Nadeldekompression des Pneumothorax im Kindesalter ...· Nadeldekompression des Pneumothorax im Kindesalter

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  • Einleitung:

    Der Spannungspneumothorax im Kindesalter stellt einen seltenen aber lebensbedrohlichen Zustand dar, der einer unmittelbaren Behandlung bedarf. Empfehlungen bezüglich der Nadeldekompression bei Kindern sind rar und hauptsächlich aus der Literatur für Erwachsene übertragen. Diese CT-basierte Studie untersucht die Dicke der Brustwand und das Risiko punktionsbedingter, akzidenteller Verletzungen intrathorakaler Organe und Gefäße bei Kindern.

    Material und Methoden:

    Anhand vorliegender CT-Aufnahmen von Kindern im Alter von 0, 5 und 10 Jahren wurden die Dicke der Brustwand und der Abstand zur nächstgelegenen intrathorakalen vitalen Struktur (Herz, Thymus, Vena cava inferior und superior, Aorta, Pulmonalgefäße, Zwerchfell) gemessen. Als Punktionsorte wurden der 2. Interkostalraum (ICR) in der Medioklavikularlinie (MCL) in sagittaler Punktionsrichtung und der 4. Interkostalraum in der anterioren Axillarlinie (AAL) in zur Thoraxwand senkrechter Punktionsrichtung untersucht. Aus der Differenz zwischen Abstand zur nächstgelegenen vitalen Struktur und der Brustwanddicke wurde die „Intrathorakale Sicherheitszone“ errechnet. Diese repräsentiert die Distanz vom Durchtritt durch die Pleura bis zum Erreichen der vitalen Struktur. Abbildung 1 zeigt eine graphische Darstellung der durchgeführten Messungen.

    Abbildung 1: Graphische Darstellung der durchgeführten Messungen, 4. ICR AAL

    Tabelle 2: Altersstruktur der in die Auswertung eingeschlossenen Patienten

    Nadeldekompression des Pneumothorax im Kindesalter - Brustwanddicke und Tiefe zu vitalen Strukturen

    Rudolph M1,2, Leonhard G1, Wessel L3, Viergutz T1, Schoeler M1, Haubenreisser H4, Terboven T1 1 Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Universitätsmedizin Mannheim

    2 DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG, Filderstadt, Germany 3 Klinik für Kinderchirurgie, Universitätsmedizin Mannheim

    4 Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin, Universitätsmedizin Mannheim

    Kontakt: marcus.rudolph@umm.de

    marcus.rudolph@drf-luftrettung.de

    12. Notfallsymposium der AGNN in Lübeck-Travemünde – NOSTRA 2019

    Ergebnisse:

    In die Untersuchung eingeschlossen wurden 139 Kinder. Tabelle 1 zeigt die demographischen Daten. Die Brustwanddicke war in allen drei Altersklassen im 4. ICR AAL geringer als im 2. ICR MCL. Signifikant war dieser Unterschied jedoch nur bei den 5- und 10-jährigen Kindern (Abbildung 2). Die „Intrathorakale Sicherheitszone“ war in allen Altersklassen auf beiden Seiten des Thorax im 4. ICR AAL geringer als im 2. ICR MCL. Mit Ausnahme des rechten Thorax bei den 5- und 10-jährigen Kindern war dieser Unterschied signifikant (Abbildung 3). Allerdings ist in der Abbildung auch zu erkennen, dass vor allem bei den 0- und 5-jährigen Kindern der Abstand der vitalen Strukturen zur Thoraxwand zum Teil sehr gering war. In der Gruppe der Säuglinge fand sich der Thymus in 3 Fällen im 2. ICR MCL direkt der Thoraxwand anliegend. Bei einem 5 Jahre alten Kind war der linke Ventrikel im 2. ICR MCL direkt der Thoraxwand anliegend. Darüber hinaus führten im 2. ICR MCL links schon geringe Abweichungen der Punktionsrichtung nach medial zu einem deutlich erhöhten Verletzungsrisikos des linken Ventrikels (8/50).

    Abbildung 2: Brustwanddicke in cm.

    Abbildung 3: Intrathorakale Sicherheitszone in cm.

    Schlussfolgerung:

    Aus der Nähe des linken Ventrikels (in allen untersuchten Altersklassen) und des Thymus (bei Säuglingen) zum Punktionsort 2. ICR MCL lässt sich ein hohes Verletzungsrisiko bei blinder Punktion ableiten. Als Alternative bietet sich daher der 4. ICR AAL an. Kenntnisse über die zu erwartende notwendige Punktionstiefe sind hier aber aufgrund der engen räumlichen Verhältnisse essentiell. Eine Point-of-Care Ultraschalluntersuchung zur Bestätigung des Pneumothorax und zur Abschätzung der Brustwanddicke sollte bei Kindern vor einer Nadeldekompression wann immer möglich erfolgen.

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    mailto:marcus.rudolph@umm.de mailto:marcus.rudolph@drf-luftrettung.de