Über die Schwerhörigkeit während und nach intensiver Lärmeinwirkung

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    21-Aug-2016

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  • W. KLEY: SchwerhSrigkeit wahrend und nach intensiver Larmeinwirkung. 47 I

    Herr Ileermann. Bei der Beh~ndlung schwerer Stenosen mit ZersgSrung des Knorpe!geriis~es hat sich uns folgendes Verfahren bew~hrt:

    Die Kaniile wird herausgenommen und etwa 5 cm oberhMb in und fiber dem Kehlkopfres~ wieder eingesetzL Dutch eine Spreehkanfile kann der P~tient ohne weiteres spreehen. Dureh eine Ventilkaniile auch ohne Benutzung des Fingers dutch Mund und Nase ausatmen. Ob wit auf die Dauer trotz Verlust des Knorpel- gerfistes die Kanfile sparer wider entfernen k6nnen, bleibt ungewi~, die Erfahrun- gen sind noch nieht lange genug.

    Herr (~reven (Schlugwor~). Herrn HE~R~A~ m6chte ieh erwidern, dab wit es als das wesentlichste ansehen, den Patienten dekaniilieren zu kSnnen. Das ist abet nut durch Ausbildung eines Schleimhau~sehl~uehes mSglich. Ge- gebenenfalls kann anschliegend durch eine Knochen- oder Knorpeltransplantatior~ der Kehlkopf abgesbiitzt werden.

    28. Herr Walter Kley-Wiirzburg : {~ber die Schwerhiirigkeit w~ihrend und naeh intensiver L~irmeinwirkung. (Mit 3 Textabbildungen.)

    Meine Herren! Vergleiehende Untersuchungen tiber das Ton- und SprachgehSr vor, w/~hrend und nach L/~rmeinwirkung haben Ergebnisse gezeitigt, die sehr bemerkenswert sind.

    Im allgemeinen wird angenommen, dab die HSr,,leistung" ftir die Sprache und die H5rempfindlichkeit ftir einzelne T6ne (Eintonh5ren) in einem bestiml~at~n Verh~ltnis zueinander stehen. Dem Kliniker begegnet~ aber immer wieder eine oft sehr deutliche Diskrepanz. Ich erinnere nur an die Mitteilung yon F. KOB~AX, der H6rverbesserung ffir die Sprache naeh Politzern nachweisen konnte, ohne dab sich das TongehSr gebessert h/~tte. Ich erw/~hne ferner die Beobachtung yon MAx M~YE~, dab sich nach der grogen Occipitalpunktion bei Otosklerosef~llen einmal wie bei der KoBaA~schen Mitteilung das Sprachgeh6r besserte, w/~hrend das Tongeh5r hinter der Besserung zurfickblieb. In einem zweiten Fa]le war es umgekehrt, es blieb das SprachgehSr hinter der H5rdauerbesse- rung bei der quantitativen Prfifung deutlich zurtick. Inzwischen wurden weitere Beobaehtungen solcher Art yon MAX M~Y~ gemacht, auf die Herr KOB~AK in seinem Vortrag hinwies.

    Es ist nunmehr an der Wiirzburger Klinik gelungen, eine solche Diskrepanz experimentell zu erzeugen. Wir haben ein 0hr eines Normal- h6renden 5--25 rain dem L/~rm zweier Biai~Yscher L~rmtrommeln im Wechsel ausgesetzt und das H6rvermSgen vor und nach dem Ver- t/~ubungsversuch gepriift. Unabh/~ngig yon diesem Versuch wurde an einem anderen Tage das HSrverm6gen wdhrend der L~rmeinwirkung geprfift, indem das zweite Ohr der Versuchsperson dem Ger/~usch der L/~rmtrommel ausgesetzt wurde und an dem Ohre, an welchem die iibrigen Versuche ausgefiihrt worden sind, auch jetzt wieder das H6r- vermSgen gepriift. Bevor ich die Ergebnisse kurvenm/~6ig demonstriere,

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    will ieh noch darauf hinweisen, dab die quantitative Priifung des Ton- gehSrs mit Stimmgabeln der C-Reihe ausgefiihrt wurde, indem die stark angesehlagenen Stimmgabeln in Intervdtten vet dau Ohr bzw. auf den War.zenfortsatz gebracht wurden und die tt6rdauer (Abklingzeiten) zeit- mggig festgelegt wurde. Die Abklingzeiten sind prozentmiigig dargestellt im Vergleieh zu der normMen Abklingzeit yon 100~o.

    Die Knochenleitung wurde in den Kurven aus Grtinden der tdber- siehtliehkeit nieht aufgezeichnet, sie verl/iuft aber analog der Luft- 12e leRung. Erw/ihnen mug ich % noeh, dab auch das HSrver- 11t mSgen fiir Umgangsspraehe

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    subjektiv stark herabgesetzt ist, dab aber unsere R/~umlichkeiten zur genauen Priifung nieht aus- reichten. Es scheint jedoch, dab das Migverh~ltnis zwisehen Um- gangsspraehe nnd TongehSr einerseits nieht so grog ist wie zwisehen Fltisterspraehe nnd Tongeh6r andererseits. Auger-

    10

    C C 7 C 2 C 3 C ~" C 5

    Konv. Spr. F1. Spr. Weber . . Sehw~baeh Rinne . . Unt. Tongr. Ob. Tongr.

    vor nach w~hreI~d

    16 n 6 m 16 m

    8n lm lm Mitre Mitt -+li. ~0 " ~0 - -15" ~55" -t-48 +22" Ce ~ C8~ C64

    e 7 e 7

    Abb. 1. t:fSrbild des l inken Ohres einer normalh6renden Versuchsperson vor, nach und wiihrend der Lgrmeinwirkung.

    dem gehen subjektiv nach dem Versuch die Feinheiten beim H6ren yon Musik verloren.

    An Hand einiger Diapositive will ich Ihnen die Versuehsergebnisse. demonstrieren: (Beispiel 1) normales Ohr vor dem Versueh: Tongeh6r bei Luftleitung 100 ~/o, .Fliisterspraehe 8 m. Tongeh6r und Flfistersprache des gleichen Ohres wi~hrend der Li~rmeinwirkung auf das andere Ohr stark herabgesetzt (16--60~o, 0,5--1 m). Nach Einwirkung yon 2 Li~rm- trommeln im Wechsel fiir 15 rain ist sofort naeh Beendigung der Lgrm- einwirkung das Tongeh6r bis auf eine Ms Li~rmsehi~digung aufzufassende c ~- und cS-Senke normal oder nahezu normal, aber die Fliisterspraehe ist enorm, n~mlich auf 1 m herabgeset, zt. Auch die iibliche H6rpriifung

  • l~'ber die sehwerhSrigkeit w/~hrend und nach intensiver L~rmeinwirkung. 473

    mit WEBER, RI I~E, Se~IWABAOrr usw. weist auBer der Herabsetzung f~r Fl~sterspraehe und der H6rdauerverkfirzung ftir die es-Stimmgabel kaum eine Xnderung auf. (A.bb 1)

    Ein zweites Beispiel zeigt Ihnen das gleiehe Ergebnis , nur dab hier unmittelbar nach der Li~rmeinwirkung das TongehSr fiir die tiefen TSne (64 Hz. und 128 Hz.). gering herabgesetzt ist, was wir auf einen noch fiber die L/~rmeinwirkung hinaus anhaltenden Binnenohrmuskelspasmus zurfickfiihren. Dieser Abfall ffir die tiefen TSne hatte sich abet bereRs nach 10 rain ausgegliehen, jedoeh war nach dieser Zeit das HSrverm6gen ffir :Flfisterspraehe nur gering ge- bessert, aber keinesfalls normali- siert (Abb. 2).

    Ieh will Ihnen sehlieBlieh noeh das tt6rbild eines klinisehen Falles demonstrieren. Es handelt sieh um eine 28j/ihrige Patientin, die 1945 einen Typhus durehgemacht hat mit resultierender Sehwer- hSrigkeit beiderseits und Ohren- klingen in der Tonh6he um e'~. '

    Konv. Spr. F1. Spr. Weber . . Schwabach Rinne . . Unt. Tongr. Ob. Tongr.

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    > 23 m 8m

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    16 m 1--1,5 m

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    wdhrend d~r Vert~ubung

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    rechles Ohr [20mini

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    C 5

    Abb. 2. LISrbfld einer normalhSrenden Studentin vor, nach und w~ihrend der Vert/~ubung, Erkliirung siehe Text.

    Die quantitative HSrprfifung ergibt links ein TongehSr ffir Luftleitung zwischen 80 und 90 %. KnochenleRung zwischen 50 und 60 %. Umgangs- sprache ist auf 12 m (normal mehr als 24 m), Flfistersprache auf 2 m (normal 8 m) herabgesetzt. Es entsprieht also das Tongeh6r in kei~ler Weise der H6rleistung ffir die Spraehe (Abb. 3).

    Aus diesem MiBverhgltnis zwisehen EintonhSren und SprachgehSr, sowoh! im Experiment als auch in der Klinik ist dot SehluB zu ziehen, dab entweder ffir die Vermittlung des H6rens auBer dem Cortiepithel (Co~TIsehes Organ) noch Bin zweites ,,Organ" notwendig sein muB, oder aber - - und das ist wahrseheinlicher - - es mfissen dem Cortiepithel zwei Funktionen zugesehrieben werden. Eine Funktion, die das Einton-

  • 474 WALTER K_LE)C : Schwerh6rigkeit wghrend u. nach illtensiver Li~rmeinwirkung.

    7oo % I I t ut'lleilung 90- -

    80 . . . .

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    hSren und eine zweite Funktion, die das SprachgehSr vermittelt. Auch F. KOBRAK ist der letzteren Ansieht, wie er bei der Bespreehung seines cochleo-vestibuli~ren tt6rprinzips dargelegt hat.

    An dieser Erkli~rung einer zweifachen Funktion des Cortiepithels waren mir besonders in den ]etzten Tagen starke Bedenken gekommen, zumal mir bei meinen Experimenten st~ndig die Versuche yon BI~i~INGS vor Augen schwebten, die er auf dem Hamburger Kongrel~ 1926 demon- strierte. BRii~I~GS hat mit seinem damaligen Assistenten PERWlTZSCI~KY

    mittels ,,Siebketten" auf e]ek- )

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    ~rischem Wege aus gesprochenell Worten bestimmte Frequenzbezirke herausgeschnitten und h~t gezeigt, daI~ die Sprache beim Abschneiden der hohen Frequenzen um so mehr ihre Verst~ndlichkeit verliert je tiefer herunter die Amputation er- s Bei der yon mir getroffenenVer- suchsanordnung w~re es aber nicht

    Konv. Spr. 12 m F1. Spr. 2 m Weber . . Mitre

    (~ q gch. G.) Schwabach --5" I/rkesihr Rinne~ . +57"

    Unt. Tongr. C32 Ob. Tongr. . h 6

    C c c 7 c 2 c 3 c r c 5

    Abb. 3. SchwerhSriglceit nach Typhus. Die Kurven stel]eI1 die %-Werte der Abklingzeiten der Stimmgabeln dar.

    mSglich gewesen, eventuelle Ausf~lle in bestimmten Frequenzgebieten nachzuweisen. Glticklicherweise wurde uns vor 3 Wochen ein Audiometer angeliefert und so konnte ich bis heute mit diesem Ger~t noch einige Versuehe zur Vervo]lst~ndigung meiner Arbeit anstellen. Diese Versuche sind zwar noch nicht endgtiltig abgeschlossen und sie entbehren noch tier zu fordernden wissenschaftlichen Exaktheit, doch kann ich schoi~ jetzt sagen, dab ich nach Vert~ubung yon 15 rain auch mit dem Audio- meter nur eine geringfiigige Herabsetzung der oberen Tongrenze land. (In einem Falle yon 18 000 Hz auf 17 500 Hz.) Aui]erdem konnte ich bis jetzt auger der auch schon mit den Stimmgabcln festgestellten Senke zwischen c ~ und c ~ keine weiteren Senken naehweisen, die mehr als 10 Decibel betrugen.

    Es li~l]t sich also nach der Verti~ubung tiber das gesamte Frequenz- band auch audiometrisch kein Ausfall des TongehSrs linden, der das

  • [-I. KESEI~: Nystagmographie der Streptomycinsch~digung des Vestibularis. 475

    stark herabgesetzte HSrverm5gen ffir die Sprache (speziell Fltister- sprache) erkli~ren k5nnte.

    Zum SchluB mSchte ich noch erwi~hnen, daI~ es sich bei meinen Aus- ffihrungen nur um eine vorl~ufige Mitteilung handelt und da~ eine aus- ffihrliche Gegenfiberstellung yon Experiment und Klinik in der Zeit- sehrift fiir Laryngologie demn~chst erscheinen wird.

    Aussprache zu dem Vortrag Kley. Herr Kobrak-London. Die Mitteilungen yon Herrn KLsY sind yon speziellem und

    allgemeinem Interesse. KLEYS Versuche deuten auf Erkl~rungsmSglichkeiten durch das cochleo-vestibuli~re tt6rprinzip hin. Das allgemeine Interesse liegt darin, dai~ eine maI3gebende Klinik sich mit Eindringliehkei~ fiir die Innenohrphysiologie des Menschen und nicht nur des Meerschweinehens einsetzt, wie es leider in gewissen maBgebenden Kreisen der englischsprachigen Literatur der Fall ist.

    29. Herr H. Keser-Freiburg i. Br.: Nystagmographie der Strepto- mycinsch~idigungen des u (Mit 1 Textabbildung.)

    Die elektrische Nystagmographie nach Jv~o und TS~IEs 1 hat gegen- fiber der fiblichen Nystagmusz~hlung der Klinik eine Reihe wesentlicher Vorteile :

    Der postrotatorische, optokinetische und kalorische Nystagmus wird auf einem Film amplitudengetreu registriert ;

    1. wird dadurch die nicht unbetr~chtliche Fehlerquelle bei der Nystag- musz~thlung mit Stoppuhr und Leuchtbrille auf ein Minimum reduziert, (bei Frequenzen yon fiber 3 sec ist das blol~e Auge nicht mehr in der Lage, die einzelnen Rucke z~h]end zu erfassen) ;

    2. ist die quantitative Er/assung der Form und Amplitude des ~Vystag- mus mSglich. Die Verlaufsuntersuchungen yon Erregbarkeitsveri~nde- rungen sind an Hand der registrierten Kurven optisch leicht erfal~bar. Bei der Auswertung des Kurvenmaterials wird die Gesamtamplitude, Gesamtschlagzahl, Nystagmusdauer und die maximale Winkelgeschwin- digkeit der langsamen Phase ermittelt.

    3. Dureh unterschwelliges Andrehen (unter 1 ~ Winkelbeschleunigung pro Sekunde ~) wird nur der beim Stop auftretende negative Beschleuni- gungsreiz wirksam. Hemmende optische Einflfisse warden durch die Re- gistrierung mit geschlossenen Augen eliminiert, ferner ist eine genaue I~eizdosierung m5glich. Als Standardreiz hat sieh ein Reiz yon 90~ Winkelgeschwindigkeit am besten bewi~hrt.

    * Aus dem physiologischen Laboratorium der Universit~tts-Nervenklinik Frei- burg (Direktor: Prof. Dr. BERI~GER}.

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