Untersuchungen zur Darstellung der Lymphgefäße im Hodenparenchym beim Stier mit der Injektionsmethode

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    02-Oct-2016

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<ul><li><p>andrologie 1 (3) : 113-117 (1969) Eingegangen am 10. Mai 1969 </p><p>Aus der Universitats-Hautklinik Freiburg i. Br. (Direktor: Prof. Dr . K. W. KALKOFF) </p><p>Untersuchungen zur Darstellung der LymphgefaOe im Hoden- parenchym beim Stier mit der lnjektionsmethode </p><p>M. HUNDEIXER </p><p>Einleituiig uiid Fragestellung Verschiedene Autoren haben in den letzten Jahren immer wieder das Vorkommen von </p><p>Lymphgefaflen im Hodenparenchym zahlreicher Versuchstiere geleugnet (RENYI-VAMOS. 1954, 1960; RUSZNYAK et al., 1957; STAUDT und WENZEL, 1964, 1965; WENZEL und KEL- I ERMANN, 1966). Diese Untersucher bestreiten auch durchwegs die Eigung der Injektions- methoden zur Darstellung der Lymphgefafle. Deswegen wurde vie1 Muhe daran gewen- det, mit anderen Methoden die Blut- und Lymphgefafle gegeneinander abzugrenzen (STAUDT, 1967). N u n sind aber gerade mit Injektionsmethoden die bis heute kaum uber- ti offenen klassischen makroskopischen Darstellungen des menschlichen Lymphgefafi- systems z. B. von MASCAGNI (1787) und CRUIKSHANK (1789) erarbeitet worden. Schon LUDWIG und TOMSA (1 862) sowie GERSTER (1 877) erzielten damit Teilerfolge auch bei der Darstellung der Hodenlymphgefffle. Ausgehend von eigenen (HUNDEIKER und KEL- I ER, 1963), inzwischen durch POPESKO (1966) bestatigten Erfahrungen sol1 deshalb im fol- genden noch einmal untersucht werden, ob die Ansichten der zuerst angefuhrten Autoren zutreffen oder ob sich die Injektionsmethoden zur Darstellung der Lymphgefafle doch eignen und welche Befunde damit hinsichtlich der Lymphvascularisation des Hoden- prenchyms zu erheben sind. </p><p>Material und Methode In Anbetracht der innerhalb der Saugetierreihe prinzipiell iibereinstimmenden Gefafl- </p><p>nrchitektur (vgl. HUNDEIKER und KELLER. 1963) und peripheren GefaRausbreitung in der mannlichen Keimdruse wurde der Hoden von Bos taurus statt des menschlichen als Unter- suchungsobjekt gewahlt, da hier gegenuber den Verhaltnissen beim Menschen die in die 'I'unica albuginea eingelagerten Lymphgefaflstamme dichter angeordnet und weiter sind. Dies ist eine Folge der bekannten Tatsache, dafl die Oberflache eines Organs mit dessen zunehmender Grofle nicht in gleichem Mafle wachst wie sein Volumen. Infolgedessen sind bei gvoflen Saugetierhoden in der Tunica albuginea oberflachliche grof3ere LymphgefaCe relativ leicht zu erkennen und zu punktieren. Die Injektion mufl von hier aus erfolgen, weil eine retrograde Injektion von den Lymphstammen des Samenstranges aus wegen des Klappenreichtums und der zarten Wandung derselben kaum moglich ist. </p><p>Als Injektionsmasse wurde eine mit Berlinerblau eingefarbte diinnflussige Gelatine- losung benutzt (vgl. HUNDEIKER, 1965, 1966). Durch leichten Druck auf das Organ bei Abklemmung der proximalwarts gelegenen Stamme im Samenstrang wurde ein groCeres intraalbuginares, im gestauten Zustand prall mit klarer Flussigkeit gefulltes und sich leicht vorwolbendes Lyniphgefafl sichtbar gemacht und mit dunner Kanule punktiert. Die Tunica albuginea selbst sorgt durch das fest die Nadel umschlieaende Bindegewebe fur die Abdichtung der Punktionsstelle. Die Lymphgefafle sind durch ihren Inhalt, ihre Form ilnd Anordnung von den ebenfalls in der Albuginea sich ausbreitenden (vgl. z. B. Zu- cammenstellung bei HUNDEIKER und KELLER, 1963; HUNDEIKER, 1965, 1966) Arterien </p></li><li><p>114 M. HUNDEIKER </p><p>und Venen gut unterscheidbar. - Nach Punktion des Gefafles werden die Klemmen entfernt und sehr langsam unter geringem Druck etwa 30-40 ml der angegebenen In- jektionsmasse eingefiillt, die sich, anders als bei Punktion entsprechend gelegener Venen, leicht nach allen Seiten und in mehreren Schichten ubereinandergelegener kleiner und grofler Teile der Lymphgefaflnetze ausbreitet. Der Austritt der Injektionsmasse aus- schliefllich aus den an der Peripherie den Plexus pampiniformis begleitenden Lymphge- faflen erlaubt eine erste Kontrolle der richtigen Injektion. Nach geniigender Fiillung wird das Blutgefaflsystem wegen der Grofle des Organs mit gepuffertem 3 gigen Formol durch- spiilt, das Material darin fixiert, zu Pataplastschnitten von 8 und 16 EL Dicke verarbeitet und mit Kernechtrot gegengefarbt. </p><p>2 Hoden wurden nicht injiziert und fixiert, sondern zu Kryostatschnitten verarbeitet. Diese Schnitte wurden der Nachweisreaktion fur alkalische Phosphatase unterworfen zum Versuch einer Diff erenzierung zwischen Blut- und Lymphlrapillaren mit Hilfe des unterschiedlichen enzymhistochemischen Verhaltens ihrer Endothelien (vgl. HUNDEIKER, 1969). Zum Vergleich konnten zusatzlich Korrosionspraeparate aus friiheren Untersuchun- gen herangezogen werden. </p><p>Befunde Im Einzugsbereich der injizierten Lymphgefaflstamme weisen nicht nur die peripheren </p><p>Gefaflnetze in der Tunica albuginea ( A h . I), sondern auch grofle Teile des Hodenparen- chyms eine Gefaflfiillung auf. Extravasate finden sich nicht, ebensowenig ein Eindringen von Injektionsmasse in Blutgefafle. Die Lymphgefaflfiillung beschrankt sich nicht, wie es z.B. den Angaben von RENYI-VAMOS (1954) oder RUSZNYAK et al. (1957) entsprechen wiirde, auf die Septula testis. Es stellt sich vielmehr ein feines netzforniiges Lymphkapillargeflecht dar, dessen Anfange schon in den Intertubularraumen die Zweckelkapillaren begleiten. Die Anordnung dieser Kapillaren entspricht derjenigen kapillarer Gefafle im histochemisch untersuchten Material, die keine alkalische Phosphatasereaktivitat in ihren Endothelien erkennen lassen. Die etwas grofleren Sammelgefafle ziehen, relativ arm an Klappen und untereinander weiter vielfach netzformig verbunden, teils zum Corpus Highmori, Zuni grofleren Teil zur Tunica albuginea. Teilweise begleiten sie auf diesem Weg, meist zu mehreren, die iiber die Tunica albuginea ein- oder austretenden Arterien- und Venen- iste. In der Tunica albuginea ist ihre Anordnung charakteristisch anders als die der Blut gefai3e (Abb. 1, 2). Die im Corpus Highmori sich sammelnden GefaBe verlassen mit diesem ini Nebenhodenkopfbereich den Hoden und vereinigen sich hier am Beginn des Plexus pampiniformis mit denen, die das Organ iiber die Tunica albuginea verlassen. Sic bilden zusammen eine wechselnde Anzahl auflerordentlich klappenreicher Lymphgefafl- stamme, die dem Plexus pampiniformis, der beim Stier ein sehr dichtes die Windungen der A. spermatica interna umschlieflendes Geflecht bildet, peripher anliegen (Abb. 3) . Sie flieflen zu den iliacalen und paraaortalen Lymphknoten hin ab. </p><p>Ein auffalliger Befund ist das gegeniiber demjenigen der Blutgefafle vollig andere Ver- haltnis der Lymphgefafle des Hodens und der seines Serosaiiberzuges zueinander. Wih- rend die Blutgefafle des Epiorchium ein von denen des Hodens weitgehend unabhangiges Netz bilden (vgl. HUNDEIKER, 1965, 1966) stehen die feinen der Serosa zugeordneten oberflachlicheren Lymphgefafle in der Tunica albuginea rnit den tieferen in vielfaltiger cetziger Verbindung. Durch diesen Zusammenhang der das Hodenparenchym drainieren- den wie auch aus dem Nebenhoden kommender Lymphbahnen mit den oberflachlichen Gefaflnetzen kann es Lei Injektion von der Tunica albuginea testis aus auch zu teilweisen I ymphgefaflfiillungen in Caput und Cauda epididymidis kommen. </p><p>andrologie 1, Heft 3 (1969) </p></li><li><p>Untersuchungen zur Darstellung der Lymphgefage im Hodenparenchym beim Stier 115 </p><p>4 Abb. 1 : Linker Hoden cines dreijahrigen Stiercs von ventro-lateral nach Injektion der Lymphgefai3e von einem groi3eren Sani- melgefai3 der Tunica albuginea aus. Die Punktionsstelle des Gefafles (Mitte rechts) ist durch nachtragliches Hervorquellen cines Tropfens der Injektionsmasse erkennbar (P). Die Lymphgefahetze der Tunica albuginca treten durch die Fiillung mit dunkel ange- farbter Injektionsmasse hervor (I) , ihre An- ordnung ist vollig anders als die der in der Tunica albuginea sich iiber den Hoden aus- breitenden Arterien und der sich dort $am- melnden Venen. Nahe dem unteren Hoden- pol schimmerii einzelne Windungen der durch Blutfullung sich dunkel gegen die weii3e Tunica albuginea abhebenden Ar- terieniste schwach und unscharf begrenst </p><p>durch ( 2 ) . </p><p>A Abb. 2: Das Parenchym des gleichen Stier- hodens wie in Abb. 1 im mikroskopischen Bild mit dunkel durch Fiillung mit Injek- tionsmasse hervortretenden Lymphkapilla- ren. Ein Vordringen der Injektionsmasse in ,,Gewebsspalten" findet sich nicht. In groQc- ren GefaGen vielfach ungleichmagige Ver- teilung der lcornigen Farbpartikel im Lu- men. Gegenfarbung mit Kernechtrot. Para- </p><p>plastschnitt 16 p. Vergr. @ : 1. </p><p>4 Abb. 3: Langsschnitt durch den oberen Ho- denpol und den distalen Anteil des Plexus pampiniformis beim Stier. Nicht injiziertes Material, Paraffinschnitt 16 p, Trichromfir- bung nach GOLDNER. - Im mittleren Anted ist die Ausmiindung des Corpus Highmori aus dem Hodeninneren angeschnitten (1); dariiber sowei an beiden Seiten in der Tu- nica albuginea sammeln sich grogere Lymph- stamme (2), die an der Peripherie den Ple- </p><p>xus pampiniformis begleiten. Etwa 2 : 1. </p><p>~ </p><p>andrologie 1, Heft 3 (1969) </p></li><li><p>116 M. HUNDEIKER </p><p>Diskussion </p><p>Die wichtigste Folgerung ails den beim Stier nach Lymphgefaflinjektion erhobenen Be- funde ist, dafi die gegenwartig, besonders durch die grofie Monographie von RUSZNYAK, FOLDI und SZABO (1 957) allgemein verbreiteten, grofitenteils auf Untersuchungen an klei- nen Haustieren (Hund, Kaninchen) beruhenden Vorstellungen uber die Lymphgef afl- architektur der mannlichen Keimdruse (vgl. z. B. RENYI-VAMOS, 1954, 1960; STAUDT und WENZEL, 1964, 1965 ; WENZEL und KELLERMANN, 1966; WENZEL, 1967) hinsichtlich der Verhaltnisse innerhalb des Hodenparenchyms in wesentlichen Punkten nicht allgemein zutreffen. Diese Feststellung schlieflt auch die aus diesen Vorstellungen gezogenen thera- peutischen Folgerungen (vgl. Zusammenstellung bei RUSZNYAK et al., 1957) mit ein. Die genannten Autoren bestreiten allgemein die Eignung der Injektionsmethoden zur Lymph- gefafldarstellung. STAUDT und WENZEL (1964) meinten sogar, wir (HUNDEIKER und KELLER, 1963) hatten bei fruheren Versuchen in das Parenchym injiziert und Extra- vasate in Kauf genommen; offenbar ist diese Arbeit von den genannten Autoren in einigen Punkten mifiverstanden worden wie auch die in ahnlicher Weise zitierte Beschreibung von GERSTER (1 877). Bei den Untersuchungen der vorgenannten Autoren wurden Metho- den angewendet, die teilweise neben den Injektionsverfahren bereits von LUDWIG und TOMSA (1 862) erprobt wurden, namlich die Hervorhebung der Lymphgefafle allein durcli Stauung (teilweise erganzt durch Blutgefafiinjektion). Auf die Unzulanglichkeit dieser Methode hat bereits SHDANOW (1962) in einer eingehenden Untersuchung hingewiesen und gezeigt, dafi sie ,,nur unvollstandige und verzerrte Bilder" ergibt. Wir konnen, wie auch POPESKO (1966) und SHDANOW (1962; dort, sowie bei HUNDEIKER und KELLER, 1963 Zusammenstellungen der alteren Literatur) nochmals feststellen, dafl das Hodenparen- chym ein durchaus reiches und engmaschiges geschlossenes Netz feiner Lymphkapillaren besitzt, die die Tubuli contorti und die grofleren Blutgefafie umspinnen. Dies gilt nicht nur fur den jetzt uiitersuchten Ioden des Stieres, zumal prinzipielle Unterschiede der Gefaflarchitektur innerhalb der Saugetierreihe nicht ZLI erwarten sind (ygl. auch GERSTER, 1877). Dem entsprechen auch die ersten Ergebnisse einer inzwischen begonnenen nochnia- ligen Nachuntersuchung am menschlichen Hoden. Die netzforrnige Verbindung der tiefen und der oberflachlichen Lymphgefaije von Hoden, Nebenhoden und Epiorchium spricht fur eine gegenuber den Blutgefafien (vgl. HUNDEIKER, 1965, 1966) weniger eigenstandige Entwicklung der aus dem Organ und der aus seiner Serosauberkleidung stammenden Lymphbahnen. </p><p>Zusammenfassung </p><p>Die Ansicht, dafl Lymphgefafie innerhalb des Hodenparenchyms nicht existieren son- dern erst in den Septula testis und der Tunica albuginea beginnen, ist in der neueren Literatur verbreitet. Sie ist jedoch unzutreffend und beruht auf mit ungeeigneten Metho- den durchgefuhrten Untersuchungen. I m Hoden des Stieres laflt sich durch Injektion von grofieren intraalbuginaren Lymphstammen aus ein das gesamte Parenchym durchsetzen- des Netzwerk darstellen. Dieses umspinnt mit vielfachen kapillaren Verbindungen die l'ubuli contorti und teilweise die Blutgefafle. Die abfuhrenden Gefaflstamme verlassen, w-eiter netzformig untereinander verbunden, teils uber das Corpus Highmori, iiberwie- (;end uber die Tunica albuginea das Organ und begleiten an der Peripherie die von Plexus pampiniformis und A. spermatica interna gebildete Gefafiranke. I m Gegensatz zu den Blutgefafien ist ein besonderes von den tiefen Gefafien unabhangiges Lymphgefafinetz des Epiorchium nicht ausgebildet. </p><p>Summary There is a widespread opinion in the newer literature that lymphatic vessels d o not </p><p>cxist within the testicular parenchyma and they begin only in the septula testis and the tunica albuginea. But this is an error, caused by inadequate methods of some investigators. </p><p>andrologie 1, Heft 3 (1969) </p></li><li><p>Uiltersuchungen zur Darstellung der Lymphgefifie im Hodenparemchyni bei Stier 117 </p><p>In the testicle of the bull, a fine but dense lymphatic network is demonstrable within the parenchyma, by injection from larger collecting lymph stems of the tunica albuginea. It originates within the intertubular spaces and surrounds the tubuli contorti and, partially, thc blood vessels with fine capillary connections. The collecting lymph vessels gather in the tunica albuginea and partially in the corpus Highmori. They accompany the plexus pampiniformis and the internal spermatic artery. They are distributed around the peri- phery of the plexus pampiniformis. In the epiorchium there is no special network separa- ted from the internal testicular lymphatics, which is in contrast to the situation with the blood vessels. </p><p>Herrn Dr. med. vet. H. RENATUS, Schlachthof Freiburg, mochte ich fur freundlichc Hilfe bei der Beschaffung dcs Untersuchungsmaterials danken. </p><p>Frau B. KETELSEN, MTA, danke ich fur ihre Hilfe bei der cxperimentelleii Arbeit; die photogra- phischen Arbeiten wurden von Herrn 17. KAUT und Fraulein C. DOSCH ausgefuhrt. L i t e r a t u r </p><p>1. CRUIKSHANK, W.: The anatomy of the ab- sorbent vessels (1786). Deutsch: William CRUIKSHANKS Geschichtc und Beschreibung der einsaugenden Gefafie oder Saugadern des menschlichen Korpers. Aus dem Engli- schcn mit einigen Anmerkungen und Kup- fertafeln herausgegcben von Dr. Christian Fricdrich LUDWIG (William CRUIKSHANKS und Paul MASCAGNIS Geschichtc und Be- schreibung der Saugadern des menschlichen Korpers, Bd. 1). Im Verlag der Weidmann- schen Buchhandlung: Leipzig 1789. </p><p>2. GERSTER, R.: Uber die Lymphgefafie des Hodens. Z. Anat. Entw.-Gesch. 2, 26-53 (1877). </p><p>3. HUNDEIKER, M. und L. KELLER: Die Ge- fifiarchitektur des menschlichen Hodens. Morph. Jb. 105, 26-73 (1963). </p><p>4. HUNDEIKER, M.: Uber bcsondere Gefaflc des Epiorchium. Untersuchungen am Hoden von Bos taurus. Morph. Jb. 107, 53-57 (1965). </p><p>5. HUNDEIKCR, M.: Die Vascularisation dcs Epiorchium beim Menschen. Morph. Jb. </p><p>6. HUNDEIKER, M.: Dic Kapillarar...</p></li></ul>

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