update Juni - August 2013, Ars Electronica Center Linz

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    22-Jul-2016

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update, the magazine of the Ars Electronica Center, informs quarterly about current exhibitions and events at the Museum of the Future. German language only.

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  • www.aec.at

    Neue AusstelluNg

    Projekt Genesis

    Die erDe begreifeN

    terra Mater LiVe

    jUni aUGUst 2013

  • Ars Electronica ganz kurzars electronica ist stets auf der suche nach dem neuen. Der Blick ist dabei nie allein auf kunst, technologie oder Gesellschaft ge-richtet, sondern auf die vielschichtigen Beziehungen und Wech-selwirkungen zwischen ihnen. seit 1979 ist ars electronica in die-ser spezifischen ausrichtung eine weltweit einmalige Plattform fr digitale kunst und Medienkultur mit vier sulen: ars electronica Festival, Prix ars electronica, ars electronica Futurelab und ars electronica Center.

    Das ars electronica Center ist als Museum der Zukunft nicht nur in seiner markanten architektur auergewhnlich. auch in den aus-stellungsthemen, der angebotsstruktur und dem Vermittlungs-konzept ist das neue immer gegenwrtig. offene Labors und interaktive installationen beziehen Besucherinnen aller altersstu-fen aktiv ein. im Vordergrund steht dabei nicht die Frage nach den technologischen Zusammenhngen, sondern ganz konkret: Was bedeuten bestimmte entwicklungen fr mich und mein Leben?

    update bietet ihnen einen berblick ber die aktuellen ausstellungen und Veranstaltungen im ars electronica Center. Wir freuen uns auf ihren Besuch!

    Inhalt

    3 titelstory

    6 interviews

    8 ausstellungen

    10 Highlights

    14 Programm

    26 rckblick

    28 auf einen Blick

    29 kontakt, ffnungszeiten, eintrittspreise

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  • seit 1999 arbeitet der belgische knstler koen Vanmechelen an der schaffung des ultimativen kosmopolitischen Huhns. Wie er das macht? Ganz einfach: er kreuzt Hhner aus allen Lndern die-ser Welt, um am ende ein Huhn zu zchten, das die erbinforma-tion ausnahmslos aller Hhnerpopulationen auf der erde enthlt. kosmopolitischer gehts wirklich nicht mehr. koen Vanmechelen will mit seinem Hhnerzuchtprogramm zeigen, was bei uns Men-schen schon seit tausenden von jahren im Gange ist: die stndige Durchmischung.

    Was uns unterscheidet

    immer schon sind Menschen umhergewandert und dabei bis in die entlegensten Winkel der Welt vorgedrungen. oft genug muss-ten sie am ende wieder den rckzug antreten, weil das klima sich vernderte, es zu kalt oder zu hei wurde und in der Folge Hunger und not herrschten oder weil kriegerische auseinandersetzungen sie um Leib und Leben frchten und fliehen lieen. egal wann und warum Menschen ihre angestammten Gebiete auch verlieen, stets kamen sie in Gefilde, in denen bereits andere Menschen leb-ten, und ber kurz oder lang entstanden neue Gemeinschaften. Was wir heute als europerinnen, afrikanerinnen, asiatinnen oder amerikanerinnen, geschweige denn als sterreicherinnen, Deut-sche, Franzosen usw. bezeichnen, ist also nichts weiter als eine bloe Momentaufnahme. schon wenige jahrhunderte Familien-geschichte reichen aus und jede und jeder von uns stt auf Vor-fahren aus weit entfernten Gebieten, ja von anderen kontinenten. Genau diese andauernde Vermischung will koen Vanmechelen mit seinem kosmopolitischen Huhn zum ausdruck bringen. Und noch etwas anderes: dass die grten Unterschiede zwischen den ar-ten nicht in ihren Genen liegen, sondern in ihrer jeweiligen kultur.

    Wie Weit GeHen Wir?

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    Die Gestaltung unseres Lebensraums

    als die ersten Menschen sesshaft wurden, begann auch die Do-mestizierung von Haustieren. einst jger und sammler, wurden die Menschen nun zu Bauern, die Wlder rodeten, Felder anleg-ten und nutz- sowie Haustiere hielten. Das Huhn war eines der ersten tiere, die gezchtet wurden mit eine tatsache, die den Belgier koen Vanmechelen dazu bewog, genau dieses tier in den Mittelpunkt seines Projekts zu rcken. je nach klimatischen Be-dingungen, Fruchtbarkeit des Bodens und vorhandenen ressour-cen begannen immer mehr Menschen immer grere Flchen zu bewirtschaften, bildeten immer grere Gemeinschaften, in de-nen arbeit geteilt wurde, errichteten stdte und schufen jeweils eigene (Hoch-)kulturen. Hand in Hand mit der ausbildung immer komplexerer Gesellschaften ging die entwicklung von Wissen-schaft und technik. schon sehr bald gingen die Menschen daran, das antlitz des Planeten zu verndern und nach ihren Bedrfnis-sen und Vorstellungen zu gestalten. Und das in immer grerem Mastab.

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  • Istanbul aus dem Weltall: Sichtbare Spuren der menschlichen Zivilisation

    Hybrid Art: Koen Vanmechelen erhielt die Goldene Nica des Prix Ars Electronica 2013

    Das Anthropozn

    Massiven schub erhielt diese entwicklung immer wieder durch technologische neuerungen. etwa durch die Dampfmaschine, die das auslste, was wir heute als industrielle revolution be-zeichnen. Und sptestens mit dem industriezeitalter, als immer mehr Maschinen entwickelt und in Betrieb genommen wurden, die nicht nur das ausma der Produktion von Waren und Gtern explosionsartig steigerten, sondern auch die nachfrage nach energie und rohstoffen unermesslich werden lieen, wurde die erde endgltig und unwiderruflich zum Planeten der Menschen. anthropozn nennen Wissenschaftler dieses jngste kapitel der erdgeschichte, dem ganz eindeutig und ausschlielich der Mensch seinen stempel aufdrckt.

    und die digitale Natur

    am Beginn des 21. jahrhunderts sind die technischen systeme, die wir ber den Planeten ausgebreitet haben, lngst zu einer art zweiter natur fr uns geworden. sie sind so selbstverstndlich und normal, dass wir sie beinahe nicht mehr wahrnehmen und ziemlich achtlos nutzen. noch viel intensiver als die netzwerke des industriezeitalters, die noch sichtbar und greifbar waren, ist diese Verschmelzung schlielich in der jngsten Vergangenheit im digitalen Zeitalter geworden. Vor allem seitdem wir mit dem

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    internet nicht blo eine technische infrastruktur zur speicherung und Verteilung von Daten, sondern vor allem einen sozialen raum geschaffen haben, in dem wir mit Menschen in aller Welt kommu-nizieren knnen, uns mitteilen und austauschen und teil einer Ge-meinschaft werden knnen. Lngst keine nische oder alternative Welt fr irgendwelche spinner mehr, die im echten Leben nicht zurechtkommen, ist das internet mittlerweile fixer Bestandteil unseres privaten und beruflichen alltags. es ist eine vollkommen selbstverstndliche Lebensumgebung fr uns geworden und da-mit eine weitere Dimension des anthropozn.

    Fantastische Einblicke in unsere Welt

    in dem Mae, in dem unsere Umgebung und nicht zuletzt wir Menschen selbst immer mehr von technologie durchdrungen werden, erffnen sich uns auch neue fantastische einblicke in Welten, von deren existenz wir bislang keine ahnung hatten, und werden erstaunliche Prozesse um und in uns sichtbar. Vor allem bildgebende Verfahren helfen uns, Bilder zu erzeugen, die noch ein, zwei Generationen vor uns vllig unbekannt waren. Bilder, die zeigen, wie das Weltall sekundenbruchteile nach dem Urknall ausgesehen hat, oder Bilder, auf denen unser Gehirn beim Denken zu sehen ist. je mehr wir auf diese Weise ber die Welt, in der wir leben, und ber uns Menschen selbst erfahren, desto bewusster wird uns, wie komplex die Dinge wirklich sind und dass es, unge-achtet dessen, wie viel wir darber bereits herausgefunden ha-ben, es noch unendlich viel mehr zu erfahren und verstehen gibt.

    Erfahren Sie mehr ber die neuen Visualisierungen der Erde im Deep Space im Interview auf Seite 7.

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  • Riesige Rechenzentren wie hier in CERN knnten der Vergangenheit angehren

    Kostengnstiges Biohacking fr zu Hause: Die Gen-Kanone von Rdiger Trojok

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    (Mit-)Gestalten und Schaffen von Leben

    Parallel zu diesem Beobachten und studieren von Makro- und Mikrokosmos haben wir Menschen immer auch schon aktiv in die ablufe der natur und des Lebens eingegriffen. Das Wissen und die Mittel, die uns dabei zur Verfgung standen und stehen, ha-ben sich im Laufe der Zeit freilich grundlegend gendert. Genau wie koen Vanmechelen immer wieder ein Huhn mit dem anderen kreuzt, um am ende sein ultimatives kosmopolitisches Huhn zu bekommen, haben Menschen ber jahrhunderte, ja ber jahrtau-sende ihre nutztiere und -pflanzen gestaltet. seit einem schaf namens Dolly wissen wir, dass wir das auch anders knnen. Gen- und Biotechnik erffnen uns seither immer weitergehende Mg-lichkeiten, Leben nicht nur zu gestalten, sondern zu erschaffen. Die Frage dabei lautet immer seltener, wie wir eingreifen knnen, sondern vielmehr wie weit wir dabei gehen wollen. eine Frage, die sich auch koen Vanmechelen stellt.

    Die neue Ausstellung Projekt Genesis fhrt Sie ab 1. August 2013 in dieses Thema ein. Lesen Sie mehr dazu auf den Seiten 6 und 10.

    Keine Probleme mit dem Speicherplatz

    all diese wissenschaftlichen errungenschaften sind nicht die Leistung einzelner herausragender Genies, sondern das ergebnis einer Forschung und entwicklung, die immer strker auf teams, auf das Miteinander unterschiedlicher Disziplinen und vor allem auf technologie setzt. Letztere sorgt im brigen dafr, dass jede studie, jeder Versuch und jedes experiment immer mehr Daten abwirft, die alle gespeichert, gesichtet und schlielich ausgewer-tet werden wollen. Mitunter sind diese Datenmengen derart gro, dass sie via internet auf Hunderte rechenzentren in der ganzen Welt aufgeteilt und dort gespeichert werden mssen. Zur schie-ren Menge kommt das bislang ungelste Problem der langfristi-gen archivierung digitaler Daten. Beinahe anachronistisch mutet an, dass eine der Zukunftsvisionen zur Lsung gleich beider Pro-bleme ein Medium ins spiel bringt, das schlechthin der speicher der natur ist: die Dna.

    Vom 5. bis 9. September 2013 widmet sich das Ars Electronica Festival 2013 mit dem Titel TOTAL RECALL The Evolution of Me-mory diesmal den Themen Erinnerung und Gedchtnis.

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    Herr Gardiner, welche Mglichkeiten erffnen sich uns mit synthetischer Biologie?

    ein redner beim ars electronica Festival im vergangenen jahr war Professor George Church von der Harvard Medical school. er be-richtete von unglaublichen themen wie dem rckgngigmachen des aussterbens ver-schwundener arten und ihrem Zurckholen in unsere Welt. Dabei werden verschiedene teile, zum Beispiel aus den gefundenen Haaren und knochen mehrerer Mammuts, zu einem neuen Genom zusammengesetzt, das dann wieder wachsen kann. es ist eine durchaus verrckte idee, den Bauplan eines Mammuts nur durch das sammeln aller heute verfgbaren infor-mationen zusammenzustellen und das neue Lebewesen dann von einem elefanten geb-ren zu lassen. Und wenn sie einen neander-taler zurckbringen mchten, mssten sie nicht viel anderes tun: all die vorhandenen in-formationen aus archologischen Fundstcken sammeln und eine Frau finden, die dieses kind dann auf die Welt bringt.

    Wie sehr betrifft uns das Thema?

    nehmen wir zum Beispiel die rolle von kran-kenversicherungen: Die Fortschritte in der entwicklung von technologien zur geneti-schen sequenzierung haben die Preise sinken lassen. Das sequenzieren eines Menschen kostete noch vor einigen jahren Millionen und dauerte viele Monate. jetzt kostet es nur ein paar tausend euro und ist in einer Woche fertig. sie knnen sich vorstellen, wie schnell ihr Genom in Zukunft entschlsselt werden kann. Und Versicherungsunternehmen wissen

    anhand von statistischen medizinischen stu-dien, dass sie eine 25%ige Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte krebskrankheit haben, wenn sie dieses Gen in sich tragen. Diese Da-ten werden dann verwendet, um mehr oder weniger Geld fr ihre krankenversicherung zu verlangen. Derzeit gibt es keine Gesetze, die die Verwendung der Dna eines einzel-nen Menschen schtzt. Wir besitzen unsere eigene Dna nicht. Wir knnen sie verwenden und reproduzieren, wie wir wollen, aber wir haben keinen einfluss darauf, wer berechtigt ist, unsere Daten zu nutzen.

    Welches Ziel verfolgt die Ausstellung?

    Bereits der englische titel Yours syntheti-cally in anlehnung an Yours sincerely in englischen Briefen hebt diese neue art der kommunikation mit der natur hervor: Wir machen eine nderung, die natur gibt uns

    die nachricht zurck, wir lesen sie und schreiben ihr dann wie-der. Die ausstellung erinnert uns daran, dass die ergebnisse der synthetischen Biologie, wie auch immer sie aussehen werden, un-sere sind. Wir alle sind in dieser

    Beziehung miteinander verbunden und sollten uns um dieses thema kmmern. es ist eine technologie, die eine uerst verantwor-tungsvolle und reife Mentalitt erfordert. Die ffentlichkeit sollte dieses thema verstehen, nicht in einer alarmierenden art und Weise, aber mit einer umfassenden Perspektive, um Diskussionen anzuregen.

    Hinweis: Das vollstndige Interview lesen Sie im Ars Electronica Blog: www.aec.at/aeblog

    Die Kreaturen von Patricia Piccinini werfen viele Fragen auf Wir nahmen die Hardware der Zelle und vernderten die Software.

    Wir formen unsere WeltAb 1. August 2013 fhrt die neue Ausstellung Projekt Genesis in das Themengebiet der syn-thetischen Biologie ein. Matthew Gardiner hat die knstlerischen Werke zusammengestellt.

    interviews

    Matthew Gardiner (AU) ist Mitarbeiter im Ars Electronica Futurelab und be-schftigt sich dort vor allem mit dem Forschungsschwerpunkt der Functio-nal Aesthetics, der sich den Themen-gebieten sthetik, Material und Kine-tik zuwendet.

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    In Linz gibt es zwar keine echte sechs Meter groe, mit LEDs bestckte Erdkugel wie in Tokio, aber eine virtuelle in 3-D. Wie gefllt Ihnen die Umsetzung?

    Das ist das erste Mal, dass ich die Datenvisu-alisierungen auerhalb unseres Geocosmos sehe, und ich muss sagen, es gefllt mir sehr. es gibt natr-lich noch ein paar Dinge, die verndert werden knnten, aber wir stehen in engem kontakt mit den entwicklerinnen des ars electronica Futurelab. Die Zusammenarbeit ist groartig, es fhlt sich an, als kmen zwei Dinge zusam-men, die zusammengehren. Von anfang an versuchte sich das Miraikan im Bereich Daten-visualisierung zu spezialisieren. Wir haben im-mer schon den austausch mit knstlerinnen, architektinnen, mit Leuten aus unterschied-lichen kreativen richtungen gesucht, aber bis jetzt war dieser austausch auf japan be-schrnkt. Mit der ars electronica gibt es jetzt genau den richtigen Partner, der wei, wie mit unseren Daten umzugehen ist.

    Wie unterscheiden sich die beiden Globen?

    Vor zwei jahren haben wir unseren Geocos-mos berarbeitet, die auflsung ist jetzt 10-mal so hoch wie vorher, wir knnen feinere Linien, schnere Farben und Farbverlufe darstellen. eine groe Herausforderung war die korrekte Geometrie der LeD-Paneele bzw. die richtige Form zu finden, um eine kugel zu erschaffen, ohne groe Lcken zwischen den

    Paneelen zu erzeugen. im Deep space sind solche Probleme freilich unbekannt. es ist fantastisch, unsere Visualisierungen in so ei-ner hohen auflsung, so detailliert zu sehen. es fhlt...

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