Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae - ein neuer Infektionserreger in der Dermatologie

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    27-Mar-2017

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<ul><li><p>571 2014 Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Published by John Wiley &amp; Sons Ltd. | JDDG | 1610-0379/2014/1207</p><p>Review</p><p>Eingereicht: 12.3.2014Angenommen: 4.5.2014</p><p>DOI: 10.1111/ddg.12390English online version on Wiley Online Library</p><p>Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae ein neuer Infektionserreger in der DermatologieTrichophyton species of Arthroderma benhamiae a new infectious agent in dermatology</p><p>ZusammenfassungIn Deutschland kommen seit einigen Jahren Infektionen durch den zoophilen Dermat-ophyten Trichophyton (T.) Spezies von Arthroderma benhamiae vor. Das Reservoir fr diesen neuen Erreger ein emerging pathogen berlappt mit dem des zoophilen T. interdigitale. Insbesondere Meerschweinchen sind Carrier. T. Spezies von Arthro-derma benhamiae verursacht eine entzndliche Tinea bei Kindern und Jugendlichen. Neben der Tinea capitis werden Tinea corporis und Tinea manus verursacht, vor allem jedoch die Tinea faciei. T. Spezies von Arthroderma benhamiae ist in Deutschland ein hufiger zoophiler Dermatophyt, in manchen Regionen hufiger als Microsporum canis. Die Identifizierung der Isolate mit gelb gefrbten Kolonien ist anhand makro- und mi-kroskopischer Merkmale mglich. Ein Teil der Isolate weist jedoch Koloniemerkmale auf, welche mit denen von T. interdigitale bereinstimmen. Diese Stmme lassen sich nur mittels molekularer Methoden identifizieren. Mit einem PCR-ELISA oder real-time PCR kann der Dermatophyt direkt im klinischen Material nachgewiesen werden. Als Kulturbesttigungstest hat sich die Sequenzierung der internal transcribed spacer Re-gion (ITS) der ribosomalen DNA bewhrt. Auch die matrix-assisted laser desorption/ionization time-of-flight mass spectrometry (MALDI TOF MS) ist dafr geeignet. Die Behandlung von ausgedehnten Dermatophytosen durch T. Spezies von Arthroderma benhamiae, insbesondere der Tinea capitis, erfolgt mit oralen Antimykotika, am bes-ten Terbinafin; Alternativen sind Fluconazol und Itraconazol. </p><p>SummaryIn Germany, infections due to the zoophilic dermatophyte Trichophyton (T.) species of Arthroderma benhamiae are diagnosed more and more for the few past years. The source of infection of T. species of Arthroderma benhamiae an emerging pathogen overlaps with that of the zoophilic species T. interdigitale. In particular, small ro-dents, first of all guinea pigs, are carriers. T. species of Arthroderma benhamiae causes inflammatory dermatophytosis in children and adolescents. Beside of tinea capitis, T. species of Arthroderma benhamiae may cause both tinea corporis and tinea manus, however, also frequently tinea faciei. In Germany, T. species of Arthroderma benhami-ae has to be considered as a frequent zoophilic dermatophyte, which is in some geo-graphic areas of the country probably more frequent than Microsporum canis. The mycological identification of the isolates with their yellow stained colonies is based on their macroscopic and microscopic features. A considerable part of the isolates of T. species of Arthroderma benhamiae, however, exhibits colony features consistent with those of T. interdigitale. These strains can be identified unambiguously by me-ans of molecular techniques, only. Using detection methods such as PCR-ELISA or </p><p>Pietro Nenoff1, Silke Uhrla1, Constanze Krger1, Marcel Erhard2, Uta-Christina Hipler3, Florian Seyfarth4, Jrgen Herr-mann1, Tino Wetzig5, Wieland Schroedl6, Yvonne Grser7</p><p>(1) Labor fr medizinische Mikrobiolo-gie, Mlbis(2) RIPAC-LABOR GmbH, Pots-dam-Golm(3) Klinik fr Hautkrankheiten, Univer-sittsklinikum Jena(4) Hautarztpraxis Priv.-Doz. Dr. Kirs-ten Jung, Uta Zell &amp; Dr. Florian Sey-farth, Erfurt(5) Klinik fr Dermatologie, Der-matochirurgie und Allergologie, Asklepios Klinik Weienfels(6) Institut fr Bakteriologie und Myko-logie, Veterinrmedizinische Fakultt, Universitt Leipzig(7) Konsiliarlabor fr Dermatophyten, Institut fr Mikrobiologie und Hygiene, Universittsmedizin Berlin Charit, Berlin</p><p>InteressenkonfliktKeiner.</p></li><li><p>Review Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae</p><p>572 2014 Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Published by John Wiley &amp; Sons Ltd. | JDDG | 1610-0379/2014/1207</p><p>Real-time PCR this dermatophyte can be identified directly in the clinical material. Sequencing of the internal transcribed spacer region (ITS) of the ribosomal DNA has been approved as culture confirmation test for T. species of Arthroderma benhami-ae. Recently, it was demonstrated that the Matrix-assisted laser desorption/ionization Time-of-flight mass spectrometry (MALDI TOF MS) is useful for differentiation of T. species of Arthroderma benhamiae, too. For the treatment of widespread dermato-phytosis due to T. species of Arthroderma benhamiae, in particular of tinea capitis, oral antifungal agents are necessary. Terbinafine has proved as effective, alternatively the azole derivatives fluconazole and itraconazole might be used.</p><p>Einleitung</p><p>Dermatophytosen infolge Kontakt zu kleinen Nagetieren, insbesondere Meerschweinchen, wurden bislang fast aus-schlielich durch zoophile Trichophyton (T.)-interdigita-le-Stmme (frher T. mentagrophytes) verursacht [1]. Seit ca. fnf Jahren finden sich jedoch zunehmend Isolate mit aufflliger Gelbfrbung der Kolonien (Abbildung 1ac). Ma-kroskopisch an Microsporum (M.) canis erinnernd, stimmen die mikroskopischen Merkmale dieser gelb gefrbten Der-matophyten-Stmme, wenn exprimiert, jedoch mit denen von T. interdigitale berein. Erst die molekularbiologische Untersuchung mittels Sequenzierung der internal transcribed spacer (ITS)-Region der ribosomalen DNA ermglicht die Zuordnung dieser Stmme zur Art T. Spezies von Arthroder-ma (A.) benhamiae [2, 3]. Diese zwar schon lange bekannte zoophile Dermatophytenart wurde hierzulande in den letzten Jahrzehnten nicht beschrieben. Heute muss davon ausgegan-gen werden, dass T. Spezies von A. benhamiae der hufigs-te zoophile Erreger von Dermatophytosen vorzugsweise bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist.</p><p>T. Spezies von A. benhamiae verursacht alle Formen von Dermatophytosen, im Vordergrund stehen Tinea corporis und Tinea faciei. Aber auch Tinea capitis und Kerion Cel-si werden hufig durch T. Spezies von A. benhamiae verur-sacht. Im Einzelfall wurde auch eine Tinea unguium beob-achtet. Die diagnostische Herausforderung beim Einsatz von konventionellen kulturellen Nachweisverfahren besteht in der Unterscheidung von Dermatophytenarten mit hnlicher Morphologie. Zur Diagnostik hat sich deshalb der moleku-larbiologische Direktnachweis der Erreger-DNA in Haut-schuppen und Haarwurzeln mittels Polymerasekettenreakti-on (polymerase chain reaction; PCR) bewhrt. Die Therapie erfolgt mit den blichen gegen Dermatophyten wirksamen topischen Antimykotika. Bei ausgedehnten Infektionen sowie bei der Tinea capitis kommen systemische Antimykoti-ka zur Anwendung, Mittel der Wahl ist Terbinafin, Alterna-tiven stellen Fluconazol und Itraconazol dar.</p><p>Vorkommen von Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae</p><p>Japan</p><p>Die ersten und auch meisten Mitteilungen zu Infektionen durch T. Spezies von A. benhamiae stammen aus Japan [47]. T. Spezies von A. benhamiae als Erreger einer Dermatophy-tose beim Menschen wurde in Japan erstmals im Jahr 2002 isoliert und beschrieben, es handelte sich um Isolate von zwei Patienten mit Tinea corporis, sowie um ein tierisches Isolat von einem Kaninchen, welches die Infektionsquelle darstellte [5]. Die Differenzierung basierte auf der Sequenzierung des Gens der Chitinsynthase 1 (CHS1) sowie auf Kreuzungsex-perimenten. Zuvor war in Japan im Jahr 1998 schon einmal A. benhamiae von einem Kaninchen isoliert worden.</p><p>Shiraki et al. [6] berichteten ber eine Tinea corporis durch T. Spezies von A. benhamiae mit untypischer klini-scher Ausprgung bei einem japanischen Patienten, der in einer Zootierhandlung angestellt war. Die Autoren mutma-en, dass sich der zoophile Erreger T. Spezies von A. ben-hamiae wahrscheinlich auch schon in Japan weit verbreitet haben muss. Trotzdem ist in Japan nach wie vor M. canis der hufigste zoophile Dermatophytose-Erreger [8]. Bereits an zweiter Stelle folgt jedoch A. benhamiae (T. Spezies von A. benhamiae), bertragen von Kaninchen, Nagetieren und Weibauchigeln, allesamt auch in Japan populre Haustiere.</p><p>In Japan geht man heute von einem Anstieg der Infektio-nen durch diesen zoophilen Dermatophyten aus [8]. Eine ak-tuelle Studie zur molekularen Identifizierung und Epidemio-logie von T. Spezies von A. benhamiae in Japan zeigte, dass 46 von 61 Stmmen eine hohe Sequenzhnlichkeit innerhalb der internal transcribed spacer (ITS)-Regionen der ribosomalen RNA (rRNA)-Gene aufwiesen. Mittels Stammtypisierung konnten innerhalb der 46 Stmme, darunter 22 japanische Isolate, ber die Sequenzierung der non-transcribed spacer (NTS)-Genregion der rRNA [9] insgesamt elf Genotypen (NTS-Typen) differenziert werden. Von den 22 japanischen </p></li><li><p>Review Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae</p><p>573 2014 Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Published by John Wiley &amp; Sons Ltd. | JDDG | 1610-0379/2014/1207</p><p>Isolaten gehrten bspw. zehn zum NTS8-Typ, sechs zu NTS1 und je drei zu NTS2. Fnf Stmme, die in epidemiologischem Zusammenhang standen, also von verschiedenen Krperstel-len desselben Patienten oder von dessen Haustier stammten, wiesen identische Genotypen auf.</p><p>Vorkommen in Deutschland</p><p>Bisher wird T. Spezies von A. benhamiae in Deutschland eher selten als Ursache einer Dermatomykose identifiziert. Das liegt jedoch nicht daran, dass der Pilz nicht vorkommen wr-de, sondern daran, dass T. Spezies von A. benhamiae falsch identifiziert wird. Das verwundert nicht, da der Erreger mor-phologisch aufgrund seiner Thallusfrbung und der Vielzahl von Mikrokonidien vom zoophilen T. interdigitale und ande-ren morphologisch hnlichen Dermatophyten (zum Beispiel M. canis) nicht eindeutig abzugrenzen ist. Das steht in Dis-krepanz zu der tatschlichen Hufigkeit von T. Spezies von A. benhamiae als Dermatophytose-Erreger in Deutschland.</p><p>Bevorzugte Lokalisationen der Infektionen durch T. Spe-zies von A. benhamiae sind Krperstamm und Arme (Tinea corporis) sowie Gesicht (Tinea faciei) und Kopf (Tinea capitis und Kerion Celsi) (Abbildung 2a, b).</p><p>In Deutschland wurde eine Patientin nach Nierentrans-plantation unter immunsuppressiver Therapie mit einer aus-geprgten Tinea corporis durch A. benhamiae beschrieben [10]. Der zoophile Erreger lie sich bei der Patientin, ihrem Ehemann sowie mehreren Haustieren, neben drei Meer-schweinchen auch noch drei Kaninchen und ein Hund, nachweisen. Die Identifizierung basierte auch hier auf der Sequenzierung der ITS-Region der rRNA. Die Behandlung der immunsupprimierten Patientin mit Terbinafin oral sowie Ciclopirox topisch war erfolgreich.</p><p>Eine eigene Patientin war ein 5-jhriges Mdchen mit ei-ner Tinea faciei et corporis durch T. Spezies von A. benhami-ae, Infektionsquelle waren zwei infizierte Meerschweinchen. Die 10-jhrige Schwester sowie die Mutter der Patientin wa-ren ebenfalls von einer Tinea corporis betroffen. Die topische antimykotische Therapie mit Ciclopirox-haltiger Creme war nicht erfolgreich, erst nach Gabe von 62,5 mg Terbinafin tg-lich per os ber zwei Wochen kam es schnell zur Heilung der Lsionen [11].</p><p>Ein 9-jhriger Junge hatte eine seit wenigen Wochen am Kapillitium bestehende, schmerzhafte, nssende und eit-rig-abszedierende Schwellung. Zunchst wurde antibiotisch mit Cefuroximaxetil behandelt. Eine Katze sowie zwei Meer-schweinchen, eines davon mit Fellvernderungen, wurden als Haustiere gehalten. Die mykologische Diagnostik aus einem Abstrich sowie epilierten Haaren vom Kopf des Kindes er-brachte den konventionellen und molekularbiologischen Er-regernachweis T. Spezies von A. benhamiae. Terbinafin ber </p><p>Abbildung 1 Trichophyton Spezies von Arthroderma ben-hamiae: Pilzkulturen: Primrkultur aus Hautschuppen bei Tinea faciei bei einem 8-jhrigen Mdchen. Auf Sabouraud 4 % Glukose-Schrgagar sind beige bis gelb gefrbte, fla-che, ausstrahlende Kolonien charakteristisch (a). Subkultur von Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae auf Sabouraud 4 % Glukose-Petrischalenagar. Flache, gelblich gefrbte, peripher ausstrahlende Kolonien mit zentraler Erhabenheit (b). Einzelkolonien von Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae mit gelbem ausstrahlendem Thallus (c).</p></li><li><p>Review Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae</p><p>574 2014 Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Published by John Wiley &amp; Sons Ltd. | JDDG | 1610-0379/2014/1207</p><p>acht Wochen in Tablettenform gegeben fhrte zur Heilung der Tinea capitis profunda (Kerion Celsi) [12].</p><p>Ein 11-jhriges Mdchen hatte seit mehreren Wochen eine Tinea corporis. Dann entwickelte sich zustzlich eine Tinea capitis mit kreisrundem Haarausfall und hyperkera-totischer Kruste (Abbildung 3a, b). Zunchst wurde topisch antimykotisch und antientzndlich (Flupredniden-21-acetat und Miconazolnitrat) behandelt. Haustierkontakt bestand zu einer Katze (bei der Gromutter), Meerschweinchen zu Hause und Musen (in der Schule im Biologieunterricht). Aus Kopf-schuppen war T. Spezies von A. benhamiae sowohl mittels PCR als auch kulturell nachweisbar. Terbinafin und Ciclo-pirox kamen topisch zur Anwendung, auerdem Terbinafin per os 125 mg/d als individueller Therapieversuch ber 14 Tage. Das schriftliche Einverstndnis des Vaters fr die im Kindesalter nicht zugelassene Therapie mit Terbinafin lag vor. Die Tinea capitis heilte unter dieser intensiven Behandlung innerhalb von zwei Wochen mit Restitutio ad integrum [13].</p><p>Bei zwei eigenen Patienten trat eine Tinea unguium durch T. Spezies von A. benhamiae auf. Einmal waren bei einem Teenager die Fingerngel betroffen, bei einer Frau war </p><p>der Erreger bei Onychomykose der Zehenngel nachweisbar (eigene Beobachtungen).</p><p>Ein 24-jhriger Patient mit pustulsen und knotigen L-sionen am Kinn und den Wangen wurde zuerst unter dem Verdacht auf eine Pyodermie mit Amoxicillin, spter unter stationren Bedingungen auch mit Piperacillin/Tazobactam i. v. behandelt. Die Diagnose einer Tinea barbae profunda </p><p>Abbildung 3 Tinea capitis durch Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae bei einem 11-jhrigen Mdchen. Rechts parietal entwickelte sich ein 4 x 5 cm groes, kreisrun-des, erythematses, zentral hyperkeratotisches, verkrustetes und schuppendes Areal mit zentrifugalem Wachstum sowie Alopezie und Juckreiz. Infektionsquelle waren wiederum ein Meerschweinchen. (Quelle: P. Nenoff, C. Krger. Dermat-ophyten-Infektionen der Haut, Haare, Ngel ein Update. Teil 1: Klinische Aspekte. Akt Dermatol 2012; 38: 34759) (a). Nach 14-tgiger Behandlung mit Terbinafin 125 mg/die per os. Die Tinea capitis ist vllig geheilt. Die erhalten gebliebenen Haarfollikel sprechen dafr, dass keine Narbe im Sinne einer Pseudopelade Brocq zurckgeblieben ist (b).</p><p>Abbildung 2 Tinea corporis durch Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae bei einem 43-jhrigen Mann. Infekti-onsquelle fr ihn sowie seine 21-jhrige Tochter war ein Meer-schweinchen (a). Tinea manus durch denselben Erreger (und Stamm) bei der 21-jhrigen Tochter des Patienten (b).</p></li><li><p>Review Tri...</p></li></ul>

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