Politikwissenschaftliche Einstellungsforschung: Der Einstellungsbegriff Siegfried Schumann

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    05-Apr-2015

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<ul><li> Folie 1 </li> <li> Politikwissenschaftliche Einstellungsforschung: Der Einstellungsbegriff Siegfried Schumann </li> <li> Folie 2 </li> <li> 2 Der Einstellungsbegriff im Alltag Beispiele:Einstellung Einstellung zu Hillary Clinton / Barack Obamazu anderen Menschen positive Grundeinstellung ( fhrt zum Erfolg)zum eigenen Selbst linke politische Einstellung zu abstrakten Begriffen positive Einstellung zur Genforschungzu politisch/gesellsch. Fragen negative Einstellung zur Chemiefabrik nebenanzu konkreten Objekten positive Einstellung zu Spitzenverdienernzu (sozialen) Gruppen positive Einstellung zum BundesverfassungsgerichtRichtung von Einstellungen extreme Zuneigung zum RadsportExtremitt von Einstellungen gesundheitsgefhrdende Einstellung zum RauchenEigenschaften von anachronistische Einstellung zur Rolle der Frau Einstellungen </li> <li> Folie 3 </li> <li> 3 Zentralitt des Einstellungsbegriffs "Von Thomas und Znanieki, den 'Vtern' des heutigen Einstellungsbegriffs, wurde die Sozialpsychologie gleichgesetzt mit der Erforschung sozialer Einstellungen..." (Meinefeld 1977: 11; Hervorhebung durch den Verf.) "Das Konzept der Einstellung 'gehrt wahrscheinlich zu den bedeutendsten und unentbehrlichsten Konstrukten in der zeitgenssischen amerikanischen Sozialpsychologie' (Allport 1954, S. 43). Dies trifft nicht nur auf die Sozialpsychologie Amerikas Mitte der 50er Jahre zu, sondern gilt in gleichem Mae auch fr die gegenwrtige Sozialpsychologie (z.B. Eagly u. Chaiken 1993; Olson u. Zanna 1993)". (Stahlberg u. Frey 3 1996: 219) </li> <li> Folie 4 </li> <li> 4 Zwei Entwicklungslinien: (nach Fleming 1967) "Die ltere..., die sich auf eine Verffentlichung von Darwin im Jahre 1872 zurckfhren lsst, verstand unter Einstellung die physiologische Bereitschaft des Krpers, in bestimmter Weise zu handeln" (Meinefeld 1977: 12) - physiologische Erscheinung / physiologisch nachzuweisen - krperliche Ein-Stellung "Der Versuch von Thomas und Znanieki in den USA (1918) in ihrer Arbeit ber die polnischen Bauern in Europa, den Begriff der Einstellung... methodisch zu fassen, war erfolgreicher. Sie lsten seine Bindung an physiologische Prozesse". (Leithuser 1979: 137) - Loslsung bis heute akzeptiert, aber: physiologische Entsprechungen denkbar! - Abkoppelung von der Problematik physiologischer Messungen - Einstellungen z.B. ber Befragungen messbar! </li> <li> Folie 5 </li> <li> 5 Grundbestandteile einer Einstellungsdefinition Bezug auf ein Objekt erstmals: Thomas und Znanieki Unterschied I zur Persnlichkeitseigenschaft! Affektive Komponente Unterschied II zur Persnlichkeitseigenschaft! oft ergnzt durch weitere Komponenten Valenz (Richtung) + Strke Zumindest mittelfristige zeitliche Stabilitt im Regelfall! Punktuell kurzfristige Einstellungsnderungen mglich Erlernt! nicht: vererbt; aber: z.B. Einstellung gegenber Schlangen offenbar vererbt! in neuerer Zeit auch: Konstruiert! Verhaltensteuernd! Diskussion, inwiefern dies zutrifft (Studie von LaPierre) Problem: Rolle von zustzlichen Einflssen (situational, planvolles Handeln, Werthaltungen, andere Einstellungen ) </li> <li> Folie 6 </li> <li> 6 3-dimensionale Anstze Bekannte Vertreter: Eagly/Chaiken (1993): Einstellung als ein erschlossener Zustand, wobei die bewertenden Reaktionen in drei Klassen (kognitive, affektive und verhaltensbezogene) unterteilt sind. beobachtbar kognitive Reaktionen Stimuli, die ein affektive Einstellungsobjekt anzeigen Reaktionen verhaltensbezogene Reaktionen nach: Eagly und Chaiken (1993: 10) Einstellun g erschlossen </li> <li> Folie 7 </li> <li> 7 Zum Ansatz von Eagly und Chaiken Einstellung bezeichnet eine psychologische Tendenz, die sich durch eine mehr oder weniger positive oder negative Bewertung eines Objekts ausdrckt. psychologische Tendenz bezieht sich dabei auf einen inneren Zustand der Person und Bewertung auf alle Klassen bewertender Reaktionen, seien sie offen oder verdeckt, kognitiv, affektiv oder verhaltensbezogen. (Eagly u.a. 1993: 1) kognitiv: Gedanken oder Vorstellungen, oft berzeugungen affektiv: Empfindungen, Stimmungen, Gefhle + Aktivitten des sympathischen Nervensystems; meist zentrale Stellung! verhaltensbezogen / konativ: sichtbares Verhalten + Handlungsintentionen </li> <li> Folie 8 </li> <li> 8 Beispiel Einstellungsobjekt: Angela Merkel kognitive bewertende Reaktion(en) - Es ist gut, dass eine Frau das Bundesklanzler-Amt innehat - Frau Merkel ist eine kluge Taktikerin - Frau Merkel ist machthungrig und intrigiert (z.B. Friedrich Merz) affektive bewertende Reaktion(en) - uerung: Frau Merkel ist mir sympathisch - physiologische Reaktionen (z.B.: EDA; ohne Richtung: pos./neg.) verhaltensbezogene bewertende Reaktion(en) - Die Miene einer Testperson verfinstert sich, wenn sie Frau Merkel (Bild) sieht. - Eine Testperson reit ein Wahlplakat mit dem Bild von Frau Merkel ab. - Eine Testperson hat die Intention, Frau Merkel im Wahlkampf zu untersttzen (Zweifelsfall!) - ev. Einschrnkung: zeitlich zurckliegende Verhaltensweisen gegenber einem Einstelungsobjekt (Haddock/Maio in: Jonas/Stroebe/Hewstone 2007: 193) </li> <li> Folie 9 </li> <li> 9 Messung fr Parteien: affektive Komponente </li> <li> Folie 10 </li> <li> 10 Messung fr Parteien: eine kognitive Komponente </li> <li> Folie 11 </li> <li> 11 Messung fr Parteien: eine konative Komponente </li> <li> Folie 12 </li> <li> 12 Zusammenhang der drei Komponenten fr Parteien nach Rohmert (2006: 32) </li> <li> Folie 13 </li> <li> 13 Messung II: kombinierte Erfassung d. Komponenten </li> <li> Folie 14 </li> <li> 14 Messung II: Andere Beispiele (fr komb. Erfassung) </li> <li> Folie 15 </li> <li> 15 Messung II: Parteienverdrossenheit (Likert-Skala) Schumann (2001: 725) </li> <li> Folie 16 </li> <li> 16 Schwierigkeiten bei 3-dimensionalen Anstzen Konsistenztheorem bereinstimmung (affektive/kognitive/verhaltensbezogene Komponente) wird meist unterstellt Empirische Ergebnisse sprechen eher gegen eine pauschale Konsistenzannahme Meprobleme eindimensionale Messung! bei Verhaltensreaktionen (i.d.R. Grundlage der Messung!): instrumentelles Verhalten / Interpretation des Verhaltens Erklrung von Verhalten verhaltensbezogene Komponente in der Einstellungsdefinition Gefahr zirkulrer Argumentation Eindimensionaler Ansatz vermeidet diese Schwierigkeiten weitgehend </li> <li> Folie 17 </li> <li> 17 Der eindimensionale Ansatz nach Fishbein I Einstellung bezeichnet eine erlernte Disposition, auf ein Objekt oder eine Klasse von Objekten positiv oder negativ zu reagieren (Fishbein 1965: 107) Hiervon streng unterschieden: berzeugungen / Meinungen (beliefs) bezeichnen Hypothesen bezglich der Natur dieser Objekte und der ihnen gegenber angebrachten Handlungsweisen (Fishbein 1965: 107) Verhalten bzw. Verhaltensintentionen gegenber dem Einstellungsobjekt sind nicht Bestandteil der Einstellungsdefinition! </li> <li> Folie 18 </li> <li> 18 Der eindimensionale Ansatz nach Fishbein II Theoretischer Ansatz im berblick: 1. Einstellungsobjekt Merkmale 2. Merkmale wertende Reaktionen (Einstellungen) 3. Aufsummierung der wertenden Reaktionen, gewichtet mit wahrgenommenen "Strke der Verbindung" 4. Objekt aufsummierte (gewichtete) wertende Reaktionen 5. knftig: Objekt aufsummierte (gewichtete) wertende Reaktionen Die Einstellung eines Individuums gegenber einem Objekt kann durch folgende Funktion vorhergesagt werden: Einstellung zu dem Objekt = wobei statt "ist gleich" besser "direkt proportional" gesetzt werden sollte (vgl. auch Ajzen 1996: 32) B i = Strke der berzeugung i bezglich des Objekts (Wahrscheinlichkeit: Objekt Merkmal) a i = Strke der (positiven oder negativen) Bewertung des zugeordneten Merkmals (=Einstellung!) </li> <li> Folie 19 </li> <li> 19 Beispiel Einstellungs-MerkmalBewertung (a i ) objekt Frau im Bundeskanzler-Amt ++ kluge Taktikerin + machthungrig - - intrigant - - - Angela gegen EU-Beitritt der Trkei - Merkel trgt Hosenanzge o hat ihr Auftreten verbessert + Ost-Sozialisation + Physikerin ++++ Vater war Pfarrer + Kohls Mdchen - - _______ ++ Resultante = Einstellung zu Angela Merkel Gewichtung (B i ) </li> <li> Folie 20 </li> <li> 20 Ergnzung zum Beispiel Bei knftigen Gelegenheiten: Einstellungsobjekt aufsummierte wertende Reaktion </li> <li> Folie 21 </li> <li> 21 Vorzge des eindimensionalen Ansatzes Verzichtet auf Konsistenzannahme (innerhalb und zwischen Komponenten) bereinstimmung zwischen Theorie und Messinstrumenten Vereinheitlichung der Forschungslandschaft (Skalometer!) analytische Klarheit (z.B. Strukturen / Verhaltenserklrung) kompatibel mit mehrdimensionalen Anstzen kompatibel mit konstruktivistischer Sichtweise Erklrung sonst schwer erklrbarer Phnomene Experiment: Skilehrer Aber auch Schwierigkeiten: Einstellungsebene wird nicht verlassen! Frage nach der Genese von Einstellungen bleibt letztlich offen! </li> <li> Folie 22 </li> <li> 22 Weitere theoretische Vorentscheidungen Rolle der zeitlichen Stabilitt von Einstellungen i.d.R. nur ein Messzeitpunkt! Bercksichtigung der zeitlichen Komponente bei der Messung: mehrere Messzeitpunkte (Aufwand / keine Kurzfristerhebung / Reliabilitt?) Frage mit Zeitkomponente (verlsslich?) Fremdurteile / Dauerbeobachtung (Aufwand / verlsslich?) theoretisches Konstrukt oder Phnomen mit physiologischer Grundlage? nur Beschreibung vs. Erklrung uni- oder bipolar? Beispiel: Was halten Sie so ganz allgemein von Angela Merkel berhaupt nichts (0) (11) sehr viel sehr wenig (-5) (+5) sehr viel </li> <li> Folie 23 </li> <li> 23 Generelles Problem: Eindimensionalitt? Sympathie fr das Einstellungsobjekt: sehr sympathisch sehr unsympathisch (-5 +5) Vorstellung vom empirischen Relativ! sympathisch unsympathisch groe Ambivalenz keine Ambivalenz </li> <li> Folie 24 </li> <li> 24 Ermittlung der Strke von Einstellungen Extremitt einer (geuerten) Einstellung Geschwindigkeit, mit der die Einstellung zu einem Objekt salient wird Grad der Konsistenz zwischen affektiver, kognitiver und verhaltensbezogener Komponente Grad der Konsistenz der Kognitionen (Tendenz: positiv vs. negativ) Physiologische Messungen (z.B. elektrodermale Aktivitt; bloe Erregung ohne Richtung) </li> <li> Folie 25 </li> <li> 25 Einstellung und Verhalten: Vorbemerkungen klare Trennung Einstellung Verhalten nur im eindimensionalen Modell mangelnde Reliabilitt der Instrumente Unterschtzung von Korrelationen 2 x Selbstbeschreibungen berschtzung der Korrelationen zustzliche Einflsse auf Verhalten, z.B.: situationale Einflsse planvolles Handeln (taktisches Whlen, instrumentelles Verahlten ) Moderatorvariablen (unter welchen Bedingungen treten Korrelationen auf?) Drittvariablenkontrolle! </li> <li> Folie 26 </li> <li> 26 Theory of Reasoned Action (TORA) nach: Ajzen/Fishbein (1980: 8) Zur Vorhersage bereinstimmung: in der Art des Verhaltens (action), des Objekts (target), der Rahmenbedingungen (context) und des Zeitpunkts (time element) - The persons beliefs that the behavior leads to certain outcomes - and his evaluations of these outcomes - The persons beliefs that specific individuals or groups think he should or should not perform the behavior - and his motivation to comply with the specific referents IntentionBehavior Attitude toward the behavior Relative importance of attitudinal and normative considerations Subjective norm </li> <li> Folie 27 </li> <li> 27 Fazit Unterschiedliche Einstellungsdefinitionen! Wahl der Einstellungsdefinition hat Konsequenzen fr die theoretische Argumentation (z.B.: Verhaltenserklrung!) die Analysemglichkeiten (z.B.: Einstellungsstrukturen!) die Messung (z.B.: Skalometer!) Theoretische Argumente sprechen eher fr eindimensionalen Ansatz Am hufigsten verwendet: Dreidimensionaler Ansatz </li> <li> Folie 28 </li> <li> 28 Vielen Dank fr Ihre Aufmerksamkeit! </li> </ul>

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