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  • Qualitative Methoden der Kultur- und SozialanthropologieQuelle: http://www.univie.ac.at/ksa/elearning/cp/produktion//qualitative/qualitative-titel.htmlErnst Halbmayer und Jana SalatInstitut fr Kultur- und Sozialanthropologie, Universitt Wien

    Kapitelbersicht1 Was ist ein Forschungsprojekt?1.1 Inhaltlich-methodische Voraussetzungen eines Forschungsprojekts1.2 Literatur2 Arten des Schlussfolgerns2.1 Induktives Schlussfolgern2.2 Deduktives Schlussfolgern2.3 Abduktives Schlussfolgern3 Sampling3.1 Theoretisches bzw. gezieltes Sampling3.2 Literatur4 Daten und Artefakte4.1 Qualitative und quantitative Daten4.2 Formen qualitativer Datendokumentation und Arten qualitativer Daten4.2.1 Schreiben4.3 Selbst erhobene und bereits vorliegende Daten4.4 Institutionelle Archivierung kultur- u. sozialanthropologischer Artefakte und Daten4.4.1 Eine Auswahl ethnographischer Museen4.4.2 Phonogrammarchiv4.4.3 Institut fr Kultur- und Sozialanthropologie5 Der Prozess der Datenerhebung5.1 Strategien der Datenerhebung5.1.1 Formen der Beobachtung5.1.1.1 Standardisierte Formen der Beobachtung5.1.1.1.1 Nicht standardisierte Formen der Beobachtung5.1.1.2 Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung5.1.1.2.1 Beobachtungsrollen5.1.1.3 Direkte und indirekte Beobachtung5.1.1.4 Offene und verdeckte Beobachtung5.1.1.5 Literatur5.1.2 Formen von Befragungen5.1.2.1 Unterscheidungskriterien qualitativer Interviews5.1.2.1.1 Strukturierung5.1.2.1.2 Einzel- vs. Gruppeninterviews/Diskussionen5.1.2.1.3 Form und Medium der Befragung5.1.2.1.4 Stil der Kommunikation5.1.2.1.5 Frageformen5.1.2.1.6 Zielsetzung5.1.2.2 Beispiele fr qualitative Interviewverfahren5.1.2.2.1 Biographische Interviews5.1.2.2.2 Formen informeller Gesprche5.1.2.2.2.1 Das rezeptive Interview5.1.2.2.2.2 Das ero-epische Gesprch5.1.2.2.3 Formen formeller Interviews5.1.2.2.3.1 Das ExpertInneninterview5.1.2.2.3.2 Das problemzentrierte Interview5.1.2.2.3.3 Das narrative Interview

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  • 5.1.2.2.4 Das ethnographische Interview5.1.2.3 Formen der Transkription von qualitativen Interviews5.1.2.4 Literatur zum Thema Befragungen5.1.3 Methodentriangulation5.2 Ethnographie als Prozess der Datenerhebung5.2.1 Forschungsdesign klassischer Ethnographien5.2.1.1 Historischer Partikularismus - Franz Boas5.2.1.1.1 Franz Boas5.2.1.1.2 Theoretische Grundannahmen des historischen Partikularismus5.2.1.1.3 Methoden und Techniken des historischen Partikularismus5.2.1.2 Funktionalismus - Bronislaw Malinowski5.2.1.2.1 Bronislaw Malinowski5.2.1.2.2 Theoretische Grundannahmen des Funktionalismus5.2.1.2.3 Methoden und Techniken des Funktionalismus5.2.1.3 Human Relations Area Files (HRAF) - George P. Murdock5.2.1.3.1 George P. Murdock5.2.1.3.2 Theoretische Grundannahmen, Methoden und Techniken der HRAF5.2.1.4 Interpretative Anthropologie - Clifford Geertz5.2.1.4.1 Clifford Geertz5.2.1.4.2 Theoretische Grundannahmen, Methoden und Techniken der interpretativen Anthropologie5.2.1.4.2.1 Beispiel fr eine dichte Beschreibung5.2.1.5 Anthropology at Home5.2.1.5.1 Gesellschaftspolitische Voraussetzungen von Anthropology at Home5.2.1.5.2 Vor- und Nachteile der Antrhopology at Home5.2.2 Die praktische Umsetzung einer ethnographischen Feldforschung5.2.2.1 Worin besteht die richtige Vorbereitung fr eine Feldforschung?5.2.2.1.1 Fachlich-wissenschaftliche Vorbereitung5.2.2.1.1.1 Ausarbeitung der wissenschaftstheoretischen Position5.2.2.1.1.2 Ausarbeitung der anzuwendenden Methode(n) und Techniken5.2.2.1.1.3 Erwerb von Regionalkenntnissen5.2.2.1.1.4 Erwerb von Sachkenntnissen5.2.2.1.1.5 Sprachliche Vorkenntnisse5.2.2.1.1.5.1 Sprachen europischen Ursprungs5.2.2.1.1.5.2 Lokale Verkehrssprachen und Pidgin5.2.2.1.1.5.3 Lokale bzw. indigene Sprachen5.2.2.1.2 Praktisch-organisatorische Vorbereitung5.2.2.1.2.1 Projektantrge5.2.2.1.2.2 Kontakte zu Institutionen im Forschungsland5.2.2.1.2.3 Empfehlungsschreiben5.2.2.1.2.4 Reisemodalitten5.2.2.1.2.5 Unterbringungsmglichkeiten5.2.2.1.2.6 Medizinische Manahmen5.2.2.1.2.7 Technische Ausrstung5.2.2.1.3 Persnliche Vorbereitung: Selbstreflexion der ForscherIn5.2.3 Wie schreibt man Feldnotizen?5.2.3.1 Headnotes und Fieldnotes5.2.3.2 Von der ethnographischen Erfahrung zu den Feldnotizen5.2.3.3 Feldnotizen als Daten5.2.3.4 Fieldnotes als unterschiedliche Textsorten5.2.3.4.1 Stichwortzettel5.2.3.4.1 Empfehlungen fr das Festhalten von Stichwrtern5.2.3.4.2 Ausgearbeitete fieldnotes5.2.3.4.2.1 Das Ausarbeiten der Fieldnotes5.2.3.4.2.2 Stile und Strategien des Verfassens von Fieldnotes5.2.3.4.2.2.1 Beschreibungsperspektiven

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  • 5.2.3.4.2.2.2 Echtzeit- und Endpunkt-Beschreibungen5.2.3.4.2.2.3 Die Darstellung von Szenen5.2.3.4.2.2.3.1 Veranschaulichung5.2.3.4.2.2.3.2 Dialog5.2.3.4.2.2.3.3 Charakterisierung5.2.3.4.2.2.4 In-Beziehung-Setzung von Szenen5.2.3.4.2.2.3.2 Bedeutungen der lokalen AkteurInnen5.2.3.4.3 Organisation der fieldnotes5.2.3.4.4 Transkripte5.2.3.4.5 Spezialisierte Datensammlungen5.2.3.4.6 Metadatendokumentation5.2.3.4.7 Schriftliche Interaktionen aus dem Feld5.2.3.4.8 Literatur5.2.3.5 Analyse der Fieldnotes5.2.3.5.1 Das Lesen der Feldnotizen als Daten5.2.3.5.2 Das Stellen von Fragen an die Fieldnotes5.2.3.5.3 Das Kodieren der Feldnotizen5.2.3.5.3.1 Offenes Kodieren5.2.3.5.3.2 Rekodieren: von allegemeinen zu spezifischen Kodes oder umgekehrt?5.2.3.5.3.3 Kodieren vor dem Hintergrund von Konzepten und Fragestellungen5.2.3.5.3.3.1 Axiales Kodieren in der Grounded Theory5.2.3.5.3.3.2 Thematisches Kodieren5.2.3.5.3.4 Kodieren vor dem Hintergrund der Konzeptualisierung einer erthnographischen Erzhlung5.2.3.5.4 Das Verfassen von Memos5.2.4 Literatur

    1 Was ist ein Forschungsprojekt?

    Um die Frage Was ist ein Forschungsprojekt? zu beantworten, ist einerseits zu klren, was ein Projekt ist undandererseits was unter Forschung verstanden werden kann.

    Ein Projekt ist eine zeitlich begrenzte und zielgerichtete Unternehmung, die zur Bearbeitung neuerFragestellungen bzw. Probleme eingerichtet wird und mit bestimmten, zumeist begrenzten Ressourcen(Arbeitsmittel, Zeit, Geld, MitarbeiterInnen, Infrastruktur) ausgestattet ist.

    Unter Forschung versteht man ein spezifisches, zielgerichtetes, von einer Forschungsfrage geleitetesVerfahren zur Generierung von neuem Wissen und Erkenntnissen. Die inhaltlich- methodischenVoraussetzungen von Forschung bestehen in einer spezifischen Verbindung von

    Theorien,Begriffen,methodischen Verfahren undDaten.

    Zielgerichtete Forschung wird zumeist projektfrmig durchgefhrt. Basis sind Projektplne, in denen nebenden inhaltlich-methodischen auch die organisatorischen Voraussetzungen von Forschungsprojekten festgelegtwerden.

    Organisatorisch sind Forschungsprojekte sowohl zeitlich strukturiert, wie sozial differenziert. Die Abfolgeunterschiedlicher Projektphasen fhrt zu einer zeitlichen Strukturierung, whrend es auf der sozialen Ebene zueiner Herausbildung unterschiedlicher Rollen, Funktionen und Verantwortlichkeiten innerhalb eines Projekteskommt.

    Komplexe, d.h. zeitlich strukturierte und/oder sozial differenzierte Projekte bedrfen einer Koordination bzw.Steuerung, die auch als Projektmanagement bezeichnet wird.

    1.1 Inhaltlich-methodische Voraussetzungen eines Forschungsprojekts

    Die inhaltlich-methodischen Voraussetzungen von Forschung bestehen in einer Verbindung von

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  • TheorienBegriffenmethodischen Verfahren undDaten.

    Im Zuge der Entwicklung eines Forschungsprojektes mssen grundlegende Entscheidungen in allen vierBereichen getroffen werden:

    Ein Ausgangspunkt kann etwa eine etablierte Theorie und von ihr abgeleitete, d.h. deduzierte Hypothesensein, die im Zuge eines Forschungsprojektes anhand einer zumeist quantitativen Untersuchung einesbestimmten Phnomenbereichs berprft werden. Aber nicht alle Forschungsprojekte gehen deduktiv[1] vorund zielen auf Hypothesen- bzw. Theorieprfung ab. Qualitative Forschungsprojekte zielen vielmehr auf dieinduktive[2] Entwicklung von Theorien und Hypothesen aus qualitativen empirischen Daten ab.

    Ein anderer Ausgangspunkt eines Forschungsprojektes kann eine Prferenz fr eine bestimmte Form vonDaten sein, die im Zuge des Forschungsprojektes produziert werden sollen. Dabei kann es sich z.B. umqualitative ethnographische Beschreibungen spezifischer Lebenszusammenhnge handeln, aber auch umquantitative Daten, die Zusammenhnge in Zahlen wiedergeben.

    Je nach Fragestellung und Intention knnen unterschiedliche methodische Verfahren eingesetzt und auchmiteinander kombiniert werden (Methodentriangulation[3]).

    Den Begriffen kommt in diesem Rahmen eine zentrale Stellung als Schnittstelle zwischen der Theorie und denDaten zu. Solche Begriffsdefinitionen bzw. -bestimmungen knnen auf unterschiedliche Art und Weisevorgenommen werden.

    De facto gibt es zahlreiche Mglichkeiten die vier genannten Bereiche berzeugend aufeinander abzustimmen.Dies liegt daran, dass in den Kultur- und Sozialwissenschaften zeitgleich verschiedene

    theoretische ZugngeArten der Begriffsbestimmung bzw. OperationalisierungMethoden der Datenerhebung[4] und -analyse sowieFormen von Daten[5] (z.B. visuelle, auditive, deskriptive, numerische)

    Verwendung finden.

    Weitere Mglichkeiten ergeben sich dadurch, dass Forschung von jedem der vier oben genannten Punkteausgehen kann.

    Verweis