Verwirrtheitszustände im Alter- Diagnostik und Therapie ...basler- 2014-09-18  · Überblick

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Text of Verwirrtheitszustände im Alter- Diagnostik und Therapie ...basler- 2014-09-18  · Überblick

  • Verwirrtheitszustnde im Alter- Diagnostik und Therapie Themenblock Psyche Basiskurs

    18.9.2014

    Caravaggio 1584- 1588

  • Fallbeispiel

  • berblick

    Definition, Symptomatik

    Epidemiologie

    Differentialdiagnosen

    Risikofaktoren

    Pathophysiologie

    Diagnostik, Erfassungsinstrumente

    Prvention

    Therapie, nicht- medikaments, medikaments

    Zusammenfassung, Fazit

    Fallbeispiele

  • Delir Delir (delirare lat. aus der Spur geraten) Andere Begriffe: Verwirrtheit, Durchgangssyndrom Hufigster lebensbedrohlicher Notfall bei lteren

    hospitalisierten Patienten Postoperativ bis zu 50% bei lteren Bis zu 80% bei lteren auf Intensivstation Immer urschlicher Faktor, hufig dementieller Prozess Erhhte Morbiditt und Mortalitt konomischer Faktor, lngere Verweildauer, hhere

    Komplikationsrate, Belastung fr die Angehrigen, gehirntoxisch, krzere Lebenserwartung, vermehrte Immobilitt, vermehrter Betreuungsbedarf, Dekubitus, kognitive Einbussen, Wahrscheinlichkeit fr Demenz-entwicklung erhht

  • Diagnostische Kriterien fr Delir nach DSM 293.0

    Kriterium A Eine Bewusstseinsstrung (d.h. eine reduzierte Klarheit der

    Umgebungswahrnehmung) mit einer eingeschrnkten Fhigkeit, die Aufmerksamkeit zu richten, aufrecht zu erhalten oder zu verlagern

    Kriterium B Eine Vernderung der kognitiven Funktionen (wie Gedchtnisstrung,

    Desorientiertheit, Sprachstrung) oder die Entwicklung einer Wahrnehmungsstrung, die nicht besser durch eine schon vorher bestehende, manifeste oder sich entwickelnde Demenz erklrt werden kann Kriterium C Das Strungsbild entwickelt sich innerhalb einer kurzen Zeitspanne

    (gewhnlich innerhalb von Stunden oder Tagen) und fluktuiert blicherweise im Tagesverlauf

  • Diagnostische Kriterien fr Delir nach DSM

    Kriterium D 293.0 Delir aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors Es gibt Hinweise aus der Anamnese, der krperlichen Untersuchung oder den

    Laborbefunden, dass das Strungsbild durch die direkten krperlichen Folgeerscheinungen eines medizinischen Krankheitsfaktors verursacht ist

    291.0 / 292.81 Substanzinduziertes Delir Substanzintoxikations-Delir Es gibt Hinweise aus Anamnese, krperlichem Befund oder Laborbefunden, fr

    entweder (1) oder (2): (1) Die Symptome in Kriterium A und B entwickeln sich whrend einer Intoxikation (2) der Gebrauch eines Medikaments steht in einem tiologischen Zusammenhang

    zu dem Strungsbild Substanzentzugs-Delir Es gibt Hinweise aus Anamnese, krperlichem Befund oder Laborbefunden, dass

    sich die in Kriterium A und B beschriebenen Symptome whrend oder kurz nach einem Entzugssyndrom entwickelt haben.

  • Diagnostische Kriterien fr Delir nach DSM

    Delir aufgrund multipler tiologien Es gibt Hinweise aus Anamnese, krperlichem Befund oder Laborbefunden, dass

    das Delir mehr als eine Ursache hat (d. h., mehr als einen urschlichen medizinischen Krankheitsfaktor, einen urschlichen medizinischen Krankheitsfaktor plus Substanzintoxikation oder Nebenwirkung eines Medikamentes)

    780.09 Nicht nher bezeichnetes Delir 1. Das klinische Erscheinungsbild eines Delirs, von dem angenommen wird, dass es

    auf einen medizinischen Krankheitsfaktor oder eine Substanzeinnahme zurckgeht, ohne dass gengend Hinweise fr eine spezifische tiologie vorliegen

    2. Delir, das nicht auf in diesem Kapitel genannte Ursachen zurckgeht (z. B. sensorische Deprivation)

    (American Psychiatric Association, 2000; Sass et al., 2003) Hasemann, W., Kressig, R. W., Ermini-Fnfschilling, D., Pretto, M., & Spirig, R. (2007). Screening, Assessment und Diagnostik von Delirien. Pflege, 20(4), 191-204.

  • Internationale Klassifikation psychischer Strungen

    ICD

    F0 Organische, einschlielich symptomatischer psychischer Strungen F05. Delir, nicht durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen bedingt Ein tiologisch unspezifisches hirnorganisches Syndrom, das charakterisiert ist

    durch gleichzeitig bestehende Strungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedchtnisses, der Psychomotorik, der Emotionalitt und des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Dauer ist sehr unterschiedlich und der Schweregrad reicht von leicht bis zu sehr schwer

    F05.0 Delir ohne Demenz F05.1 Delir bei Demenz F05.8 Sonstige Formen des Delirs Delir mit gemischter tiologie F05.9 Delir, nicht nher bezeichnet (Deutsches Institut fr Medizinische Dokumentation und Information DIMDI, 2007)

  • ICD

    A. Bewusstseinsstrung (Bewusstseinstrbung), d.h. verminderte Klarheit in der Umgebungswahrnehmung, mit einer reduzierten Fhigkeit, die Aufmerksamkeit zu fokussieren, aufrechtzuerhalten und umzustellen.

    B. Strung der Kognition, manifestiert durch die zwei folgenden Merkmale: 1. Beeintrchtigung des Immediatgedchtnisses (der unmittelbaren Wiedergabe)

    und des Kurzzeitgedchtnisses bei relativ intaktem Langzeitgedchtnis 2. Desorientierung zu Zeit, Ort oder Person. C. Mindestens eine der folgenden psychomotorischen Strungen: 1. rascher, nicht vorhersagbarer Wechsel zwischen Hypo- und Hyperaktivitt 2. verlngerte Reaktionszeit 3. vermehrter oder verminderter Redefluss 4. verstrkte Schreckreaktion D. Strung des Schlafs oder des Schlaf-Wach-Rhythmus, mindestens durch eines

    der folgenden Merkmale manifestiert:

  • ICD

    1. Schlafstrung, in schweren Fllen vllige Schlaflosigkeit, mit oder ohne Schlfrigkeit am Tage oder Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus

    2. nchtliche Verschlimmerung der Symptome 3. unangenehme Trume oder Alptrume, die nach dem Erwachen als, Halluzinationen oder

    Illusionen weiterbestehen knnen. E. Pltzlicher Beginn und nderung der Symptomausprgung im Tagesverlauf F. Objektiver Nachweis auf Grund der Anamnese, der krperlichen, neurologischen und laborchemischen Untersuchungen einer zugrundeliegenden zerebralen oder systemischen Krankheit (auer einer durch psychotrope Substanzen bedingten), die fr die klinischen Symptome A bis E verantwortlich gemacht werden kann. Kommentar: Affektive Strungen wie Depression, Angst oder Furcht, Reizbarkeit, Euphorie, Apathie oder staunende Ratlosigkeit, Wahrnehmungsstrungen (Illusionen oder Halluzinationen, meist optische) und flchtige Wahnideen sind typisch, aber fr die Diagnose nicht spezifisch. Der Beginn ist gewhnlich akut, im Tagesverlauf wechselnd, die Gesamtdauer der Strung betrgt weniger als sechs Monate. Mit der vierten Stelle soll kodiert werden, ob das Delir eine Demenz berlagert oder nicht (Dilling, Mombour, Schmidt & Schulte-Markwort, 2006)

  • ICD F1 Psychische und Verhaltensstrungen durch psychotrope Substanzen

    F10. Strungen durch Alkohol

    F11. Strungen durch Opioide

    F12. Strungen durch Cannabinoide

    F13. Strungen durch Sedativa oder Hypnotika

    F14. Strungen durch Kokain

    F15. Strungen durch andere Stimulanzien, einschlielich Koffein

    F16. Strungen durch Halluzinogene

    F17. Strungen durch Tabak

    F18. Strungen durch flchtige Lsungsmittel

    F19. Strungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen

  • .3 Entzugssyndrom Es handelt sich um eine Gruppe von Symptomen unterschiedlicher

    Zusammensetzung und Schwere nach absolutem oder relativem Entzug einer psychotropen Substanz, die anhaltend konsumiert worden ist. Beginn

    und Verlauf des Entzugssyndroms sind zeitlich begrenzt und abhngig von der Substanzart und der Dosis, die unmittelbar

    vor der Beendigung oder Reduktion des Konsums verwendet worden ist. Das Entzugssyndrom kann durch symptomatische

    Krampfanflle kompliziert werden. .4 Entzugssyndrom mit Delir Ein Zustandsbild, bei dem das Entzugssyndrom (siehe vierte Stelle .3) durch ein

    Delir, (siehe Kriterien fr F05.) kompliziert wird. Symptomatische Krampfanflle knnen ebenfalls auftreten. Wenn organische Faktoren eine betrchtliche Rolle in der tiologie spielen, sollte das Zustandsbild unter F05.8 klassifiziert werden.

    Delirium tremens (alkoholbedingt) (Deutsches Institut fr Medizinische Dokumentation und Information DIMDI, 2007)

  • Vergleich ICD und DSM

    ICD strenger, diagnostische Kriterien, geringere Sensitivitt (mehr falsch Negative)

    Bei DSM- Kriterien Anwendung Screening notwendig da keine diagnostischen Kriterien angegeben

  • Hyperaktives Delir

    Dieser Subtyp tritt am seltensten auf. Hier besteht eine quasi zweckgerichtete, unangebrachte beraktivitt, die zum Umherwandern, Suchen, Nesteln und zu verbal und physisch aggressiven Ausbrchen fhren kann. Die affektiven Reaktionen wie Wut oder Furcht lassen sich durch den negativen Stress als Reaktion auf die Halluzinationen und eingebildeten Verfolgungen erklren. Hyperaktive und furchtsame Patienten befinden sich oft in einem vegetativen Erregungszustand. Der Redefluss kann verstrkt sein.

    Weitere neurologische und motorische Symptome knnen verschiedene Bewegungs- und Koordinationsstrungen wie Ataxie, Myoklonien, Tremor, sowie verschiedene Sprach- und Sprechstrungen sein. Bei lteren Patienten kann eine Urin- und Stuhlinkontinenz auftreten.

    Intranet Stadtspital Triemli, Zrich, Gesamtspitalweisung, Delir/akute Verwirrtheit, Version 03, (2009), S.6/31.12.2009

  • Hypoaktives Delir

    Diese Erscheinungsform tritt beim lteren Menschen hufiger auf und wird oft verkannt

    (bis zu 80%) Die zweckgerichtete motorische Aktivitt ist herabgesetzt und zeigt sich in verlangsamten, verzgerten Bewegungen wie auch in ebensolchem Sprechen. Die Patienten e