unterwegs 1 /2011

  • View
    214

  • Download
    0

Embed Size (px)

DESCRIPTION

Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 1 /2011

  • 2. Januar 2011ISSN 1436-607X

    unterwegs in Europa: Methodisten in Irland

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 1/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

  • ::: Vorweg2

    So ErrEIchEn SIE unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0

    Zugegeben: In Deutschland gehrt die EmK zahlenmig zu den eher kleinen Kirchen. Blickt man dagegen ber den eigenen Tellerrand hinaus, dann sieht es ganz anders aus: Rund 13 Millionen Menschen gehren weltweit zur Evangelisch-methodis-tischen Kirche, zur methodistischen Bewegung zhlen sich schtzungs-weise 75 Millionen Menschen. In vielen Gegenden der Welt spielen Methodisten eine wichtige Rolle in Politik, Gesundheits- und Bildungs-wesen und anderen Bereichen.Das sind beeindruckende Zahlen. Aber sie knnen auch lhmen. Was sind schon 30.000 EmK-Mitglieder in Deutschland gegen die vielen Millionen Methodisten auf der gan-zen Welt? Braucht es uns ber-haupt?Solche Fragen muss man stellen. Aber es sind nicht die entscheiden-den Fragen fr eine Kirche, fr eine Gemeinde. Der nordirische Pastor Glenn Jordan hat einen einleuch-tenden Satz gesagt: Die Dimensi-on ist nicht das Entscheidende, sondern das Anliegen, das dahinter-steht. Die East Belfast Mission, fr die Jordan arbeitet, hat sich die Frage gestellt, was die Menschen vor Ort brauchen. Herausgekom-men ist ein Bauprojekt, das nicht allein der Gre wegen imponiert. Ab Seite 4 lesen Sie mehr.In unterwegs wollen wir knftig methodistische Kirche in aller Welt und ihre Arbeit vorstellen. Den An-fang macht Irland. Lassen Sie sich berraschen!Ihr Volker Kiemle Redaktionsleiter

    Mitglieder 54.000Pastoren 108Gemeinden 232 in 73 BezirkenDistrikte 8 (Dublin, Midlands and Southern, Lakelands, North West,

    North East, Belfast, Down und Portadown)Schulen 2 (Methodist College Belfast und Methodist College Dublin)

    Theologische Ausbildungssttte in EgdehillInternet: www.irishmethodist.org

    Die Anfnge1747 ging der Waliser Thomas Williams von England in die irische Hauptstadt Dublin und grndete die erste methodistische Gemeinschaft in Irland. Bald nach einem Besuch von John Wesley in dieser Gemeinde wurde das Gelnde, auf dem die Methodisten sich trafen, bei Unruhen verwstet. John Wesley sandte seinen Bruder Charles nach Dublin, um die verngstigten Mitglieder wieder zu sammeln. Die erste methodistische Kapelle wurde 1752 von der Ge-

    meinde mit 420 Mitgliedern in der Whitefriar Street errichtet. Diese wurde spter um Schulen erweitert, was das soziale En-gagement der Methodisten aufzeigt: Eine Schule fr Jungen, eine zweite fr gehrlose Mdchen.

    Die Methodisten hielten Versammlungen in den Stdten und auf Marktpltzen ab. Zuerst wurde in englischer Sprache ge-predigt, was die Iren glauben lie, die methodistische Mission wende sich hauptschlich an die Siedler aus England. 1799 wurden drei Prediger eigens dafr abgestellt, auf Glisch zu predigen, um die Iren selbst zu erreichen.

    The Methodist church in Ireland

    TITE

    LfoTo

    : IS

    ToCK

    PhoTo

  • 3Strukturen und LeitungHeute ist die Methodistische Kirche die viertgrte Kirche in Irland. Sie berschreitet die Grenzen: Die Methodisten in Nordirland und in der Republik Irland bilden eine gemeinsame Konferenz auf der Insel. Geleitet wird die Kirche von einem Prsidenten. Im Juni 2010 wurde Reverend Paul Kingston als Prsident eingefhrt. Er stellte seine Amtszeit unter das Motto: Our calling to fulfil (Deutsch: Unsere Berufung zu erfllen). Die Methodisten in Irland sind stark mit den Methodisten in Grobritannien verbunden. Den Vorsitz der Konferenz fhrt der Prsident der Britisch-Methodistischen Kirche

    In der Methodistischen Kirche in Irland gibt es 232 Gemeinden, zu der insgesamt rund 54.000 Kirchen-mitglieder zhlen. Bezirke bestehen aus bis zu sieben Gemeinden, die von den Pastoren, Laienpredigern und Vertretern aus den Gemeinden geleitet werden. blich sind vierteljhrliche Bezirkskonferenzen, um ber die Arbeit zu sprechen und miteinander die nchsten Schritte zu planen. Die Pastoren sind in ganz Irland

    versetzbar. Fr die Fa-milien bedeutet das, mit zwei Lndern und Whrungen zu leben, unterschiedliche Schul-systeme fr die Kinder und andere Lebensge-wohnheiten.

    Vision fr Methodisten in IrlandDie Jhrliche Konferenz 2010 verabschiedete eine Vision fr Methodisten in Irland, die inspiriert wird durch 1. Johannes 3,16: Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben fr uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben fr die Brder lassen. Drei Konsequenzen folgen daraus:n Miteinander Gott geben Anbetung (Giving together to God Worship)

    n Miteinander anderen geben Bezeugen (Giving together to others Witness)

    n Einander geben Ganzheit (Giving to one another Wholeness)

    Brckenbauer im KonfliktDie Methodistische Kirche in Irland hat sich im Friedensprozess in Nordirland stark engagiert. So war der frhere Prsident der Methodistischen Kirche, Eric Gallagher, einer der protestantischen Geistlichen, die 1974 mit Vertretern der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) Kontakt aufgenommen haben. Einen Wendepunkt im Konflikt markierte der Methodist Gordon Wilson, dessen Tochter in Enneskillen 1987 unter den elf Opfern eines Bombenanschlags war. Wilson vergab in einem Fernsehinterview den Ttern und bat die Gegenseite, auf Rache zu verzichten.

    Prsident der Methodist Church in Ireland ist Reverend Paul Kingston (C)fo

    To:PIX

    ELIo

    /fER

    DIN

    AND LACo

    UR, MCI

  • ::: Methodismus in Irland4

    Glenn Jordan blickt auf eine Brache im Osten der nordirischen Stadt Belfast. Gerade stellen Arbeiter gelbe Baucontainer auf. Hier werden dem nchst die Bauingenieure ihre Bros einrichten. Noch ist schwer vorstellbar, dass hier bis zum nchsten Jahr ein Zentrum entstehen soll, in dem Menschen wirtschaftlich, seelisch, krperlich und geistlich re-generieren knnen, wie es der methodistische Pastor beschreibt. Das Viertel gehrt zu den wirtschaftlich und sozial am meisten heruntergekommenen im Ver-einigten Knigreich. Der Stadtteil liegt direkt an einer Hauptverkehrs-

    ader, die nach Belfast fhrt, Geschfte sucht man hier vergebens. Die Gegend ist in den vergangenen Jahren rapide heruntergekommen. Wer kann, fhrt so schnell wie mglich vorbei, sagt Jordan.

    Dagegen setzt die East Belfast Mission der Me-thodistischen Kirche in Irland das Skainos-Projekt: ein Gemeindezentrum, das fr alle Menschen in der Gegend offen ist und in dem viele verschiedene Ange-bote Platz finden sollen. Wir wollen die wirtschaftli-che Entwicklung vorantreiben, indem wir den Men-schen einen Grund geben, sich in dieser Gegend aufzuhalten, sagt Jordan. Die Idee fr dieses ganz-heitliche Projekt geht auf das Jahr 2000 zurck. Ursprnglich ging es darum, existierende Gebude der Mission zu renovieren. Wir hatten kein Geld zum Renovieren, sagt Jordan und lacht. Aber unsere Mglichkeiten haben sich im Lauf der Jahre stndig erweitert genauso wie unsere Ideen. So wurde aus dem Renovierungsprojekt ein 26-Millionen-Euro-Pro-jekt. Ich kann es nicht anders sagen, erklrt der Pastor. Es sind viele Wunder geschehen.

    Ein Wunder ber nachtEins dieser Wunder war der Kontakt zu Projektent-wicklern, die eine konkrete Vorstellung davon hatten, wie man die wirtschaftliche, soziale und die Infra-

    struktur des Viertels weiterentwickeln knnte. Und sie hatten wie wir auch ein Interesse daran, die geist-liche Struktur des Viertels zu verbessern, sagt Jor-dan. Genau genommen waren die Berater anfangs eher bereit, dieses Abenteuer einzugehen, als wir. Sie

    dachten in greren Dimensionen. Just zu dieser Zeit hatte die Mission die Mglichkeit, ein Grundstck direkt neben dem bisherigen zu er-werben. Das Grundstck kostete eine halbe Million Pfund, erzhlt der Pastor. Und wir hatten ber-haupt kein Geld. Trotzdem ent-schied sich die Mission nach langem

    berlegen, einen Kredit aufzunehmen und das Grund-stck zu kaufen. Und dann ist wieder eines der Wun-der geschehen, die sich wie ein roter Faden durch die Projektgeschichte ziehen: Es gab Partner, die bereit waren, die Hlfte zu finanzieren wenn die Missions-gesellschaft die andere Hlfte finanzieren wrde. Diese Entscheidung fiel an einem Montagabend, be-richtet der Pastor. Am Dienstag rief uns ein Ge-schftsmann aus Nordirland an, der uns genau diesen Betrag schenken wollte.

    Wir machen das, was die Menschen brauchenEigentlich wollte die methodistische East Belfast Mission nur ihre Gebude renovieren. Doch dazu fehlte das Geld. Stattdessen baut die Mission jetzt ein Stadtteilzentrum fr 26 Millionen Euro und will damit einen ganzen Stadtteil neu beleben. Eine Geschichte von Gottvertrauen, Wundern und der Bereitschaft, nach den Aufgaben der Kirche direkt vor ort zu fragen.

    Wir haben viele Wunder erlebt, sagt Glenn Jordan. Der Pastor leitet das Skainos- Projekt der methodistischen Missionsgesellschaft in Belfast.

    Wir wollen einen Ort schaffen, an dem

    Menschen regenerieren knnen wirtschaftlich, krperlich und geistlich.

  • Geschenkt ::: 5

    Schritt fr Schritt im Vertrauen auf GottSolche Wunder begleiten die Geschichte von Skainos von Anfang an: Wir sind einen Schritt im Vertrauen auf Gott gegangen, und Gott hat einen Weg fr uns gefunden, sagt Glenn Jordan. Wir haben tatschlich ohne Geld angefangen, und die Dinge sind einfach geschehen. Seine Erfahrung: Wo Gott eine Aufgabe stellt, da schenkt er auch die Mittel. Jordan hat das auch an sich selbst erfahren: Nach dem Theologiestu-dium arbeitete er fr den CVJM in Belfast, dann in einer berkonfessionellen Organisation, die Schulun-gen und Austauschprogramme fr Jugendliche und Mitarbeiter angeboten hat. Seit elf Jahren ist er bei der East

    Belfast Mission, und das Skainos-Projekt hat sich zu seinem Arbeits-schwerpunkt entwickelt. Wie man ein Bauprojekt in dieser Gren-ordnung auf di