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  • Verlautbarungen des Apostolischen

    Stuhls _________________

    160

    Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung

    Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie

    Grundsätze und Orientierungen

    17. Dezember 2001

  • Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 160

    Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung

    Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie

    Herausgeber: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz Bonner Talweg 177, 53129 Bonn

    Grundsätze und Orientierungen

    17. Dezember 2001

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    DIREKTORIUM ÜBER DIE VOLKSFRÖMMIGKEIT UND DIE LITURGIE

    Grundsätze und Orientierungen

    Abkürzungen

    AAS Acta Apostolicae Sedis

    CCL Corpus Christianorum seu nova Patrum collectio series Latina (Turnhout – Paris 1953 ff.)

    CIC Codex Juris Canonici

    CSEL Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum (Wien 1866 ff.)

    DS H. DENZINGER – A. SCHÖNMETZER, Enchiridion Symbolorum, Definitionum et Declarationum de rebus fidei et morum (Frei- burg i. Br. 36. Auflage 1976)

    EI Enchiridion Indulgentiarum. Normae et concessiones (1999)

    KKK Katechismus der Katholischen Kirche

    LG ZWEITES VATIKANISCHES KONZIL, Konstitution Lumen gentium

    PG Patrologia Graeca, hrsg. v. J. P. Migne, 167 Bde. (Paris 1857- 1866)

    PL Patrologia Latina, hrsg. v. J. P. Migne, 217 Bde. u. 4 Reg.- Bde. (Paris 1841-1864)

    SC ZWEITES VATIKANISCHES KONZIL, Konstitution Sacrosanctum Concilium

    SCh Sources chrétiennes

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    Aus der „BOTSCHAFT“ Seiner Heiligkeit JOHANNES PAULS II.

    an die Vollversammlung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung

    (21. September 2001)

    2. Die Heilige Liturgie, von der Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium als Höhepunkt des kirchlichen Lebens bezeichnet, darf niemals zu einer rein ästhetischen Sache reduziert oder als ein Instru- ment mit rein erzieherischer oder ökumenischer Zielsetzung betrach- tet werden. Die Feier der heiligen Geheimnisse ist vor allem ein Lob- preis der höchsten Majestät des einen und dreifaltigen Gottes. Sie ist ein von Gott selbst gewählter Ausdruck dieses Lobes. Durch sie tritt der Mensch einzeln und in Gemeinschaft vor Ihn hin, um Ihm Dank zu sagen. Er tut dies im Bewusstsein, dass sein menschliches Wesen nur durch den Lobpreis Gottes und die Erfüllung Seines Willens zur Vollendung kommt, durch die beständige Suche des Reiches Gottes, das bereits gegenwärtig ist und vollendet sein wird am Tag der Wiederkunft des Herrn Jesus. Die Liturgie und das Leben gehören untrennbar zusammen. Eine Liturgie, die ohne Wirkung für das täg- liche Leben bliebe, würde ihren Sinn verlieren und Gott missfallen.

    3. Die liturgische Feier ist ein Akt religiöser Tugend, die gemäß ihrer Natur von einem tiefen Sinn für das Heilige geprägt sein muss. In ihr soll sich der Mensch – einzeln und in Gemeinschaft – bewusst sein, dass er sich in besonderer Weise vor dem dreimal heiligen und transzendenten Gott befindet. Folglich muss die erforderliche Hal- tung von Ehrfurcht und Erstaunen durchdrungen sein, von der Er- kenntnis der Gegenwart der Majestät Gottes. Oder wollte Gott nicht genau dies zum Ausdruck bringen, als er Mose befahl, vor dem bren- nenden Dornbusch seine Schuhe abzulegen? Erwuchs nicht die fromme Haltung eines Mose und eines Elia genau aus diesem ehr- fürchtigen Bewusstsein, so dass sie nicht wagten, Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen?

    An den Priestern und Diakonen muss das Volk Gottes von Ehrerbie- tung und Würde bestimmter Verhaltensweisen erkennen können, damit es darin Hilfe erfährt, auch ohne viele Worte und Erklärungen in die Welt der unsichtbaren Wirklichkeiten vorzudringen. Im Römi-

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    schen Messbuch des heiligen Pius V. wie auch in verschiedenen östlichen Liturgien finden wir wunderschöne Gebete, mit denen der Priester angesichts der heiligen Geheimnisse den tiefsten Sinn seiner Demut und Verehrung kundtut. Diese enthüllen das innerste Wesen jeder Liturgie selbst.

    Die liturgische Feier, der ein Priester vorsteht, ist eine Gebetsver- sammlung, vereint im Glauben und im Hören auf das Wort Gottes. Ihr vorrangiges Ziel ist es, im Angesicht der göttlichen Majestät das lebendige, reine und heilige Opfer zu vergegenwärtigen, welches ein für allemal der Herr Jesus auf Kalvaria dargebracht hat. Es vollzieht sich jedes Mal neu, wenn die Kirche die heilige Messe feiert, um den Gott geschuldeten Kult im Geist und in der Wahrheit darzubringen.

    Mir ist der Eifer Eurer Kongregation bekannt, gemeinsam mit den Bischöfen für eine Vertiefung des liturgischen Lebens in der ganzen Kirche zu sorgen. Indem ich meine Hochachtung ausspreche, wün- sche ich, dass dieses kostbare Werk dazu beitragen möge, die Feiern immer würdiger und fruchtbarer werden zu lassen.

    4. Eure Vollversammlung hat die Volksfrömmigkeit zum zentralen Thema eines eigenen Direktoriums gewählt. Sie ist ein Ausdruck des Glaubens, der sich die kulturellen Elemente eines bestimmten Umfel- des nutzbar macht, um das religiöse Gefühl derer, die darin leben, in lebendiger und wirkungsvoller Weise auszudrücken und auszulegen.

    Die Volksfrömmigkeit, die sich in vielfältigen und weit verbreiteten Formen ausdrückt, hat, wenn sie echt ist, als Quelle den Glauben. Sie muss daher geschätzt und unterstützt werden. Als solche stellt sie sich in ihren authentischen Äußerungen nicht gegen die zentrale Stellung der heiligen Liturgie. Wenn wir den Glauben des Volkes fördern, der ja eine wesensgemäße religiöse Ausdrucksweise bein- haltet, dann macht er gleichzeitig für die Feier der heiligen Geheim- nisse empfänglich.

    5. Die rechte Beziehung zwischen diesen beiden Ausdrucksformen des Glaubens muss an einigen entscheidenden Punkten deutlich gemacht werden. Es muss vor allem klar sein, dass die Liturgie das Zentrum des kirchlichen Lebens ist, und dass keine andere religiöse

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    Ausdrucksweise die Liturgie ersetzen kann oder als gleichwertig mit ihr angesehen werden darf.

    Darüber hinaus ist zu betonen, dass die Volksfrömmigkeit ihren Höhepunkt in der liturgischen Feier hat, an der sie sich im Idealfall ausrichten, mit der sie aber nicht vermengt werden soll. Dies muss durch eine entsprechende Katechese deutlich gemacht werden.

    Zuweilen scheinen Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit durch Elemente verunreinigt zu sein, die mit dem katholischen Glauben un- vereinbar sind. In solchen Fällen müssen sie mit Besonnenheit und Geduld gereinigt werden, und zwar durch Kontakte zu den Verant- wortlichen sowie eine aufmerksame und respektvolle Katechese, sofern grundsätzliche Unstimmigkeiten nicht sofort klare und direkte Maßnahmen nötig machen.

    Solche Beurteilungen obliegen zunächst dem zuständigen Diözesan- bischof beziehungsweise den Bischöfen des betreffenden Territori- ums, die an solchen Formen der Religiosität interessiert sind. In die- sem Fall ist es angezeigt, dass die Hirten sich über ihre Erfahrungen miteinander austauschen, um allgemeingültige pastorale Wegweisun- gen zu bieten und schädliche Widersprüche für das christliche Volk zu vermeiden. Die Bischöfe sollten allerdings, solange nichts Gegen- teiliges nötig ist, eine positive und ermutigende Haltung zur Volks- frömmigkeit einnehmen.

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    KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG

    Prot. Nr. 1532/OO/L

    DEKRET

    Den Primat der Liturgie bestätigend, die „der Höhepunkt ist, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“ (Sacrosanctum Concilium 10), erinnert das Zweite Va- tikanische Konzil daran, dass „das geistliche Leben“ sich nicht „schlechthin mit der Teilnahme an der heiligen Liturgie“ deckt (ebd. 12). Zur Förderung des geistlichen Lebens der Gläubigen gibt es auch „Andachtsübungen des christlichen Volkes“, insbesondere solche, die vom Apostolischen Stuhl empfohlen werden und in den einzelnen Kirchen auf Anordnung oder durch bischöfliche Approbation in die Praxis umgesetzt sind. Um hervor zu heben, dass solche kultischen Ausdrucksformen mit den Gesetzen und Normen der Kirche überein- stimmen, haben die Konzilsväter ihr theologisches und pastorales Verständnis klar kundgetan: „Die Andachtsübungen sollen so geord- net sein, dass sie mit der heiligen Liturgie übereinstimmen, gewis- sermaßen aus ihr herausfließen und das Volk zu ihr hinführen; denn sie steht von Natur aus weit über ihnen“ (ebd. 13).

    Im Licht dieser maßgeblichen Unterweisung und anderer Verlautba- rungen des kirchlichen Lehramtes in Bezug auf die Frömmigkeit des christlichen Volkes und unter Einbeziehung der in diesen Jahren he- rausgegebenen pastoralen Richtlinien hat die Vollversammlung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, die vom 26. bis 28. September 2001 tagte, das vorliegende Direktorium approbiert. Darin werden die Beziehungen zwischen Liturgie und Volksfrömmigkeit zusammenhängend dargelegt, unter besonderer Berücksichtigung der Prinzipien, die diese Beziehungen leiten. Es werden Orientierungen gegeben mit dem Ziel einer fruchtbaren Ver- wirklichung in den einzelnen Ortskirchen, und zwar entsprechend der besonderen Überlieferung einer jeden einzelnen. Es ist daher insbe-

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    sondere Aufgabe der Bischöfe, die Volksfrömmigkeit aufzuwerten, indem sie eine seelsorglich positive und ermutigende Haltung ihr gegenüber pflegen. Sind und waren ihre Früchte doch von großem Wert für die Bewahrung des Glaubens im christlichen Volk.

    Nachdem