unterwegs 08/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 08/2011

  • 10. April 2011ISSN 1436-607X

    Was Jesu Leiden fr uns bedeutet

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 8/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Moderne Zeitenn Wo die bunten Eier herkommen. Seite 8

    Mutige Menschenn Wie die Liebe Gottes auch im Schrecken wirkt. Seite 11

    Neue Wegen Was Besucher beim 3. Medientag erlebten. Seite 19

  • unterwegs 8/2011 ::: 10. April 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEichEN SiE uNS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 TI

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    unterwegs 8/2011 ::: 10. April 2011

    PfarrEr uLrich ParZaNy, einer der bekanntesten deutschen Evangelisten, ist

    am 24. Mrz 70 Jahre alt gewor-den. Der evange-lische Theologe hat als Leiter und Hauptredner der

    ProChrist-Evangelisationen ein Millionenpublikum. Bis zu seiner Pensionierung 2005 war Parzany 21 Jahre Generalsekretr des CVJM-Gesamtverbands. Auerdem hatte er fhrende mter in der evangelikalen Bewegung inne. So war er Vorsitzender der Koalition fr Evangeli-sation in Deutschland und langjhriges Mitglied des Hauptvorstands der Deut-schen Evangelischen Allianz.

    EvaNgELikaLE gEMEiNdEN erleben in Brasilien groen Zulauf. In diesem Jahr soll ihre Zahl um 7,4 Prozent auf 57,4 Millionen steigen. Damit stellen sie in dem katholisch geprgten Land rund 30 Prozent der 192 Millionen Einwohner. Doch nach Ansicht des reformier-ten Pfarrers Hernandez Dias Lopez (Vitoria) ist das kein Zeichen fr Erweckung. Das Wachstum gehe auf eine Verkndigung zurck, die Wohlstand und Heilung verspreche und auf den Menschen statt auf Gott fixiert sei, sagte Lopez.

    PaStor kLauS uLrich ruof ist in den Hauptvorstand

    der Deutschen Evangelischen Allianz berufen worden. Der 51-Jhrige leitet seit Anfang 2006

    das Medienwerk der Evange-lisch-methodistischen Kirche. Zuvor war er Pastor in Wei-enburg, Konstanz, Mnchen und Bietigheim. Neben Ruof wurde auch Dr. Roland Wer-ner in den Vorstand berufen. Er ist seit 1. April General-sekretr des CVJM Gesamt-verbands.

    EiNSParuNgEN Zu LaStEN dEr arMEN haben ameri kanische Kirchenfhrer in einem Brief an den US-Kongress abge-lehnt. Obwohl nur ein Bruch-teil des Haushalts in Bezie-hung stehe zu internationaler Hilfe, wirkten sich diese Krzungen auf die Betroffe-nen erheblich aus, betonte Thomas Kemper, Leiter der Missionsbehrde der EmK. Die EmK ist besonders be-sorgt ber die 40-Prozent-Krzung der Zahlungen an einen globalen Fonds zur Be-kmpfung von Krankheiten. Kemper nannte das einen Schlag fr die Kirchenmit-glieder, die versuchen, umge-rechnet 53 Millionen Euro fr Netze retten Leben aufzubringen.

    MEhr rESPEkt hat der Bischof der Evangelischen Landes-kirche in Wrttemberg, Frank Otfried July, in der Diskussion um gleichge-schlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus gefordert. Menschen, die gelebte Homosexualitt als snd-haftes Verhalten sehen, drf-ten nicht als rckstndige Fundamentalisten etikettiert werden. Andererseits drften Befrworter einer Lsung fr homosexuelle Paare nicht als Antichristen eingestuft werden. epd/idea/UMNS

    Der Frhling kommt!

    Gestern sah ich einen Obstbaum in voller Blte. Menschen an der Bus-haltestelle halten ihr Gesicht in die Sonne. Endlich Wrme, endlich kommt der Frhling. Als Christen warten wir in der Passionszeit auf Ostern. Wir leben auf die Auferste-hung Jesu zu, die alles verwandelt. Mitten in meine Frhlingsgefhle und in die Hoffnung auf Ostern hageln schlechte Nachrichten aus Japan und Nordafrika. Die Kern-schmelze im Unglcksreaktor von Fukushima und die nicht enden wollenden Kmpfe in Libyen kann ich einfach nicht aus meinem Kopf bekommen. Mir wird unbehaglich zumute auch wenn Japan weit weg ist. Ich habe Angst um unsere Welt. Ein Passionslied nimmt meine Angst auf: Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns, warum zweifelst Du? Das Lied in unserem Ge-sangbuch (Nr. 222) nimmt meine ngste auf und bietet Halt im Kreuz: Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.Fr mich ist das eine Antwort auf die Frage, der dieses Heft nachgeht: Was bedeutet Jesu Leiden fr uns? In meinem Unbehagen und in mei-ner Angst lsst mich Gott nicht al-lein. Immer gibt es Hoffnung fr diese Welt, fr uns. So heit es in dem Lied: Wollen wir Gott bitten, dass auf unser Fahrt Friede unsere Herzen und die Welt bewahrt.Ihr Michael Putzke

  • unterwegs 8/2011 ::: 10. April 2011

    Natrlich mit Espresso-Torte, Brownies, edlen Schokoladensorten, Whisky-Canache, Karamell-Cookies und noch viel mehr, was schon beim Hren den Mund wssrig macht. Nein, ich arbeite nicht in einer Konditorei. Ich arbeite in einem Museum. Und dieses Frhjahr heit es bei uns

    Se Verfhrung. Wie pas-send! Die Ausstellung be-schftigt sich mit der Ge-schichte von Schokolade & Co. Mit Besuchern schpfen wir Schokolade, kreieren Pra-linen und probieren sie. Und jetzt ist Fastenzeit.

    In den vergangenen Jahren verzichtete ich ganz klassisch auf Skram oder Kaffee.Das jhrliche Sigkeiten-Fasten war fr mich selbst-verstndlich. Dieses Jahr geht dies nicht.

    Ich musste etwas Neues finden, das mir zeigt, wo sich in meinem Alltag Dinge eingeschlichen haben, mit denen ich respektvoller umgehen sollte. Denn Fasten heit fr mich nicht nur, auf etwas zu ver-zichten. Fasten bedeutet fr mich, bei mir selbst aufrumen, um Platz zu schaffen fr neue Erfah-rungen. In der Passionszeit will ich mich bereit ma-chen fr die intensiven Erlebnisse und Gefhle, die an Ostern auf mich warten.

    Gefunden habe ich ein Buch, fr das ich mir Zeit nehme. Es heit In Frieden leben Gewaltfreie Kommunikation fr jeden Tag von Mary Ma-ckenzie. Jeden Tag stellt sich mir nach einem Impuls eine Aufgabe, wie ich respektvoll mit mir und mei-nen Mitmenschen umgehen kann. Manchmal kos-tet mich diese Form der Nchstenliebe berwin-dung, aber es bleibt berraschend. Ich ahne, dass das Buch mich den Rest des Jahres begleiten wird.

    3Titelthema: Leidens-Zeit :::

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    c.hu / BuBor

    Wie die Passionszeit befreien kann

    In der Passionszeit erinnern wir uns an den Leidensweg, den Jesus christus gegangen ist. diese Erinnerung kann so in den Alltag hineinwirken, dass wir jedes Jahr neu berhrt werden von dem Wunder, das an ostern geschah. Menschen aus unserer Kirche berichten ber ihren Weg.

    Simone Zimmerschitt ist Museumspdagogin. Sie lebt in hersbruck bei Nrnberg.

  • ::: Titelthema: Leidens-Zeit

    unterwegs 8/2011 ::: 10. April 2011

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    Als eine tief emotionale Zeit empfinde ich die Pas-sionszeit. Sie lsst Leid und Schmerz des eigenen Lebens und in der Welt intensiver empfinden. Sie bietet fr mich einen Rahmen, in dem dieses Leid einen Platz hat, ohne dass ich im Gedenken daran zerbreche. Im Bedenken der Texte, die von Jesu Passion erzhlen, hat auch meine eigene Geschichte von Leid und Schmerz Platz und ist gleichzeitig darin geborgen.

    In meiner Ttigkeit als Supervisor war ich an einem katholischen Institut ttig. Dabei erlebte ich, wie Men-schen in altchristlicher Tradition zum gegeielten Hei-land wanderten. Sie fanden in der Gemeinschaft der anderen und im Anblick des leidenden Jesu, ihres Bru-ders, Kraft und Hilfe, weil sie wussten, dieser Jesus kennt den Schmerz, aber er ist auch unser Heiland. Auch ich gehe gerne in dieser Zeit den alten Kreuzweg entlang und verweile an den Stationen.

    So muss auch das eigene Leid nicht verdrngt werden, sondern es darf ausgesprochen und zum Heiland getragen werden. In die-ser heilvollen Bewegung finde ich Befreiung. Die Passionszeit bietet mir die Mglichkeit, diesen Weg der Schmerzen nachzugehen und all mein Leid und das Leid der Welt ans Kreuz zu bringen.

    Auch lese ich gerne die Texte der Passionsgeschichte und singe immer wieder die alten Passions-lieder, von denen eines so treffend

    sagt: und schpfen draus die Zuversicht, dass du uns wirst verlassen nicht, sondern ganz treulich bei uns stehn, dass wir durchs Kreuz in Leben gehn. (GB 203,4)

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    Winfried Bolay ist Pastor des Bezirks Nrnberg-Zionskirche.

    Die Passionszeit ist fr mich in diesem Jahr anders. Das hat zunchst mit den Bildern aus Japan zu tun. Es ist ein intensives Anteilnehmen. Immer wieder halte ich mich daran fest, dass ich mit Blick auf den Lei-densweg Jesu an einen Gott glau-ben darf, der nicht gleichgltig zuschaut, sondern mitleidet.

    Und dann ist da noch die 40-Tage-Aktion in unserer Ge-meinde. Mit Markus Jesus se-hen, lautet das Motto. Das Teilnehmerheft fr die Aktion haben wir selbst zusammenge-stellt. Dazu wurde das Markus-evangelium in 40 Abschnitte eingeteilt, fr die wir 40 Autoren und Autorinnen aus unserer Gemeinde gesucht haben, die jeweils eine persnliche Erklrung zu einem der

    Abschnitte schrieben. Daraus wurde ein Heft, das mich nun schon seit zwei Wochen durch die Passionszeit be-gleitet. Zur Aktion gehren auerdem die Gesprchs-gruppen unter der Woche und die Gottesdienste, die auf die Passion Jesu ausgerichtet sind.

    Fr mich besttigt sich in dieser intensiven Begeg-nung mit dem Markusevangelium das Motto der Ak-tion immer mehr. Es geht wirklich darum, Jesus zu sehen. Und immer wieder ergibt sich eine berra-schende neue Perspektive. Wenn Jesus zum Beispiel Jnger beruft (Markus 2), denke ich als Pastor sofort darber nach, was das fr die Mitarbeitergewinnung in unserer Gemeinde bedeutet. Im Teilnehmerheft schreibt dagegen eine Frau: Jesus hat so gehandelt, wie wir es auch tun. Wir suchen uns Freunde, die mit uns durchs Leben gehen, mit dene