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"unterwegs"-Sonderheft zum Jubiläum 25 Jahre Friedliche Revolution

Text of unterwegs spezial

  • 2. November 2014 ISSN 1436-607X

    Magazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Als die Mauer el:Sonderausgabe zum 9. November 2014

    Magazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen KircheMagazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Plauen: Der Anfang vom Ende Geboren 1989: Was 25-Jhrige denken

    Gedenken: Gottesdienste, Lesungen, Konzerte

    Vor 25 Jahren wurde in vielen Orten der damaligen DDR Ge-schichte geschrieben: Menschen gingen auf die Strae und protestierten gegen ein Regime, dessen Ungerechtigkeit immer mehr sichtbar wurde. Am Ende el die Berliner Mauer und damit die DDR. Ihren Anfang nahmen die Proteste in den Friedensgebeten, die seit 1980 in Leipzig, spter auch in anderen Stdten stattfanden. Die Friedliche Revolu-tion des Jahres 1989 begann am 5. Oktober in Plauen mit Friedensgebeten, an die sich am 7. Oktober die erste inof -

    zielle Massendemonstration innerhalb der DDR anschloss. Als dann am 9. Oktober in Leipzig zwischen 70.000 und 100.000 Menschen friedlich gegen die Machthaber demons-trierten, war die Geschichte nicht mehr aufzuhalten. Bei alledem haben auch Gemeinden und Einzelne aus der EmK eine groe Rolle gespielt. Diesen mutigen Menschen sind die folgenden Seiten gewidmet, auf denen wir noch-mals an die Ereignisse vor 25 Jahren erinnern.Viel Freude beim Lesen wnscht Ihnen Volker Kiemle

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  • SPEZIAL 2SPEZIAL 2 ::: 25 Jahre Friedliche Revolution

    Die Kirchen der Stadt, darunter auch die EmK-Erlserkirche, hatten damals schon lnger die Tren fr regelmige Friedensgebete am Sonnabend geffnet und den Menschen Raum und Stimme gegeben. An jenem Sonnabend gingen wir das erste Mal auf die Strae, erinnert sich Klaus Stra-ka an diesen Tag. Der heute im Ruhestand in Halle (Saale) lebende Pastor, war damals neu in Plauen. Wir waren Mitte September nach Plauen gezogen, erzhlt er. Dass kurze Zeit spter Geschichte geschrieben wr-de, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Der 9. Oktober mit der Montagsdemonstration in Leipzig sei zwar in die deutsche Geschichte eingegan-gen, aber als Ausgangspunkt der Friedlichen Revoluti-on msse eigentlich die Demonstration in Plauen gel-ten, die dort zwei Tage zuvor stattfand.

    Das betont auch der amerikanische Historiker John Connelly, der Plauen als die erste ostdeutsche Stadt, die einen geeinten Willen zur Wende ausdrckte be-schreibt. Die friedliche demonstrierende Menge mit ber 15.000 Menschen sei das Signal fr Leipzig ge-wesen, sagt Straka. Er selbst habe durch eine Art Fls-

    terpropaganda erfahren, dass sich da etwas ereigne. Ich hrte im Haus, dass einer sagte um 15 Uhr tref-fen sich die Leute in der Stadt. Da muss ich hin war seine sofortige Reaktion. Zu diesem Zeitpunkt ha-be sich schon eine Vlkerwanderung auf der Strae zum Rathaus bewegt.

    Dem fr Ruhe und friedliches Auftreten werbenden damaligen lutherischen Superintendenten Thomas Kttler sei es zu verdanken, dass die Demonstration friedlich blieb. Er hatte mit dem Oberbrgermeister verhandelt und erreicht, dass es zu Gesprchen mit ausgewhlten Demonstranten kam. Aus den Teilneh-mern dieser ersten Gesprche, zu denen auch Straka gehrte, entwickelte sich der sptere Runde Tisch und die weiteren friedlichen Umwlzungen in Plauen und Umgebung.

    Applaus statt AmenNeben vielen Christen htten auch unzhlige Men-schen ohne kirchliche Erfahrungen an Friedensgebeten teilgenommen. Das war daran zu erkennen, dass sie statt Amen am Schluss eines Gebetes zu sagen immer applaudierten, erzhlt er schmunzelnd. Eine besondere Erfahrung sei die ausdauernde Teilnahme an den Frie-densgebeten gewesen. Dass die Menschen ber ein halbes Jahr lang jeden Samstag bis zu den Wahlen im Mrz zum Friedensgebet kamen, erstaunt mich immer noch, sagt Straka. Ich bin berzeugt, dass die Kir-chen wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Re-volution stattfand und friedlich blieb.

    Im Rckblick auf jene Ereignisse stellt er seiner Ge-meinde ein groartiges Zeugnis aus: Ich hatte eine prchtige Untersttzung durch meine Gemeinde. Ob-wohl er durch die sich aus den Demonstrationen und der Teilnahme am Runden Tisch ergebenden ffentli-chen Aufgaben in der Gemeinde nicht mehr so prsent sein konnte, habe ihn die Gemeinde ermutigt, die poli-tischen und gesellschaftlichen Vernderungen mitzuge-stalten. Ich bin froh, dort gewesen zu sein, fasst er jene Zeit als prgenden Teil seiner persnlichen Erfah-rungen ganz schlicht zusammen. Klaus Ulrich Ruof

    Der Mauerfall begann in PlauenDer 9. November 1989 ist als Tag des Mauerfalls in die Geschichte eingegangen. Doch die Friedliche Revolution begann frher, und viele Glieder der EmK waren direkt beteiligt: Am 7. Oktober 1989 gab es in Plauen die erste inof zielle Massendemonstration innerhalb der DDR. Dabei hat der damalige lutherische Superintendent mageblich dazu beigetragen, dass die Lage friedlich blieb. Mit einem kumenischen Gottesdienst gedachten ber 800 Besucher in der EmK-Erlserkirche an diese auslsenden Ereignisse.

    meine wende

    Beim Zeitzeugengesprch in der Plauener EmK diskutierten am 5. Oktober der Brger-rechtler und Knstler Klaus Hopf (rechts), Superintendent a .D. Thomas Kttler (2. v. r.) und Pastor i. R. Klaus Straka (links). Es moderierte Eva-Maria Zehrer.

    In Leipzig demonstrieren 500 Menschen fr Reformen in der DDR.53 Personen werden inhaftiert. Die Folge sind in mehreren DDR-Stdten Frbitteandachten und ein Schweigemarsch.

    Erich Honecker versichert: Die Mauer wir in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen.

    15.1.1989 19.1. 11.2.Ungarn beschliet den Abbaudes Grenzzauns zu sterreich.

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  • SPEZIAL 2SPEZIAL 2 ::: 25 Jahre Friedliche Revolution

    Die Kirchen der Stadt, darunter auch die EmK-Erlserkirche, hatten damals schon lnger die Tren fr regelmige Friedensgebete am Sonnabend geffnet und den Menschen Raum und Stimme gegeben. An jenem Sonnabend gingen wir das erste Mal auf die Strae, erinnert sich Klaus Stra-ka an diesen Tag. Der heute im Ruhestand in Halle (Saale) lebende Pastor, war damals neu in Plauen. Wir waren Mitte September nach Plauen gezogen, erzhlt er. Dass kurze Zeit spter Geschichte geschrieben wr-de, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Der 9. Oktober mit der Montagsdemonstration in Leipzig sei zwar in die deutsche Geschichte eingegan-gen, aber als Ausgangspunkt der Friedlichen Revoluti-on msse eigentlich die Demonstration in Plauen gel-ten, die dort zwei Tage zuvor stattfand.

    Das betont auch der amerikanische Historiker John Connelly, der Plauen als die erste ostdeutsche Stadt, die einen geeinten Willen zur Wende ausdrckte be-schreibt. Die friedliche demonstrierende Menge mit ber 15.000 Menschen sei das Signal fr Leipzig ge-wesen, sagt Straka. Er selbst habe durch eine Art Fls-

    terpropaganda erfahren, dass sich da etwas ereigne. Ich hrte im Haus, dass einer sagte um 15 Uhr tref-fen sich die Leute in der Stadt. Da muss ich hin war seine sofortige Reaktion. Zu diesem Zeitpunkt ha-be sich schon eine Vlkerwanderung auf der Strae zum Rathaus bewegt.

    Dem fr Ruhe und friedliches Auftreten werbenden damaligen lutherischen Superintendenten Thomas Kttler sei es zu verdanken, dass die Demonstration friedlich blieb. Er hatte mit dem Oberbrgermeister verhandelt und erreicht, dass es zu Gesprchen mit ausgewhlten Demonstranten kam. Aus den Teilneh-mern dieser ersten Gesprche, zu denen auch Straka gehrte, entwickelte sich der sptere Runde Tisch und die weiteren friedlichen Umwlzungen in Plauen und Umgebung.

    Applaus statt AmenNeben vielen Christen htten auch unzhlige Men-schen ohne kirchliche Erfahrungen an Friedensgebeten teilgenommen. Das war daran zu erkennen, dass sie statt Amen am Schluss eines Gebetes zu sagen immer applaudierten, erzhlt er schmunzelnd. Eine besondere Erfahrung sei die ausdauernde Teilnahme an den Frie-densgebeten gewesen. Dass die Menschen ber ein halbes Jahr lang jeden Samstag bis zu den Wahlen im Mrz zum Friedensgebet kamen, erstaunt mich immer noch, sagt Straka. Ich bin berzeugt, dass die Kir-chen wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Re-volution stattfand und friedlich blieb.

    Im Rckblick auf jene Ereignisse stellt er seiner Ge-meinde ein groartiges Zeugnis aus: Ich hatte eine prchtige Untersttzung durch meine Gemeinde. Ob-wohl er durch die sich aus den Demonstrationen und der Teilnahme am Runden Tisch ergebenden ffentli-chen Aufgaben in der Gemeinde nicht mehr so prsent sein konnte, habe ihn die Gemeinde ermutigt, die poli-tischen und gesellschaftlichen Vernderungen mitzuge-stalten. Ich bin froh, dort gewesen zu sein, fasst er jene Zeit als prgenden Teil seiner persnlichen Erfah-rungen ganz schlicht zusammen. Klaus Ulrich Ruof

    Der Mauer