unterwegs 06/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 06/2011

  • 13. Mrz 2011ISSN 1436-607X

    Wie durch RegionalisierungNeues entstehtHoffnung lernenn Warum der Tropfen auf den heien Stein wichtig ist. Seite 9

    Nachdenken lohntn Was Orangensaft mit Kinderarbeit zu tun hat. Seite 11

    Einfach helfenn Wie ein Springseil das Leben von Berliner Kindern verndert. Seite 16

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 6/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

  • unterwegs 6/2011 ::: 13. Mrz 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ERREicHEN SiE uNS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 TI

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    unterwegs 6/2011 ::: 13. Mrz 2011

    FR KiNdER uNd JugENdlicHE iN St. PEtERSbuRg (Russ-land) wird es auch weiter-hin eine Anlaufstelle in der EmK geben. Das teilte Bi-schof Hans Vxby, Moskau, Ende Februar mit. Zuvor war bekannt geworden, dass die Behrden das Spring Center geschlos-sen und die rtliche Pasto-rin der EmK als Direktorin abgesetzt hatten. In diesem Zentrum wird durch die Kommune und eine Ge-meinde der EmK eine wert-volle Arbeit mit benachtei-ligten jungen Menschen eines Stadtteils geleistet, allerdings unter neuer Leitung.

    tHomaS gNzEl auS lEiPzig wird neuer Direktor des

    Evangelischen Allianzhauses in Bad Blan-kenburg. Der 50-jhrige Theologe wird Nachfolger von

    Reinhard Holmer, der Chef des Evangelischen Diako-nissen-Mutterhauses Elbin-gerode wird. Gnzel war Fahrdienstleiter bei der Deutschen Reichsbahn und studierte Theologie. Seit 1998 ist er als Theologe und Lehrer fr Religion und Ethik im Berufsbildungs-werk Leipzig angestellt. 1999 wurde er zum Pfarrer im Ehrenamt ordiniert.

    EuRoPa muSS alS PoSitivES bEiSPiEl bei der Religions-freiheit vorangehen und damit auch den Bau von Moscheen erlauben. Das hat der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, beim Mn-

    nertag auf der Langenstein-bacher Hhe erklrt. Er riet dazu, sich zuerst um die eigene Kirche zu kmmern. Schimpft nicht auf die Muslime, die freitags in die Moschee gehen, sondern sorgt dafr, dass wieder mehr Leute am Sonntag in die Kirche gehen!

    diE mEHRHEit dER dEutScHEN wird eingeschert. Das hat die Verbraucherinitiative Aeternitas nach einer Untersuchung von rund 660 Kommunen erklrt. Dem-nach waren von 340.000 Bestattungen in den Jahren 2008 bis 2011 rund 55 Prozent Feuerbestattungen. Markant sei das groe Ost-West- Geflle, heit es weiter. Man schtze den Anteil in Ostdeutschland auf mehr als 80 Prozent. Kirchliche Friedhofstrger flossen nicht in die Untersu-chung ein.

    FHRENdE KiRcHENvERtREtER iN dEN uSa haben die von republikanischen Politikern angestrebten Krzungen im sozialen Bereich verurteilt. Die Hilfen fr arme Men-schen seien nicht fr das Haushaltsdefizit verant-wortlich. Die Republikaner wollen Krzungen von 2,3 Milliarden Dollar bei der Wohnungsbeihilfe, von 1,75 Milliarden Dollar beim Job-Training und von 390 Mil-lionen Dollar beim Heiz-geldprogramm. Fr das Haushaltsdefizit seien we-sentlich malose Erhhun-gen des Militretats sowie riesige Steuererleichterun-gen verantwortlich, erklrten die Kirchenvertreter. epd/idea

    Frhmorgens haben sie die Frau vor den Tempel gezerrt. Beim Ehe-bruch ertappt! Fr die obersten Religionshter ist klar: Sie muss sterben! Zuerst wollen sie aber wis-sen, was dieser seltsame Prediger dazu sagt, der sich seit einiger Zeit hier herumtreibt. Vielleicht knnen sie ihn ja kriegen wer will sich schon auf die Seite einer Verbreche-rin schlagen?Doch Jesus lsst sich nicht provo-zieren. Wer unter euch ohne Sn-de ist, der werfe den ersten Stein auf sie, lautet seine Antwort (Jo-hannes 8,7). Die Anklger trollen sich. Jesus bleibt mit der Frau allein zurck. Er verdammt sie nicht. Sndige hinfort nicht mehr, mit diesem Satz schickt er sie fort. Diese Geschichte wurde in den ver-gangenen Wochen oft zitiert (siehe Seite 15), als es um Karl-Theodor zu Guttenberg ging. Gerade Chris-ten sollten nicht richten, sondern dem Mann, der sich seine Reputati-on so grndlich verspielt hat, eine zweite Chance geben wie Jesus es mit der Ehebrecherin tat. Wir wissen nicht, was Jesus getan htte. Auch kann keiner von uns in das Herz des Ex-Verteidigungsmi-nisters schauen. Deshalb war es gut, dass sich Kirchenvertreter in der Plagiatsaffre sehr zurckge-halten haben. Doch auch zu Gut-tenbergs Rcktritt war ein gutes Zeichen: Ein ffentliches Amt ver-trgt sich nicht mit unzureichend aufgeklrten Verdchtigungen. Die zweite Chance bleibt.Ihr Volker Kiemle Redaktionsleiter

  • unterwegs 6/2011 ::: 13. Mrz 2011

    Regionalisierung in der EmK ::: 3

    Die Regionalisierung wurde im Essener Distrikt in drei Grobezirken umgesetzt: Rheinland, Ruhrgebiet Ost und Bergisches Land. Der Mit-telpunkt des Bezirkes Rheinland ist die Gemeinde in Kln, zugleich auch die grte Gemeinde in dem Be-zirk. Dazu gehren noch eine Gemeinde in Bonn und zwei in Dsseldorf. Die Ausdehnung ist erheblich. Die aktiven Mitglieder der Gemeinden wohnen bis zu 140 Kilometer voneinander entfernt, erklrt Pastor Van Jollie. Zurzeit ist eine von zwei Pastorenstellen vakant. Die Versorgung der Gemeinden ist mglich durch das Engagement der neun Laienprediger und Laienpredi-gerinnen und vier Predigthelfer und Predigthelferinnen. Fast alle sind auch bereit, in den weiter entfernten Ge-meinden Gottesdienste zu halten. Die Regionalisierung sei finanziell notwendig, hebt Van Jollie hervor. So sei es mglich, auch die kleineren Gemeinden zu be-treuen und hoffentlich weiterzuentwickeln.

    gabenorientiert arbeitenSeit 2004 arbeiten die Gemeinden Bochum, Gelsenkir-chen und Recklinghausen/Marl intensiver zusammen. Die Keimzelle war die Regionalgruppe, in der die Hauptamtlichen sich trafen, um theologisch miteinan-der zu arbeiten und zu planen. Regelmig wurden auch Vertreter der Gemeinden einbezogen. Die Pasto-ren Rainer Mittwollen und Marco Alferink erhielten eine gemeinsame Dienstzuweisung in alle Gemeinden. Unverzichtbar war aber, dass die Gemeinden einen konkreten Ansprechpartner in ihrem Pastor behal-ten. Menschen identifizieren sich mit der rtlichen Gemeinde, weniger mit dem Bezirk, betont Marco Alferink. Mit der Zeit bekommen die Mitarbeiter in den Bezirksgremien auch die anderen Gemeinden in den Blick.

    Im Jahr 2007 wurden die Bezirke Bochum, Gelsen-kirchen und Recklinghausen/Marl mit Dortmund und Hamm zum Grobezirk Ruhrgebiet Ost vereinigt. Im Bezirk werden die Verwaltungsaufgaben mit dem Ziel zusammengefasst, die eigentliche Gemeindeebene zu strken, erlutert der leitende Pastor Rainer Mitt-

    wollen das Kon-zept. Die Strke der Zusammenarbeit ist die gabenorientierte Arbeitstei-lung. Wir haben gerade mit gutem Er-folg ein Jugendwochenende im Bezirk durch-gefhrt, erklrt Rainer Mittwollen. Die Zusammen-arbeit im Bezirk mache es leichter, mit zweieinhalb Stellen fnf Gemeinden zu versorgen auch wenn man fr manche Wege eine gute Stunde bentigt.

    missionarische PerspektiveIm Bezirk Bergisches Land arbeiten die Gemeinden Wuppertal-Elberfeld, Solingen, Velbert sowie die Ge-meinde der Schwesternschaft Bethesda zusammen. Al-le Gemeinden sind in einer halben Stunde mit dem Auto erreichbar. Die benachbarte Gemeinde in Wup-pertal-Barmen schloss sich der Regionalgruppe auf ei-genen Wunsch nicht an. Der leitende Pastor Thorsten Kelm will mit den anderen Gemeinden des Bezirkes Bergisches Land gemeinsam ein missionarisches Pro-jekt angehen. Die Ausrichtung der Jhrlichen Konfe-renz in Wuppertal im letzten Jahr hat die Gemeinden zusammengebracht, sagt Thorsten Kelm. Gemeinde-mitglieder aus Velbert hatten in Wuppertal einen Stand auf dem Stadtfest Barmen live organisiert. Hier ging es um mehr als die eigene Gemeinde, nmlich um die gemeinsame Aufgabe, Christus zu bezeugen.

    Michael Putzke

    von der Grenze zum Horizont ist der Weg nicht weitMit dem Konzept der regionalisierung lassen sich auch klein gewordene Gemeinden versorgen. Sie frdert die gabenorientierte Zusammenarbeit und hat missionarisches Potenzial wenn die Gemeinden lernen, ber die eigenen Grenzen hinauszudenken. die Grenzen des Konzepts liegen in den Entfernungen. das zeigen drei Beispiele aus dem Essener distrikt.

    bezirk Rheinlandn vier Gemeinden mit 236 Mitgliedern und 268 angehrigennZwei Pastorenstellen, eine ist zurzeit unbesetztbezirk Ruhrgebiet ostn fnf Gemeinden mit 330 Mitgliedern und 208 angehrigenn Zweieinhalb Pastorenstellenbezirk bergisches landn vier Gemeinden mit 396 Mitgliedern und 208 angehrigen,einschlielich die Schwesternschaft Bethesda

    n drei Pastorenstellen

    gRoSSbEziRKE im RuHRgEbiEt

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  • ::: Regionalisierung in der EmK

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    Was verbinden Sie spontan mit dem Wort Regionalisierung? HolgER mittElStdt: Vor allem die Hoffnung auf Sy-nergieeffekte die dann aber nur bedingt eingetreten sind. gabRiEl StRaKa: Als ich zum ersten Mal davon hrte, dachte ich: Das ist der Versuch der Kirche, auf vern-derte Rahmenbedingungen zu reagieren. Und dass das mit Chancen und Vorteilen, aber auch mit Nachteilen verbunden ist.

    Was stand zu Beginn der Regionalisierung in Berlin?gabRiEl StRaKa: Es gab vor zehn Jahren 18 Gemein-den, von denen jede einen eigenen Gemeindebezirk bildete und von einigen Ausnahmen abgesehen ei-nen Pastor hatte. Die Gemeinden wurden kleiner, und irgendwann ging es nicht mehr, dass jede Gemeinde einen Pas-tor hatte. Grere Lsungen waren ntig.

    Am Anfang stand also die Not?HolgER mittElStdt: Nicht unbedingt. Natrlich stellte sich fr uns die Frage, wie wir mit den kleiner werden-den Gemeinden umgehen sollen. Aber es geht bei der Regionalisierung auch darum, so zu arbeiten, dass fr alle Seiten etwas Positives herauskommt also mehr zu haben als die Summe des Einzelnen.gabRiEl StRaKa: Ich vermute