unterwegs 15/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 15/2011

  • 17. Juli 2011ISSN 1436-607X

    Zuhause im globalen Dorf: Was Auswanderer suchen

    Unser Auftragn Warum es Spa macht, die Welt zu verndern. Seite 11

    Unser Wegn Bischfin Wenner zur Situation der EmK. Seite 12

    Unsere Zukunftn Warum das Bundesjugend-treffen rockt. Seite 20

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 15/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

  • unterwegs 15/2011 ::: 17. Juli 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEichEn SiE UnS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 TI

    TElf

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    Trag

    unterwegs 15/2011 ::: 17. Juli 2011

    DEUtlich mEhr SpEnDEn hat das Hilfswerk Brot fr die Welt im vorigen Jahr er-halten. Die Einnahmen sind um mehr als 13 Prozent auf 62,1 Millionen Euro gestie-gen. Im Jahr zuvor hatte die Organisation 54,7 Millio-nen Euro bekommen. Am spendenfreudigsten bei Brot fr die Welt waren 2010 die Protestanten in Baden-Wrttemberg. In den beiden Landeskirchen des Sdweststaates kamen 12,3 Million Euro zusammen, was ein Plus von 320.000 Euro gegenber 2009 be-deutet. Mit acht Millionen Euro erzielte Bayern trotz eines leichten Rckgangs das beste Ergebnis aller 22 Landeskirchen. Aus der EmK kamen 584.000 Euro fr Brot fr die Welt und 313.000 Euro fr die Dia-konie-Katastrophenhilfe.

    mArgot KSSmAnn kehrt zurck: 16 Monate nach ihrem spektakulren Rcktritt von allen kirchlichen mtern

    hat der Rat der EKD beschlossen, sie zur Bot-schafterin fr das Re-formations-jubilum im Jahr 2017

    zu machen. Die 53-jhrige Theologin soll die neue Funktion im Frhjahr kom-menden Jahres antreten.

    ZUm ErStEn mAl haben sich die Leitung des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG) und des Bundes Frei-kirchlicher Pfingstgemein-den (BFP) getroffen. Im

    Mittelpunkt der Begegnung stand das Anliegen beider Frei-kirchen, die Gemeinden noch strker fr Brger auslndischer Herkunft zu ffnen. 263 der 759 Pfingstgemeinden in Deutschland sind internationale Gemeinden. BFP-Prses Pastor Roman Siewert (Norden) pl-dierte dafr, dass Christen ver-schiedener rtlicher Gemeinden gemeinsam fr den Glauben einstehen sollten. Zum FeG-Bund gehren 38.500 Mitglieder in 440 Gemeinden. Der BFP hat 44.000 Mitglieder.

    FnF JAhrE nach Start ihres Reform-prozesses hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine positive Bilanz gezogen. Wir haben gemeinsam in den letzten fnf Jahren sehr viel erreicht, und setzen jetzt wieder neue Impulse, erklrte die Prses der EKD-Synode, Katrin Gring- Eckardt. Im Juli 2006 hatte der Rat der EKD das Impuls papier Kirche der Frei-heit. Perspektiven fr die evan-gelische Kirche im 20. Jahrhun-dert verffentlicht. Darin reagierte das Leitungsgremium auf langfristige Prognosen wie Bevlkerungsrckgang und Mitgliederschwund und emp-fahl einen Reformprozess auf allen kirchlichen Ebenen.

    KorrEKtUr: In unterwegs 14/2011 haben wir leider falsche Zahlen ber die NJK verffentlicht. Hier nun die offiziellen Zahlen, die wir zwei Tage nach Redaktionsschluss erhalten haben (Stand 31.12.2010): Kirchenmitglieder 6.554Kirchenangehrige 4.247Kirchenzugehrige 314Freunde 4.038 epd/idea/kie

    HeimatWasisteigentlichHeimat?Istsiewirk-lich nur imHerzen derMenschen zufinden, die einen lieben wie es einSprichwort sagt? Oder lsst sie sichgeografischverorten?FrdiemeistenvonunsistHeimatzu-nchsteinmalderOrtoderdieGegend,wosiegeborenwurdenundaufgewach-sensind.VielealteundneueVolksliedererzhlen von dieser Heimat undgleichzeitigvonderSehnsuchtunddemSchmerzderer,die sie verlorenhaben.JenseitsallervlkischenIdeologiengibtessoetwaswieeinenMutterboden,demwirunsverbundenfhlen.Die alten Lieder erzhlen auch vonAufbrcheninsUnbekannte.Wohlaufin Gottes schne Welt, oder DasWandernistdesMllersLustsindnurzweiBeispiele,dieeinetiefeWahrheitinsich bergen: Entdeckungen und Ent-wicklungenhatesimmernurdortgege-ben,wo Menschen sichaufdenWeggemacht haben im ganz wrtlichenSinne.RausausdemGewohnten,umberGrenzenhinwegneueHorizontezuentdecken.InsofernistdieMobilittunsererZeitnichtsNeues.AuchheuteziehenJobno-maden ihren Arbeitsstellen nach, su-chenMenschen ihrGlckananderenOrten. Die Grnde sind unterschied-lich,unddieAuswanderergehennichtimmer freiwillig. In diesem unter-wegs-Heft berichten dreiAuswande-rer von ihrenMotiven undErfahrun-gen.NeusinddagegenderoftschnelleOrtswechselunddieMglichkeit,raschwiederindieHeimatzukommenwoauchimmerdasist.IhrVolkerKiemle

  • unterwegs 15/2011 ::: 17. Juli 2011

    Titelthema: ich bin dann mal weg ... ::: 3

    Nach meinem Studium am Theologischen Semi-nar in Reutlingen ging ich fr ein weiteres Studienjahr an die Facolt Valdese di Teologia nach Rom. Dieses Jahr hat meine Lebensplanung deut-lich verndert: Ich habe nicht nur meinen Ehemann William, sondern auch die kleine Waldenser- und Me-thodistenkirche in Italien kennen und lieben gelernt.

    Nach vier Jahren Fernbeziehung kam William nach Deutschland, wir haben geheiratet und in weiteren vier Jahren hat sich herausgestellt, dass unser gemein-samer Lebensweg uns zunchst einmal nach Italien fhren wrde. Die methodistischen Gemeinden in Ita-lien sind klein und brauchen dringend motivierte Hauptamtliche, die bereit sind sich mit vollem Herzen in die schwierige Arbeit hineinzubegeben. Ich hatte damals den Eindruck, Gott wrde mir sagen, er knne mich in Italien gebrauchen. Es wird sich zeigen, ob das nur ein frommer Wunsch war oder ob mein Dienst hier wirklich Segensspuren hinterlassen kann.

    Abenteuerliche KombinationWir wussten, dass die Situation in Italien mit einer bermchtigen katholischen Kirche auf der einen Seite und beralterten evangelischen Gemeinden auf der anderen Seite nicht leicht werden wrde. Dass es so hart sein knnte, sich auf die neue Realitt einzulas-sen, hatten wir allerdings beide nicht gedacht. Es gibt immer noch genug Momente, in denen wir der deut-schen Ordnung und Pnktlichkeit, vor allem aber den geliebten Menschen in unserem Bruchsal/Kraichtaler Gemeindebezirk nachtrauern.

    Wir haben ein ereignisreiches Jahr in Vicenza hinter uns, haben eine Gemeindespaltung durchlitten (die glcklicherweise nichts mit uns zu tun hatte), haben neue Gemeinderume eingeweiht und inzwischen elf neue Gemeindemitglieder aufgenommen. Unsere Ge-

    meinde besteht aus einem ganz kleinen Teil von Italie-nern, dann einem etwas greren Teil verschiedenster Europer und Nordamerikaner und nicht zuletzt einem sehr groen Teil von Geschwistern, die aus Ghana ein-gewandert sind. Schon diese abenteuerliche Kombinati-on an Kulturen macht unsere Arbeit hier spannend. In-zwischen haben wir den Eindruck, dass unsere Gemein-desituation etwas ruhiger und berschaubarer wird. Dafr wird es in unserer Familie turbulenter, denn wir erwarten im August die Geburt unseres zweiten Kindes.

    An der Union der Waldenser- und Methodistenkir-che in Italien schtzte ich die persnliche Atmosphre, die mich manchmal an unsere alte SWJK erinnert. Hier nimmt man sich noch Zeit fr Diskussionen und ich erlebe ein hohes Ma an persnlichem Einsatz in der Pastorenschaft. Das motiviert mich.

    Aber auerhalb der Kirche gibt es ja auch noch wei-teres Italien; dieses Land und die Offenheit seiner Men-schen lassen mir einfach das Herz aufgehen. Als mir am Muttertag eine wildfremde Frau auf der Strae frhlich Auguri mamma Herzlichen Glckwunsch Mama zurief, da wusste ich, dass mir so etwas in Deutschland nicht passiert wre. Diese kleinen Momente machen mich glcklich und lassen mich gerne manches Chaos in Bella Italia aushalten. UlrikeJourdan

    glcklich in Bella Italiafrommer Wunsch oder Berufung? Pastorin ulrike Jourdan ist ihrem herzen gefolgt und mit ihrer familie nach Italien ausgewandert. Seit einem Jahr versieht sie in einer kleinen gemeinde der Waldenser-Methodisten in Vicenza (region Venetien) ihren dienst. Trotz gelegentlicher Sehnsucht nach deutscher ordnung und Pnktlichkeit hat sie es nicht bereut.

    Mit Ehemann und Kind ist ulrike Jourdan vor einem Jahr nach Italien ausgewandert.foTo: PrIVaT

    In Italien ist gerade mal ein Prozent der Bevlkerung evangelisch. die grte evangelische Kirche ist mit etwa 30.000 konfirmierten Mitgliedern die Waldenserkirche, die seit 1979 auch die Kirchen-union der Methodisten und Waldenser in Italien ist. die Waldenser gehen auf den Kaufmann Valdes aus lyon zurck. Er trat um 1170 auf. Er und seine anhnger predigten in lyon und der umgebung. Sie trugen vor allem das Matthus-Evangelium in der Volkssprache auswendig vor. die armen von lyon, wie sie sich genannt haben, wurden verfolgt und in halb Europa zerstreut. Ende des 19. Jahr-hunderts kamen vor allem englische und amerikanische methodis-tische Prediger nach Italien.

    WAlDEnSEr UnD mEthoDiStEn in itAliEn

  • ::: Titelthema: ich bin dann mal weg ...

    unterwegs 15/2011 ::: 17. Juli 2011

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    DasGeheimnisvorwrtszukommen,bestehtdarin,zustarten.MarkTwain

    Von aussteigern und Jobnomaden: auswanderer berichtenWohnung aufgegeben, Ttigkeit gekndigt, hausrat verkauft: Beate und olaf hofmann haben alle Sicherheiten hinter sich gelassen und sind mit ihrer jngsten Tochter fr ein Jahr nach Kanada ausgewandert. Warum sie eine auszeit genommen haben und welchen gewinn die familie davon hat, das berichtet die ehemalige referentin im Evangelischen Jugendwerk Wrttemberg in diesem Text. Thomas Kraft dagegen ist seinem Job hinterhergezogen: Weil er in deutschland keine berufliche Perspektive hatte, suchte er in london und landete einen glckstreffer. Er berichtet von sich und den vielen anderen arbeitsnomaden in der britischen Metropole.

    Dont forget the smile (Vergiss nicht zu l-cheln), sagt der alte Goldsucher, whrend ich konzentriert meine Goldpfanne im richtigen Rhythmus schwenke, Wasser schpfe, sple, schwen-ke. Wenn das so einfach wre! Ich versuche den gleich-migen Schwung nachzuahmen, das richtige Gefhl fr Wasser und Steine zu bekom