unterwegs 2 /2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 2 /2011

  • MISSION 2.0

    MISSION 2.0

    16. Januar 2011ISSN 1436-607X

    Wichtige Aufgaben Wie sich die EmK-Gemeinde Elllerbek vor Ort einbringt. Seite 10

    Gute Vorstzen Was unsere Gemeinden im Jahr 2011 beflgeln kann. Seite 11

    Drngende Fragen Warum die Politik nach dem Beginn des Lebens fragt. Seite 20

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 2 / 2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Evangelisation im 21. Jahrhundert

  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEichEn SiE unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 TI

    TELI

    LLuSTr

    aTION: CL

    auS arNOLd

    unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011

    BEStrzt hAt DiE BiSchFin der Evangelisch-methodis-tischen Kirche, Rosemarie Wenner, auf den Mord an 21 koptischen Christen in gypten in der Silvester-nacht reagiert. In einem Beileidsschreiben an den Bischof der koptischen Christen in Deutschland, Anba Damian, versicherte sie den Glubigen der Kop-tischen Kirche ihr Mit-gefhl. In vielen Gemeinden der Evangelisch-methodis-tischen Kirche in Deutsch-land ist in den Gottesdiens-ten am 2. Januar der Ver-storbenen gedacht worden.

    Anton SchultE iSt tot. Der Evangelist und Grnder des

    Missionswerkes Neues Leben starb nach kur-zer Krankheit am 26. Dezem-ber im Alter von 85 Jahren. Seit

    den frhen 1950er Jahren gehrte Anton Schulte zu den bekanntesten Evangelis-ten Deutschlands. So war er der erste deutsche Evan-gelist, dessen Rundfunksen-dungen ab Dezember 1953 wchentlich ber Radio Monte Carlo ausgestrahlt wurden. Zudem gehrte er 1959 zu den Mitgrndern des Evangeliums-Rund-funks (ERF) in Wetzlar. Er verfasste zahlreiche Traktate und Bcher und grndete 1956 die Zeitschrift Neues Leben, die heute als christ-liches Ratgebermagazin erscheint.

    Am GottESBEzuG in DEr VErFASSunG will FDP- Generalsekretr Christian

    Lindner nicht rtteln. Der darin enthaltene Ausdruck der Demut bleibe unabhn-gig vom persnlichen Glauben eine Mahnung, sagte der Liberale in einem Interview mit der Zeit. Allerdings msse ber das deutsche Staatskirchenrecht diskutiert werden. Denkt man das konsequent, dann knnte der Staat irgendwann bei Musli-men ein Pendant zur Kir-chensteuer einziehen. Im Oktober hatte Lindner er-klrt, das Christentum sei nicht die deutsche Staatsreli-gion, sondern ein persnli-ches Bekenntnis der Brger.

    SchArFE KritiK An FrEiKirch-lichEn GEmEinDEn bt der evangelische Theologiepro-fessor Reinhold Bernhardt (Basel). Sie verhielten sich teilweise sektenhaft und betrieben einen Missbrauch der Bibel, sagte er in einem Interview mit der Badischen Zeitung ber die Freikirchen in der Region Basel und Lr-rach. Besonders kritisierte er das dortige Bibelverstndnis: Man blendet aus, dass zwi-schen der biblischen berlie-ferung und heute 2.000 Jahre liegen.

    ihrE KritiK Am DEutSchEn AFGhAniStAn-EinSAtz haben evangelische Bischfe zum Jahreswechsel bekrf-tigt. Es ist nicht besser geworden in Afghanistan, und niemand vermag zu sagen, wie es gut werden kann, sagte der schsische Landesbischof Jochen Bohl in der Dresdner Frauen-kirche am Neujahrstag.

    kie / pm / epd / idea

    Drfen im Reagenzglas befruchtete mensch-liche Eizellen auf genetische Defekte und Krankheiten untersucht und in letzter Kon-sequenz gettet werden? Egal, wie die Ant-wort lautet: Schon die Diskussion darber erregt viele Gemter (siehe Seite 20). Und schon jetzt ist klar, dass diese Untersuchung, die Primplantationsdiagnostik (PiD) ein groes Thema in diesem Halbjahr sein wird. Denn es geht um nicht weniger als die Frage, wann genau menschliches Leben be-ginnt: Mit der Befruchtung der Eizelle? Mit der Einnistung der Eizelle in die Gebrmut-ter? Eine PiD-Freigabe ruft schon jetzt viele Proteste hervor. Vor Selektion warnen etwa Behindertenverbnde und davor, dass der Druck auf Eltern, bitteschn fr ein gesun-des Kind zu sorgen, wchst.Eine einfache Antwort gibt es nicht. Aber es lohnt sich, die Fakten genauer anzuschauen. Macht eine Freigabe der PiD den Weg wirk-lich frei fr Design-Menschen? Eine knstliche Befruchtung ist keine Sache, die man mal eben so nebenbei erledigt. Sie steht in der Regel am Ende eines jahrelangen Leidenswegs, auf dem ein Paar versucht hat, auf natrlichem Weg ein Kind zu bekom-men. Wenn nichts mehr funktioniert, ruhen alle Hoffnungen auf der knstlichen Be-fruchtung. Aber auch dieses Verfahren ist belastend denn es ist nicht sicher, dass der Kinderwunsch damit erfllt wird. So wichtig die PiD-Diskussion ist: Wir sollten nicht vergessen, dass vorgeburtliche Untersuchungen oft schon jetzt einen gro-en Druck auf Eltern ausben. Denn wenn ein Defekt am Embryo festgestellt wird, steht immer die Frage der Abtreibung im Raum sogar bis kurz vor der Geburt. Hier braucht es auch eine gesellschaftliche Diskussion, damit aus den medizinischen Mglichkeiten keine stille Selektion wird.

    Ihr Volker Kiemle

  • kurz gesagt

    unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011

    mission 2.0 ::: 3

    Es sind zuallererst Gerche, die das Wort Evan-gelisation in mir wachruft: feuchtes Gras, feuchte Zeltplanen, dazu der Geruch vieler Menschen, die den Weg ins Zelt gefunden hatten. Freudig gespannt waren sie, denn die Zeltmission brachte Abwechslung in den eher beschaulichen Alltag der Kleinstadt.

    In meiner Erinnerung hat es oft geregnet, wenn das Zelt bei uns war. Das stimmt wahrscheinlich nicht ganz. Denn da sind auch die Bilder strahlender Som-mertage, wenn ich zu den Kinderstunden ins Zelt durfte und mich danach unter die Mitarbeiter ge-mischt habe. Das waren interessante Frauen und Mnner, die schon viel herumgekommen waren und etwas von der groen weiten Welt in die Provinz brachten. Sie konnten gut Musik machen und tolle Geschichten erzhlen. Am meisten hat mich beein-druckt, mit welcher Selbstverstndlichkeit sie von ih-rem Glauben berichteten.

    Das fahrende EvangelistenvolkBeeindruckt haben mich auch die starken Mnner, die beim Zeltaufbau Hand angelegt haben. Da gab es fr einen kleinen Jungen viel zu schauen fast wie beim Zirkus, der auch alle paar Jahre hierher kam, oder beim alljhrlichen Rummel. Natrlich war das Zelt anders, aber um die Bevlkerung zu erreichen, brauchte es auch Einladeaktionen auf den Straen, Werbeplakate und ein groes Zelt als sichtbares Zeichen. Und wie der Zirkus war das fahrende Evangelistenvolk manchen Brgern nicht ganz geheuer. So kenne ich Menschen, die als Kinder nie zu Zelt-Veranstaltungen durften. Die Eltern dachten wohl, die Kleinen knnten in die Fnge einer obskuren Sekte gelangen.

    Doch bei den Zeltveranstaltungen, die ich erlebt ha-be, ging es immer sehr bodenstndig zu. Nicht Show-Prediger, wie man sie aus dem amerikanischen Fernse-hen kennt, standen auf der Bhne, sondern nchterne Wortverknder. In der Botschaft aber waren sie nicht weniger deutlich: Es ging immer um ewiges Leben oder ewige Verdammnis. Schlielich war es das erklrte Ziel der Veranstaltung, dass Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden. Ein wenig Show war natrlich immer mit dabei aber in sehr geringer Dosis.

    Spter stand ich selbst auf der Bhne. Als Chorsn-ger tourte ich durch Sddeutschland und lernte die Choreografie der Evangelisation kennen: die mitrei-

    ende Musik, die aufwhlende Predigt, die von zarten Keyboardklngen begleitete Aufforderung, nach vor-ne zu kommen. Einmal wurde der Prediger ziemlich nervs, als der Keyboarder seinen Einsatz verpasste. Es gab harsche Worte, die so gar nicht zum Ton der Predigt passen wollten. Aber auch begnadete Evange-listen sind nur Menschen, das war mir schnell klar. Und dass eine gut gemachte Evangelisationsveranstal-tung immer Gefahr luft, Menschen zu manipulieren.

    no-Go-Area kirchlichen lebensNicht zuletzt deshalb habe ich bis heute eine gewisse Scheu vor Evangelisationsveranstaltungen. Natrlich sind meine Erfahrungen nicht reprsentativ. Aber ich treffe immer Menschen aus unserer Kirche, die hn-liche Erfahrungen gemacht haben. Evangelisation, das ist fr viele immer noch eine No-Go-Area des kirchlichen Lebens. Zu oft haben sie sich gefragt, ob das, was da vorne passiert, eigentlich von Herzen kommt oder eher einer Wir mssen mal wieder mis-sionieren-Routine entsprungen ist.Deshalb ist es gut, dass Evangelisationen heute

    vielfltiger sind als vor 40 Jahren. Dabei ist auch die Einsicht wieder gewachsen, dass die eigentliche Evan-gelisation im Alltag stattfindet. So betont es Pastor Christhard Elle (siehe Seite 4) aus Bremerhaven: Evan-gelisation ist dann, wenn andere Menschen entde-cken, was wir haben, und das auch haben wollen. Wo sie das entdecken, ist nicht entscheidend.

    Keyboardmusik zur BekehrungDas Zelt war in vielen Gemeinden jahrelang ein fester jhrlicher Programmpunkt. Viele Menschen aus unserer Kirche haben an diese Veranstaltungen prgende Erinnerungen. Auch Redaktionsleiter Volker Kiemle hat zurckgeblickt.

    Zeltveranstaltungen waren ber Jahrzehnte der klassische Ort fr groe Evangelisationen.

    FOtO

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    ht ARnOlD

  • ::: mission 2.0

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    Missionarisch sein kommt aus der Freude am GlaubenEine Entdeckungsreise zur eigenen Spiritualitt verspricht das Forum E, das vom 3. bis 5. Februar in Braunfels stattfindet. Veranstalter ist das Evangelisationswerk unserer Kirche. Volker Kiemle hat deshalb Evangelisationssekretr Pastor christhard Elle, der das Forum E organisiert, ber den Zusammenhang zwischen Evangelisation und Spiritualitt befragt.

    Spiritualitt das klingt nach Zurckgezogenheit und stillem Kmmerlein. Was hat Spiritualitt mit Evangelisation zu tun?chriSthArD EllE: Viel! Wir fhren in Norddeutsch-land derzeit in fast allen EmK-Gemeinden das Pro-gramm Natrliche Gemeindeentwicklung (NGE) durch. Dabei werden acht verschiedene Bereiche abge-fragt bevollmchtigende Leitung, gabenorientierte