Ueber die mikroskopischen veränderungen des pankreas nach unterbindung einzelner theile und über einige mikrochemische besonderheiten der langerhans’schen inseln

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    19-Aug-2016

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  • 286 A. ~ankowski:

    Aus dem pathologisehen Ins t i tu t yon ProL W. P o d w y s o t z k i in Odessa.

    Ueber die mikroskopischen Veranderungen des Pankreas nach Unterbindung einzelner Theile und fiber einige mikrochemische Be- sonderheiten der Langerhans'schen Inseln.

    Von

    Dr. A . Mankowskl .

    Hierzu Tafe l XIV.

    Da die mikroskopische Struktur des Pankreas noch nicht in allen Einzelheiten erforscht ist und besonders die Frage fiber die anatomische Natur der sogenannten L a n g e r h a n s ' schen Inseln streitig ist, so unternahm ich in den Jahren 1899 und 1900 im Laboratorium der allgemeinen Pathologie yon Prof. P o d w y s s o t z k i in Kiew eine Reihe vergleichend anatomischer, physiologischer, experimentell-pathologischer und pathologisch- anatomischer Untersuchungen mit Hilfe der verschiedensten Methoden der modernen mikroskopischen Technik. Der einzige und Haupt-Zweck aller dieser Untersuchungen war - - das ana- tomische Wesen und die physiologische Bedeutung der L a n g e r- hans 'schen Inseln festzustellen. Die Ergebnisse dieser Unter- suchungen habe ich im Jahre 1900 mit einer Arbeit in den ,Nachrichten der Kaiserlichen Universitat in Kiew "~) in extenso vertiffentlicht, weshalb ich hier nur die Haupt-Ergebnisse anfiihre:

    1. Die L a n g e r h a n s' schen Inseln sind zeitweilig ver- anderte Lappchen der Pankreasdriise. Sie stehen in der engsten Verbindung mit den fibrigen L~tppchen der Drfise, haben mit ihnen gemeinsame Blutgefasse und mfinden in die Ausffihrghnge. Eine besondere ffir sie charakteristische Bindegewebskapsel fehlt. Zwischen den Zellen der Inseln und denjenigen der Drfisen- lappchen besteht eine ganze Reihe yon Uebergangsformen.

    ~) A. M a n k o w s k i , Zur Mikro-Physiologie der Pankreasdr i ise. Die

    Bedeutung der L a n g e r h a n s ' scheu Inseln. ~) K ie w, Nachr ichten der ka iser [ Universit~it 1900.

  • Ueber die mlkroskopischen Veranderungen des Pankreas etc. 287

    2. Das Zell-Protoplasma der Inseln hat eine sehr zarte Struktur und wird leicht durch die Einwirkung der verschiedenen fixirenden und erhartenden Mittel beschadigt. An Schnitten yon allen lege artis in F 1 e m m i n g' scher L0sung fixirten Stricken der Drrise zeigt das Protoplasma der Inselzellen ein sehr charakteristisches Verhaltniss zu Safranin.

    3. Wahrscheinlich ist dieses Verhaltniss des fixirten und erharteten Protoplasmas zum Safranin dureh besondere chemische Eigenschaften bedingt, welche das lebende Protoplasma der Inselzellen besitzt.

    4. Das lebende Zellprotoplasma der L a n g e r h a n s' schen Inseln wirkt energisch reduzirend auf eine durch den Ausfrihr- gang der Drrise injicirte Lapisl0sung.

    5. Die Zahl der Langerhans 'sehen Inseln kann sich, wie Experimente an Thieren derselben Species und sogar an ein und demselben Thiere zeigen, bald vermehren bald vermindern wahrend der verschiedenen Perioden der Verdauungsthatigkeit des Pankreas.

    6. Die Zahl der Inseln vermehrt sich wahrend der Thlttig- keit und vermindert sich w'ahrend der Ruhe.

    7. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Langerhans - schen Inseln in physiologischer Beziehung eins der morphologischen Stadien der Thlttigkeit der Pankreasdrrise darstellen, welches ich ,Stadium der L a n g e r h a n s' schen-Inseln" zu nennen vorschlage. Jedes Lappchen der Drrise muss am Ende seiner Sekretionsthatig- keit ins ,Stadium der Langerhans'schen- Inseln" kommen, welche die morphologische Erscheinung der hOchsten ErschSpfung oder der energischsten Thatigkeit des Lappchens darstellt.

    8. Der Uebergang aus einem morphologischen Zustande in den andern geht nicht in allen Drtisenlappchen vor sich, sondern in bestimmter Reihenfolge, wobei man an ein und demselben Schnitte Lappchen in verschiedenen Stadien der Thatigkeit be- obachtet. Eine solche Reihenfolge beobachtet man nicht nur unter einzelnen Lappchea des Pankreas, sondern sogar unter einzelnen Zellen desselben Lappchens.

    Zur Illustration der 1., 2. und 4. These diene Figur 1, 2, 3 und 4. Tafel I.

    Gleichzeitig mit meiuer hrbeit erschien die Dissertation yon Dr. S. Tschassownikow aus dem histologischen Institut der

  • 288 A. Mankowsk i :

    Universitttt in Warschaul). Der Yerfasser beschaftigt sich ein- gehend mit den uns interessirenden Gebilden und kommt aut Grund seiner genauen Untersuchungen zu dem Schluss, dass die Inselzellen nichts anderes sind, als Zellen abgearbeiteter Pankreas- lappchen und ,dass sich die Langerhans 'schen Inseln bei energischer Sekretion in grosser Anzahl aus gewShnlichen Drfisen- tubulis bilden, jedoch unfahig sind sich wieder in dieselben um- zuwandeln" (p. 82). Somit sind die Schliisse des Dr. T s c h a s s o w- n ikow nur theilweise nicht tibereinstimmend mit den meinigen, da ich die Rfickverwandlung der Inseln in Lappchen nicht nur ftir m0glich, sondern sogar ffir nothwendig erachte.

    Ganz anderer Ansicht fiber die Natur der lnseln sind Dr. W. Schu lze und Dr. L. Ssobolew~). Ersterer kommt auf Grund seiner Versuche mit Unterbindung einzelner Theile des Pankreas und nachfolgender mikroskopischer Untersuchung des unterbundenen Theiles zum Schluss, ,dass wir es bei den Langerhans 'schen Inseln mit selbstandigen Gebilden zu thun haben, die nicht zum Gangsystem des Pankre~s geh0ren." Diese Gebilde ertragen die schadlichen Folgen der Unterbindung eines einze]nen Prankreastheiles sehr gut und fiberleben so zu sagcn alle fibrigen Elemente dieses Organs. Der Verfasser formulirt seine Schliisse fiber die anatomische und physiologische Bedeutung der L a n g e r h a n s' schen Inseln wie folgt : , Anatomisch betrachtet sind also die La n g e r h a n s' schen Inseln Bhltgefa~,sdrtisen vom Typus der Hypophyse, und in ihrer Funktion sind sie wahr- scheinlich an der Regulirung des Zuckergehaltes des Blutes betheiligt.

    Dieselbe Ansicht fiber das anatomische Wesen und die physiologische Bedeutung der Inseln vertritt auch Dr. S s o b o 1 e w zuerst in seiner vorlaufigen Mittheilung und dann auch in seiner im Frtlhling dieses Jahres erschienenen Dissertation3).

    1) W. Schu lze , Die Bedeutung der Langcrhans 'schen Inseln im Pankreas. Arehiv fur mikrosk. Anatomie, Bd. 56, No. 3. 1900.

    ~) L. W. S s o b o I e w, Zur Morphotogie des Pankreas nach Unterbindung seines Ausftihrganges, bei Diabetes und einigen anderen Bedingungen Petersburg Dissert. 1901.

    3) S. Tschassownikow, Ueber die Struktur und dic funktionellen Veriinderungen der Pankreaszellen. Warschau 1900.

  • Ueber die mikroskopischen Ver~nder~mgen des Pankreas etc. 289

    Da die Schlfisse beider Autoren identisch ~) sind werde ich nur die Arbeit des einen yon ihnen, namlich Dr. Schu lze einer naheren Betrachtung unterziehen.

    Obwohl meine Versuche mit der Unterbindung des Ausftihr- ganges des Pankreas beim Kaninchen und einzelner Theile der- selben Drtise beim Hunde mich schon friiher ~) zu ganz entgegen- gesetzten Schltissen iiber die Bedeutung der Langerhans 'schen Inseln geftihrt hat, als diejenigen, zu welchen W. Schu lze ge- kommen ist, so erachtete ich es in Anbetra(.ht dessen, dass die Differenz in unseren Schliissen vielleicht dem Umstande zuzu- schreiben ist, dass wir an verschiedenen Thierarten experimentirt haben, fiir rathsam die Versuche von Schu lze zu wiederholen.

    Dabei gebrauchte ich eine etwas veranderte Methode der Unterbindung, welche es mir ermSglichte mich in der Schatzung der Resultate der Unterbindung streng zu orientiren.

    So legte ich an ein und derselben Stelle immer zwei Seide- lig~turen an, namlich am kompakten Ende des Pankreas~ welches zur Milz gewandt ist. Nachdem ich zwei Ligaturen in der Ent- fernung von 1 cm angelegt und die Bauchh0hle zugenaht hatte, liess ich das Meerschweinchen leben . - Von allen in dieser Weise yon mir operirten Thieren ertrugen die Operation gut und ohne jegliche Komplikationen nur secbs Meerschweinchen, welche ich nach 3, 5, 8, 15, 25 und 40 Tagen tStete. - - Bei der Sektion schnitt ich nicht nur den Theil ,zwischen den beiden Ligaturen" aus,, sondern auch die angrenzenden Theile, n~tmlich das Milzende des Pankreas d. h. den Theil ,hinter den Ligaturen ~ und einen kleinen Theil ,vor den Ligaturen." Die Schnitte yon dem in Alkohol fixirten und in Paraffin eingelegten Sttick wurden (mit dem Mikrotom ,,Minot ~') so gemacht, dass man an ~iner Flache des Praparates gleichzeitig die Theile ,vor den Ligaturen", ,zwischen den Ligaturen" und ,hinter den Ligaturel~" studiren konnte.

    l) Anmerkung. Zu diesen identischen Schlfissen sind die beiden Autorcn nicht auf glcichen Wegen gekommen. W~hrend die Annahme yon S c h u I z e fiber die physiologischc Rolle der Inseln eine logische Folge seiner Studien uber die u in dem unterbundenen Theile des Pankreas ist, hat S s o b o I e w im Gegentheil diese Voraussetzung nut auf Grund einiger Betrachtungen gemacht und bemliht sich sodann in seiner gauzen Arbeit diese voreingenommene Meinung zu beweisen.

    ~) S. mcine Dissertation.

  • 2gO k Mankowsk{:

    Trotzdem die Ligaturen sehr vorsichtig und ohne Be- schltdigung der Gefasse angelegt wurden und trotz der mehrfach yon mir und anderen Forschern betonten zahlreichen hnastomosen in dem Blutgefasssystem des Pankreas, bestanden die ersten und ffir alle drei Theile gleichen Veranderungen im Laufe der ersten d r e i Tage in CirkulationsstSrungen in Form yon arterieller und venOser Hyperamie, Stauung und Oedem mit Ueberftillung der Lymph- gefasse und Spaiten. Die starksten Cirkulationsstiirungen er- scheinen in dem Theile ,zwischen den Ligaturen", schwacher-- in dem Theile .hinter den Ligaturen" und im Theile ,vor den Ligaturen" sind sie nut in unmittelbarer Nahe der ersten Ligatur bemerkbar . - Die hieraus im Drtisenparenchym entstehenden trophischen StSrungen werden noch versti~rkt durch den hinzu- tretenden schadlichen Einfluss, welchen das sich in den Theilen ,zwischen den Ligaturen" und ,,hinter den Ligaturen" an- sammelnde Sekret auf die Drfisenzellen austibt.

    Am f t inf ten Tage ist schon ein grOsserer Unterschied an drei u bemerkbar. So erscheint in dem Theile ,zwischen den Ligaturen" fast ganzlicher Schwund der epithelialen Elemente. Nur hie und da sind erhaltene Zellen in dem er- weiterten Ausffihrgange bemerkbar. Weder Litppchen noch Inseln sind sichtbar. Das Zwischenbindegewebe ist hyperplasirt und mit Leukozyten infiltrirt, in ihm sind tiberall leere Stellen bemerkbar, entsprechend den hier vorhanden gewesenen Drtisen- lappchen. In dem Theile ,,hinter den Ligaturen" ist die Struktur der Drtise noch erhalten und das mikroskopische Bild gleicht dem yon Schu lze auf Fig. 3 gezeichneten mit dem Unterschiede blos~ dass an meinen Praparaten die husffihrgange und Drtisen- lappchen sehr erweitert erscheinen und die in der Bildfiache sichtbaren Inseln kleiner sind. Das Zwischenbindegewebe ist hier ebenfalls hyperamisch und scheidet in ziemlich dicken Strangen kleine Drtisentheile yon einander~ welehe aus einigen Lappchen bestehen, wodurch dieselben wie yon einer Kapsel um- geben erscheinen und bald runde, bald ovale Form annehmen. - Im Theile ,,vor den Ligaturen" erscheint die Mehrzahl der Lapp- chen in unmittelbarer Nahe der ersten Ligatur atrophiert und das Zwischenbindegewebe massig hyperplasirt. - -

    Am achten Tage ist in dem Theile ,zwischen den Liga- turen" keine Spur yon Pankreasstruktur mehr zu erkennen. Das

  • Ueber die mlkroskoplschen Ver~nderungen des Pankreas etc. 291

    Bindegewebe fangt an sich in festes faseriges Gewebe umzu- wandeln. Der Theil ,hinter den Ligaturen" besteht hauptsach- lich aus Bindegwebe, worin man*.~Querschnitte stark erweiterter Ausffihrghnge antrifft, welche mit cylindrischen oder kubischen Epithel bedeckt sind. Gruppen yon Lappchen oder einzelne Lhppchen trifft man noch hie und da an; aber die Drfisenzellen sind derartig verhndert in Form und Gruppierung, dass man nur mit Mfihe in ihnen das Pankreasepithel erkennen kann.

    Im Theile ,vor den Ligaturen" hat das Dr~isengewebe eine fast normale Struktur in einiger Entfernung yon der Ligatur, w~thrend man in der Nahe der Ligatur eine bedeutende Ent- wickelung yon Bindegewebe antrifft, in welchem runde oder ovale Lhppchengruppen vorkommen, wobei man nicht selten Bilder sieht, welche an die von S c h u lz e in Fig 4 aufgezeichneten erinnern. Die Inseln, welche in einigen Schnitten vorkommen, sind ziemlich gross. - -

    Am 15., 25. und 40. Tage erscheint in dem Theile ,zwischen den Ligaturen" immer mehr und mehr atrophisches Bindegewebe, so dass dieser Theil am 40. Tage nut einen dCinnen und kurzen Bindegewebsstrang darstellt. - - Im Theile ,,hinter den Ligaturen" werden die Dr~isenelemente auch progressiv durch Bindegewebe ersetzt, welches sich mit der Zeit in einen faserigen Strang um- wandelt, der fast keine epithelialen Elemente enthalt.

    Im Theile ,vor den Ligaturen" sieht man in einiger Ent- fernung Bindegewebswucherung, wobei ganze Lhppchengruppen vom ~ibrigen Parenchym abgeschn~irt und yon einem Bindegewebs- ringe umgeben werden, so dass sie an einigen Stellen ein Bild darstellen wie es yon W. Schu lze in Fig 5 und 6 aufgezeichnet ist. Ueberhaupt entwickeln sich in diesem Theile auf einer mehr oder weniger ausgedehnten Flache ahnliche Erscheinungen wie bei der Annular-Cirrhose (cirrhosis annularis) der Leber.--

    In allen meinen Fallen war folglich ,hinter den Ligaturen" und ,.zwischen den Ligaturen" ein allmhhlicher Schwund der Drfisenelemente und Ersatz derselben durch Bindegewebe bemerk- bar, wobei die als Langerhans'sche Inseln bekannten Zellen- gruppen in gleiclmm Maasse mit den fibrigen Drfisenlappchen zu Grunde gingen. Zu demselben Schlusse brachten reich meine frfiheren Versuche an Kaninchen und Hunden. - -

    Was nun die Theile ,,vor den Ligatnren ~ anbelangt, so gehen auch hier auf mehr oder weniger ausgedehnter Flache die

  • ~92 A. Mankowski :

    Pankreaselemente zu Grunde und es entwickelt sich eine Art Cirrhose, welche einige ausserliche Aehnlichkeit mit der Annular- Cirrhose der Leber hat . - Wenn man solehe cirrhotisch ver- anderte Theile betrachtet, erhi~lt man wirklich beim ersten Blick den Eindruck als ob die Anzahl der Langerhans'schen Inseln grSsser ist, als die Anzahl der unverlinderten Lappchen Wenn man nun abet aus der Betrachtung derartiger Bilder auch den Sch|uss ziehen kann auf die scheinbar grOssere Wiederstands- fahigkeit der Langerhans'schen Inseln, so kann man doch keines- falls denselben Schluss ziehen aus der Betrachtung der 1)rrisen- theile ,zwischen den Ligaturen" und ,hinter den Ligaturen", wo das Dr r i sengewebesostarkeVeranderungener f '~thr t , dass es unmi ig l i ch ist d ie Langerhans 'schen Inse ln yon den r ib r igen Dr r i sen lappchen zu untersche iden . - -

    Indem ich die Richtigkeit der yon W. Schu lze konstatirten Thatsachen vollauf anerkenne, bin ich trotzdem auf Grund des oben Angefiihrten nicht einversta~den mit den Schlrissen, welche er am Ende seiner Arbeit zieht. Im Gegentheil, nach reifiicher Prrifung aller meiner Praparate komme ich zu dem Schlusse, dass die Versuche mit der Unterb indung des Ausf t ihr - ganges des Pankreas a l le in...

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