unterwegs 22/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 22/2011

  • 23. Oktober 2011ISSN 1436-607X

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 22/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Ist unser Leben vorgezeichnet?

    Gott wirkt im Kleinenn Warum Mission keine Megakirchen braucht. Seite 11

    Gott wirkt durch unsn Warum die OJK das Geld zum Thema macht. Seite 12

    Gott bringt Friedenn Wie eine Frau Liberia verndert hat. Seite 28

    Diese Ausgabeerscheint mit

    dem neuen Magazin fr Mnner

  • unterwegs 22/2011 ::: 23. Oktober 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEIchEn SIE unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 FO

    TO: MIK

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    unterwegs 22/2011 ::: 23. Oktober 2011

    Hilfe beim Sortieren Ich wrde vllig in der Angst vor den mir drohenden Versuchungen versin-ken, wre ich nicht davon berzeugt, dass Gott mich in Christus vor der Grundlegung der Welt erwhlt hat. So schrieb George Whitefield, einer der fhrenden Gestalter der methodisti-schen Bewegung, an John Wesley. Die Vorstellung der Erwhlung vor der Grundlegung der Welt war fr ihn Trost und Gewissheit. Und doch un-terscheidet ihn gerade hier etwas von den berzeugungen John Wesleys.In dieser unterwegs-Ausgabe geht es um theologische Fragen, die schon Ge-nerationen von Christen beschftigt haben. Wie verhalten sich etwa der freie Wille des Menschen und Gottes Handeln zueinander? Welche Rolle spielt dabei Jesus Christus und wie ha-ben Christinnen und Christen an sei-nem Erlsungswerk teil? Ausgangs-punkt ist ein Wort aus Epheser 1,4: In Christus hat Gott uns erwhlt, ehe der Welt Grund gelegt war. Fr George Whitefield waren dieser Vers und die daraus entwickelte Lehre der soge-nannten Prdestination eine tgli-che Sttze.Aber kann man sagen, ob man glaubt oder nicht, sei vorherbestimmt? Haben Sie dagegen Einwnde? Ihr Gefhl trgt sie nicht. In diesem Heft zeigen wir die Hintergrnde auf und erklren, wie das alles zusammenhngt. Wir helfen beim Sortieren. Als Methodisten knnen wir bei diesen Fragen etwas beitragen.

    Viel Freude bei Lesen wnscht Ihnen Michael Putzke

    SEhr ErFrEut ist Bischfin Rosemarie Wenner darber,

    dass der Frie-densnobelpreis an drei Frauen verliehen wird. Fr sie selbst und viele ande-re Frauen sei

    dies ein groer Ansporn, sich rtlich und weltweit fr Frieden und Vershnung einzusetzen. Ausgezeichnet werden Liberias Prsidentin Ellen Johnson Sirleaf, die liberianische Friedensaktivis-tin Leymah Gbowee und die jemenitische Journalistin Tawakkul Karman. Die 1938 geborene Ellen Johnson Sirleaf gehrt der Evange-lisch-methodistischen Kirche (EmK) an. In einem Brief an den Bischof der EmK in Liberia, John Innis, wrdigte Bischfin Wenner sie als echte Friedensstifterin, die die Auszeichnung mehr als verdient habe (siehe auch Seite 28).

    StErbEhILFE hlt der Autor Martin Walser fr legitim. Sich den Zeitpunkt seines Todes am Ende selbst aus-zusuchen, sei das Recht eines jeden, sagte der 84-Jhrige in einem Ge-sprch mit dem Magazin chrismon. Wenn es ein-mal ganz schlimm wird, werde er in die Schweiz ge-hen und sich einen anstn-digen Tod servieren lassen. Ausdrcklich verwies Walser dabei auf den Verein Exit, der im Nachbarland Men-schen bei der Selbstttung begleitet. Die gesellschaftli-che Haltung zum Sichsel-ber-Tten sei mittelalter-lich.

    15 JahrE abEndmahLSGEmEInSchaFt haben die Vereinigte Evangelisch- Lutherische Kirche Deutsch-lands (VELKD) und die Arbeitsgemeinschaft Men-nonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG) in Wittenberg gefeiert. Nach intensiven Lehrgesprchen hatten VELKD und AMG 1996 die gemeinsame Feier des Abendmahls vereinbart. Die Evangelische Kirche in Deutschland schloss sich der Vereinbarung an. Die Tufer, die geistlichen Vor-fahren der heutigen Menno-niten, wurden im 16. Jahr-hundert brutal verfolgt.

    In ISraEL habEn aLLE rELIGIonEn im vergangenen Jahr Wachstum verzeichnet. Am meisten legten die Muslime zu, gefolgt von Juden und Christen. Die Gesamtbevl-kerung ist um 1,9 Prozent auf knapp 7,9 Millionen ge-stiegen. Am strksten wuchs die arabische Bevlkerung, whrend die Zahl der Juden und anderer um jeweils 1,7 Prozent zunahm. Die Zahl der Muslime stieg um 2,7 Prozent auf 1,4 Millionen, die der Christen um 0,9 Prozent auf rund 154.000. Die Zahl der messianischen Juden wird auf 10.000 bis 15.000 geschtzt.

    dEr KumEnISchE rat dEr KIrchEn (RK) hat eine Mitgliedschaft der Palstinenser in den Vereinten Nationen gefor-dert. Dies wrde dem Frie-den und der Gerechtigkeit im Nahen Osten dienen, erklrte der Weltkirchenrat. kie/idea/epd

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    Geburtstagsfeier. Eine fromme Frau hat einen hohen runden Geburtstag. Selbstverstndlich bin ich als Pastor dabei. Ich erwarte ein harmo-nisches Fest. Darin aber habe ich mich grndlich ge-tuscht. Die Frau hat mich kaum vorgestellt, hagelt es schon auf mich los. Es geht gegen die Kirche, gegen den Glauben, gegen Gott, gegen Christus. Hilflos steht die Frau daneben und wei nicht, was sie sagen soll. Auch mir fehlen die Worte. Auf einige Kritikpunkte fllt mir eine Verteidigung ein. Anderen muss ich zu-stimmen. Das Wesentliche, dass in Christus die Ret-tung des Menschen vor dem ewigen Tod begrndet ist, kommt nicht zur Sprache. Man gibt mir keine Gele-genheit dazu.

    Frustriert nehme ich nach kurzer Zeit Abschied. Mir wird klar: Die Frau leidet. Sie ist in ihrem gesam-ten Verwandtenkreis die einzige Christin. Sie ist ein-sam zwischen ihren Lieben.

    Viele christen leiden not Es kann die Isolation sein, in die der Glaubende ge-stoen wird. Es kann die gesellschaftliche chtung sein. In vielen Lndern werden bis heute Christen ge-schlagen und gedemtigt. Sie werden in Gefngnisse gesteckt, tagelang verhrt und gefoltert. Sie werden gettet. Sie sind geachtet wie Schlachtschafe (Psalm 44,23; Rmer 8,36). Gewiss, es ist nur eine kleine Zeit, wie der erste Petrusbrief sagt. Gemessen an der Ewig-keit ist jede Zeitspanne klein. Diese kleine Zeit kann aber Wochen, Monate, Jahre dauern. Das kann den Menschen zermrben in seinem Glauben. Es lsst ihn zweifeln an der Gegenwart Gottes, an seiner Kraft, an seiner Barmherzigkeit, ja, schlielich an seiner Existenz. Dann mag die bange Frage auftauchen: Bin ich eigentlich noch ein Christ? Gehre ich noch dazu? Bin ich erlst?

    Auch da, wo ein Christ sich im Schoe seiner christ-lichen Familie befindet, kommen Fragen und Zweifel auf. Gerade dann, wenn man Gott am ntigsten

    braucht, ist er offensichtlich nicht da. Beim Zerbre-chen einer Ehe. In einer Krankheit. In der Depression. Wenn jemand zu frh stirbt, vielleicht sogar ein Kind. Da bleibt niemand ruhig. Das Gebet wandelt sich zur Klage und Anklage. Oder es verstummt. Bin ich dann noch Christ?

    berufen, an der herrlichkeit teilzuhabenDer erste Petrusbrief sagt Ja und besttigt, was viele andere Bibelstellen auch verknden. Du bist in Chris-tus berufen, an seiner Herrlichkeit teilzuhaben. Dein Glaube an Christus liegt nicht in dir selbst, sondern in Gott. Du hast dich nicht selbst zum Glauben berufen, sondern Gott hat dich berufen. Nicht dein Wohlver-halten ist entscheidend, nicht deine Einwilligung in die Schicksalsschlge, die du als Gottes Willen anzuerken-nen gentigt wirst. Nichts kannst du dazu tun, dass du an der Herrlichkeit Christi teilnimmst. Alles kommt von dem, der dich berufen hat. Und der ist strker als deine Zweifel, strker als deine Anfechtungen, strker als dein Leiden.

    Er hlt dich da, wo du dich selbst nicht mehr halten kannst. Er sieht dein Elend an, er kennt deine Grenzen. Er wei, wie dir zumute ist, wenn eine ganze Welt auf dich eindrischt. In seiner Gnade sieht er nicht auf dein Versagen, sondern auf Christus, der dein Versagen am Kreuz getragen hat. Auch der Christ hat nicht auf sich und seinen Glauben zu schauen, sondern allein auf Christus, den Anfnger und Vollender des Glaubens. In ihm sind wir berufen zu seiner Herrlichkeit. Seine Berufung kann ihn nicht gereuen.

    Ausweg aus aller Not:Gott steht zu seinem Wort

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    DIEDErICh LKENist pastor im Bezirk Stuttgart-Bad Cannstatt.

    Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, strken, krftigen, grnden . 1. Petrus 5,19

  • leserbriefe

    10 ::: aus briefen an die redaktion

    Was meinen Sie?

    diskutieren Sie mit!

    www.board.emk.de

    Ihre Leserbriefe erreichen uns am schnellsten per E-Mail: unterwegs@emk.de Leserbriefe geben nicht in jedem Fall die Meinung der redaktion wieder. Wir behalten uns vor, Leser-briefe zu krzen. Ein Anspruch auf Verffentli-chung von Leserbriefen besteht nicht.

    deutschland will perfekte KinderZu unterwegs (19/2011)

    Als Hebamme und Mutter von vier Kin-dern, davon das jngste schwer mehr-fachbehindert, verfol-ge ich die medizini-

    schen Fortschritte und Gesetzge-bungen schon seit Jahren. Viele werdende Eltern stehen im Zwie-spalt, wenn es um die Frage der Untersuchungen in der Schwan-gerschaft geht. Lngst schon hat sich ein gesellschaftlicher Zwang eingestellt, der erwartet, dass alle mglichen Tests von einer Schwan-geren durchgefhrt werden. Tut sie das nicht, wird ihr unterstellt, sie handle unverantwortlich. Dies verdeutlichen immer wieder die Nachfragen zur Behinderung un-serer Tochter. Wie etwa: Hast du dich nicht untersuchen lassen?; oder Htte man in der Schwan-gerschaft noch etwas machen kn-nen?; oder Heutzutage muss man doch kein behindertes Kind mehr bekommen dafr gibt es Heime. Menschen mit Handicap sind in Deutschland auch heute noch immer benachteiligt. Famili-en kmpfen um Untersttzung zu Hause, um Pflegestufe, Pflegegeld,