Teil I: Empirische Sozialforschung 2. Planung und Ablauf einer empirischen Untersuchung

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  • Teil I: Empirische Sozialforschung 2. Planung und Ablauf einer empirischen Untersuchung
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  • Phasen einer empirischen Erhebung Phase 1 Phase 4 Phase 2 Phase 3 Phase 5
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  • Phase 1: Formulierung und Przisierung des Forschungsproblems Was genau mchte ich wissen ? Zunchst zu unterscheiden: selbst initiierte Forschung oder Auftragsforschung Deskriptive Studie oder hypothesenprfende Studie? Bei deskriptiver Studie: Bei genau welcher Grundgesamtheit sollen welche Merkmale gemessen werden? Bei hypothesenprfender Studie: Przise Formulierung der Hypothese Wichtig bei Hypothesen: Whle die Hypothese mit dem Ziel, dass sie zur Ablehnung gebracht wird. Es geht um die Falsifikation, nicht um die Besttigung von Hypothesen. Bsp.: Man will die Vermutung untersuchen, ob der Abiturnotendurchschnitt von der beruflichen Stellung des Vaters abhngt. Hypothese: Der Abiturschnitt ist unabhngig von der beruflichen Stellung des Vaters Gegenhypothese: Der Abiturschnitt ist nicht unabhngig von der beruflichen Stellung des Vaters Es kommt zur Ablehnung der Hypothese (und damit zur Annahme der Gegenhypothese), wenn das Beobachtungsmaterial in signifikantem Widerspruch zur Hypothese steht. Kommt es nicht zur Ablehnung, so bedeutet es nicht, dass die Hypothese besttigt ist. Es bedeutet nur, dass die Beobachtungsdaten fr eine Ablehnung nicht ausreichen.
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  • Es gibt vier Mglichkeiten, wie (unbekannte) Realitt und Testentscheidung zusammentreffen knnen: H 0 ist richtigH 0 ist falsch H 0 beibehaltenok Fehler 2. Art (-Fehler) H 0 verwerfen Fehler 1. Art (a-Fehler) ok Vorgehen in der Praxis: Zunchst Vorgabe des Fehlers 1. Art (z.B. =5% oder =1%). Den verbleibenden Spielraum nutzt man, um den Fehler 2. Art so gering wie mglich zu halten. Gegenstand der Testtheorie in der analytischen Statistik Fehler 1. Art: Hypothese wird abgelehnt, obwohl richtig (Schuldspruch, obwohl unschuldig in der Regel schwerwiegend. Fehler 2. Art: Hypothese wird angenommen, obwohl falsch (Freispruch mangels Beweisen, aber kein Beweis fr Unschuld) Fehler 1. Art und Fehler 2. Art
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  • Beispiel zu Hypothesen und Fehlern 1. und 2. Art Ein Forscher habe einen Bluttest zur Aufdeckung (Diagnose) einer schwerwiegenden neurologischen Krankheit entwickelt. Anhand von 20 Probanden (Versuchspersonen) soll dieser Test erprobt werden. Hypothese: Das Ergebnis des Bluttests ist unabhngig von der neurologischen Erkrankung Gegenhypothese: Das Ergebnis des Bluttests ist nicht unabhngig von der neurologischen Erkrankung Vier denkbare Konstellationen zwischen Test und (unbekannter) Wirklichkeit Fall 1: Das Testergebnis reicht nicht aus, um die Hypothese abzulehnen (Enttuschung fr den Forscher) 1.1Der Bluttest ist tatschlich zur Diagnostik ungeeignet (Testergebnis und Wirklichkeit stimmen berein). 1.2Der Bluttest ist zur Diagnose tatschlich geeignet, was jedoch durch den Test nicht erkannt wurde, d.h. Hypothese wird nicht zur Ablehnung gefhrt. (Fehler 2. Art) Fall 2:Die Beobachtungswerte reichen aus, um die Hypothese abzulehnen (bahnbrechender Durchbruch fr den Forscher) 2.1Der Bluttest ist tatschlich zur Diagnostik geeignet (Testergebnis und Wirklichkeit stimmen berein). 2.2Der Bluttest ist ungeeignet zur Diagnostik, wurde aber durch den Test als geeignet erkannt (Fehler 1. Art, schwerwiegend)
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  • Phase 2: Planung und Vorbereitung der Erhebung Definition der Begriffe Konzeptspezifikation Operationalisierung (Messung, Skalen) Definition der Grundgesamtheit Umfang der Stichprobe Art der Stichprobenziehung (Auswahlverfahren, s. folgende Folien...)
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  • Phase 2: Planung und Vorbereitung der Erhebung Grundgesamtheit = target population Vollerhebung oder Stichprobe? Vollerhebung: Alle Elemente der Grundgesamtheit werden untersucht Teilerhebung (Stichprobe): Es wird nur eine Teilmenge der Grundgesamtheit untersucht. n Ziehungen Berechnung der Stichprobensta- tistiken Berechnung der Stichprobenstatistiken Grundgesamtheit Stichprobe
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  • Anforderungen an die Stichprobenkonstruktion 1.Verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit 2.Klar definierte Grundgesamtheit 3.Definition eines Stichprobenelements 4.Angebbares Auswahlverfahren Die Auswahlverfahren sind dahingehend zu verproben, inwieweit sie die o.g. vier Kriterien erfllen. Quelle: Kromrey: Empirische Sozialforschung, Opladen 2002, S. 268
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  • Anforderungen an die Stichprobenkonstruktion 1.Verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit 2.Klar definierte Grundgesamtheit 3.Definition eines Stichprobenelements 4.Angebbares Auswahlverfahren Quelle: Kromrey: Empirische Sozialforschung, Opladen 2002, S. 268 Die Stichprobe muss die Verteilungsstruktur der Grundgesamtheit fr alle Variablen, die untersucht werden sollen, in verkleinerter Form wiedergeben. Grundgesamtheit Stichprobe
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  • Anforderungen an die Stichprobenkonstruktion 1.Verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit 2.Klar definierte Grundgesamtheit 3.Definition eines Stichprobenelements 4.Angebbares Auswahlverfahren Quelle: Kromrey: Empirische Sozialforschung, Opladen 2002, S. 268 Es muss absolut klar sein, wer zur Grundgesamtheit gehrt und wer nicht. Vage Grundgesamtheiten bedeuten: a)Die Menge der Elemente, fr die die Stichprobenergebnisse gltig sein sollen, ist nicht eindeutig abgrenzbar. b)Es ist nicht entscheidbar, aus welcher Erhebungsgrundgesamtheit die Stichprobe gezogen werden soll. Alle Personen ber 18 Jahre, mit deutscher Staatsangehrigkeit und Erstwohnsitz in Deutschland Alle Personen ber 18 Jahre, die zum Zeitpunkt der Untersuchung in Deutschland gemeldet sind. So ?Oder so ?
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  • Anforderungen an die Stichprobenkonstruktion 1.Verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit 2.Klar definierte Grundgesamtheit 3.Definition eines Stichprobenelements 4.Angebbares Auswahlverfahren Quelle: Kromrey: Empirische Sozialforschung, Opladen 2002, S. 268 Es muss eindeutig feststellbar sein, ob ein Element der Grundgesamtheit zur Stichprobe gehrt oder nicht. Dies ist wichtig, damit bei Elementen mit gleicher Benennung entschieden werden kann, welches der Elemente fr die Stichprobe ausgewhlt wurde und welches nicht. Ziehe vom Zufallsstart aus jede 50.te Adresse, notiere die laufende Nummer, Dann den Namen und dann die Adresse. Vergleiche, ob die laufende Nummer schon gezogen worden ist Namelfd. Nummer Schmitz, Karl114 Schmitz, Karl115
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  • Anforderungen an die Stichprobenkonstruktion 1.Verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit 2.Klar definierte Grundgesamtheit 3.Definition eines Stichprobenelements 4.Angebbares Auswahlverfahren Quelle: Kromrey: Empirische Sozialforschung, Opladen 2002, S. 268 Es muss feststellbar sein, nach welchem Verfahren eine Stichprobe zustande gekommen ist, da die unterschiedlichen Verfahren spezifische Vor- und Nachteile haben. Grundgesamtheit = Stichprobenverfahren = Erhebungsgrund- gesamtheit = 5489 Adressen - 1560 Verweigerung - 278 keine Zeit 3651 realisierte Interviews
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  • Auswahlverfahren (Stichprobentechniken) Jedes Element der Grundgesamtheit hat eine bestimmte Chance, in die Stichprobe aufgenommen zu werden. Jedes Element der Grundgesamtheit hat die gleiche Chance, in die Stichprobe aufgenommen zu werden.
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  • Willkrliche Auswahl Der Interviewer greift sich nach Belieben an einem beliebigen Ort und zu einem beliebigen Zeitpunkt Personen (oder Ereignisse) heraus, die er befragt bzw. beobachtet. (z.B. Befragung wartender Fahrgste an einer Haltestelle). Keine der vier genannten Anforderungen an die Stichprobenkonstruktion ist erfllt. Die Stichprobe kann kein verkleinertes Abbild einer definierten Grundgesamtheit sein, da weder die Grundgesamtheit angebbar ist noch die Stichprobenelemente genau definiert sind. Auch die Stichprobenelemente werden willkrlich festgelegt. Schlussfolgerung: Willkrliche Auswahlen sind fr statistisch-kontrollierte wissenschaftliche Aussagen wertlos.
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  • Bewute Auswahl Auswahlen werden planvoll und aufgrund vorheriger berlegungen gezielt vorgenommen. Beispiele: - Es werden nur Experten zu einem bestimmten Thema befragt (Expertengesprche) -Es kommen nur durchschnittliche Flle in die Auswahl (z.B. 4-Personen- Haushalte mittleren Einkommens) Eignung: Analysen mit eng eingegrenzten Fragestellungen oder Vorklrungen in bislang wenig erforschten Bereichen Variante 1: Typische Auswahl Man analysiert nur die Elemente der Grundgesamtheit, die als besonders typisch fr die Grundgesamtheit angesehen werden. Prinzip einfach, aber problematisch (was heit typisch?, setzt Kenntnisse ber GG voraus etc.) Variante 2: Auswahl nach dem Konzentrationsprinzip (Abschneideverfahren) Beschrnkung der Erhebung auf Flle, die besonders ins Gewicht fallen. Beispiel: Untersuchungsziel = Umstze in der Bauwirtschaft; Beschrnkung auf Erhebung der Unternehmen mit mehr als 19 Beschftigten (=15% der Unternehmen) Grund: Sie machen 75% des Umsatzes aus. Durch Erhebung lediglich 15% der Bauunternehmen erfat man 75% des Umsatzes. Die anderen werden abgeschnitten (Vorgehen in der amtlichen Statistik).
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  • Quotenauswahl Sehr groe Bedeutung bei Markt- und Meinungsforschern Grund: Quotenauswahl wirtschaftlicher als kostspielige Wahrscheinlichkeitsauswahl Prinzip: Stichprobe wird nach vorgegebenen Regeln gezogen. Diese Regeln sind von den Interviewern zu erfllen. Man versucht die Stichprobe so zu konstruieren, da die Quote in der Stichprobe im Hinblick auf die ausgewhlten Merkmale (z.B. Geschlecht, Alter, Berufsstellung, Region etc.) der Merkmalsverteilungen der Grundgesamtheit entsprechen. Ziel: Schaff