläche der

    unteren Pyramide stattfindet, so werden sich diese vier wachsenden Flächen inden sechs Kanten a b , as , a6, ecl,

  • Krystallographie. 7

    solche Weise abgeleitete Gestalten werden Ha lb f lächner oder Hemisder ge-nannt, zur Unterscheidung von den Vo l lges ta l ten oder Ho loede rn .

    Die Namen der Krystallgestalten werden dmchgehends aus dem griechisHen 1 iWorte "Ksära,«", das Sitz oder SitzfiäKe bedeutet, in Verbindung mit Zahl-wörtern gebildet und bezeichnen somit die Anzahl der vorhandenen Flächen,z.B.Tetraeder (Vierflächner), Hexaeder (Sechsfiächner), Octasder (Achtflächner), Dode-casder (Zwölfftächner). Oefter wird den also gebildeten Namen die Bezeichnungder Art der vorhandenen Krystallsiächen vorgesagt, z. B. Pentagon-Dodecaeder(Fünfeck-Zwolfstächner), Rhomben-Dodecaeder (Rauten-gwölfflächner). Mitunterwerden auch aus der Stereometrie entnommene kürzere Namen gebraucht, wiefast immer W ü r f e l für Hexasder; ödet Namen, die von einem Mineral ent-lehnt sind, an welchem die betreffende Krystallform besonders ausgezeichnetauftritt, wie G r a n a t o s d e r für Rhomben-DodecaSder, da der Granat dessenGestalt, hat.

    Auch sind zu noch kürzerer Bezeichnung der Krystallformen Zeichen ein-geführt worden. Zunächst drückt Man das gegenseitige Verhalten der Achsen dergegebenen Form durch Buchstaben aus und hält dabei fest, daß ein mit den-selben gebildetes Kreuz die Lage der Flächen der Krystallgestalt bestimmt. Wirerinnern, daß das reguläre Octatzder drei gleiche, rechtwinkelig, sich schneidendeAchsen hat und daß jede OctaVderfläche jede dieser Achsen in einem Punkteschneidet; setzen wir eine derselben gleich «, so ist auch jede andere gleich a , sieverhalten sich folglich wie a zu a zu «. Das reguläre Octasder wird daherausgedrückt durch die Formel

  • 8 Oryktognosie.

    durchsichtige Körper wären, so daß auch die Kanten der Rückseite durch punktirteLinien angedeutet werden. Dabei stellt man die Hauptachse senkrecht, richteteine Nebenachse auf den Beschauer, giebi ihr dann eine gewisse Drehung nachlinks und zeichnet hierauf die Gestalt nach den Regeln der Projectionstehre.Dieselbe lehrt auch die Entwerfung der sogenannten Krystal lnetze. Fig. 11Zeigt das Netz des Octatzders. Man legt dasselbe auf weißen Karton, sticht mit

    einer Nadelspltze die Eckpunkte durch und trägt die Zeichnung über. Die aus-gezogenen Linien werden ganz durchgeschnitten, die punktirten zur Hälfte. Dieacht Flächen lassen sich jetzt aminanderlegen und verkleben, und bilden dasKrys ta l lmode l l eines Octaeders. Das S . 1 angeführte Werk von Koppenthält 57 solcher Netze zur Anfertigung der wichtigsten Krystallgestalten.Sammlungen von KrhstallmodeUen aus Holz oder Pappdeckel können durch die§. 36 bezeichneten Handlungen bezogen werden. Die Papiermache-Fabrik vonFleischmann in Nürnberg liefert das Stück zu 2 Groschen. Für den Unter-richt vorzüglich geeignet sind die von F. Thomas in Siegen gefertigten und zubeziehenden Glaskrystallmodelle. ̂

    Für die Bestimmung eines Krystalls ist die Kenntniß der Größe der anihm auftretenden Winkel nöthig. Bei größeren Krystallen können dieselbendurch Anlegung eines Winkelmessers oder Handgoniometers gemessen wer-den. Bei sehr kleinen Krystallen geschieht dies vermittelst des Re f lex ions -goniometers .

    13 Die Krystalle sind erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts' der wissen-schaftlichen Betrachtung unterworfen worden. H a u y , ein Franzose, stellte daserste Krystallsystem auf. Eine wesentliche Weiterentwickelung erhielt die Kry-stallographie durch deutsche Mineralogen, von welchen Weiß, Mohs , Rose,Naumann und Hausmann vorzugsweise zu nennen sind. I n vorherrschenderGeltung ist,das nachfolgende von Weiß aufgestellte System, mit mehrfachen

  • Krystallographie. 9

    nachträglichen Modificationen und Ergänzungen in Benennung und Bezeich-nungsweise.

    Uebersicht der Krhstallshsteme.

    H.. Systeme mit horizontaler Basis (s. §. 8).

    n.. D r e i Achsen, die sich sämmtlich unter rechten Winkeln schneiden. 14

    1. Alle Achsen find gleich: NsF i i l ä rss 8M5Oin ; oder tessulates,

    auch Tesseral-, d. i. Würfelsystem.2. Nur zwei Achsen sind gleich: Z w e i - und einachsiges oder

    CNkÄrÄtigokSs System.3. Alle Achsen sind ungleich: E i n - und einachsiges oder rkoiu.»

    digokes System.b. V ier Achsen; drei gleiche Nebenachscn schneiden sich unter Winkeln

    von 60" und sind senkrecht zur Hauptachse, die größer oder kleiner ist.4. D r e i - und einachsiges oder k.sxQ3QNQiss System.

    N. Systeme mit schiefliegender Basis.

    Alle drei Achsen sind ungleich; eine oder beide Nebenachsen schneiden dieHauptachse schiefwinkelig.

    5. Zwei Achsen schneiden sich schiefwinkelig und beide werden vonder dritten Achse rechtwinkelig geschnitten. Z w e i - und e in -g l iedr iges oder monokl inometr isches, auch k l i n o r k o m -diso!iS8 V^gtsin.

    6. Alle Achsen schneiden sich unter schiefen Winkeln: G i n - undeingl iedr iges oder t r ik l inometr isches, auch NinOrtzoiu.-'doid igoksg System.

    Das r ssn iä r s .8?35siu. bietet den größten Reichthum von Gestalten. 15Als Beispiele führen wir einige der wichtigeren mit Beifügung ihrer Zeichen,sowie bekannterer Minerale an, die in diesen Formen krystallisiren.

    1. Das Octasder, 0 , Fig. 12. (Magneteisen; Alaun; Rothkupfererz;Salmiak; Spinell; Flußspath). 2. Der W ü r f e l oder das Hexaeder, n 0 w ,ffig. 13. (Vleiglanz; Flußspath; Kochsalz; Schwefelkies). 3. Eine Combina-

  • 10 Oryktognosie.

    tion beider, in der sich der Kobaltkies findet, ist Fig. 5 abgebildet; Fig. 14zeigt die Combination derselben im Gleichgewicht, 0 .

  • Krystallographie. ^

    Denkt man sich ein QuadratoctaLder mit unendlich langer Hauptachse, sowerden die durch Berührung seineroberen und unteren Pyramidenstächen gebildetenKantenwinkel gleich 0 und es entsteht die quadratische S ä u l e n ? , Fig.21 (auch quadratisches P r i s m a genannt), deren Seitenflächen parallel derHauptachse sind. Da dieselben weder oben noch unten zusammenlaufen, so bil-den sie eine sogenannte offene Krys ta l lges ta l t , die erst durch das Hinzu-treten von Combinationsflächcn ihre Begränzung erhält. Die Hauptachse kannjedoch auch unendlich verkürzt, d. i. gleich 0 sein und entsteht alsdann die so-genannte gerade Endfläche 0 ? , Fig. 22, die natürlich nicht für sich allein,wohl aber an Krystallen dieses Systems auftritt.. (S . Fig. 24).

    Man hat ferner bei Krystallgestalten dieses Systems das Vorkommen vonSäulen beobachtet, bei deren Betrachtung nicht eine Kante (wie bei Fig. 21)nach vorn gerichtet erscheint, sondern eine Fläche; die Achsen derselben verbindenauch nicht die Kanten, sondern die Mittelpunkte gegenüberliegender Flächen.Sie werden quadratische Prismen zweiter O r d n u n g genannt und erhaltendas Zeichen n I > n . ^

    Combinationsformen des quadratischen Systems treten auf am Zinnstein,Honigstein, Zirkon; ferner am arsen-sauren Kal i , Fig. 23 , und Blut-laugensalz, Fig. 24.

    Die Halbflächner der Quadrat-I>

    octaödcr werden Sphenoi'de -^genannt und finden sich am Kupfer-kies.

    Das rkomb igoks L^stsiu. hat 17als Grundform das Rhombenocta 6-der, !>,.Fig. 25, dessen drei Achsen ,

    ungleich, aber rechtwinkelig zu einander find. Achnlich, wie beim vorher-gehenden System werden hier spitzere und stumpfere Octaöder und rhombischeSäulen abgeleitet und bezeichnet. Da hier jedoch alle Achsen ungleich sind,so kann eine beliebige als Hauptachse gewählt werden; an Krystallen nimmt

  • Ü3 Oryktognofle.

    man hierzu diejenige, welcher die meisten Flächen desselben parallel gehen.Bei Betrachtung dieser Formen stellt man die Hauptachse senkrecht; die län-gere Nebenachse, Macrodiagonale genannt, wird quer vor den Beobachtergehalten, die kürzere oder Brachydiagonale, gegen denselben gerichtet.Der durch die Nebmachstn gelegte basische Hauptschnit t ist ein Rhombus(Raute). Man unterscheidet bei diesem System vert icale P r i smen , ,Fig. 26 , und hor izoNtale P r i s m e n , ^ < » . Letztere entstehen, wenndie querliegende Macrodiagonale unendlich ist und werden auch M m e n (vonDoma, Dach) genannt (s. Fig. 27). -

    Bei einer großen Anzahl von Mineralen und chemischen Verbindungenfinden wir die Formen des rhowbischen Systems, so die Grundform vorzüglichbeim Schwefel; Combinationen verschiedener Art beim: Kupferglanz, Arsenikkies,

    schwefelsauren Kali, Salpeter, Glauberfalz, Schwerspath, Weißbleierz, Arragonit,Zinkvitriol, Bittersalz, Höllenstein, Topas, Harmotom, Staurolith u. a. m.

    18 Die Grundform des kSXNFonQisn I ^ s i n g ist das Hexagonal-Dodecaeder oder die sechsseitige Doppelpyramide I>, Fig. 28.

    Auch hier unterscheidet man, je nach dem Verhältniß der Hauptachse zuden Nebenachsen, spitzere und stumpfere Pyramiden, und bei unendlich vertan-

  • Krystallographie. 13

    gerter Hauptachse entsteht die sechsseitige S ä u l e ao l>, Fig. 29, die in Com-bination mit der Pyramide eine der gefälligsten Krystallformen bildet (Fig. 1),welche häusig am Quarz, sowie beim Apatit beobachtet w.ird.

    Eine wichtige hemiödrische Form dieses Systems entsteht, wenn diewechselnden Flächen 7», s, n der Doppelpyramide Fig. 30 , sowie die drei ent-sprechenden Flächen der Hinteren Seite wachsen bis zur gegenseitigen Dmch-schneidung; es entsteht das angedeutete, von sechs congruenten Rhomben be-gränzte Rhombo6der R , Fig. 3 1 , das vorzüglich am Kalkspath für sichund in Combinationen auftritt.

    Zum hexagonalen System gehörige Formen haben die Krystalle vomNasser. Eisenglanz,, Eisenspath, Zinkspath, Saphir, Apatit, salpetersaurenNatron u. a. m.

    Die Krhstallgestalten des MwoMoll id igc3i i .SN 8^Otsm.g beziehen sich 19auf drei ungleiche Achsen, von welchen zwei unter schiefen Winkeln sich schnei-den, die dritte aber rechtwinkelig zu den beiden anderen steht. Man wählt jedochbei Betrachtung derselben nicht diese Letztere als Hauptachse, sondern eine derschiefwinkeligen Achsen, well die Krystalle häufiger in der entsprechenden Rich-tung prismatisch sich ausgebildet vorfinden. Stellt man eine also gewählteAchft senkrecht, so ist der basische Hauptschnitt, d. h. eine durch die Nebenachsengelegte Ebene schiefwinkelig zur Hauptachse geneigt; seine Form ist rhombisch.

    Construiren wir durch Anlegung von Flächen an ein Achsenkreuz diesesSystems ein Octasder, kl inorhombische P y r a m i d e , ^ ? , genannt, F ig .32,so entsteht die ideale Grundform desselben, die jedoch an Krystallen nicht vor-kommt. Ihre Begränzungselemente sind sehr verschiedenartig, da an derselbendreierlei Kanten und Ecken und zweierlei Flächen vorhanden find, nämlich viergrößere und vier kleinere, so daß eine solche Pyramide als aus zwei halben,sogenannten Hemipy ramiden , zusammengesetzt erscheint. Die KrystallgHaltendieses Systems sind vorzugsweise klinorhombische Prismen und Domen (schieferhombische Säulen), combinirt mit den Flächen einer Hempyramide, und eine

    große Anzahl von Mineralen und chemischen Verbindungen gehören demselbenan, wie z. B. der Gyps, Fig. 3 3 , der Eisenvitriol, Fig. 34 (s. f. E. ) , der

  • 14 Oryktoguosie.

    Zucker, Fig. 35 , die Soda, Fig. 36 , der Mdspath, der Augit, die Hornblende u. a. m.

    Das Zeichen det klinorhombischen Pyramide ist ^ I > , indem die vordereHemipyramide mit - i - ? , die Hintere —1> bezeichnet wird.

    M Da dem ^1wOck0indOMi8

  • Krystallographie. 15

    Fig. 38 zeigt uns diesen Fall beim Gtzps vorkommend. Auch durchwachsensich die Krystalle förmlich und kreuzen sich, wie bei Fig. 3 9 , in der wir einenDurchkreuzungszwilling des S t a u r o l i t h s erblicken. (S . S . 45).

    Mi t der Iwill ingsbildung ist nicht zu verwechseln eine Zusammenhäufungvon Krystallen, welche in der Mineralogie als Krys ta l ld ruse oder Drusebezeichnet wird. Sehr kleine, insbesondere die nadclförmigen und blätterigenKrystalle bilden hausig sehr eigenthümliche Gruppirungm, indem sie oft strahligkugelförmig gelagert sind, oder allerlei Gestalten bilden, worunter die baum-förmigen, dendrit isch genannt und die blumenartigen am Eise der Fenster-scheiben beobachtet werden.

    Als Regel gi l t , daß ein und derselbe Körper, fei er nun ein einfacher 22Stoff oder eine chemische Verbindung aus mehreren, stets in solchen Gestaltenkrystallistrt, die einem und demselben Krystallsystcm angehören. Verschiedene M i -nerale, die in denselben Gestalten krystallisiren, werden isomorph, d . i . gleich-gestaltig genannt, und schon in der Chemie §. 95 und 136 ist der I s o -morph ismus besprochen worden. Isomorphe, dem rhombischen Systeme an-gehörige Minerale sind z. B. der Arragonit, Witherit, Strontianit und dasWeißbleierz.

    Es fehlt jedoch nicht an Beispielen, daß Körper in Formen auftreten, diezwei verschiedenen Krystallsystemen angehören und daher d imorph genanntwerden. Dhr natürlich vorkommende und aus Auflösungen krystallifirendeSchwefel z. B. bildet rhombische Pyramiden, während alle bei Abkühlung desgeschmolzenen Schwefels entstehenden Krystalle dem künorhombischen Systemeangehören. P o l y m o r p h e Stoffe sind solche, deren Krystalle auf mehr alszwei Grundformen zurückführbar sind und kommen selten vor.

    Eigenthümliche Erscheinungen des Mineralreichs sind die Pseudockor-phosen oder AfterkryftaUe, bei welchen die Krystallform dem chemischen Gehaltenicht« entspricht. Sie entstehen auf verschiedene Weise. Der Eisenkies (Zwei-fach-Schwefelciscn, 1^82) krystallisirt in Würfeln und wandelt sich durch äußerstlangsame Zersetzung um in E isenoxydhydra t , ^ ^ ' l l O , ohne daß dieForm hierdurch im mindesten geändert erscheint, obwohl das Letztere dem rhom-bischen System angehört und keineswegs dimorph ist. Andere Pseudomorphosenentstehen mehr auf mechanischem Wege, indem Krystalle von einer erhärtendenMineralmasse umhüllt und nachher durch ein Lösungsmittel entfernt werden.Füllt sich die alsdann bleibende hohle Form der früher vorhandenen Krystalle miteiner fremden Substanz, so nimmt diese eine ihr nicht entsprechende Gestalt an.

    Die Pseudomorphosen sind daran kenntlich, daß ihr inneres Gefüge,HreSpaltungsflachcn, der äußeren Form nicht entsprechen.

    Schon in z. 6 wurde gesagt, daß die Krystalle selten in ganz regelmäßiger 23Weise ausgebildet sind, und in der That begegnet man bei den Mineralen häu-fig den unvol lkommenen Krys ta l l f o rmen . Entweder sind bei diesen ge-wisse Flächen vorherrschend geworden, oder andere durch Auslagerung und Ver-wachsung nicht zu Stande gekommen, oder es ist die Krystallisation Überhaupi

  • 16 Oryktognosie.

    so unvollkommen, daß sie zwar ersichtlich ist, jedoch bestimmte Krystallgestaltennicht erkennen läßt. Man bezeichnet diesen Fall als den krystallinischenZustand und es erscheinen krystallinische Minerale als eine Anhäufung von kleinen,unvollkommen ausgebildeten Krystallen, die körnig, platt oder länglich sind, welchementsprechend die leicht verständlichen Bezeichnungen von grob- oder feinkörnigen Mi-neralen, von Blättern, Schuppen, Spießen, Nadeln, Haaren u. a. m. angewendetwerden. Mitunter kann der krystallinische Zustand erst mit Hülfe des Vergrößerungs-glases erkannt werden und wo dies nicht der Fall ist, haben wir ein unkrystal -l inisches oder dichtes Mineral vor uns. ßo z. B. findet man den kohlen«sauren Kalk (Chemie z. 86) vollkommen krystallisirt als Ka lkspa th ; kry-stallinisch als M a r m o r und unkrystallinisch oder dicht als Kreide.

    2. Physikalische Eigenschaften der Minerale.

    24 Da die Form nicht immer ausreicht, um ein Mineral zu bestimmen, sohat man noch andere Merkmale zu Hülst genommen, wie namentlich den Z u - ^sammenhang, die Dichte und die Farbe der Minerale und ihr weiteres^Verhalten zum Lichte, sowie zur E l e k t r i c i t ä t und zum Magnet ismus.Man versteht hierunter die physikalischen Eigenschaften des Minerals.

    Zusammenhang (Cohärenz).

    25 Nur äußerst wenige Minerale sind flüssig oder weich; die große Mehrzahlderselben ist fest, und an diesen hat man besonders die Spaltbarkeit, den Bruchund die Härte zu berücksichtigen.

    S p a l t b a r ist ein Mineral, wenn es eine krystallinische Bildung hat. I ndiesem Falle sind seine Theile in bestimmter Weise gelagert, so daß sie nach ^einer Richtung weniger Zusammenhang zeigen als nach der anderen, etwa so!wie Holz der Länge nach sich leichter spalten läßt als in der Quere. Manunterscheidet sehr verschiedene Stufen der Spaltbarkeit, denn es läßt sich z. B.der G l i m m e r in die dünnsten Blättchen spalten. Durch die Spaltung ent-^stehen immer mehr oder minder ebene Flachen.

    Der B-ruch oder die Bruchstäche kommt da zum Vorschein, wo ein un-spaltbares Mineral oder ein spaltbares, der Spaltungsrichtung entgegen, gewalt-'sam zerbrochen wird. Er hat bei vielen Mineralen ein sehr charakteristischesAnsehen, denn er ist entweder eben oder uneben, oder muschlig, wie z. B.beim Feuerstein. Auch ist er s p l i t t e r i g , hak ig , oder zackig und endlich ist ersehr oft e rd ig , wie bei der Kreide und vielen anderen.

    Die Här te der Minerale wird bei ihrer Beschreibung besonders berücksich-tigt. Manche find so hart, daß die beste Feile sie nicht angreift, andere so we-nig hart, daß man sie mit dem Fingernagel ritzen kann. Dazwischen liegenviele Stufen, die sich nicht wohl beschreiben lassen. Von zwei Mineralen istnatürlich dasjenige das härtere, welches fähig ist, das andere zu ritzen, ohnevon diesem selbst geritzt zu werden. Man hat nun zehn bekanntere Minerale zueiner sogenannten Härtescala in der Weise neben einander gestellt, daß jedes

  • Kennzeichenlehre. ' 1 ?

    derselben sein vorhergehendes ritzt, von seinem folgenden aber selbst geritzt wird.Hierdurch erhält man vom weichsten Mineral, dem Talk, bis zum härtesten,dem Diamant, 10 Härtegrade, die durch die entsprechenden Nummern bezeichnetwerden. Diese sind nun:

    Härte 1. — Talk; 6. — Feldspath;< 2. — Gyps, oder Steinsalz; 7. — Quarz;3. — Kalkspath; 8. ^n Topas;4. — Flußspath; . 9. ^ K o r u n d ;5. — Apatitspath; 10. — Diamant.

    Heißt es nun z. B., ein gewisses Mineral hat die Härte 7, so wissen wir,daß es die des Quarzes ist. I m Allgemeinen ist es leicht festzuhalten, daßeine niedere Zahl eine geringe, die höhere Zahl die größere Härte bezeichnet.Auch merke man sich als praktische Regel, daß die Minerale bis zum Grade 8von der englischen Feile angegriffen werden, bis 6 von einer Stahlklinge ge-ritzt werden, über 6 mit dem Stahle Funken geben und bis zu 3 mit demFingernagel sich ritzen lassen.

    D i e D i c h t e d e r M i n e r a l e.

    Die Dichte oder das specifische Gewicht eines Körpers ist, wie die Physik 26§. 19 lehrte, das Gewicht eines Raumtheiles desselben, verglichen mit dem Ge-wicht eines gleichen Raumtheiles Wasser. So ist die Dichte des Bleies — 1 1 ,da ein Kubikzoll Blei 11 mal so viel wiegt, als ein Kubikzoll Wasser. Eswurde dort bereits der Werth der Kenntniß der specifischen Gewichte angedeutet,denn da unter gleichen Umständen ein Körper stets eine und dieselbe Dichtehat, so ist sie ein sehr wesentliches Merkmal, namentlich der Minerale. Manhat deshalb mit der größten Sorgfalt und wiederholt die Bestimmung ihrerDichten und zwar in der Regel bei -s- 14R. vorgenommen. Aus den Anga-ben der Chemie können wir jetzt schon im Allgemeinen entnehmen, daß Mine-rale, welche eine größere Dichte besitzen, schwere Metalle enthalten.

    D a s V e r h a l t e n de r M i n e r a l e zum L ich t .

    Als eine große Mannichfaltigkeit verschiedener Körper besitzen die Minerale 27ein sehr ungleiches Verhalten zu den Lichtstrahlen, indem manche sie durch-lassen und zugleich ablenken oder brechen, und andere dieselben in besondererWeise zurückwerfen. Dahin gehören die Durchsichtigkeit, das Brechungsver-mögen, der Glanz und die Farbe der Minerale.

    Die Durchsicht igkei t ist entweder vollkommen, was namentlich bei wohlausgebildeten Krystallen der Fall ist, und wenn sie an einem Mineral zugleichmit Farblosigkeit auftritt, so wird dasselbe wasserhel l genannt. GeringereGrade der Durchsichtigkeit bezeichnet man durch die Ausdrücke: halbdurch-

    II< 2

  • 1ö Qrpktognosie.

    sichtig, durchscheinend, an den Kan ten durchscheinend, bis un-durchsichtig.

    Das Lichtbrechungsvermögen (Physik §. 168) kann natürlich nur anvollkommen durchsichtigen Krystallen beobachtet werden. Es ist sehr verschieden,indem z. B. die Edelsteine das Licht sehr stark brechen, während dies bei ande-ren Mineralen nur in geringem Grade der Fall ist. Eigenthümlich ist diesogenannte doppel te S t rah lenb rechung . Viele Minerale brechen nichtallein den einfallenden Lichtstrahl, sondern trennen ihn in zwei Theile, die inbesonderen Richtungen weiter gehen, st daß man von einem schwarzen Strich,den man in gewisser Richtung durch den Krystall betrachtet, zwei Bildersieht. Der Kalkspath ist das bekannteste Mineral, bei welchem die doppelteStrahlenbrechung besonders deutlich fichtbar ist. Die doppelte Strahlenbrechungfindet sich niemals an Mineralen, welche im regulären System krystallisiren.

    Auch findet sie bei anderen Krystallen nicht injeder Richtung statt. Wählt man solche, die demquadratischen und hexagonalen Systeme angehören,so läßt sich an denselben eine gewisse Linie nach-weisen, parallel welcher keine doppelte Brechungstattfindet, und diese Linie heißt die optischeAchse des Krystalls. Sie hat Beziehung zurkrystallographischen Achse desselben und die hierhergehörigen Krystalle werden optisch-einachsigeKrys ta l le genannt. Die übrigen Krystalle sindoptisch-zweiachsig, da an ihnen zwei Linienaufzufinden sind, welchen parallel hindmchgcsehcnein Strich nicht doppelt erscheint. Beim Kalk-spath fällt die optische Achse.zusammen mit derHauptachse des Krystalls. Schleift man an einemsolchen, wie bei Fig. 40 angedeutet ist, die stumpfenEcken hinweg und legt die entstandene Schnitt-stäche auf einen schwarzen Strich, so erscheint der-selbe nicht verdoppelt.

    Eine wichtige praktische Anwendung wird vondünnen Plättchen gemacht, die man parallel zurHauptachse aus den Krystallen eines Mineralsgf-schnitten hat, das T u r m a l i n genannt und späterbeschrieben wird. Solche Plättchen besitzen näm-lich die Eigenschaft, das Licht zu po la r i s i r en(Physik §. 183), und zwei derselben, wie Fig. 41zeigt, umdrehbar in Drahtringe gefaßt, bilden alssogenannte Tu rma l i nzange einen kleinen Po-larisationsapparat. Zwei solche Plättchen, «boc?und s/F/z, Fig. 42, erscheinen durchsichtig, wennsie so auf einander gelegt werden, daß ihre Kry-

  • Kennzeichenlehre. 29

    stallachsen, welchen die Schraffirung entspricht, parallel sind. Dreht man hier«auf die eine Platte so lange, bis beide Achsen zu einander rechtwinkelig find,Fig. 43, so nimmt die Durchsichtigkeit fortwährend ab, bis sie zuletzt ganz ver-

    schwindet. Schiebt man nunzwischen die ge-kreuzten Platten den Krystall eines M i -nerals, so bleibt die Dunkelheit, wenndas Mineral nicht doppelt brechend war;sie verschwindet dagegen, wenn es dop-pelt brechend ist. Optisch einachsigeMineralplättchen zeigen zwischen den ge-kreuzten Plättchen kreisrunde farbigeRinge mit einem dunklen Kreuz; optischzweiachsige Krystalle geben elliptische

    Farbenringe mit zwei dunklen Streifen. Man hat demnach in der Turmalin-zange ein wesentliches Hülfsmittel bei krystallographischen Bestimmungen.

    Ebenso befindet sich im Zusammenhang mit der Krystallform die eigen-thümliche Erscheinung, daß man beim Betrachten einfarbiger Krystalle nach ge-wissen Richtungen v ersch iedene Färbungen wahrnimmt; man bezeichnet dieselbeals D i ch ro i smus . Reguläre Krystalle haben keinen Dichroismus; an qua-dratischen und hexagonalen treten zweierlei, an denen der anderen Systeme so-gar dreierlei Farben auf.

    Der Glanz der Minerale ist abhängig von der Beschaffenheit ihrer Ober- 28stäche. Er ist um so vollkommener, je mehr diese sich der Beschaffenheit einesSpiegels nähert. Feine Risse, Unebenheiten:c. bedingen jedoch besondere E i -genthümlichkeiten des Glanzes, daher dieser nach Art und Stärke eine besondere,leicht verstandliche Bezeichnung erhielt.

    So unterscheidet man: M e t a l l g l a n z , D i a m a n t g l a n z , G l a s g l a n z ,Wachs- oder Fe t t g l anz , Pe r lmu t t e rg l ang und Seidenglanz. Man be-zeichnet ferner die Minerale als starkglänzend, g länzend, wenig g l ä n -zend, schimmernd und mat t , welch Letzteres z. B. beim erdigen Bruch derFall ist.

    Die Farbe wird bei den Mineralen durch die Ausdrücke angegeben, derenwir uns gewöhnlich zu ihrer Bezeichnung bedienen. Als sogenannte Hauptfar-ben sind Weiß, G r a u , Schwarz, B l a u , G r ü n , Ge lb , Ro th , B r a u nangenommen, zwischen welchen nun eine Menge von Mischfarben in allen mög»lichen Abstufungen liegen. Man hat für diese eine sogenannte Farbenscala,ähnlich wie die Härtescala entworfen, indem man die Farbe eines bestimmtenMinerals mit einem besonderen Namen bezeichnete.

    Besonders bemerkenswert!) erscheint noch der St r ich eines Minerals, d. h.diejenige Farbe, die zum Vorschein kommt, wenn man dasselbe mit einem här-teren Körper ritzt, oder wenn man es auf einem weißen Körper streich:. DieserStrich ist in der Regel Heller als die Farbe des Minerals, wie z. B. der Man-gamt fast schwarz ist, auf Papier aber einen braunen Strich giebt. Oefter

    2*

  • 20 Orykwgnoste.

    stimmt die Farbe des Minerals mit der seines Striches überein, häusig abcrgeben lebhaft gefärbte Minerale ganz blaffe oder selbst farblose Pulver.

    Manche andere Farbcnerscheinungen, wie das Sch i l l e rn oder O p a l i -siren und das Spielen in Regenbogenfarben oder I r i s i r e n kommen wenigerhäusig vor. Das fa rb ige und das bunte A n l a u f e n der Minerale, bei wel-chem man häufig die schönsten taubenhalsigen, pfauenschweisigen Farbenspielewahrnimmt, rührt davon her, daß die Oberfläche des Minerals einen fremd-artigen dünnen Ueberzug, meist durch beginnende Oxydation erhalten hat.Einige Minerale haben die Eigenschaft, unter gewissen Umständen, z. B. wennsie etwas erwärmt oder längere Zeit von der Sonne bestrahlt werden, im Dun-keln einen schwachen Lichtschein zu verbreiten, was man das Phosphorescirennennt.

    Verha l ten der M i n e r a l e zu E lek t r i c i t ä t und Magnet ismus.

    W Die Physik lehrt uns (§. 194), daß alle Körper zwei Gruppen bilden,von welchen die eine solche Körper enthalt, die beim Reiben elektrisch werden,während dies bci den anderen nicht der Fall ist. Die ersteren werden daherselbstelektrische, die letzteren unelektrische Körper genannt. Die elektrischenKörper sind Nichtleiter, die unclektrischen dagegen Leiter der Elektricität. Zuwelcher Gruppe nun ein Mineral gehöre, läßt sich leicht durch Reiben desselbenund Annäherung an das elektrische Pendel nachweisen. I m Allgemeinen ge-hören die Minerale, die schwere Metalle enthalten, zu den unelektrischen Leitern,während die Nichtmetalle und die Verbindungen der leichten Metalle solcheMinerale bilden, die beim Reiben elektrisch werden und Nichtleiter oder Halb-leiter sind. ^

    Magnetische Eigenschaften zeigen vcrhältnißmäßig nur wenig Minerale.Es sind dies, wie aus §. 184 der Physik hervorgeht, vorzugsweise diejenigen,welche Eisen enthalten. Die Annäherung des Minerals an die Magnetnadelgiebt sein Verhalten leicht zu erkennen.

    V e r h a l t e n der M ine ra le zu Geruch, Geschmack und Gefüh l .

    M Bei weitem die Mehrzahl der Minerale ist ohne besonderen Geruch« Bcieinigen ist derselbe jedoch vorhanden und sehr bezeichnend. Er rührt

    . meist von eingcmcngten Stoffen, namentlich von Steinöl (Chemie §. 218) her,und wird mitunter erst fühlbar, wenn das Mineral geschlagen oder geriebenoder angehaucht wird. Beim Erwärmen verbreiten mehrere, wie arsen- undschwefelhaltige, einen eigenthümlichen Geruch in Folge chemischer Veränderung.

    Geschmack haben natürlich nur die in Wasser löslichen Minerale, welchedic Minderzahl bilden. Er hängt von den chemischen Bestandtheilen ab, under ist daher rein salzig beim Steinsalz, b i t ter bei den Magnesia- oder Bitter-Ndesalzen, kühlend bei den salpetersauren Salzen u. s. w.

  • Kennzeichenlehre. 2 l .Beim A n f ü h l e n verhalten sich manche Minerale eigenthümlich, indem sie

    entweder rauh sich anfühlen, wie namentlich Lava-Gestein, oder f e t t i g , wasbeim Speckstein oder Talk der Fall ist. Einige, wie z. B. die Edelsteine, fühlensich ka l t an. Manche Minerale besitzen die Eigenschaft, Wasser mehr oderminder einzusaugen, und es giebt deren, die Letzteres mit solcher Stärke thun,daß sie am befeuchteten Finger oder an der Zunge hängen bleiben oder kleben,wenn sie damit berührt werden, was hauptsächlich die Thone thun.

    3. Chemische Eigenschaften der Minerale.

    Da wir die Minerale als in der Natur gebildet vorkommende chemische 31Verbindungen bezeichnet haben, so müssen sie folgerichtig die ihren Bestand-theilen angemessenen Eigenschaften haben, die sich namentlich bei der Zersetzungzu erkennen geben.

    Wenn also Gestalt und physikalische Kennzeichen nicht ausreichen, um. einMineral zu erkennen und zu bestimmen, so nimmt man chemische Einwirkungenzu Hülfe. Die Fragen, die der Mineralog an die Chemie stellt, sind nunzweierlei: erstlich: welch? Stoffe sind in dem Minerale enthalten, und dann,wie v i e l ist von jedem vorhanden.

    Die Beantwortung der letzteren Frage erfordert eine vollständige Zer-legung des Minerals in seine Bestandtheile und genaue Wägung der letzteren,welche Operation als q u a n t i t a t i v e Analyse bezeichnet wird. Sie erfordertstets einen großen Aufwand von Zeit und Sorgfalt.

    Die q u a l i t a t i v e Ana lyse ist das Verfahren, das nur beantwortet,welche Stoffe irgend ein Körper enthält, und ist in der Regel rascher ausführ-bar, namentlich für den Mineralogen, der ja noch andere Hülfsmittel der Er-kennung hat. ' Er bedient sich deshalb so viel als möglich nur der einfachsten'chemischen Hülfsmittel, die er leicht überall hin mitnehmen und handhabenkann, und wählt vorzugsweise die zersetzende Eigenschaft der Wärme, und dieauflösende des Wassers und der S ä u r e n . Die Zuziehung der ersteren heißteine Untersuchung auf trockenem, die der letzteren auf nassem Wege.

    Verha l ten der M i n e r a l e zur Wärme.

    Die Wärme wird in verschiedenen Graden der Steigerung, vom bloßen 32gelinden Erwärmen bis zur stärksten Glühhitze, angewendet. Um letztere hervor-zubringen, dient das Lö th roh r , Fig.44(a.f.S.). Es ist aus Messing und bestehtaus dem längeren Theile ai>, gewöhnlich mit einem'Mundstück von Horn oderElfenbein bei a versehen; sodann aus dem erweiterten Lustbehälter sck, der auchzur Aufnahme der beim Blasen mitgeführten Feuchtigkeit dient, und aus derSpitze /

  • 22 Oryktoguosic.

    Löthrohrs in die Flamme eines Talglichtes oder einer Oellampe bläst, erreichtman im Kleinen, was der Schmied durch den Blasebalg bezweckt, nämlich die

    Erzeugung einer starken Hitze auf einem beschränkten Raume. Die Lichtflammeerhält durch das Löthrohr eine kegelförmig zugespitzte Gestalt, und in dieseLöthrohrflamme bringt man jetzt kleine Stückchen oder sogenannte Löthrohr-proben des zu untersuchenden Minerals. Entweder wird die Probe in einerkleinen Zange mit Platinspitzen gehalten, oder man legt sie auf ein Stück wohlausgebrannter Holzkohle. Bei^ gelindem Erwärmen legt man häufig dieProbe in eine Glasröhre und erwärmt diese ohne Hülfe des Löthrohrs an einerWeingeistlampe.

    Bei diesen Versuchen wendet man nun seine Hauptaufmerksamkeit auf dieSchmelzbarkeit und Flüchtigkeit der Probe und darauf ob sie der Löthrohr»stamme eine besondere Farbe ertheilt.

    Die Schmelzbarkeit der Minerale ist sehr verschieden. Während einigeschon bei gelinder Wärme an der Lichtflamme schmelzen, wie manche Salze, sindandere erst in der stärksten Hitze und manche gar nicht schmelzbar. Man be-zeichnet dieses durch die Ausdrücke: sehr leicht — leicht — ziemlich schwer —schwer — sehr schwer schmelzbar und unschmelzbar.

    Beim Schmelzen treten noch manche beachtenswerthe Erscheinungen auf,indem einige Minerale ruhig schmelzen, andere kochen,spritzen u. s. w. Die geschmolzene Masse ist entweder glasig oder schlackig, por-zellanartig, oder sie bildet ein Kügelchen oder Korn, was namentlich die Me-talle thun.

    Flücht ige S t o f f e werden beim Erwärmen der Minerale sehr häusig aus-geschieden. Namentlich geben dieselben fast immer Wasserdampf ab, und es ist

  • Kennzeichenlehre. 23

    darauf zu achten, ob dieses Wasser bloß durch Anziehung oder chemisch gebundenes(Krystall- oder Hydratwasser, Chemie §. 33) war. Manche Minerale entwickelnGasarten, wie z. B. der Kalk Kohlensäure, der Braunstein Sauerstoff. Zugleichentstehen unter Mitwirkung des Sauerstoffs der Luft beim Glühen mancheneue Verbindungen. So überziehen sich die Bleierze leicht mit einem gelbenUeberzug von Bleioxyd, die antimonhaltigen mit weißem Antimonoxyd, dieschwefelhaltigen geben die am erstickenden Geruch leicht erkennbare schwefligeSäure und die arsenhaltigen die nach Knoblauch riechenden Dämpfe von arse-niger Säure.

    D ie Farbe der Lö th rohr f lamme ist häusig ein vortreffliches Merkmal.Strontian ertheilt ihr eine purpurrothe, Kalk eine morgenrothe, Kali eineviolette, Natron eine hochgelbe, Bor und Kupfer eine grüne Flamme u. s. w.

    Bis jetzt wurden die Proben nur hinsichtlich ihres Verhaltens in der Hitze 33betrachtet. Häufig nimmt man jedoch noch die Einwirkung chemischer Stoffezu Hülfe, die besondere Erscheinungen veranlassen. Solche find: der Sauerstoffder Luft, die als Unterlage dienende Kohle, die Gase des inneren Theils derLöthrohrflamme, das kohlensaure Natron, der Borax, das phosphorsaure Natron-Ammoniak und das Cyankalium.

    Den Einfluß des Sauerstoffs der Luft haben wir bereits im §. 32 alseinen oxydirenden kennen gelernt. Zum Verständniß der Anwendung des Löth-rohrs muffen wir erinnern an die im K. 64 der Chemie gegebene Beschrei-bung und Erklärung der Flamme. Hiernach findet eine Verbrennung nur anihrem äußeren Saume und an der Spitze Statt, während im Inneren derselbensich wasserstoffhaltige und kohlehaltige Gase und Dämpfe befinden. Diese Gase,geneigt mit Sauerstoff sich zu verbinden, können daher leicht zur Entziehungdesselben — Desoxydation oder Reduc t ion genannt — verwendet werden.Es folgt hieraus, daß bei der Behandlung einer Probe vor dem Löthrohr esnur die Spitze der Flamme ist, die dem Sauerstoff Zutritt gestattet, und diedaher auch die Oxyda t ions f l amme des Löthrohres heißt. Wird dagegen dieProbe in den breiteren, inneren Theil der Flamme gebracht, der nicht leuchtendist, so wirkt dieser reducirend, wenn die Probe eine Sauerstoffverbindung ent-hält. Dieser Theil der Flamme wird die innere oder Reduct ionsf lammegenannt. So kann z. B. ein Stückchen Zinn an der äußeren Flamme leicht inweißes Oxyd verwandelt und in der inneren Flamme alsbald wieder zu einemmetallischen Korn reducirt werden. Die eigentliche Oxydationsflamme wird her«vorgebracht, wenn man die Spitze des Löthrohrs in die Flamme einführt.Fig. 46 ; sie ist spitz, blau und schwach leuchtend. Zur Hervorbringung derReductionsflamme, Fig. 47, wird das Löthrohr dem Saum der Flamme ge«

  • 24 Oryktognoste.

    nähert und etwas schwächer geblasen. Sie ist breit, gelb leuchtend und beiweitem weniger Hitze gebend als die vorhergehende. Vorzüglich geeignet zuLöthrohrversuchen find schmale Gasflammen.

    Nei Reductionsversuchen wird die Probe auf ein Stück Holzkohle gelegt,die eine wesentliche desoxydirende Mitwirkung äußert.

    34 Zusätze von Soda und Borax zur Löthrohrprobe werden F l u ß m i t t e l ge-nannt, da sie zunächst die Herstellung leichter schmelzbarer Verbindungenbezwecken. Bei Versuchen der Art wird die Probe im Ohre einesumgebogenen Platindrahtes, Fig. 48 , gehalten. Das kohlensaureNatron bewirkt dies hauptsächlich bei kieselreichen Verbindungen,indem es mit denselben leicht flüssiges Natronglas bildet, oder esdient auch, um Schwefel, Arsen, Mangan u. a. m., die beim Glü-hen in Säuren übergehen, in die Form löslicher Salze überzu-führen. Das Cyankalium wirkt als vorzügliches Reduktionsmittel.Beim Borax (borsaures Natron, Chemie § .80 ) ist es die feuer-beständige Borsäure, welche mit den Metalloxyden zu eigenthümlichgefärbten glasartigen Verbindungen zusammenschmilzt, deren Far-ben so ziemlich mit denen der Glasflüsse übereinstimmen, die wirim §. 83 der Chemie kennen gelernt haben. Die Wirkung undAnwendung des Phosphorsalzes ist der des Borax ganz ähnlich.Hierbei ist es von Einfluß, in welchem Theile der Flamme die

    Schmelzung geschieht, da die Oxydule häufig andere Farben geben als dieOxyde, wie die folgenden Beispiele zeigen:

    Oryde.

    Chromoryd.

    Manganoryd.Antimonoryd.

    Wismuthoryd.Zinkoryd.

    Zinnoryd.

    Bleioxyd.Eisenoryd.

    Kobaltoryd.Nickeloryd.

    Kupfcroryd.

    Gilberoryd.

    Farbe der Vo ra rg läse r

    in der Orydationsflarnme.

    Smaragdgrün.Violett.Hellgelblich.Farblos.

    Farblos; bei viel Zink porzellan-weiß.

    Farblos.Gelb; erkaltet farblos.

    Duukclroth; beim Erkalten Hellerbis farblos.

    Vlau.Röthlich, gelb; erkaltet Heller.Grün.

    Erkaltet milchweiß.

    in der Reductionsstamme.

    Gelbbraun; erkaltet farblos.Ungefärbt.

    Unklar und graulich.Grau und trübe.Verflüchtigt sich.

    Farblos.

    Neducirt zu MetMügelchen._.Flaschengrün, blaugrün.

    Vlau.

    Graulich.

    Farblos; erkaltet zinnoberroth undundurchsichtig.

    Graulich.

    33 Nehmen wir endlich Wasser und Säuren als Austösungsmittel der Mine-rale zu Hülfe, so begeben wir uns vollständig in das Bereich der chemischen

  • - Kennzeichenlehre. . 25

    ! Erscheinungen, die in ihrer Mannichfaltigkeit auszuführen besondere Werke,unter dem Namen der analyt ischen Chemie, sich die Aufgabe gestellt haben.

    Es sei deshalb hier nur bemerkt, daß man diese Lösungsmittel gewöhnlichin einer gewissen Reihenfolge anwendet, nämlich zuerst Waffer, dann Salzsäure,

    ^ dann. Salpetersäure und endlich ein Gemenge dieser beiden (Chemie §.45). Am^ häufigsten wendet man die Salzsäure in der Absicht an, zu erfahren, ob ein

    damit betupftes Mineral aufbraust, d. h. ob es Kohlensäure enthalt, die. in die-sem Falle entweicht.

    ! So hätten wir uns denn mit allen Vorkenntnissen ausgerüstet, um sofort 36! die Beschreibung der Minerale selbst zu beginnen. Allein wir müssen gestchen,

    daß mit der Beschreibung allein, auch mit der allerbesten, nirgends zum Erken-nen weniger geleistet ist, als bei der Mineralogie. Hier ist eigene Anschauungdurchaus nothwendig, denn es handelt sich nicht darum, einen rein im Denkenentwickelten Begriff aufzunehmen, sondern durch sinnliche Auffassung die Summejener verschiedenen Eigenschaften eines Minerals in ein Bi ld zu vereinigen,welches uns eine bleibende Vorstellung von demselben gewährt.

    Daher möge denn ein Jeder, der mit der Mineralogie sich beschäftigt, zuHülfe nehmen, was seine Gegend an Mineralen bietet. Auch die ärmste ge-währt doch Einiges, und die Anschauung dessen vermittelt wenigstens die Vor-stellung des übrigen. Das Wichtigste allmälig durch Tausch oder Kauf hinzu-zufügen, und so eine kleine Sammlung von Mineralen zu bilden, ist nicht allzuschwierig. Das Mineralcomtoir in Heidelberg und Mincralhandlungen inBerlin und Freiberg in Sachsen, sowie die Handlungen chemischer Requisiten,geben Gelegenheit zum billigen Ankauf sowohl einzelner Stücke, als auch kleinerund großer vollständiger Sammlungen. Eine Lehranstalt aber, welche diesenTheil der Naturwissenschaft in ihren Unterricht aufnimmt, muß vor allen D in-gen durch Hülfe einer Sammlung der wichtigsten Minerale demselben lebendigesInteresse verleihen. I n den Naturwissenschaften ist die beste Beschreibung dochnur eine Krücke, die man wegwirft, sobald man mit eigenen Augen ge-sehen hat.

    G i n t h e i l u n g der M i n e r a l e .

    Als eigene Mweralart oder Spec ies erkennen wir das, was durch seine 37chemische Zusammensetzung und seine Eigenschaften als ein Besonderes sichunterscheiden läßt. Die Zahl der auf diese Weise bestimmten Minerale istaußerordentlich groß und wird noch fortwährend vermehrt, und es bietet dieAnordnung und systematische Eintheilung der Minerale nicht geringe Schwierig-keiten dar. Die Pflanzen und Thiere besitzen durch die große Mannichfaltigkeitihrer Organe meist deutlich hervortretende Merkmale der Unterscheidung, wonachsich Klassen, Ordnungen, Gattungen und Familien bilden lassen, so daß z. B.ein Anfänger in der Botanik, der mit dem System vertraut ist, selbst bei nochgeringer Bekanntschaft mit der Pstanzenwelt doch im Stande sein kann, eineneue, ihm gänzlich unbekannte Wanze mit Sicherheit zu bestimmen. I n beiden

  • 26 Oryktognosie.

    Gebieten ergeben sich aus dem Fortschritt von den unvollkommenen zu den voll-kommenen Gebilden fast immer wesentlich trennende Anzeichen. Bei den Mine-ralen ist dieses keineswegs der Fal l ; alle Minerale sind gleich vollkommen. Alswesentliche Eigenschaften zu ihrer Unterscheidung hat man ihre K r y f t a l l f o r m ,ihre Dichte und Hä r te berücksichtigt, ohne daß nach einer derselben allein odnallen zusammen eine befriedigende Anordnung zu treffen wäre.

    Daher hat denn auch die älteste Eintheilung der Minerale heute noch einegewisse Berechtigung und mehrfache Geltung behalten. Man unterschied diesel-ben in vier.Klassen, nämlich: 1. S a l z e , oder lösliche Minerale; 2. S te i ne ,oder unlösliche, erdige Minerale; 3. Erze , oder Minerale der schweren Metalle;4. B renze , oder brennbare Minerale.

    Seitdem man jedoch erkannt hat, daß die Eigenschaften der Minerale be-dingt werden durch ihre chemische Zusammensetzung, so hat diese einen bedeu-tenden Einfluß auf die Eintheilung derselben gewonnen. I n der That, wirsetzen voraus, daß der Beschäftigung mit der Mineralogie, die Bekanntschaftmit der Chemie vorhergegangen ist. Ohne diese bleibt die Mineralogie meistnur eine Spielerei mit bunten Steinen. Das Studium der Chemie macht unsaber gelegentlich schon mit vielen Mineralen bekannt und erleichtert später un-gemein die Erkennung derselben. Wir legen daher bei Beschreibung der Mine-rale die chemische Eincheilung zu Grunde. Ihre Reihenfolge ist, wie die nach-stehende Uebersicht zeigt, ungefähr dieselbe, wie in der Chemie die einfachenStoffe mit ihren Verbindungen sich angeordnet finden.

    I.Klaffe der Me-

    talloide.

    Gruppe:

    1. Schwefel.2. Selen.3. Tellur.4. Arsen.S. Kohlenstoff.6. Silicium.7. Vor.

    II.Klasse der leich-

    ten Metalle.

    Gruppe:

    8. Kalium.9. Natrium.

    10. Ammonium.11. Calcium.12. Barium.13. Strontium.14. Magnesium.15. Aluminium.

    III.Klaffe der S i -

    licate.

    Gruppe:

    16. Zeolithe.17. Thone.18. Feldspathe.19. Granate.20. Glimmer.21. Serpentine.22. Augite.23. Edelsteine.

    IV.Klasse der schwe-

    ren Metalle.

    Gruppe:

    24. Eisen.25. Mangan.26. Chrom.27. Kobalt.28. Nickel.29. Zink.30. Zinn.31. Blei.32. Msmuth.33. Antimon.34. Kupfer.35. Quecksilber.36. Silber.37. Gold.33. Platin.

    V.Klaffe der orga-nischen Verbin-

    dungen.

    Gruppe:

    39. OrganischeSalze.

    40. Harze.

  • Eintheilung der Minerale. 27

    Oefter findet man auch die gasförmigen Körper und das Wasser unter 38die Minerale aufgenommen; wir haben dieses unterlassen, die Bekanntschaft mitdenselben voraussetzend.

    Wenn wir die vorstehende Anordnung für wohl geeignet halten zum S tu -dium der Minerale, so entspricht sie dagegen weniger dem Zweck, ein unbe-,kanntcs Mineral hiernach einzuordnen und zu bestimmen. Kennt man aberden chemischen Charakter der Elemente und ihrer Verbindungen bereits, so wirdman doch bald An Stande sein, ein Mineral seiner Klasse und Gruppe zu-zuweisen.

    So werden von den Mineralen der ersten Klasse die Gruppen 1 bis 5leicht durch ihre Brennbarkeit und den Geruch der Verbrennungsproducte er-kannt. Das Vorkommen des Bors als Borsäure ist selten und an wenigeOertlichkeiten gebunden. Das Sil icium bildet, als Kieselsäure unter dem Na-men Quarz, eine der verbreiteren Mineralgruppen, die durch ihre Unlöslichkeitund Härte sich auszeichnet.

    Zur Klasse der leichten Metalle gehören Minerale, deren specifisches Ge-wicht nicht über 5 geht; sie find meist ungefärbt und einige derselben lösen sichleicht in Wasser; es sind dies Salze des Kaliums, Natriums und Magnesiums;schwerlöslich ist der Gyps. Von den Uebrigm lösen sich einige mit Aufbrausenin Salzsäure, nämlich die Ca rbona te (d. i. kohlensaure Salze) des Kalks,Baryts, Strontians und "der Magnesia. Der in Säuren ganz unlöslicheSchwerspath ist sowohl durch sein großes specifisches Gewicht, als auch diegrüne Färbung erkennbar, die er der Löthrohrstamme ertheilt, wählend derStrontianspath sie purpurrot!) färbt.

    Die dritte Klasse begreift die große Anzahl der unlöslichen S i l i c a t e(d. i. kieselsaure Salze) meist aus Doppelsalzen der Thonerde mit anderen Basenbestehend. Auch hier bieten manche Gruppen sehr charakteristische Merkmale dar,wie die Austöslichkeit und das Gelatmiren in Salzsäure, das Aufschäumenbeim Erhitzen der Zeolithe, die dunkle Färbung der Augite, der eigenthümlicheGlanz der spaltbaren Blätter des Glimmers, insbesondere sind es aber hier dieKrtzstaÜgestalten, welche dis hervorragendsten Charaktere verleihen.

    Minerale, deren specifisches Gewicht über 6 ist, die dann auch weist durchlebhafte und charakteristische Färbung oder entschiedenen Metallglanz sich aus-zeichnen, gehören unzweifelhaft zur Ordnung der schweren Metalle. Häufiggiebt dann schon die Färbung eine genügende Andeutung, in welcher Gruppeein betreffendes Mineral zu Hause ist. Während die edlen Metalle durch dieSeltenheit ihres Borkommens ohnehin weniger Beschwerde machen, zeigen dieleichtreducirbaren Metalle, wie Z inn , B le i , Wismuth und Antimon ein sehrcharakteristisches Verhalten vor dem Löthrohr, und lassen sich hiernach unter-scheiden.

    Endlich geben Minerale, die beim Erhitzen sich schwärzen und nachhertheilweise oder ganz verbrennen, zu erkennen, daß sie zur Klasse der o r g a n i -

  • 28 Oryttognoste.

    schen Verb indungen gehören, wo man auch die ohnehin leicht kenntlichenharzigen Minerale zu suchen hat.

    39 Zur Bezeichnung der Minerale bedienen wir uns mit Bequemlichkeit undZweckmäßigkeit der chemischen Formeln. Es ist uns daher von Vortheil, schonmit der Chemie bekannt geworden zu sein, auf die wir hier fast bei jedemSchritte hingewiesen werden. Zur Vereinfachung der chemischen Formeln derMinerale hat man gewisse Zeichen eingeführt. Bei weitem die meisten Mineraleenthalten Sauerstoff oder Schwefel, verbunden mit einem nMmetalltschen odermetallischen Radical. Man bezeichnet nun ein Aequivalmt Sauerstoff durcheinen Punkt, ein Aequivalent Schwefel durch einen Strich, angebracht über dem

    Zeichen des Radicals. So z. B. ist X — 1 ^ 0 — K a l i u m o x y d ; 8 i - 8 i 0 g - -

    Kieselsäure; ? d - - ? d 8--Schwefelblei; 3d (oder 8d) — KdZz — fünffachSchwefelantimon u. s. w. Wenn zwei Aequivalente des Radicals vorhanden

    sind, so macht man einen Querstrich durch sein ZeicheA, folglich R s - P s - z ^ Z —

    Eisenoxyd; M --- ^ 2 Og — Aluminiumoxyd oder Thonerde. I m Uebrigenwird im Anschreiben der Formeln nach den § . 1 9 der Chemie gegebenen

    Regeln verfahren; daher ist X 8 - j - M Zs — 150 ,8 0g -s- ^ 2 ^3 ,3 8 0g —Alaun. Wie man sieht, fallen bei Verbindungen erster Ordnung die Kommahinweg und es werden mehrfache Aequivalente durch Zahlen rechts obenbezeichnet.

    M Bei der Beschreibung des A l a u n s , im §. 95 des chemischen Theiles,wurde bereits die merkwürdige, auf dem Isomorphismus (§. 22) beruhendeThatsache angeführt, daß die Basis einer Verbindung, theilweise oder gänzlichersetzt werden kann durch gewisse andere Basen, ohne daß der..Hauptcharakterdieser Verbindung, insbesondere ihre Krystallform, wesentlich verändert wird.I n der Mineralogie finden sich hierfür noch eine Menge von Beispielen, na-mentlich bei der großen Reihe der kieselsauren Doppelsalze. So bilden einer-seits Ka l i , Natron, Ammoniak und Kalk, andererseits Kalk, Magnesia, Eisen-oxydul und Manganoxydul, sowie ferner das Eisenoxyd, Chromoxyd und dieThonerde Gruppen von Metalloxyden dieser Art. Man nennt dieselben als-dann die sich vert retenden oder v icar i renden Bestandtheile einer Verbin-dung und bezeichnet dies, indem man ihre Zeichen in eine Klammer einschließt,oder unter einander reiht. Eins der auffallendsten Beispiele der Art bietet dieZusammensetzung des G r a n a t s , welche der folgenden Formel entspricht:

    (da, ^ 5 , 5 s , l l ln)3 8 i 0 - j - ( A , k s , 6 r ) 8 i .

    Wir haben demnach hier ein Doppelsilicat vor uns, bestehend einerseitsaus 1 Aequivalent Kieselsäure, verbunden mit 3 Aeq. der sich vertretenden Ba-stn Kalk, Magnesia, Eisenoxydul oder Manganoxydul; andererstits aus 1 Aeq.!

  • Beschreibung der Minerale. 29

    Kieselsäure, verbunden mit 1 Aeq. der Basen Thonerde, Eisenoxyd OderChromoxyd.

    Man bedient sich auch, um die Zusammensetzung derartiger Verbindungenkurz auszudrücken, allgemeiner Formeln, wie z.B. für den Granat der folgenden:

    Ks A - 1 - 3 8 1 ,

    indem K. eins der erstgenannten, 3 eins, der letzteren Metalloxyde vorstellt. BeiAufstellung dieser Formeln kommt es wesentlich darauf an, daß in demSauerstoffgehalt der Säuren zu dem der Basen ein bestimmtes Verhältniß statt-findet, wie es am deutlichsten aus der Betrachtung der allgemeinen FormeliiZ Z i hervorgeht. Hiernach kommen auf die 3 Aeq. Sauerstoff der Kieselsäure3 Aeq. Sauerstoff in der mit ihr verbundenen Menge von Basis, gleichviel obletztere nur aus einem einzigen Metalloxyd, oder aus einem Gemenge der obengenannten besteht.

    Aus dem Vorhergehenden folgt, daß es für eine große Reihe von Mineralenunmöglich ist, sie nach ihrer metallischen Basis im System einzureihen, und manzieht daher'vor, die sämmtlichen S i l i c a t e in einer besondern Klaffe zusam-menzustellen.

    Beschreibung der Minerale.

    Es ist uns nur gestattet, die wichtigsten Minerale in gedrängter Weise 41hier aufzuführen. Bei mehreren, wie z. B. bei den Kohlenartön, ist bereits imchemischen Theile eine ausführliche Darstellung gegeben worden, so daß mitunterdie bloße Andeutung genügt.

    Die meisten der einfachen Minerale treten im Raume nur in untergeord-netem Verhältnisse auf. Doch bilden manche, in großen. Massen gehäuft, be-deutende Theile der Erdrinde, weshalb ihrer nochmals bei den Gesteinen oderFelsarten gedacht wird.

    I n der folgenden Beschreibung bedeutet H. die Här te und D. die Dichteoder das specifische Gewicht der Minerale.

    Die Benennung der Minerale ist eine im Laufe der Zeit, ohne wissen-schaftliche Grundlage entstandene und darum ziemlich mangelhafte. Da findenwir die sonderbarsten Namen durcheinander, die theils aus der Volksspracheentliehen sind, während zugleich einige Minerale nach ihrem Fundorte, anderenach berühmten Naturforschern und nur wenige nach ihren Eigenschaften oderchemischen Bestandtheilen benannt sind. Eine Aenderung ist hierin jedoch nichtzulässig und würde die größte Verwirrung anrichte«. Haben wir doch in derChemie die Namen Wasser, Salzsäure und Soda beibehalten, anstatt die derWissenschaft entsprechenden von Wasscrstoffoxyd u. s. w. einzuführen.

  • 30 Orpktognosie.

    I . K l a s s e d e r M e t a l l o i d e .

    1. (3-ri2.pp6 ÄS3 Zoll.'VV'Gt'Olg.

    42 1 . .Gediegener Schwefel . Krystallsystem: rhombisch. Die Grund-form, das Rhomben-Octasder, kommt mit mehrfachen Enteckungen undEntkantungen vor (Fig. 48, 49 u. 50). Häufig findet sich auch krystallinische:

    oder körniger und erdiger Schwefel, seltener der faserige. Seine Spaltbarkeitist unvollkommen; der Bruch muschelig bis uneben; H. — 1,5 bis 2,5; spröde,zerbrechlich; D . — 1,9 bis 2,1. Die übrigen, namentlich chemischen Eigen-schaften des Schwefels und seine Anwendung sind in §. 40 der Chemie be-

    " schrieben worden.Der wichtigste Fundort des Schwefels ist Sicil ien, wo> er in tertiären

    Bildungen, namentlich von Kalkspath und CNestin begleitet, beiMrgenti, Fiumeu. s. w. gewonnen wird. Vorzüglich schöne Schwefelkrystalle finden sich iuConiUa bei Cadix. Bedeutend sind ferner die Lager von erdigem Schwefel beiCzarkow und Swoszowice in Polen. Außerdem giebt es in Deutschland un?dem übrigen Europa, sotvie auch in den anderen Welttheilen noch viele Orte,wo Schwefel sich findet, besonders als Anflug, in der Nähe von Vulcanen unlSchwefelquellen, die jedoch sämmtlich, in Europa wenigstens, an Reichhaltigkeitund Reinheit ihres Minerals dem sicilischen weit nachstehen.

  • I. Kl. Selen. Tellur. Arsen. Kohlenstoff. 31

    2. u.. 3.

  • 32 Oryktoglwsie. <

    brechungsvermögen und der werthvollste Edelstein. Sein Vorkommen ist vor«'zugsweise aufgeschwemmtes Land oder Trümmergestein der neueren Bildungen,in Ostindien, wo die größten Diamanten aufgefunden worden sind (in Bündel-kund, Golconda), — in Brasilien, das gegenwärtig die meisten Diamanten lie-!fcrt (Minas Geraes, Tejuco) — und in letzter Zeit wurde er auch am Uralaufgefunden. Meistens wird er aus dem Sande der Flüsse gewaschen. Das-Handelsgewicht für Diamanten ist das K a r a t , wovon 74 — 1 Loth sind;oder 1 Karat — 205 Milligramme. 1 Karat kleiner Diamanten, die gepulvertzum Schleifen oder Poliren der größeren, oder zum Glasschneiden :c. verwend-bar sind, kostet 14 bis 17, schleifbarer Rohdiamant aber 48 Gulden. 1 Karatgeschliffener Diamant (Brillant) kostet 100 bis 135 Fl . , dagegen steigt mit dnzunehmenden Größe der Preis in quadratischem Verhältniß so rasch, daß einBril lant von 5 Karat schon 2- bis 3000 F l . kosten kann. Als Seltenheitenvon fast unbezahlbarem Werthe befinden sich in den Schatzkammern verschiedenerHerrscher Diamanten von 200 bis 136 Karat. Der berühmte Diamant desGroß-Moguls Ko-hi -nur, d. i . Lichtberg genannt, wog, als er in Besitz derenglischen Krone kam, 186 Karat; der in Fig. 51 in wirklicher Größe abge-

    bildete Brillant wiegt 136. Er wirdder Regent genannt, weil er von demHerzog von Orleans, Regent vonFrankreich, für 21/2 Mill ion Frankenangekauft wurde; im Jahre 1848 ißderselbe unter dem Werthe von 6 Mil-

    " lionen Franken ins Kroninvcntar eingêtragen worden!

    2. Graph i t lRe ißb le i ^ i umd^o !findet sich in tafelartigen, dem hexago-nalen System angehörenden Krystallen,meist jedoch in Schuppen und Blättchen.H. — I b i s 2 ; D . — 1,8 bis 2,4; spalt-bar, stahlgrau bis schwarz, abfärbend,

    fettig anzufühlen. Man trifft denselben vorzugsweise eingewachsen in verschie-denen Gesteinen, wie zu Passau in Baiern, Borrowdale in England u. a.O. m.Die geringeren Graphitsorten werden zu Dfenschwärze und Schmelztiegeln, diefeineren zu Bleistiften verwendet.

    3. A n t h r a c i t , aus derben Massen von muscheligem Bruch bestehend;H. — 2 bis 2,5; D. — 1,4 bis 1,7; g raMlassung von wenig Asche. Findet sich in Lagern, mitunter von bedeutendetMächtigkeit, in den älteren Gebirgsbildungen, wie z. B. in Sachsen, am Harz.Wird mit starkem Gebläsefeuer öder Zug zu den größeren Feuerarbeiten benutzt.

    4. Schwarzkohle oder S te inkoh le , von derber Masse, schieferig,faserig, dicht oder erdig; Bruch muschelig, uneben, selten eben; Farbe schwarz,glänzend, schimmernd bis matt. H. — 2 bis 2,5; D — 1,15 bis 1,5. Voidem Löthrohr mit bituminösem Geruch und Hinterlassung von Asche verbren-

  • I . K l . Kohlenstoff. Stewkohle. Braunkohle. 33

    nend. Die Schwarzkohle enthält bis gegen 90 Procent Kohlenstoff, außerdemSauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff in wechselnden Verhältnissen; ferner mineralischeBeimengungen bis zu 20 Procent, worunter namentlich Eisenkies. Unterscheidetsich von der nachfolgenden Braunkohle, indem sie der Kalilauge keine brauneFarbe ertheilt; auch läßt sie nur selten ihre pflanzliche Abkunft erkennen.

    I n Rückficht der verschiedenen Absonderung unterscheidet man: Schiefer-kohle (Blätterkohle), derb mit blätterigem oder schieferigem,Gefüge, oft buntangelaufen; Grobkoh le , dickschieferig, auf dem Bruch uneben, grobkörnig;Faserkohle, faserig, der Holzkohle ähnlich, besonders ausgezeichnet bei Kuselin Rheinbaiern vorkommend; Känne lkoh le , dicht mit großmuscheligem Bruchund schwachem Fettglanz; Pechkohle oder Gagat, leicht zersprengbar, von un-vollkommen muscheligem Bruch, starkem Fettglanz und pechschwarzer Farbe,daher zu solcher häufig verwendet, auch zu kleinen Schmucksachen verarbeitet;Nußkohle, erdig, zerreiblich, stark abfärbend.

    Die genannten Kohlenarten finden sich meist in verschiedenen Schichtenderselben Kohlenlager, öfter wechselnd und mannichfaltige Uebergänge in einan-der bildend; Vorkommen und Verbreitung derselben wird im geologischenTheile angeführt.

    5. B r a u n k o h l e oder L i g n i t . Die Braunkohle zeigt meistens eineholzartige, ihrem Ursprung entsprechende Bi ldung, kommt auch blätterig, dichtund erdig, mit muscheligem Bruch vor. H. — 1 bis 2,5; D. — 0,5 bis 1,7.Ihre Farbe geht, von Schwarz, Braun bis zu Gelblichbraun; giebt mit Kalilaugebehandelt eine braune Lösung; verbrennt mit brcnzlichem Geruch und mehr oderweniger Aschenrückstand., Der Kohlenstoffgehalt der Braunkohle geht bis 70,höchstens 80 Procent, mit wechselnden Mengen von Sauerstoff und Wasserstoff.Arten derselben sind: b i tuminöses Holz oder fossiles Holz, mit ganz erhal-tener Holzstructur; gemeine B r a u n k o h l e , theilweise holzartig, theilweisederb, besonders häufig mit Ueberresten von Blättern, Samen, Früchten, in derWetterau (Hessen) vorkommend; M o o r k o h l e , derbe, eckig zerklüftete Masse-,Pap ie rkoh le , aus papierdünnen Blättern bestehend, kommt bei Bonn mitAbdrücken von Fischen und Blättern vor und wird zur Paraffinfabrikation be-nutzt; Pechkohle, kohlenschwarze, derbe geborstene Masse, der Steinkohle ähn-lich und selten Holzgefüge erkennen lassend, durch Druck und die Einwirkungbasaltischer Durchbrüche aus gemeiner Braunkohle entstanden, wie am Meißnerin Hessen; Erdkoh le , staubartig erdig, zerreiblich, hellbraun bis schwärzlich,zum Theil als kölnische Erde oder Umbra zu Farbe verwendet; A launerde,auch Alaunschiefer/Kohlcnschiefer und Alaunerz genannt, aus erdiger und grob-schieferiger, derber Masse bestehend, viel Eisenkies und Thonerde führend, unddaher zur Fabrikation von Vitr iol und Alaun dienend, z. B. in Buchsweiler(Elsaß).

    Ueber weitere kohlige Bildungen, wie T o r f und Humus, sowie über dievorstehend beschriebenen Minerale der Kohlenstoffgruppe, sind zu vergleichenz. 52, 211 bis 215 der Chemie.

  • 34 - Otyktognone.

    G. (3-rnpps ÄG8 8il.winrll.s. ^

    46 Das Silicium findet man im Mineralreich nur in Verbindung mit Sauer- ^stoff, als Siliciumsäure 81, von den Chemikern jedoch Kieselsäure oder Kie-!selerde genannt, nach dem bekannten Kiesel. Derselbe ist nämlich Kieselsäure, >die außerdem noch in Verbindung mit Metalloxyden eine große Reihe von Mi-neralen bildet, die unter dem Namen der S i l i c a t e in eine besondere Klaffe',vereinigt werden. Minerale, die aus reiner Kieselsäure bestehen oder nur noch .kleine Mengen färbender Oxyde enthalten, werden Quarze genannt und bilden ,eine Familie. Aus wasserhaltiger Kieselsäure bestehen der O p a l und die ihm langereihten Familienglieder. l

    F a m i l i e des Qua rz , 8 i . i

    4? Kristallsystem: hexagonal; am häusigsten kommen die in Fig. ! undFig. 2 abgebildeten Gestalten vor. Oefter findet sich jedoch der Quarz alskrystallinische, als derbe oder körnige Masse. Sein Bruch ist muschelig; H .—7;D. — 2,5 bis 2,8. Er ist entweder wasserhell oder weiß und kommt in allenFarben in dm verschiedensten Abstufungen vor. Mi t Ausnahme der Fluorwas- ^ferstoffsäure (Chemie z. 48) ist er in keiner Säure auftöslich; am Löthrohr!schmilzt er mit Soda zu durchsichtigem G l a s ; mit dem Stahl giebt er lebhafteFunken. Seine verschiedenen Arten sind die folgenden:

    1. Der Bergkrhs ta l l , der in schönen, wasserhellen sechsseitigen Säulenvon beträchtlicher Größe in den verschiedensten Gcbirgsbildungen gefunden wird.Besonders ausgezeichnet sind die aus den Höhlen des St . Gotthard kommendenKrystalle, und von außerordentlicher Größe und Reinheit hat man auf Mada-gascar Blöcke von 15 bis 20 Fuß im Umfange angetroffen. Man benutzt denKrystall zu Schmuck und als Zusatz von reinen Glasflüssen. Oefter ist erschwach gefärbt, und häufig enthält er verschiedene fremde Minerale als Blätt-chen und in anderen Formen eingeschlossen.

    2. Der Amethyst ist durch etwas Manganoxydul mehr oder wenig dun-kel violett gefärbter Quarz, der weniger in vollkommen ausgebildeten, als viel-mehr in drusig verwachsenen Krystallen vorkommt. Er findet sich vorzugsweisein Nlasenräumm des Porphyr- und Mandelsteins u.A. bei Oberstein im Nahe-thal, und da er nicht selten angetroffen wird, so ist er ein häufig zu Schmuckverwendeter Stein von geringerem Werth. I m Alterthume hielt man ̂ .M ^ M ;gen eines Amethysts für ein Mittel gegen die Trunkenheit.

    3. Gemeiner Quarz heißt der Kiesel, wenn er nicht mehr in reinenKrystallen, sondern nur krystallinisch, derb, körnig oder in Stücken, Geschieben,Körnern in der Form von Sand auftritt. Der körnige Quarz bildet theils einbedeutendes Massengestcin, den Qua rz fe l s , theils bildet er mit anderen Mine-ralen gemengte Gesteine, wie z. B. den Granit. Er ist sehr verbreitet und

  • I . K l . Quarz. Chalcedon. Achat. 35

    seine reineren Arten werden M Glas, Porzellan u. s. w. angewendet. Meistensist er weiß gefärbt, durchscheinend, doch erhalten einige Abänderungen desselbenbesondere Namen, wie der rosenrothe Rosenquarz, der blaue S i d e r i t , derSchi l lerquarz oder das Katzenauge, wegen eines eigenthümlichen SchiUernsso genannt, der A v a n t u r i n , welcher gelbe und röthliche Schuppen von Glim-mer eingemengt enthält und dadurch ein artiger Schmuckstein ist. Der Eisen-kiesel, ein thonhaltiger, durch Eisen roth oder braun gefärbter, derber oderkrystallisirter Quarz, öfter aus einer Anhäufung von kleinen Krystallsäulchenbestehend, besonders schön bei S t . Iago unter dem Namen der Hyac in thenvon Compostella vorkommend. Auch die F u l g u r i t e oder B l i tz röhren seienhier erwähnt, welche durch das Einschlagen des Blitzes in Quarzsand aus aneinander geschmolzenen Körnern bestehen, die zu röhrenförmigen Bildungen ver-einigt sind.

    4. Der Chalcedon ist ein undurchsichtiger, in kugel-, traubcn- oder nie-renförmigen Massen vorkommender Quarz, der die verschiedensten Farben undhäufig allerlei Zeichnungen enthält. Der roth- oder gelbgefärbte heißt Car-neo l , der grüne Chrysopras oder H e l i o t r o p , wenn er blutrothe und gelbePunkte eingesprengt enthält. Der schwarz und weiß gestreifte Chalcedon wirdOnyx , der roth und weiß streifige Sa rdonyx genannt.

    5. Der Achat ist ein Mineral von schöner, mannichfaltiger Färbung undZeichnung, das aus einem Gemenge mehrerer Quarzarten, insbesondere ausAmethyst, Chalcedon'und Jaspis besteht

    Die vorstehend genannten Steine werden geschliffen und polirt und zuGegenständen des Schmuckes, Perlen, Ringsteinen, sowie anderen Kunstwerkenverarbeitet. Auch werden aus dem Achat Neibschalcn zum Zerreiben harterKörper, sowie Polirsteme und Glattsteine verfertigt. Der Onyx gab schon imAlterthum das geschätzte Material zum Schneiden der Cameen, indem man seinestreifig wechselnde Färbung benutzte. I n Oberstein bei Creuznach, wo dieseSteine sich vorfinden, bildet ihre Verarbeitung eine sehr bedeutende Industrie;doch werden die schönsten Steine von auswärts bezogen. Auch versteht mandieselben künstlich zu färben, indem man sie monatelang in Honig kocht undnachher in Schwefelsäure legt.

    6. Der Feuerstein, dessen Eigenschaften bekannt sind, findet sich ingrößeren, unregelmäßigen Massen, namentlich bei Paris und in der Champagne.Seit Einführung der Zündhütchen und Reibzündhölzer hat er an Wichtigkeitbedeutend verloren.

    7. Der Hornste in ist ein dem Feuersteine etwas ähnlicher, jedoch imBruch splittrigcr, dem Hörne auffallend gleichender Quarz. Hierher gehört auchder Holzstc in, der ganz die Structur des Holzes zeigt, indem dasselbe durchEindringling von Kieselsäure versteinert worden ist.

    8. Der J a s p i s ist durch größeren Gehalt von Thonerde und Eisenoxydundurchsichtig, oft matt und von geringerem Glänze, als die vorhergehenden.Er kommt in allen Farben vor, unter welchen jedoch Gelb, Roth und Braunvorherrschen.

  • 36 Oryktognosie.

    9. Der Kieselschiefer ist ein durch Kohle' schwarz gefärbtes, aus Quarz,Thonerde, Kalk und Eisenoxyd gemengtes Mineral, das als Wetzstein und Pro-birstein (Chemie §. 107) benutzt wird.

    F a m i l i e des O p a l s , 8 i H .

    48 Der Opal bildet eine besondere Gattung des Quarz, die Wasser in chemi-scher Verbindung enthält, nicht krystaüisirt, sondern meistens in derben glas-artigen Massen vorkommt, und namentlich dadurch sich auszeichnet, daß einigeArten desselben ein eigenthümliches Farbenspiel zeigen, woher der Ausdruckopa l i s i ren , d. i. in Farben spielen, entlehnt ist. Am ausgezeichnetsten hatdiese Eigenschaft der edle O p a l , der in grünen, rochen, blauen und gelbcnFarben spielt und deshalb als werthvoller Schmuckstem sehr geschätzt wird. I ngeringerem Grade findet es beim H a l b o p a l oder gemeinen O p a l Statt, derstets nur eine Farbe zeigt. Merkwürdig ist der Hyd rophan , auch Weltaugegenannt, der Durchsichtigkeit und Farbenspiel nur dann erhält, wenn man ihnmit Wasser befeuchtet. Der b y a l i t h oder Glasopal findet sich in Gestalt was.serheller, eis ähnlicher Tropfen, die gehäuft einen niercnförmigen Ueberzug auf

    « anderem Gestein bilden.Der Kiesels inter und Kiese lguhr sind ebenfalls wasserhaltige Quarze,

    von welchen der erstere sich in mannichfaltigen Gestaltungen aus heißen Quel-len, namentlich aus dem Geyser auf Island absetzt. Der Kieselguhr ist einerdiger Absatz aus kieselhaltigen Wassern und zeigt sich bei der näheren Be-trachtung durch das Mikroskop fast ganz Ms Kieselpstänzchen, sogenanntenStabalgen oder Vacillarien bMehend. Eine Art desselben wird unter dem Na-men Po l i rsch ic fer zum Schleifen und Poliren angewendet.

    7. Q-ru.pV6 cles Vors.

    49 Findet sich selten und nur mit Sauerstoff verbunden als B o r s ä u r e ,L N 2 , in krystallinischen Blättchen und als Ueberzug der Erde in der Nähevulcamscher Quellen, ist zerreiblich; D. — 1,48, durchscheinend, weiß, säuerlich-bitter, schmilzt leicht und färbt die Flamme grün, löslich in Wasser und Wein-geist. Die Borsäure setzt sich theils am Rande, theils am Boden vulcanischerQuellen oder Seen ab, wie namentlich in denen von Sasso (daher Sassolit),Caftelnuüvo u. a. m. in Toscana, Insel Volcano.

  • I I . Kl. Salpeter. Chilisalpeter. Steinsalz. 3?

    I I . Klasse der leichten Meta l le .

    8. Oru-pps ÄS8 RHiinNS.

    Die meisten und wichtigsten der kaliumhaltigen Minerale gehören zur 50Klasse der Silicate. Von den übrigen Kalisalzen werden erwähnt:

    Der Sa lpe te r , der in rhombischen Säulen krystallifirt, in der Regeljedoch nur als nadelförmiger Ueberzug an sehr vielen Orten vorkommt (vergl.Chemie K. 74). I n größerer Menge wittert er in Ostindien, am Ganges ausdem Boden und wird durch Auslaugen der Erde gewonnen. Auch in Ungarnstellen große Salpetersiedereien in Nagy-Kallo und Debreczin aus der dort vor-kommenden Salpetererde den Salpeter dar. Das schwefelsaure K a l i , V I8 ,welches demselben Krhstallsysteme angehört, findet sich zuweilen in vulcamschenLaven.

    1. Das salpetersaure N a t r o n ( N a t r o n - S a l p e t e r , Fa§s) krystal« 31lisirt im hexagonalen System als stumpfes Rhombosder, und kommt in krystal-linischer Masse von bedeutende? Mächtigkeit vor, die sich namentlich in Peru inden Districten von Atakama und Tarapaca über 30 Meilen erstrecken in Lagernvon wechselnder Dicke, von 2 bis 3 Fuß, die fast ganz aus reinem, trockenem,hartem Salz bestehen und fast unmittelbar unter der Oberfläche des Erdreichsliegen; auch macht er an anderen Orten den Hauptgemengtheil sandiger Abla-gerungen aus. Er bildet mehr oder weniger gereinigt unter dem NamenChi l i sa lpe ter einen wichtigen Handelsartikel und wird zur Darstellung desSalpeters, der Salpetersäure und als Dungmittel verwendet.

    2. Das Ste insa lz (natürliches Kochsalz; Chlornatrium; RaOI) krystal-lisirt im regulären System als Würfel; kommt jedoch meistens in platten sonni-ger krystallinischer Masse, auch blätterig und faserig vor; sehr spaltbar nach denFlachen der Krystallform; Bruch muschelig; H . — 2 ; D . - 2 , 2 bis 2,3; Farbemeistcus weiß, mitunter auch gelb, roth, grün und blau; die chemischen Eigen-schaften und Benutzung siehe §. 78 der Chemie. Das Steinsalz kommt inLagern von verschiedener Mächtigkeit, hänsig in Begleitung von Gyps, Thon-qyps und Salzthon vor. Berühmt sind namentlich die Salzwerke von Halleinim Salzburgischen und von Wielizka in Galizien, in welch letzterem das soge-nannte Kni'stersalz sich findet, das in Waffer unter einem knisternden Ge-

  • 38 Oryktogtwsic.

    rausch und Ausstoßung vieler Blasen von Wasserstoffgas und Kohlenwasserstoff-gas sich auflöst. Die Gase sind zwischen den Kiystallflächen des Salzes einge- ,schlössen. Bei Cardona in Spanien erhebt sich ein schon im Alterthum!berühmter Salzfels 550 Fuß hoch und eine Stunde im Umfang, dessengletscherartige Spitzen und Zacken aus reinstem Salz bestehen! Besonders ^merkwürdig ist ferner die Auswitterung des Kochsalzes aus dem damit durch- ^drungenen Boden mancher Landstriche, so daß Strecken von großer Ausdehnung !mit einem krystallinisch-körnigen Ueberzug bereift erscheinen, wie die sogenann-ten Salzsteppen Mittelasiens und ähnliche Vorkommnisse im Atlas in Afrikaund in Südamerika. Auch ist der Salzseen zu gedenken, die beim VerdunstenKöchsalz absetzen und deren in der Kirgisensteppe und in der Krim mit 13 bis24 Procent Salz angetroffen werden.

    Von anderen Salzen des Natrons, die jedoch von geringerer Wichtigkeitsind, finden sich als Minerale: wasserfreies und wasserhaltiges schwefelsaures

    Natron, Thenard i t , Na.3, und G l a u b e r i t , ^ g . 8 - ^ - 1 0 1 1 ; kohlensauresN a t r o n mit viel Nasser, Ua ö - j - 10 U, und mit weniger Wasser, T r o n a ,I^g,2 i )3»s.4i l , genannt, welch letzteres im Innern der Barbarei in der Pro-vinz Sukena in großer Menge als UeberzuZ des Erdbodens, in Armenien undin den Natronseen Aegyptens vorkommt und wie Soda verwendet wird. Es istzu bemerken, daß diese Salze des Natrons an den genannten und vielen ande-Ten Orten meist in Gesellschaft sich finden, insbesondere auch gelöst in Mineral-quellen. ^

    Das boraxsaure Natron, Ä a V -s- 10 U, heißt als Mineral Borax oderT i n k a l , und findet sich in Tibet auf dem Grunde und am Ufer eines Sees-Seine Krystalle haben als Grundform die klinorhombische Säule. H. — 2,0bis 2,5. D. —- 1,5 bis 1,7.

    10. GeUOPS clS8 ^.TQNIONiM».

    52 e Da die Ammoniakverbindungen, wie in §. 84 die Chemie lehrt, flüchtigerNatur sind, so kommen sie im Mineralreiche zwar nicht eben selten, aber inhöchst unbedeutender Masse, meistens als krystallinischer Anflug oder Neberzug

    ' vor, so z.B. der S a l m i a k und das schwefelsaure Ammoniak in den Höhlenund Spalten von Lava der noch thätigen Vulcane, in Braunkohlenwerken, na-mentlich in der Nähe brennender oder ausgebrannter Lager.

    N, (3-rnppG cl.G3 O3.1oiu.ni8.

    53 Dieses Metall bildet eine reiche Gruppe von Mineralen, die bei geringerHärte und Dichte eine vorherrschend reine weiße Farbe haben. Zu bemerken find:

    1. Der F lußspa th , O a ^ I , der in den verschiedenen Formen des regu-lären Systems, besonders häufig als Würfel krystallisirt. Er ist sehr vollkom-

  • I I . K l . Anhydrit. Gyps. Apatit. 39

    men spaltbar, hat muscheligen Bruch; H. — 4 ; D. -^- 3,1 bis 3,17; er istdurchsichtig bis durchscheinend, selten weiß, sondern meistens schwach violett,gelb, grün u. s. w. gefärbt; seine chemischen Eigenschaften s. Chemie §. 48.Der Flußspath findet sich häusig, jedoch nicht in größeren Massen; er erhieltdiesen Namen von seiner Verwendung als Flußmittel bei gewissen Metall«schmelzungen. Flußstein und Flußerde heißt dasselbe Mineral, wenn es alsderbes Gestein oder als erdige Masse vorkommt.

    2. Der A n h y d r i t , ^ 8 , oder wasserfreier, schwefelsaurer Kalk, kommtiy der Nähe des Gypses und Steinsalzes, sowohl krystallisirt, als auch strahlig,kömig und dicht vor.

    3. Der G y p s , Öa 8 - j - 2 N> ist wasserhaltiger schwefelsaurer Kalk,dessen Krystalle meistens tafelförmig sind und in sehr dünne, biegsame Blättchensich spalten lassen. Sie gehören dem klinorhombischen System an und Fig. 52nnd Fig. 53 zeigen Gypskrystalle, wovon der Letztere ein Zwilling ist. H . — 2 ;

    D. — 2 bis 2,4; er hat doppelte Strahlenbrechung, Glasglanz und meistenseine weiße Farbe. Der also beschaffene Gyps wird Gypsspa th , auch Selenitoder Marienglas genannt. Außerdem findet man den Fasergyps, Schaum-gyps, den dichten oder körnigen Gyps, der Alabaster heißt, und den erdigenGyps. Seine Anwendung s. Chemie §. 87.

    4- Der A p a t i t , der wegen seiner schönen blaßgrünen Farbe auch Spar-gelstein heißt, ist ein aus phosphorsaurem Kalk, Fluor- und Chlorcalcium zu-

    !01sammengesetztcs Mineral, entsprechend der Formel: ZOa.sl ' - j - Oa ^ . Dasselbekrystallisirt hexagonal meist in Gestalt kurzer säulenförmiger, bis dick tafelför-miger Krystalle, mitunter von übermäßigem Reichthum der Combiuationsfiächen.Er findet sich öfter eingemengt in verschiedenen Felsarten. Ein erdiger Apatit,Osteol i th (Knochenstein) genannt, der in der Wetterau vorkommt, enthält86 Proc. phosphorsauren Kalk und ist daher als Dungmittel in Vorschlag ge-bracht worden.

  • 40 Oryktognosie.

    5. Der P h a r m a k o l i t h ist arseniksaurer Kalk, ( ^ X s - s - S I I , findet sichin meist farblosen haar- und nadelförmigen Krystallen in der Nachbarschaft desArsens und arsenhaltiger Erze. '

    6. Kohlensaurer Ka l k , C a l c i t , ^ 2 . 0 :

    54 Dieses Mineral bietet ein Beispiel des Dimorphismus, indem es in For-men krystallisirt, die zwei verschiedenen Systemen angehören, weshalb seineArten zwei Familien bilden, nämlich die des Kalkspaths und die des Arragonits.

    1. Der Ka lkspath krystallisirt im hexagonalen System, vorzugsweise inAbänderungen des Rhombosders, die jedoch so außerordentlich mannichfaltigfind, daß man schon an 700 verschiedene Formen desselben beobachtet hat.Glücklicherweise find die übrigen Merkmale des Kalkspaths der Art , daß er fichziemlich leicht erkennen läßt. Er ist vollkommen spaltbar, hat einen muscheligen,splitterigen, unebenen Bruch; H. ---- 3 ; D. - - -2 ,6 bis 2,17; wird beim Neibenelektrisch; löst sich in starken Säuren unter Aufbrausen der entweichenden Koh-lensäure, und wird durch Glühen in ätzenden Kalk verwandelt (Chemie §. 86).Seine verschiedenen Arten sind: