Spätlese Spezial

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Eine Verlagsbeilage der Schaumburger Nachrichten | Donnerstag, 19. August 2010

Text of Spätlese Spezial

  • Seniorenhaus Pro GeriatrieLangzeit- und Kurzzeitpflege Alle Pflegestufen

    Familire Atmosphre Landschaftlich reizvolle Umgebung

    Frst-Adolf-Strae 13 Tel.: (0 57 22) 8 50 2531707 Bad Eilsen Fax: (0 57 22) 8 15 04

    Ihre AnsprechpartnerManfred Kutschera

    Sylvia Kiecke

    Folgt nach Eintritt ins Rentenalter eine Krise? Das muss nicht sein: So gelingt die Lebensbilanz

    s sollte eigentlich eine Zeit desAufbruchs sein, der Start in

    ein neues Leben. Doch fr mancheMenschen ist der Eintritt ins Ren-tenalter eine Phase der Krise undder Ernchterung. Denn eineswird nun klar: So mancher Le-benstraum ist geplatzt und wirdsich nicht mehr verwirklichen las-sen. Um nicht in Verbitterung zuversinken, sollten Neu-Rentnerehrlich Bilanz ziehen und auchdie guten Seiten sehen.

    Mit dem Beginn der Rente istdas Berufsleben, eine wesentlicheEtappe des Lebenswegs, abge-schlossen. Besonders Mnnerwurmt es oft, wenn sie ihre selbst-gesteckten Karriereziele nicht er-reicht haben, sagt WolfgangDrehmann, Leiter der Lebensbe-ratung im Bistum Trier. Andereseien verbittert, weil sie viel in ihreKinder investiert haben und nunglauben, zu wenig zurckzube-kommen. Der erste Schritt zu ei-nem positiven Umgang mit ge-platzten Lebenstrumen ist lautDrehmann, sich das und die Ge-fhle dazu einzugestehen. Erstdann sei es mglich, sich damit zuvershnen. Der entscheidendezweite Schritt sei, auch das Guteund Gelungene in der eigenenBiografie zu sehen und sich daraufzu konzentrieren. Wer vielleichtden falschen Beruf ergriffen hat,

    E

    Auch das Gute sehen

    sollte sich berlegen, was er trotz-dem darin erreicht hat. ProfessorHartmut Radebold rt, mit demPartner und den Kindern ber daseigene Leben zu sprechen. Oft er-mglichen erst sie einen ausgewo-genen Blick zurck, erklrt deremeritierte Psychoanalytiker ausKassel. Familie und Freunde sindauch die beste Versicherung gegenResignation und Rckzug, er-gnzt Drehmann. Und wer in Ver-ein oder Ehrenamt eingebundenist, knne den Wegfall der berufli-chen Kontakte leichter kompensie-ren. Auerdem helfe die Weisheit

    des Alters, sagt Christine Sowins-ki vom Kuratorium Deutsche Al-tershilfe in Kln: Viele werdengelassener. Man stellt nicht mehrso hohe Ansprche an sich, dasSich-beweisen-Mssen lsst nach.Andere nderten im Nachhineinihre Haltung und vershnten sichso mit der eigenen Biografie. Abersich anzulgen, sei der falscheWeg. Es gehe vielmehr darum,sagt Sowinski, im Kopf Klarheit zuschaffen: Ist es wirklich soschlimm, dass etwas nicht geklappthat? Hatte es vielleicht sogar Vor-teile? Lebenstrume gibt es

    nicht, sagt Christian Carls von derDiakonie Rheinland-Westfalen-Lippe in Dsseldorf. Es gebe nurHerzensanliegen, und die wandelnsich im Laufe des Lebens. Das zuerkennen, hlt Carls fr wichtig.Denn erst dann lieen sich hintervermeintlichen Lebenstrumen ak-tuelle Herzensanliegen entdecken die sich noch umsetzen lassen.

    Zu spt ist das mit Mitte 60nicht. In dem Alter kann mannoch viel machen, betont Sowins-ki. Schlielich haben einige noch20 Jahre vor sich, ein Viertel ihresLebens. Und viele Neu-Rentnerseien heute noch fit genug, um daszu tun, was bisher zu kurz kam auch in geistiger Hinsicht: Schau-en Sie mal, wer ins Museum gehtoder Kulturreisen macht, das sindfast alles Senioren. Auch ein Stu-dium wird nach bewltigtem Be-rufsleben gern mal in Angriff ge-nommen.

    Radebold empfiehlt Senioren,sich zu berlegen, welche Wn-sche seit der Kindheit liegen ge-blieben sind und sie zu verwirk-lichen. Lassen Sie sich nicht insBockshorn jagen, auch wenn dieUmgebung erst einmal sagt, dassei kindisch. Radebold selbst ist74. Vor zwei Jahren suchte er sicheinen Trommellehrer. Ein Meis-ter werde ich nicht mehr, sagt er.Aber darum gehe es auch nicht.

    Bffeln im Rentenalter: Auch Senioren haben Spa am Lernen. Foto: Archiv

  • Zwei Dinge sind beim Rudern wichtig: Bewegung in frischer Luft und in Gesellschaft

    VON DIETMAR KAMPE

    ast immer, wenn Rude-rer gefragt werden, wa-

    rum sie gerade diesen Sportausben, gipfelt die Antwortin der Aussage: Zwei Dingesind wichtig: Bewegung infrischer Luft und in Gesell-schaft. Jedenfalls haben sodie Ruderer des Wasser-Sport-Vereins (WSV) Rin-teln geantwortet.

    Der Klub wurde 1947gegrndet und hat heute115 Mitglieder. Die Ver-einsgebude befinden sichauf dem Gelnde des Cam-ping- und Freizeitparks amDoktorsee bei Rinteln. Dasist sehr praktisch, denn dieRuderer erreichen von ih-rem Bootshaus aus denDoktorsee, wo sie unbehel-ligt von Berufsschifffahrtund Wellengang ben kn-nen. Auch auf der Weserknnen sie sich austoben,um dort zum Beispiel ihreHausstrecke nach Vlothozu rudern.

    Die Fahrten beschrnkensich natrlich nicht nur aufden Doktorsee und dieWeser. Viele von uns kn-nen sich einen Urlaub, oh-ne zu rudern, gar nichtmehr vorstellen, sagtFriedrich-Wilhelm Hoppe,der Wanderruderwart desVereins. Auerdem bietetder Verein jedes Jahr einumfangreiches Fahrtenpro-gramm an. Immerhin ha-ben die Mitglieder desWSV im vergangenen Jahreine Gesamtkilometerleis-tung von stattlichen 26 000Kilometern zurckgelegt.

    Pressewartin Linda Lei-big ist selbst erst seit fnfJahren dabei und findet dasRudern einfach nur wun-derbar.

    Normalerweise trifft siesich mittwochs um 15 Uhrauf dem Vereinsgelndemit anderen Wanderrude-rern. Wir schauen dannerst einmal, wie viele wirsind, und entscheiden erstdann, wohin wir fahren,berichtet sie und ergnzt:In dieser Gruppe machenallerdings die Senioren dengrten Anteil aus.

    Manfred Esken (70) ist1977 zu den Ruderern ge-kommen und bis heute ak-

    F

    Alles vorwrts los!

    tiv dabei geblieben. Dasmuss seine Bewandtnis ha-ben, meint er schmun-zelnd, sonst wrde ich daswohl nicht tun. Auch frihn ist die Bewegung an derfrischen Luftund das ge-meinsame Erle-ben das Beson-dere an diesemSport. Er findetaber auch diedamit verbun-denen Anforde-rungen geradefr sich als Se-nior wichtig.Wir bewegenuns immerhinmeist auf f-fentlichenWasserstraen.Da muss manschon wissen,wie man sichverhlt, wennuns Schiffe derBerufsschiff-fahrt begeg-nen, erklrter.

    Esken istohnehin derMeinung, dassRudern geradefr Seniorenein idealerSport ist.Beim Rudernwerden fast al-le Muskeln

    eingesetzt, dadurch verteiltsich die Belastung, und derganze Krper wird trai-niert. Auf die Frage, obauch ein Senior noch mitdiesem Sport anfangen

    knnte, wei er sofort dieAntwort: Einfach mal aus-probieren! Er berichtetdazu von einer Seniorin mitRckenproblemen, diekrzlich beim WSV mitdem Rudern angefangenhat. Sie hat immer beimAussteigen Schwierigkei-ten. Doch sie stellt sicheinfach auf die Boden-bretter und dann sinddie anderen da und hel-fen ihr auf den Steg.

    Inzwischen hat dieGruppe Boote aus demBootshaus zum Steggebracht. Vor derFahrt ist immer vielRdelei, bis alles zumAblegen bereit ist, ver-rt Renate Fischer (70).Doch das erweist sichals halb so schlimm,schlielich sind sie alleerfahrene Ruderer und jeder Handgriffsitzt. Und dann heites: Alles vorwrts los!

    4Kontakt: Wasser-Sport-Verein Rinteln,Am Doktorsee 18,

    31737 Rinteln, Telefon(0 57 51) 4 38 34, (0 57 51)89 86 86 und (0 57 22)2 13 10 (Karin Esken).

    Das Vereinsheim findenSie auf dem CampingplatzErholungsgebiet DoktorseeEingang West (3) vor denToren der Stadt Rinteln.

    Rudern als Gemeinschaftserlebnis in freier Natur: Beim Was-ser-Sport-Verein Rinteln gibts die Chance. Foto: Kampe

  • Wolfgang Schiefer verarbeitet im Roman Der Fund von Horsthagen auch Biografisches

    VON UWE TOEPFER

    m liebsten wre er For-scher geworden. Aber

    er wollte sich nicht wiesein Alter Ego Daniel inseinem jngst konzipier-ten Roman Der Fundvon Horsthagen als Ar-chologe durch antikeSttten graben. Ihmschwebte vielmehr die Er-forschung der Naturrtselvor Augen, wie sie sich inMikroben und Wimper-tierchen, in Zellstrukturenund deren Wirkungenverbargen. Doch es kamanders.

    Wolfgang Schiefer ausMessenkamp heute 74Jahre alt wurde das, wasihm auf den Leib ge-schrieben war: Lehrer.Auf etlichen Umwegenund mit viel Ausdauer undZhigkeit wurde aus demVolksschullehrer Schieferschlielich der Oberstudi-enrat fr Biologie, derauch vor unkonventionel-len Schritten nicht zu-rckschreckte, um seinZiel zu erreichen. Als ersich eines Tages von Stol-zenau in den damaligenKreis Springe versetzenlassen wollte, um ein

    A

    Lehrer mit Leib und Seele

    Langfachseminar leiten zuknnen, verweigerte diezustndige Bezirksregie-rung ihre Zustimmung.Doch Schiefer setzte sichstur vor die Tr und war-tete, wartete, wartet. Alseinigen Dezernenten undMitarbeitern schlielichdas merkwrdige Verhal-ten des Aufsssigen auffiel,

    gab man schlielich nach.Und so durfte er amSchluss doch noch seinlang ersehntes Biologie-studium abschlieen, umdann fr 26 Jahre amGymnasium in Gehrdenzu wirken. Selbst als seineAltersgrenze nahte, ver-folgte er das Ziel, nochber das 65. Lebensjahr

    als Lehrer ttigsein zu drfen.Doch es gab Vor-schriften.Und liest man sei-nen Roman, erhltman den Eindruck,Wolfgang Schie-fers Lebenswegnachzuvollziehen.Immer wiederstt man auf bio-grafische Details,die sich im Kernum einen zentralenPunkt drehen: Er-ziehung und Bil-dung. Insbesonde-re die Vermittlungvon Werthaltun-gen und Einstel-lungen liegen demProtagonisten amHerzen. So, wenner seinen Leis-tungskurs zu sichnach Hause ein-ldt, um ohne Oh-ren schdigendenDisko-Lrm undbeienden Zigaret-

    tenqualm eine Exkursionzu planen. berhaupt istdie Figur des Lehrers mitjenen Qualitten ausgestat-tet, die er selbst verkrperthaben mag: gradlinig, auf-richtig, ehrlich und wahr-haftig, kurzum: authen-tisch.

    Die Personen seines Ro-mans sind berwiegendBlaupausen jener Men-schen, die in seinem LebenSpuren hinterlassen haben.Der Apotheker, der Muse-umsdirektor, der Kollege,der Archologe sie allebegleiten Schiefer nochber Jahrzehnte hinweg.Ob sein Roman jemals ver-ffentlicht wird, steht inden Sternen. Der Weg iststeinig und kostspielig.

    Und warum schreibtSchiefer berhaupt?. Ja,ic