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Textfunktionen 08.12.2015 1

Textfunktionen 08.12.2015 1. Allgemeines Textinterne Ebene Ausgangspunkt: Sprechakttheorie/Sprachhandlungen sind Grundlage der Kommunikation Illokution

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  • Textfunktionen 08.12.2015*

  • AllgemeinesTextinterne EbeneAusgangspunkt: Sprechakttheorie/Sprachhandlungen sind Grundlage der KommunikationIllokution als wichtigster Teilakt gibt Hinweise, wie die Proposition aufzufassen ist, bezeichnet die kommunikative Funktion der Sprechhandlung, legt den Handlungscharakter einer uerung fest (BRINKER)Illokutionsindikatoren, performative VerbenTextfunktion: bestimmt den Kommunikationsmodus des Textes (Brinker, 101)

    Der Terminus Textfunktion bezeichnet die im Text mit bestimmten, konventionell geltenden, d.h. in der Kommunikationsgemeinschaft verbindlich festgelegten Mitteln ausgedrckte Kommunikationsabsicht des Emittenten. Es handelt sich also um die Absicht des Emittenten, die der Rezipient erkennen soll, sozusagen um die Anweisung (Instruktion) des Emittenten an den Rezipienten, als was dieser den Text insgesamt auffassen soll, z. B. als informativen oder als appellativen Text. (Brinker 2001, S.95)

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  • Der Sprechakt und seine TeilakteSprachliche Handlung, bestehend aus mehreren Teilakten - einem uerungsakt, einem propositionalen, illokutionren und perlokutionren Akt, oder in einem engeren Sinn nur der illokutionre Akt.

    Fr die Textfunktion ist der Teilakt der Illokution besonders wichtig, denn sie gibt Aufschluss ber die kommunikative Funktion der Sprechhandlung.

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    Illokutionrer Akt: Er bezeichnet den eigentlichen Zweck eines Sprechaktes, also die dem Sprechakt zugrundeliegende Absicht des Sprechers. (Versprechen, Aufforderung, Entschuldigung ...), auch Illokution genannt.

  • Indikatoren der TextfunktionBrinker, 104 ff.Textfunktion wird durch bestimmte innertextliche (sprachliche) und auertextliche (kontextuelle) Mittel angezeigt Indikatoren der TextfunktionDrei Grundtypen: Signalisiert Art des intendierten kommunikativen Kontakts explizit performative Formeln, Satzmuster, direkte Signalisierung der TFSignalisiert die Einstellung des Emittenten zu Textinhalt und Textthema Wahrheit und Wahrscheinlichkeit des Textinhalts, Sicherheitsgrad seines Wissens ... Wertung, Interesse, psychische Haltung Thematische Einstellung. Wichtig ist auch die evaluative Einstellung.Kontextuelle Indikatoren, situativer und insbesondere institutioneller Rahmen des Textes, gesellschaftlicher Handlungsbereich, Hintergrundwissen usw. ausschlaggebend, wenn die TF durch 1. und 2. nicht ermittelt werden kann, dann geben Kontextindikatoren darber Aufschluss.*

  • KlassifikationsanstzeFast alle Anstze gehen auf BHLERS Organon-Modell zurck.Sprache als Werkzeug, mittels dessen der Emittent mit dem Rezipienten ber Dinge in der Welt kommuniziert.Sprachliche Zeichen fungieren gleichzeitig als Symbol fr Gegenstnde und Sachverhalte in der Wirklichkeit (= Darstellungsfunktion), als Symptom der Innerlichkeit des Emittenten (= Ausdrucksfunktion) und als Signal, indem sie an den Rezipienten appellieren (= Appellfunktion).Illokutionsklassen nach SEARLE: Reprsentative (Assertive), Direktive, Kommissive, Expressive, Deklarative. Reprsentative Darstellung, Expressive Ausdruck, Direktive Appelluneinheitliche Klassifikationskriterien*

  • Brinkers Klassifikation der TextfunktionenKriterium: Art des kommunikativen Kontakts, die der Emittent mit dem Text dem Rezipienten gegenber zum Ausdruck bringt.(Ausgehend von Searles Illokutionstypologie, anstelle der Kategorien Reprsentativ und Expressiv werden Informations- und Kontaktfunktion eingefhrt.)

    InformationsfunktionAppellfunktionObligationsfunktionKontaktfunktionDeklarationsfunktion*

  • InformationsfunktionDer Emittent gibt demRezipienten zu verstehen, dass er ihm ein Wissen vermitteln, ihn ber etwas informieren will.Paraphrase: Ich (der E.) informiere dich (den R.) ber den Sachverhalt X (Textinhalt)Indikatoren: explizit performative Formeln mit den Verben informieren, melden, mitteilen, erffnen, berichten, benachrichtigen, unterrichten usw.Thematische Einstellung: Sicherheitsgrad, Wahrscheinlichkeitswert ... Ich wei /Mir ist bekannt, dass ... Es ist der Fall/es steht fest / es trifft (nicht) zu, dass ... Es ist wahrscheinlich / mglich / unwahrscheinlich, dass, ... Einschrnkung des Wissens des Texteimittenten Angabe der Quelle, Modalverben, Modalwrter (offenbar, vermutlich ...) etc.Beispiel:Die Initiative Kein Atommll in Wrgassen will nach eigenen Angaben ermittelt haben, da bei einem Betriebsunfall im Kernkraftwerk Wrgassen (Weser) 14 Arbeiter mit Radioaktivitt in Berhrung gekommen sind. (aus: Hamburger Abendblatt vom 30.8.82)*

  • InformationsfunktionTextsorten: Nachricht, Meldung, Bericht, Beschreibung, Untersuchungsbefund, Sachbuch, Buchbesprechung ...Manchmal verbunden mit Bewertung, evaluativer Einstellung (etw. gut/schlecht finden). TS: Leserbrief, Gutachten, RezensionBeispiel: Eine sprachlich differenzierte Prosa bietet dieses (schludrig lektorierte) Buch nicht; es liefert jedoch etliche Informationen ber einen bei uns fast unbekannten Kontinent. (DIE ZEIT vom 21.11.80)

    INFORMATION + negative Wertung + positive WertungNeutralitt durch referierenden Konjunktiv

    Wertung von Nachrichten auch durch Auswahl und Anordnung.Verschiedene Sichtweisen/Formulierungen eines Ereignisses.*

  • AppellfunktionDer E. Gibt dem R. zu verstehen, dass er ihn dazu bewegen will, eine bestimmte Einstellung einer Sache gegenber einzunehmen oder eine bestimmte Handlung zu vollziehen. (Meinungs-/Verhaltensbeeinflussung)Paraphrase: Ich (der E.) fodere dich (den R.) auf, die Einstellung X zu bernehmen/die Handlung Y zu vollziehen.Beispiel (Zeitungskommentar)In dieser Zwischenphase ist eine Kredithilfe fr wirklich in ihrer Existenz gefhrdete Landwirte eine vernnftige Lsung. Sie sollte jedoch bald doppelt wirksam werden. Denn auch hier gilt: Wer schnell gibt, gibt doppelt. (HA v. 28.7.76)Politische Kommentare appellieren sowohl an politisch interessierte Leser als auch an die politischen Akteure.TS: Werbeanzeige, Propagandatext, Kommentare in verschiedenen Medien, Arbeitsanleitung, Rezept, Gesetzestext, Gesuch, Antrag, Bittschrift, Predigt usw.

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  • Appellfunktion- explizit performative Formeln mit den Verben: auffordern, anordnen, befehlen, bitten, raten, empfehlen, fragen, verlangen, fordern, beantragen, beauftragen Grammatische IndikatorenImperativsatz (Nimm Vim!)Infinitivkonstruktion (Pflegen und pflegen lassen Werbung fr Nivea milk)Hufig auch in Kochrezepten, Gebrauchsanweisung, Bedienungsanleitung.Instruktion besondere Variante der Appellfunktion (Veranlassen und Informieren; Wenn-dann-Relation; im Vordergrund steht das Interesse des Emittenten an der Durchfhrung der in der Proposition bezeichneten Handlung)Interrogativsatz (TS: Fragebogen, Interview, Lehrbuch)Satzmuster mit sollen, mssen + Infintiv, haben + zu + Infinitiv, sein + zu + Infinitiv u.a. TS: Gesetz, Verordnung ...

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  • AppellfunktionThematische Einstellung (Einstellung des Emittenten zum Textthema)Normative Einstellung und Einstellungen, die die Interessen (Bedrfnisse, Wnsche, Prferenzen) des Emittenten selbst bezeichnen, z.B. Ich mchte, dass der Sachverhalt X realisiert wird; ich htte gern, wenn ...; ich wnsche mir, dass ...; ich brauche die Sache X usw.Evaluative Einstellung. Der Emittent mchte, dass der Rezipienten seine (positive oder negative) Bewertung des Sachverhalts bernimmt (und sich entsprechend verhlt).

    Bei Werbetexten wird die Kaufaufforderung nur selten in direkter Form realisiert. Aufforderungen werden indirekt geuert, etwa durch Empfehlungen, Expertenmeinungen usw.

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  • bungstext: Kochrezept*KARTOFFELSALAT

  • bungstexte*http://www.zeit.de/online/2005/48/denn_du_bist_deutschland?page=allGLOSSEKreatives GrenzlandDie Kampagne "Du bist Deutschland" hat einen historischen Vorlufer

  • bungstextehttp://www.linse.uni-due.de/linse/rezensionen/erstsemesterrezensionen/ernst.htmlRezension: Germanistische Sprachwissenschaft - Einfhrung und GrundbegriffeErnst, PeterWien: Edition Praesens 1991

    Das vorliegende Buch soll den Studierenden eines Einfhrungsproseminars in die germanistische Sprachwissenschaft (an der Universitt Wien) eine Arbeitsgrundlage mit Materialien zur Verfgung stellen. Es ist in seiner Anlage eher traditionell, das heit, es wurde auf weniger verbreitete Fachbereiche (etwa die generative Phonologie) ebenso verzichtet wie auf neuartige Darstellungsmethoden. Der Verfasser versucht, auf bereits bewhrte Einfhrungen in die germanistische Sprachwissenschaft zurckzugreifen mit der Absicht, positive Erfahrungen zu bernehmen und ihre Vorzge zu nutzen. [...] Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.Rezensiert von Martin Wagner*

  • ObligationsfunktionDer Emittent gibt den Rezipienten zu verstehen, dass er sich ihm gegenber dazu verpflichtet, eine bestimmte Handlung zu vollziehen.TS: Vertrag, (schriftliche) Vereinbarung, Garantieschein, Gelbde, Gelbnis, Diensteid, Angebot usw.Paraphrase: Ich (der Emittent) verpflichte mich (dem Rezipienten gegenber), die Handlung X zu tun.Beispiel Vaterschaftsanerkenntnis:Demgem verpflichte ich mich, dem Kinde vom 15.6.1962 an bis auf weiteres eine monatliche Rente von 100 DM ... zu entrichten.Stark institutionalisiert, meist durch eine direkte Signalisierung der Textfunktion gekennzeichnetund zwar die explizit performative Verben: sich verpflichten, schwren, bernehmen, sich bereit erklren, garantieren, sich verbrgen, wetten, anbieten usw.

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  • ObligationsfunktionThematische Einstellung voluntativer und intentionaler Art: ich beabsichtige, habe vor, plane, werde, bin entschlossen usw.Dadurch wird auch der Grad an Bereitschaft ausgedrckt.Nicht immer sind Obligationssignale vorhanden. Dann ergibt sich die Obligationsfunktion aus dem thematischen Zusammenhang, aus anderen innertextlichen Merkmalen (z.B. berschriften) und/oder dem Handlungs- und Situationskontext.Beispiel VertragstextSmtliche mit diesem Vertrag und seiner Durchfhrung verbundenen Kosten trgt der Kufer allein. Die Kosten fr die Lschung etwa vorhandener, vom Kufer nicht bernommener Belastungen trgt jedoch der Verkufer.*

  • Beispiel: Vertrag*

  • KontaktfunktionDer Emittent gibt den Rezipienten zu verstehen, dass es ihm um die personale Beziehung zu Rezipienten geht (insbesondere um die Herstellung und Erhaltung des persnlichen Kontakts).TS: Brief, Kondolenzschreiben, Danksagung, Gratulationsschreiben, Leserbrief

    Performative Formeln: danken, um Entschuldigung bitten, beglckwnschen, gratulieren, sich beschweren, willkommen heien, Beileid aussprechen, verfluchen usw.Hufig an feste gesellschaftliche Anlsse geknpft, die den Ausdruck der psychischen Einstellung des Emittenten verlangen (bedauern, entzckt sein, sich freuen ...). Entscheidend ist nicht die Gefhlsuerung als solche, sondern die Erfllung einer sozialen Erwartung durch die Emittenten.

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  • KontaktfunktionBeispiel Danksagung auf Briefkarteber die Glckwnsche und Aufmerksamkeiten zu unserer Verlobung haben wir uns sehr gefreut und danken Ihnen herzlich dafr.performative Formelnpsychisch-emotionale Einstellung

    Partizipationstexte: der Emittent bringt seine Anteilnahme mit den Rezipienten zum Ausdruck. Wenn sich die zugrunde liegenden Ereignisse wiederholen, werden sprachliche Formen benutzt, die einen formelhaften Charakter besitzen, zum Beispiel in Kondolenzbriefen.*

  • BeispielGeschftsbrief (Brinker 106-107)

    Sehr geehrter Herr B.,wir danken Ihnen fr den von uns erteilten Auftrag und sichern Ihnen die Fertigstellung der Arbeiten zum 30 d.M. verbindlich zu.Mit freundlichen GrenFa. A.Auftragsbesttigung mit TermingarantieKontakt- oder Obligationsfunktion?*

  • DeklarationsfunktionDer Emittent gibt den Rezipienten zu verstehen, dass der Text eine neue Realitt schafft, dass die (erfolgreiche) uerung des Textes die Einfhrung eines bestimmten Faktums bedeutet.TS Testament, Ernennungsurkunde, Schuldspruch, Bevollmchtigung, BescheinigungFast immer an gesellschaftliche Institutionen gebunden und direkt - durch feste, ritualisierte und explizite Formeln - ausgedrckt.Paraphrase: Ich (der Emittent) bewirke hiermit, dass X als Y gilt.Beispiel TestamentIch setze meinen Bruder Franz S. zu meinem alleinigen Erben ein.Als Indikatoren der Textfunktion dienen hufig auch berschriften: Testament, Urkunde, Bescheinigung, Vollmacht usw.*

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