unterwegs 12/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 12/2011

  • 5. Juni 2011ISSN 1436-607X

    12/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Wie der Heilige Geist in uns wirkt

    Begeisterndn Wie ghanaische Methodisten in Hamburg feiern. Seite 4

    Bezeichnendn Warum Singen zum Methodismus gehrt. Seite 11

    Bewegendn Was die Konferenzen im Osten und Sden beschftigt. Seite 12

  • unterwegs 12/2011 ::: 5. Juni 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEicHEn SiE unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 TI

    TEl: M

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    IVaT

    unterwegs 12/2011 ::: 5. Juni 2011

    SiEGfriEd fiEtz ist am 25. Mai 65 Jahre alt geworden. Er gilt als ein Pionier moderner christlicher Musik im

    deutschsprachi-gen Raum. Schon als 21-Jhriger brachte er eine Platte mit christlicher

    Popmusik auf den Markt. Spter schuf er auch Orato-rien und Kindermusik. Zu den bekanntesten seiner mehr als 3.000 Liedern ge-hrt die Vertonung des Ge-dichts Von guten Mchten wunderbar geborgen von Dietrich Bonhoeffer. Ein spektakulres Projekt war auch die Weltraum-Sinfonie, die er mit dem befreundeten Astronauten James Irwin entwickelte.

    EinEn notfallplan und lEitliniEn fr den Umgang mit sexueller Gewalt hat das Kinder- und Jugendwerk herausgegeben. Die Rat-geber richten sich an Gruppen leiterinnen und Gruppenleiter in der Arbeit

    mit Kindern und Jugendli-chen und geben Hilfen, falls in Gemeinden der Verdacht auf sexuellen Missbrauch auftaucht oder Kinder oder Jugendliche missbraucht oder vernachlssigt werden. nDie Hefte sind zu beziehen beim Kinder- und Jugendwerk, Telefon 0711 8600680, E-Mail: kjwsued@emk.de

    Mit EinEr klEinEn SEnSation ist das Bibelhaus Erlebnis Museum in Frankfurt am Main wiedererffnet wor-den: Erstmals hat die Israe-lische Antikenverwaltung archologische Objekte als Dauerleihgabe nach Europa vergeben. Da die Herkunft der 270 Exponate genau bekannt ist, knnen Rck-schlsse auf die Verwen-dung in der Lebenswelt zur Zeit Jesu gezogen werden. Die Exponate reichen von daumennagelgroen Mnz-Nachbildungen bis zum Nachbau eines Fischerboots vom See Genezareth.nBibelhaus, Metzlerstrae 19, Frankfurt/Main. www.bibelhaus-frankfurt.de

    Vereint trotz fremder Sprache

    Als junger Journalist durfte ich eine Reportage ber eine griechisch-or-thodoxe Osterfeier schreiben. Noch vor Tagesanbruch ging es los, und ich habe in den darauf folgenden zwei Stunden kein Wort von dem verstan-den, was da gesungen und gepredigt wurde. Aber es war leicht zu verste-hen, was dort vor sich ging: Die Ge-meinde feierte die Auferstehung Jesu, mit Liedern, Gebeten und einem prchtigen Osterfeuer zum Schluss. Das war in jedem Moment sprbar jenseits der menschlichen Sprache.hnlich knnte es mir in einer der 20 methodistischen Einwandererge-meinden gehen, die es in Deutsch-land gibt. Denn dort wird oft gha-naisch, aber auch vietnamesisch oder russisch gesprochen (siehe Seite 6). Bestimmt aber knnte ich dem Got-tesdienst folgen. Denn das Lob Got-tes ist nicht an die Sprache gebunden. Gott ist da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind (Matthus 18,20). Und seine Gegen-wart berwindet alle Sprachbarrie-ren. Diese Erfahrung haben auch die Christen gemacht, von denen die Apostelgeschichte im zweiten Kapi-tel erzhlt: Der Heilige Geist kam ber sie, und sie begannen, in ganz verschiedenen Sprachen zu reden und zu beten. Damit konnten sie mehr Menschen erreichen, als je zu-vor. So ist Pfingsten der Beginn der Weltmission. Und die beginnt heute vor unseren Kirchentren. Ihr Volker Kiemle Redaktionsleiter

    karlHeinz Hecke ist tot. Der langjhrige redaktions leiter von unterwegs starb am 26. Mai bei einer Bergwanderung am Tegelberg bei Hohenschwangau. Offenbar strzte er rund 100 Meter eine Steilflanke hinunter und zog sich dabei tdli-che Verletzungen zu.Karl-Heinz Hecke hat die Medienarbeit der EmK mehr als zehn Jahre mageblich geprgt zunchst in der redaktion des neuen EmK-Gesangbuchs, dann bis 2007 als leiter der Zeitschriften- redaktion unserer Kirche. Dabei hat er mit unermdlichem Einsatz und Ideenreichtum die Zeitschriften unterwegs und podium gestaltet. Nicht nur als Vorgnger im amt des redaktionsleiters, sondern auch als ratgeber habe ich Karl-Heinz Hecke geschtzt. Seine ruhige art und sein Humor, mit denen er auch die weitreichenden Vernderungen in der Medienarbeit der EmK mitgetragen hat, haben mich sehr beein druckt. Dabei hat er seine arbeit immer als Dienst verstanden an den Menschen, an der Kirche, an Gott. Sein jher Tod erinnert uns daran, dass wir mitten im leben vom Tod umfangen sind, wie es in einem alten Kirchenlied heit. Volker Kiemle(Nachruf folgt)

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    Titelthema: Wie Gottes Geist wirkt ::: 3

    FOTO

    : MEV

    Mit Zgern betrat ich meine alte Schule. Ich war eingeladen, den 25. Jahrestag unseres Abiturjahrgangs zu feiern. ber die Jahres-zahl war ich selbst erstaunt 25 Jahre waren schon vergangen. Ich war gespannt, was aus meinen alten Schulkameraden geworden ist.

    Einige habe ich gleich wieder erkannt wie Michael, mit dem ich viel Sport getrieben hatte. Er war eher ein mittelmiger Schler gewesen, hatte Karriere ge-macht und war jetzt Wirtschaftsprfer in einer groen Firma in Hamburg. Stefan war nicht zur Polizei gegan-gen wie sein Vater, sondern in die Immobilienbranche. Er hat sich hochgearbeitet bis zum Vorstand einer Wohnungsgenossenschaft, wie er mit Stolz verkndete. Thomas wollte zuerst gar nicht kommen. Er war seit einem Jahr arbeitslos und meinte schulterzuckend: Was kann ich denn schon vorweisen? Angela war an ihrem Lachen sofort zu erkennen. Sie hatte Theater-wissenschaften studiert und machte jetzt ffentlich-keitsarbeit beim ZDF.

    Alle waren damals mit hnlichen Voraussetzungen gestartet, aber wie unterschiedlich war das Leben je-weils verlaufen? Einige arbeiteten im Ausland, andere lebten noch im selben Stadtteil. Einige hatten Familie, andere lebten allein. Ich stieg am Abend nachdenklich in den Zug und stellte mir die Frage: Was hast du in 25 Jahren geschafft? Bist du damit zufrieden? Was hast du aus deinem Leben gemacht?

    leben im Blick der Gte Mit diesen Fragen stie ich auf Paulus. Er unterschei-det im Rmerbrief zwei Lebensweisen. Mit der einen leben wir nach dem Fleisch oder sind fleischlich gesinnt, wie Luther es formuliert. Das meint, sich

    selbst zu gengen, sich selbst Lebensmeister zu sein und sich selbst zu retten, sagt der Theologe Fulbert Steffensky. Der Versuch, der Garant seiner selbst zu sein, fhrt in Zwnge und in den Tod. Ich baue mein Leben auf meiner Leistung auf. Ich schaffe mein Leben aus eigener Kraft.

    Uns aber ist ein anderer Lebenszugang erffnet worden: Leben nach dem Geist nennt ihn Paulus. Die Rettung des eigenen Lebens liegt nicht in uns selbst, sondern in Christus. Sein Geist lebt in uns. Alle, die sich in dieser Weise vom Geist Gottes fhren lassen, die sind Gottes Shne und Tchter (Rmer 8,14). Das feiern wir an Pfingsten.

    Auf die Frage Wer bin ich eigentlich?, antwortet Paulus in voller Gewissheit: Du bist ein Kind Gottes. Das knnen wir nicht uns selbst als Zeugnis ausstellen. Es ist Gottes Geist, der uns im Innersten versichert, dass wir Kinder Gottes sind (Rmer 8,16). Ich bin trotz aller Unzulnglichkeiten Gottes Kind. Das ist Gnade. Ich bin befreit davon, unaufhrlich hinter meiner eigenen Ganzheit und Souvernitt herzuja-gen, schlussfolgert Steffensky. Ich muss mich nicht selbst fabrizieren: Ich bin ja schon, weil ich angesehen bin durch den Blick der Gte.

    Leben ist mehr als das, was wir meinen, vorweisen zu mssen. Beruf, Arbeit und Leistung sind ohne Fra-ge wichtig, aber sie begrnden unser Leben nicht. Gott legt nicht ein Maband um unser Leben, ob wir gengend erreicht haben. Der Geist Gottes will in mir leben und ich atme auf. Ich muss mir selbst keinen Namen machen, denn Gott hat mich durch Christus als sein Kind adoptiert, so dass ich seinen Namen tragen darf. Kind Gottes so kann ich glauben und frei sein. mip

    Pfingsten: Wie Gottes Geist uns frei macht

    Was macht der Geist Gottes mit uns, wenn wir ihn wehen lassen? Er schenkt uns einen anderen Blick auf unser leben. Nicht die eigene leistung begrndet unser leben. lebe ich aus dem Geist, muss ich mich nicht selbst erfinden und erretten: Gottes Geist befreit mich.

  • ::: Titelthema: Wie Gottes Geist wirkt

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    Your Royal Highness, welcome! Ihre knigli-che Hoheit, willkommen! Die Ghanaerin lacht und reicht ihren Freundinnen, die noch im Au-to sitzen, die Hand. Hilft ihnen aus dem Wagen, alle umarmen sich herzlich. Die Frauen sehen wirklich aus wie Kniginnen in ihren bunt leuchtenden, ja prchti-gen Kleidern. Freude liegt in der Luft an diesem sonni-gen Sonntagmorgen und die Kleidung der eintreffen-den Ghanaer macht deutlich: Es ist ein besonderer Tag fr sie alle. Reverend Conrad Roberts, ein schlanker, sympathischer Mann, begrt jeden persnlich. Lang-sam fllt sich die Kirche. Drinnen laufen die letzten Vorbereitungen. Bassverstrker, Schlagzeug und Ka-meras werden in Position gebracht und verkabelt, das Kreuz im Altarraum von hinten beleuchtet.

    Die Erlserkirche in Hamburg-Borgfelde, ein schlichter Backsteinbau aus den 50er Jahren und der erste Kirchenneubau hier nach dem Krieg, gehrt der Evangelisch-lutherischen Gemeinde. Die aber hat zwei Kirchen. Deshalb kann sich hier jeden Sonntag die ghanaische Gemeinde der Evangelisch-methodisti-schen Kirche fr ihren Gottesdienst einmieten. An diesem Morgen sind es sogar zwei hintereinander. 10 Uhr fr Kinder und von 11.30 Uhr bis 13 Uhr fr alle. Das klingt vor allem erst einmal furchtbar lang.

    Das Gegenteil ist der Fall. Von Anfang an ist hier eine unglaubliche Freude zu spren, die anderen Got-tesdiensten leider oft abgeht. Eine Dichte und Nhe. Die Art, wie der Organist