unterwegs 24/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 24/2011

  • 20. November 2011ISSN 1436-607X

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 24/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Wie sieht es eigentlich im Himmel aus?

    Blick nach vornn Was die Gemeinde in Edewecht bewegt. Seite 8

    Horizonterweiterung nWas koreanische Methodisten ausmacht. Seite 11

    Vorausschauendn Was ein gerechter Einkaufszettel bewirkt. Seite 9

  • unterwegs 24/2011 ::: 20. November 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEicHEn SiE unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 Fo

    to: UMNS / tItE

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    unterwegs 24/2011 ::: 20. November 2011

    Ein Stck vom HimmelDramatisch sind diese Tage und Wo-chen in Europa: Immer neue Rettungs-schirme werden aufgespannt, um bankrotte Staaten zu retten. Politiker jagen von einem Krisengipfel zum nchsten. Es herrscht die Angst vor dem groen Crash. Dabei ist die Krise immer auch ein Medienereignis. So wurde vor einigen Monaten in allen Kanlen der drohen-de Bankrott der USA breitgetreten. Heute ist kaum mehr etwas davon zu hren obwohl die Situation nicht besser geworden ist. Die Arbeitslosig-keit ist hoch. Wie dramatische die Lage ist, zeigt sich auch in der wachsenden Zahl von Hilfsangeboten. So haben viele EmK-Gemeinden in den USA umfangreiche Sozialprogramme ge-startet, um Menschen die durch die Rezession ihre Arbeit oder sogar ihre Wohnung verloren haben, zu helfen. Auch wenn die Umstnde eher nieder-drckend sind, so macht es doch Mut zu sehen, wie Menschen einander hel-fen. Dass sie eben den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern etwas tun. Zwar tun sie das immer in dem Wissen, dass es nur Stckwerk ist. Aber es ist ein Stck vom Himmel, das diese Men-schen auf die Erde bringen. Gerade zum Ende des Kirchenjahrs und vor dem Advent kann uns so be-wusst werden: Wir gehen zwar immer wieder durch dunkle, schwere Zeiten, aber Gottes Liebe verlsst uns nicht. Und wir Christen sind berufen, das Licht dieser Liebe in die Welt zu brin-gen. Ihr Volker Kiemle

    BiScHfin roSEmariE WEnnEr wird Prsidentin des Bischofsrats der internatio-

    nalen Evange-lisch-methodisti-schen Kirche (EmK). Mit ihr wurde erstmals eine Frau von

    auerhalb der USA in dieses Amt gewhlt. Die 56-Jhrige wird ihr Amt im kommen-den Frhjahr antreten. Als Prsidentin leitet sie die Sit-zungen des Bischofsrats, dem alle 69 aktiven sowie die pensionierten Bischfe der weltweiten EmK ange-hren. Das Gremium tagt zweimal im Jahr und vertritt in dieser Zeit auch die Gene-ralkonferenz, das alle vier Jahre tagende oberste Ent-scheidungsgremium der EmK. Wenner ist seit 2005 Bischfin der EmK.

    rundErnEuErt wurde die Website der Hrfunk-agentur radio m. Jetzt sehen die Besucher der Seite auf den ersten Blick immer das Allerneueste: aktuelle Radiobeitrge zum Anhren und die eigens fr das Internet produzierten Magazin- und Gesprchs-sendungen. Ebenfalls ausgebaut hat die Hrfunk-agentur die Mglichkeiten der Nutzer, mit dem Team von radio m Kontakt aufzunehmen, Kommentare abzugeben oder Manus-kripte anzufordern.

    www.radio-m.de

    BEr dEn WidErStand EVangEliScHEr cHriStEn gegen den Nationalsozialis-mus informiert eine neue Ausstellung im Internet. Sie

    umfasst 584 historische Dokumente wie Schrift-stcke und Fotos sowie Hr- und Filmausschnitte.

    www.evangelischer-widerstand.de

    daS StrEikVErBot in der Evan-gelischen Kirche in Deutsch-land (EKD) und der Diako-nie bleibt: Die EKD-Synode beschloss zum Abschluss ih-rer Jahrestagung in Magde-burg ein Kirchengesetz, das ausdrcklich das umstrittene Streikverbot und den Ver-zicht auf Aussperrungen vor-sieht. Die Dienstleistungsge-werkschaft ver.di, die ein Streikrecht in Kirche und Diakonie fordert, kritisiert den Gesetzesbeschluss scharf.

    diE friEdlicHE rEVolution 1989 in der DDR kam nicht aus der Kirche. Das er-klrte der Bundesbeauftragte fr die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Jahn zufolge ist das SED-Regime nicht mit Kerzen und Gebeten gestrzt worden, sondern durch die politischen Forderungen und macht-vollen Demonstrationen der Brger auf der Strae. Die evangelische Kirche sei sowohl ein Hort des Wider-stands als auch eine Sttze des Staates gewesen: Die Kirche hat den Raum gege-ben, damit sich Menschen austauschen, aber sie hat die Menschen gleichzeitig dis-zipliniert, damit sie mit ihren Forderungen an den Staat nicht zu weit gehen. So seien Organisatoren der Montagsgebete in Leipzig 1988/89 von der Kirchen-leitung weggedrckt worden. kie/ide

  • ::: titelthema: Wie sieht es im Himmel aus?

    unterwegs 24/2011 ::: 20. November 2011

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    Wie es im Himmel ist ...Niemand wei, wie es im Himmel aussieht. auch die Beschreibungen in der Bibel knnen nur mit Bildern arbeiten, die unserer lebenswelt entnommen sind. trotzdem knnen wir uns auf den Himmel freuen, sagt Pastor Karl layer. Schlielich hat Jesus Christus selbst vom Himmel gesprochen als dem ort, an dem unsere Namen notiert sind.

    Die Post bringt uns eine Traueranzeige ins Haus. Sie trgt die Jahreszahl 2011. Und die Unter-schrift der Leidtragenden mit folgendem Satz: Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Himmel. Ist dies ein unwirkliches berspielen der Trauer? Nein! Es ist ein mutiges Bekennen christlicher, bibelbezogener Hoffnung. Ich kenne die Betroffenen gut und wei, dass hier keine fromme Schauspielerei am Werk ist.

    Ist das nicht beeindruckend? Woher kommt der Mut, solches zu bezeugen? Ich muss feststellen, dass ich noch nie eine solche Traueranzeige bekommen ha-be. Im Dritten Reich konnte man unter der Mitteilung eines im Krieg Gefallenen lesen: In stolzer Trauer. Passen Stolz und Trauer zusammen? Beides zu verbin-den war nur mglich, weil man den Himmel in ein Walhalla umwandelte und die Hoffnung an den Fh-rer band. Den biblischen Himmel berlie man den Engeln und den Spatzen, wie bereits Heinrich Heine (17971856) spottete.

    Wir sprechen hier von dem Himmel, wie ihn uns die Bibel bezeugt und der fr uns noch unsichtbar ist. Der bestirnte Himmel ber uns, wie ihn der Philo-soph Immanuel Kant (17241804) beschrieben hat, ist hier nicht das Thema. Dafr ist die Astronomie zu-stndig.

    Zustndig fr uns ist der, der im unsichtbaren Him-mel war und durch eine Geburt als Mensch zu uns auf die Erde kam: Jesus Christus. Aus seinem Mund erfah-ren wir, dass es im Himmel eine Art Buchfhrung gibt: Freut euch, dass eure Namen im Himmel ge-schrieben sind (Lukas 10,30). Aus seinem Mund hr-te der bufertige Schcher am Kreuz die Worte: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein (Lukas 23,43). Mit Paradies bezeichnet Jesus hier den Himmel als Ort der Vollendung nach dem Sterben. In der Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus verwendet Jesus hierfr bild-

    haft den Ausdruck Abrahams Scho (Lukas 16,22). Als sich Jesus vor seinem Kreuzestod von seinen Jn-gern verabschiedete, hrten sie die Worte: Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen (Johan-nes 16,22).

    glauben und Schauen am ort der SeligenIch will die beiden Apostel Paulus und Petrus Jesus an die Seite stellen: Paulus schreibt von sich in der dritten Person weil er sich dessen nicht rhmen will , dass er bis in den dritten Himmel und ins Paradies entrckt wurde. Er hrte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann (2. Korinther 12,24). Und Petrus, der Apostel der Hoffnung, schreibt in seinem ersten Brief: Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechli-cher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nmlich der Seelen Seligkeit (1.Pe-trus 1,8.9). Hier verbindet Petrus den Stand des Glau-bens mit dem des Schauens.

    Nimmt es da noch wunder, wenn wir den Himmel als Ort der Seligen bezeichnen? Es gibt im Jenseits auch den Ort der Unseligen. Jesus spricht davon, dass man bis in die Hlle hinuntergestoen werden kann (Matthus 11,23). Nicht von ungefhr ist Jesus das Licht der Welt. Wer ihn nicht als seinen persnlichen Herrn annimmt, bleibt in der Finsternis in diesem und im Leben nach dem Tod.

    Wir schreiben das Jahr 1960. Unsere Nrn-berger Gemeinde hatte die Zeltmission zu einer Evangelisation eingeladen. Ein gnsti-ger Platz in der Nhe unserer Kirche konnte gefunden werden mitten in der Stadt. Der Ruf des Evangeli-ums und die Einladung zu Jesus sollten deutlich wer- Fo

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  • unterwegs 24/2011 ::: 20. November 2011

    titelthema: Wie sieht es im Himmel aus? ::: 5

    Karl layErist Pastor im ruhestand.

    Er lebt in der Nhe von Winnenden

    (Baden-Wrttemberg).

    den. An den Verkndigungsabenden wurde im Vor-programm viel gesungen und bers Mikrofon auch vorgesungen. Damals schon sehr fortschrittlich! In meiner Erinnerung lebendig ist das Lied In dem Him-mel ists wunderschn. Es wurde weder als sentimen-tal noch als altmodisch abgelehnt, obwohl es ein altes Heilslied ist. Ich habe es in den mir zugnglichen Lie-derbchern nur noch in einem uralten Reichslieder-buch gefunden. Keine Angabe der Jahreszahl. Keine Angabe des Verfassers.

    Ich wrde den Verfasser gerne fragen: Woher weit du das? Jede Strophe fngt nmlich mit dem Liedtitel an. Vermutlich wrde ich als Antwort alle die Bibelstellen genannt bekommen, die bereits erwhnt sind. Und darber hinaus die goldenen Gassen, die Perlentore, das kristallne Meer, die Bltter der Lebensbume. Alle diese Aussagen finden sich im letzten Buch der Bibel. Sie nimmt die schnsten und lebendigsten Dinge aus unserer Welt, um den Himmel zu beschreiben. Auch diese, dass kein Leid, keine Schmerzen, kein Geschrei, kein Tod mehr sein wer-den (Offenbarung 21,4).

    das Eigentliche ist unsagbarbrigens sind dies alles Verneinungen von Erfahru