unterwegs 07/2012

  • View
    221

  • Download
    5

Embed Size (px)

DESCRIPTION

Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 07/2012

  • 25. Mrz 2012ISSN 1436-607X

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 7/2012Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Warum musste Jesus sterben?

    Verstehenn Das Opfer,

    das Leben bringt. Seite 3

    Anfassenn Kinder lernen,

    was der Tod ist. Seite 8

    Hinschauenn Kunst deutet

    das Kreuz. Seite 12

  • unterwegs 7/2012 ::: 25. Mrz 2012

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEicHEn SiE unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 FO

    TO:

    EC /

    TIT

    ELFO

    TO:

    SXC.

    hu

    / S

    LaFK

    O p

    hEO

    NIX

    1

    unterwegs 7/2012 ::: 25. Mrz 2012

    Ein Kind wird geborenEs ist schwerstbehindert und wird wahrscheinlich nicht lange leben und wenn, dann nur mit starken Schmerzen und erheblichen Ein-schrnkungen. Kann man diesem Kind Leid ersparen, indem man den Tod vorzieht? Das ist beileibe keine theoretische Frage. Muss dieses Kind am Le-ben bleiben? So fragte der Philo-soph Peter Singer schon 1995 in einem Buch ber das Problem schwerstgeschdigter Neugebore-ner. Jngst haben zwei australi-sche Mediziner in einem Facharti-kel erklrt, dass ein neugeborenes Kind, wie auch ein Ftus, noch kei-nen moralischen Status als Per-son hat. Deshalb ist fr sie das Tten eines Babys nichts anderes als ein Schwangerschaftsabbruch. Und die sind selbst in Deutschland bis kurz vor der Geburt legal wenn auch in Ausnahmefllen.Eine Gespensterdebatte? Nein: In den Niederlanden ist es seit 2005 gesetzlich erlaubt, dass solche Kin-der kurz nach der Geburt mit Ein-verstndnis der Eltern gettet wer-den knnen. Abtreibung nach der Geburt, heit das. Diese Praxis und die neuerliche Diskussion zeigen deutlich das ethische Dilemma, in das sich Befrworter aktiver Sterbehilfe hineinmanveriert haben. Leben ist zu jedem Zeitpunkt und unter allen Umstnden schtzenswert vor allem zu Beginn und am Ende. Set-zen wir uns dafr ein!Ihr Volker Kiemle

    Krftig gEWAcHSEn ist die Kreditgenossenschaft Oikocredit im vergan-genen Jahr. Die Bilanzsum-me stieg um fnf Prozent auf 672 Millionen Euro. Aus Deutschland kamen dabei fast 28 Millionen Euro neu hinzu. Dadurch wuchsen die Anlagen aus Deutschland um 13 Pro-zent. Die Zahl der deut-schen Anleger stieg 2011 um fast sechs Prozent auf ber 19.700. Insgesamt haben sie 242,5 Millionen Euro bei Oikocredit inves-tiert. Die Versorgungskas-se der Sddeutschen Jhr-lichen Konferenz hat 500.000 Euro investiert. In der Regel verzinst Oi-kocredit die Einlagen mit zwei Prozent.

    HArtmut KmpfEr ist neuer Vorsitzender des Jugend-verbands Entschieden fr Christus (EC). Er lst Gerald Pauly ab, der nach elf Jahren satzungsgem nicht wiedergewhlt wer-den konnte. Der 40-jhri-ge Kmpfer (rechts) ist Sparkassenbetriebswirt und lebt in Berlin. Er ist seit seiner Jugend in ver-schiedenen Leitungs-funktionen im EC ttig. Zur zweiten Vorsitzenden wurde die bisherige Beisit-zerin Gesine Westhuser (links) gewhlt.

    cHriStEn SolltEn nicht versu-chen, Juden zu missionieren. Das bekrftigte der EKD-Ratsvorsitzende, der rheinische Prses Nikolaus Schneider, am 11. Mrz in Leipzig bei der Erffnung der 60. Woche der Brderlich-keit. Dort erhielt Schneider die Buber-Rosenzweig-Me-daille. Mit der Auszeichnung wurde Schneiders Wirken fr den Dialog zwischen Chris-tentum und Judentum gewr-digt. Dazu gehre sein Ein-treten gegen jedes Wiederer-starken von Rassismus und Antisemitismus und seine deutliche Absage an die Judenmission, hie es in der Begrndung.

    WnScHE An gott nimmt die Ak-tion Pro-Christ entgegen. Eine Internet-Kampagne soll auf die nchste Pro-Christ-

    Evangelisation im Mrz 2013 in der Stuttgarter Porsche-Arena aufmerksam machen. Von Dezember bis Mrz sind Besucher der Internetdienste GMX und web.de eingela-den, einen Wunsch an Gott zu formulieren. Zugleich be-kommen sie mehrere Perso-nen gezeigt, von denen sie ei-ne als Frbitter fr ihr Anlie-gen auswhlen knnen. Die Beter geben sich mit Vorna-men, Foto und Wohnort zu erkennen. Die Teilnehmer er-halten das Versprechen, dass in Krze fr sie gebetet wird.

    www.prochrist.orgkie/idea

  • unterwegs 7/2012 ::: 25. Mrz 2012

    3

    FOTO

    : EC

    / T

    ITEL

    FOTO

    : SX

    C.h

    u /

    SLa

    FKO

    ph

    EON

    IX1

    Titelthema: Jesu tod unser leben :::

    Muss man an den Shnetod Jesu Christi glauben, um Christ zu sein?WAltEr KlAibEr: Wenn man die Frage auf den Shne-tod fokussiert, dann wrde ich sagen: nein. Es gibt auch im Neuen Testament unterschiedliche Weisen, den Tod Christi zu deuten. Neben dem Modell der Shne gibt es auch die Stellvertretung dass sich einer mit seinem Leben fr andere einsetzt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, Christ zu sein, ohne dem Tod Je-su eine Bedeutung zuzumessen. Aber ich kann nicht entscheiden, ob jemand ein Christ ist oder nicht. Inso-fern muss ich die Frage letztlich offen lassen.

    Warum wird immer wieder ber die Bedeutung des Todes Jesu gestritten?WAltEr KlAibEr: Zum einen ist fr uns manches Denk-modell, mit dem der Tod Jesu im Neuen Testament er-klrt wird, fremd geworden. Wir kennen etwa Opfer nur noch im bertragenen Sinne die Vorstellung, dass durch das Opfer eines Tieres etwas bewegt wird, kn-nen wir nicht nachvollziehen. Zum anderen haben wir eine Tradition, die diese Botschaft oft ziemlich verzerrt dargestellt hat und wo Aussagen falsch zitiert werden.

    Worin besteht die Verzerrung?WAltEr KlAibEr: Es ist etwa immer wieder von dem zornigen Gott die Rede, der nur dadurch vergeben

    kann, indem er seinen eigenen Sohn opfert. Damit wird der Gott Israels mehr oder weniger anderen Gt-tern gleichgesetzt. Das ist weder die Denkweise des Alten noch die des Neuen Testaments. Vielmehr sind Shneopfer Zeichen und Handlungen, die die Men-schen brauchen, damit ihr Leben untereinander und mit Gott wieder in Ordnung kommt. Gerade durch das Shneopfer schenkt Gott Vergebung.

    Das knnten die Menschen doch aber auch ohne Gott miteinander ausmachen ...WAltEr KlAibEr: Das ist der Knackpunkt: In unserem Bewusstsein hat Schuld nur in der Beziehung zu ande-ren eine Bedeutung. Und wir meinen, mit dem Satz Ich vergebe dir sei es geschehen. Doch das Alte Tes-tament sieht in der Schuld mehr: eine Art Gift, die das Leben der Gemeinschaft zerstrt. Diese Lebensvergif-tung wird durch das Shneopfer beseitigt. Das brau-chen die Menschen Gott braucht das nicht.

    Was ist fr uns heute an die Stelle des Shneopfers getreten?WAltEr KlAibEr: Interessant ist, dass wir heute zwar nicht mehr in solchen Kategorien denken. Aber wir er-leben sehr wohl, dass Schuld nicht einfach durch einen Akt des guten Willens beseitigt werden kann das be-sttigt auch die Tiefenpsychologie. Nicht umsonst

    s

    FOTO

    : SX

    C.h

    u /

    SLa

    FKO

    Das Opfer, das Leben bringtDie Frage, warum Jesus Christus gekreuzigt wurde, beschftigt die Christenheit seit ihren anfngen. Immer wieder gibt es Streit darber vor allem, weil heute viele Christen von der Vorstellung des Shneopfers verstrt sind. Letztlich kommt es aber darauf an, der Bedeutung des Todes Jesu nachzuspren, sagt der ehemalige Bischof Walter Klaiber. Volker Kiemle hat den ausgewiesenen Kenner des Neuen Testaments interviewt.

  • ::: Titelthema: Jesu tod unser leben 4

    leidenden Gottesknecht. Hier wird von einem gespro-chen, den Gott dazu bestimmt hat, die Schuld der Ge-meinschaft, ja sogar der ganzen Welt, auf sich zu neh-men. Ein weiteres Modell kam aus der griechischen Mythologie: dass sich ein Mensch opfert fr eine Stadt oder ein Volk, weil es zrnende Gtter eben fordern. Das kommt im Neuen Testament nicht vor. Aber der Grundgedanke, dass sich in extremen Situationen ei-ner fr die Gemeinschaft opfert, um die Gemeinschaft zu retten, war eine Erklrungshilfe fr den Tod Jesu.

    Dr. Walter Klaiber wurde am 17. april 1940 in ulm geboren. Nach dem Studium der evangelischen Theologie wurde er pastor der Evangelischen Gemeinschaft. Von 1969 bis 1971 war er Wissenschaftlicher assistent bei dem Theologen Ernst Ksemann in Tbin-gen. Seine Doktorarbeit schrieb Klaiber ber Die Bedeutung der iustificatio impii (Recht-fertigung der Snder, anm. d. Red.) fr die

    Ekklesiologie des paulus. ab 1971 war er Dozent fr Neues Testament am Theologi-schen Seminar (heute: Theologische hoch-schule) der EmK in Reutlingen, ab 1976 dort Direktor. 1989 wurde Klaiber zum Bischof der EmK in Deutschland und West-Berlin ge-whlt, 1992 zum Bischof der EmK im verei-nigten Deutschland. Seit 2005 lebt Klaiber im Ruhestand in Tbingen.

    informAtion bucHtipp

    Walter Klaiber: Jesu Tod und unser Leben. Was das Kreuz bedeutet, Evangeli-sche Verlagsanstalt, Leipzig 2011, 208 Seiten, paperback, 12,80 Euro. ISBN 978-3-374-02845-0

    haben sich hier biblische Begriffe wie etwa der Sn-denbock erhalten oder die Rede davon, dass man je-manden in die Wste schickt. So muss es zur Vergebung auch gewisse Zeichen geben man spricht zwischen den Vlkern auch von Shnezeichen. Es geht dabei nicht um Entschdigung, sondern darum, dass deut-lich wird: Was da zwischen uns steht, das ist beseitigt.

    Aber damit wird Shne auf einen tiefenpsychologi-schen Akt reduziert, der ohne Gott auskommt ...WAltEr KlAibEr: Wenn jemand meint, ohne Gott le-ben zu knnen, kann ich ihm das nicht absprechen. Fr die Bibel ist Gott derjenige, der eine gedeihliche Gemeinschaft zwischen den Menschen vorgibt und trgt; und er ist auch der Adressat, wenn etwas schief-geht und die Gemeinschaft wieder geheilt werden muss.

    Was bedeutete der Tod Jesu fr die ersten Christen?WAltEr KlAibEr: Sie standen unter Schock und hatten keine fertige Theorie. Erst die Begegnung mit dem Auf-erstandenen hat in ihnen das Bewusstsein geweckt, dass in diesem Tod ein tieferer Sinn liegen musste. Sie haben sich dann an entsprechende Andeutungen Je