Probleme und der Messung von Kultur - interculture ?· Einzelnen wahrscheinlich auch positiver aus als…

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  • 2007

    I Jahrgang 6 I Ausgabe 5 I www.interculture-journal.com

    online-Zeitschrift fr Interkulturelle Studien

    Herausgeber:Jrgen BoltenStefanie Rathje

    Inhalt

    Helene HaasProbleme der kulturvergleichenden

    Umfrageforschung

    Alexander JanzerKulturwissenschaftliche

    Probleme internationalerManagementforschung

    Daniela GrschkeKulturelle Unterschiede

    im Selbstkonzept Ein Differenzierungsschema

    Petra BuchwaldTobias Ringeisen

    Wie bewltigen Lehrer interkulturelleKonflikte in der Schule?

    Eine Wirksamkeitsanalyse im Kontextdes multiaxialen Coping-Modells

    Probleme undMglichkeiten

    der Messungvon Kultur

  • Herausgeber:Prof. Dr. Jrgen BoltenProf. Dr. Stefanie Rathje

    Wissenschaftlicher Beirat:Prof. Dr. Dr. h.c. Rdiger Ahrens (Wrzburg)Prof. Dr. Manfred Bayer (Danzig)Prof. Dr. Klaus P. Hansen (Passau)Prof. Dr. Jrgen Henze (Berlin)Prof. Dr. Bernd Mller-Jacquier (Bayreuth)Prof. Dr. Alois Moosmller (Mnchen)Prof. Dr. Alexander Thomas (Regensburg)

    Chefredaktion und Web-Realisierung:Mario Schulz

    Editing:Susanne Wiegner

    Fachgebiet:Interkulturelle WirtschaftskommunikationFriedrich-Schiller-Universitt Jena

    ISSN: 1610-7217www.interculture-journal.com

  • Vorwort der Herausgeber

    Probleme der kulturvergleichendenUmfrageforschung

    Helene Haas

    Kulturwissenschaftliche Probleme internationalerManagementforschung

    Alexander Janzer

    Kulturelle Unterschiede im Selbstkonzept:Ein Differenzierungsschema

    Daniela Grschke

    Wie bewltigen Lehrer interkulturelleKonflikte in der Schule?Eine Wirksamkeitsanalyse im Kontextdes multiaxialen Coping-Modells

    Petra BuchwaldTobias Ringeisen

    Inhalt

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    71

  • Vorwort der Herausgeber

    1 Interculture Journal 2007 | 5

    Kann man Kulturen messen? Diese Frage beschftigt die inter-kulturelle Forschung seit ihren Anfngen. Die praktischen Mass-tabellen kulturvergleichender empirischen Forschung (z.B. Hofstedes Dimensionsmodell), gelten fr die einen als hilfreiches Instrument zum Umgang mit kulturellen Unterschieden, fr die anderen als unzulssige Reduktion einer nicht in Zahlen fassba-ren kulturellen Komplexitt.

    Pnktlich zum Jahresende 2007 prsentieren wir Ihnen daher eine neue Ausgabe von interculture journal, die unter dem Titel Probleme und Mglichkeiten der Messung von Kultur vier Artikel aus unterschiedlichen Disziplinen versammelt, die sich direkt oder indirekt auf kritische Weise mit der Messbarkeit von Kulturen auseinandersetzen oder auf bekannten Modellen der kulturvergleichenden Forschung aufbauen, um diese sinnvoll anzuwenden oder zu erweitern. Als interdisziplinr ausgerichte-te Fachzeitschrift mchte intercuture journal beiden Stand-punkten ein Forum bieten und zum methodischen Austausch zwischen den Anstzen beitragen.

    Die Kulturwissenschaftlerin Helene Haas, Doktorandin an der Universitt Passau, untersucht systematisch die methodischen Probleme kulturvergleichender Umfrageforschung und argu-mentiert nachdrcklich gegen eine unkritische Rezeption empi-risch ermittelteter Kulturdimensionen la Hofstede.

    Der Beitrag von Diplom-Kulturwirt Alexander Janzer fhrt diese Gedanken weiter und untersucht kulturwissenschaftliche Prob-leme der internationalen Managementforschung, die ihrerseits methodisch besonders hufig auf kulturvergleichende Umfra-geforschung zurckgreift.

    Die Diplom-Psychologin Daniela Grschke setzt mit ihrem Aritkel demgegenber auf Hofstedes Kulturdimensionen auf, um die Auswirkungen kultureller Prgung auf den Bereich individueller Selbstkonzeption zu untersuchen und das Modell sinnvoll zu erweitern.

    Die Erziehungswissenschaftlerin Petra Buchwald und der Psycho-loge Tobias Ringeisen verwenden in ihrem Beitrag Hofstedes vierdimensionales Kulturmodell als Ausgangspunkt zur Darstel-lung kultureller Einflsse im Denken und Fhlen von Lehrenden und Schlern, um auf dieser Basis Bewltigungsstrategien von Lehrenden im interkulturellen Kontext zu untersuchen.

    Die Herausgeber bedanken sich an dieser Stelle bei allen Auto-rinnen und Autoren und freuen sich auf zahlreiche weitere Bei-trge fr zuknftige Ausgaben von interculture journal.

    Stefanie Rathje und Jrgen Bolten, Jena im Dezember 2007

    Vorwo rt de r Herausgeber

  • Vorwort der Herausgeber

    Interculture Journal 2007 | 5 2

  • Haas: Probleme der kulturvergleichenden Umfrageforschung

    Interculture Journal 2007 | 5 3

    Abst rac t

    This paper calls attention to important methodological prob-lems in cross-cultural survey research and questionnaire con-struction. Different sorts of bias limit the comparability of data: respondents give socially desirable rather than true answers, their cultural response-sets show different tendencies toward acquiescence and extreme-response checking, they have differ-ent denotations and connotations of key expressions in mind and find some items ambiguous or perceive them as double-barrel questions. The most severe limitations to comparative validity lie in the difficulty of finding equivalent translations for questionnaires. Scalar equivalence is related both to translation and cultural response-sets. Adequate sampling is an additional challenge to comparative cross-cultural studies. Cross-cultural survey researchers recommend a wide range of validation pro-cedures, but a unified and secured methodology has yet to be developed. Until that time, statements about cultural differ-ences should not be accepted uncritically by researchers or the public.

    1. Methodische Probleme beim Kulturvergleich

    Kulturvergleichende Studien erfreuen sich bereits seit Jahrzehn-ten stetig wachsender Beliebtheit. Das ffentliche Interesse ist gro, entsprechend stark stieg die Forschungsaktivitt in die-sem Bereich an (Berry et al. 2002:6f).

    Wie aber steht es mit der Validitt der wissenschaftlich ermittel-ten Kulturbeschreibungen? Vielfach ist nicht bekannt, dass sich der Forschungsbereich bislang noch auf kein ausgereiftes In-strumentarium zur Untersuchung kulturbedingter Unterschiede sttzen kann. Kaase (1999:59) bezeichnet die international ver-gleichende Sozialforschung als keineswegs befriedigend. Das Desiderat eines gesicherten methodischen Regelwerks fr den Kulturvergleich besteht schon lange (Berry 1980:1), doch die Debatte zur seiner Entwicklung kommt zu keinem Ergebnis.

    Je nach fachlicher Provenienz untersuchen kulturvergleichende Forscher ihren Gegenstand mit unterschiedlichen Instrumenten. Von allen Methoden kommt natrlich aus Grnden der Prak-tikabilitt die Umfrage am hufigsten zum Einsatz (Porst 2000:16). Dieser Beitrag konzentriert sich daher auf die Prob-lemfelder der kulturvergleichenden Umfrageforschung im Be-reich der Fragebogenentwicklung und der Auswahl von Test-personen. Wichtig sind hier der Einfluss sozialer Erwnschtheit auf das Antwortverhalten der Befragten, kulturbedingt unter-schiedliche Antwortstile, sprachliche quivalenzprobleme bei der bersetzung und Skalenerstellung, divergierende Interpre-

    P robleme der kul tu r-ve rgleichenden Umfra-geforschung

    Helene Haas

    Diplom-Kulturwirtin, Doktorandin an der Universitt Passau

  • Haas: Probleme der kulturvergleichenden Umfrageforschung

    Interculture Journal 2007 | 5 4

    tationen von Schlsselbegriffen sowie unklare oder mehrdimen-sionale Formulierungen. Auch die Form der Stichprobe beein-flusst die Qualitt einer kulturvergleichenden Umfrage.

    2. Soziale Erwnschtheit

    Eine Befragung sammelt Daten in Form von Meinungen der Probanden. Damit sttzt sich die Umfrageforschung auf Aus-sagen, die zum Groteil nicht objektiv berprfbar sind. Test-personen neigen dazu, von der Wahrheit abweichende Anga-ben zu machen, um sich in besseres Licht zu rcken. Viele von ihnen wollen vermeintlichen Erwartungshaltungen entsprechen und negative Reaktionen auf ihr Verhalten von Seiten des Inter-viewers minimieren (Diekmann 2004:383). Aus diesem Grund machen sie verstrkt Aussagen, die anerkannten Meinungen entsprechen, whrend abweichende Einstellungen eher ver-schwiegen werden (Smith 2004b:439). Von der Auenwirkung abgesehen, fllt das im Bewusstsein gespeicherte Selbstbild des Einzelnen wahrscheinlich auch positiver aus als das Fremdbild, das andere sich von ihm machen.

    Dieses Phnomen wird im Deutschen als soziale Erwnschtheit bezeichnet, in englischsprachigen Publikationen ist von social desirability die Rede. Scholl (1993:70) spricht von einer Strate-gie der Selbstprsentation, Hui (2001:23) von Eindrucksma-nagement. Shavitt et al. (2004:11f) unterscheiden zwischen absichtlichem Eindrucksmanagement (impression management), also der bewussten Korrektur von Aussagen zur Erhhung des eigenen sozialen Ansehens, und einer selbsttuschenden Ver-besserung (self-deceptive enhancement). Hier glaubt der Be-fragte selbst an die berhhte Darstellung der eigenen Person.

    Soziale Erwnschtheit tritt immer dann auf, wenn in Umfragen sensible Themen angesprochen werden. Vor allem aber in der kulturvergleichenden Fragebogenforschung stellt das Phno-men eine schwerwiegende Fehlerquelle dar (Johnson / van de Vijver 2003:197), da die systematische Ergebnisverzerrung durch soziale Erwnschtheit in einzelnen Kulturkreisen unter-schiedlich ausfllt. Aufgrund unterschiedlicher Wertorientie-rungen haben die Probanden variierende Idealvorstellungen menschlichen Verhaltens und korrigieren ihre Aussagen folg-lich auch in verschiedene Richtungen (Scholl 1993:67, Smith 2004b:439). Nicht nur die Richtung, sondern vor allem auch die Strke der Modifikation von An