Wer ist wer? - lpb-bw.de .Kapitel 3 28 Wer ist wer? Aufgaben, Zust¤ndigkeiten und Kooperationen

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  • Kapitel 3

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    Wer ist wer? Aufgaben, Zustndigkeiten und Kooperationen

    Klingeln erlaubt!

    Ein Jugendgemeinderat hat viele Ansprech-partnerinnen und Ansprechpartner, an die er sich wenden kann. Vor Ort sind dies auer den unmittelbar mit ihm zusammenhngenden In-stitutionen und Anlaufstellen wie Gemeinderat, Pressestelle der Kommune oder Stadtkmmerei zum Beispiel das Jugendhaus, die Schlermit-verwaltung oder das Jugendamt. Aber auch andere stdtische und landesweite Verbnde wie der Stadt- oder Landesjugendring oder die Landeszentrale fr politische Bildung Baden-Wrttemberg untersttzen die Jugendlichen bei ihrer Arbeit. Darber hinaus knnen Unterneh-men Untersttzer, Frderer und Sponsoren sein.

    Die Betreuerin/Der Betreuer

    Die Rolle der Jugendgemeinderatsbetreuerin bzw. des -betreuers ist eine Gratwanderung, weil sie zwischen den Interessen der Jugend-lichen und der Verwaltung stehen. Wichtig ist, die Balance zu halten zwischen Initiative und Zurckhaltung und ein Gespr dafr zu ent-wickeln, wann mehr oder weniger Betreuung notwendig ist, ohne die Jugendlichen zu ber-fordern.

    Zu viel Frsorge kann erdrcken.

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    Drei wichtige Ebenen der Betreuung

    Fr die Betreuung eines Jugendgemeinderats und die damit verbundenen Aufgaben sind drei Ebenen wichtig:

    1. Verwaltung

    Kenntnisse ber die Gemeindeordnung, das Satzungsrecht, den Verwaltungsaufbau sowie ber rtliche Besonderheiten und Netzwer-ke helfen, die Gestaltungsmglichkeiten des Jugendgemeinderates zu nutzen. Darber hi-naus bilden Betreuerinnen und Betreuer eine Schnittstelle zwischen Jugendlichen und Ver-waltung.

    2. Politik

    Die Betreuerinnen und Betreuer brauchen einen berblick ber die Lokalpolitik und deren The-men sowie ber die Jugendbeteiligung vor Ort. Auch landes- und bundespolitische Entwick-lungen knnen fr den Jugendgemeinderat von Bedeutung sein.

    3. Jugendliche

    Das Augenmerk liegt hier in besonderer Wei-se auf der Beziehungsarbeit, dem Aufbau von Vertrauen und der Schutzfunktion gegenber den Jugendlichen. Die Betreuenden ber-setzen Themen und Inhalte der Kommunalpo-litik und vermitteln diese in die Lebenswelten Jugendlicher. Zu ihren Hauptaufgaben zhlen die Untersttzung bei der mterfhrung, die Teamentwicklung und die Moderation.

    Untersttzung durch betreuende Personen

    Ein Jugendgemeinderat funktioniert vor allem dann, wenn die Mitglieder als Team zusam-menarbeiten. Dazu mssen die Rollen im Team geklrt sowie Kriterien guter Teamarbeit be-kannt sein und umgesetzt werden. Hierzu

    leisten die Betreuerinnen und Betreuer einen ent-scheidenden Beitrag. Genauso gefragt ist deren fachliche Meinung zu bestimmten Sachverhal-ten und die Darlegung der unterschiedlichen Positionen. Unerlsslich ist daher eine vertrau-ensvolle, offene und authentische Atmosphre in der Beziehung zu den Jugendgemeinderten. Die Betreuenden wirken als Vorbilder fr klare Kommunikation, Verbindlichkeit und Zuverls-sigkeit. In die Diskussionsleitung greifen sie bei Bedarf aktiv ein, klren die Regeln und sorgen fr einen respektvollen Umgang miteinander. Konfl ikte im Jugendgemeinderat sollten offen angesprochen werden, denn sie sind auch eine Chance fr die Entwicklung der Gruppendyna-mik.

    Motivation fr den Jugendgemeinderat

    Die Motivation von Jugendlichen fr ein ehren-amtliches Engagement ist meistens abhngig vom Spa an und in ihrem Amt. Dazu gehrt auch, manches mit Humor zu nehmen. Ge-nauso wichtig sind Anerkennung, Respekt,

    Langeweile sollte gar nicht erst aufkommen...

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    Wertschtzung und Lob fr die geleistete Arbeit. Jugendliche wollen ernst genommen werden und Verantwortung bernehmen. Vertrauen in die Arbeit der Jugendlichen heit auch, sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen und Aufgaben und Projekte nicht an sich zu reien, um ihnen und sich selbst Frustrationen zu er-sparen. Erfolgreiche Projekte sollen sichtbar gemacht werden. ffentlichkeitsarbeit ist dabei unerlsslich. Fr viele Jugendliche ist es moti-vierend, Einladungen zu offi ziellen Anlssen zu erhalten und mit Persnlichkeiten des kommu-nalen Lebens in Kontakt zu kommen.

    Kontinuitt in der Betreuung sowie regelmige Fortbildungen und Klausurwo-chenenden frdern den Entwicklungsprozess. Der Gruppenzusammenhalt wird durch erleb-nispdagogische Methoden gestrkt. Allerdings brauchen die Jugendlichen auch Zeit fr persn-liche Belange.

    Praxiserfahrungen

    Betreuerinnen und Betreuer von Jugendge-meinderten mssen sich immer wieder ihrer Rolle und Funktion vergewissern. Dies gilt vor-rangig bei der Motivation und Steuerung des Gremiums. Sie befi nden sich oftmals in einem Balanceakt zwischen Anspruch und Wirklich-keit. Einerseits gibt es bestimmte Erwartungen an die Jugendlichen, andererseits haben diese ihre eigenen Vorstellungen und Wnsche.

    Neben der Geschftsstelle braucht ein funktionierender Jugendgemeinderat eine sozialpdagogische Betreuung.

    Aufsichtspflicht

    Besonders bei Ausfl gen und mehrtgigen Seminaren ms-sen Kinder und Jugendliche

    beaufsichtigt werden. Durch die Einhaltung der Aufsichtspfl icht sollen Kinder und Jugendliche vor Gefahren und Schden bewahrt werden. Gleichzeitig sollen sie daran gehindert werden, Dritte zu schdigen. Daher umfasst eine verant-wortungsvolle Erfllung der Aufsichtspfl icht folgende drei Punkte:

    1. Vorsorgliche Belehrung und Warnung

    Kinder und Jugendliche mssen altersgerecht ber den Umfang und die Folgen mglicher Ge-fahren und mglichen Verhaltens unterrichtet werden. Zustzlich muss die aufsichtspfl ichtige Person jegliche Gefahrenquellen zu unterbin-den versuchen.

    2. berwachungDie Betreuerin bzw. der Betreuer muss sich versichern, dass die Belehrungen verstan-den und befolgt werden. Auerdem muss die Aufsichtsperson im Blick haben, wo sich die Minderjhrigen befi nden und was sie machen. Die Aufsichtspfl icht besteht bei einem Aus-fl ug grundstzlich 24 Stunden am Tag. Sie ruht lediglich, wenn die betreuende Person sich davon berzeugt hat, dass alle Kinder und Jugendlichen schlafen. Bei Jugendgemeinde-ratssitzungen endet die Aufsichtspfl icht mit dem Ende des Treffens.

    3. Eingreifen von Fall zu Fall

    Die Aufsichtsperson kann durch Verwarnung, Tadel oder Strafe eingreifen, wenn die vor-angegangenen Belehrungen und Warnungen nicht befolgt werden. Im Extremfall kann die minderjhrige Person auf Dauer oder Zeit von bestimmten Veranstaltungen bzw. aus der Grup-pe ausgeschlossen werden.

    Super-Betreuerinnen und Super-Betreuer

    lsen alle Konflikte

    Kapitel 3

    Neben der Geschftsstelle braucht ein funktionierender Jugendgemeinderat eine sozialpdagogische Betreuung.

    Aufsichtspflicht

    Besonders bei Ausfl gen und

    und Super-Betreuer lsen alle Konflikte

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    Wie weit reicht die Pflicht?

    Es ist von keiner Person, die Jugendgruppen leitet, zu verlangen, dass sie die Kinder und Jugendlichen unter allen Umstnden vor Scha-den bewahrt. Kommt sie der Aufsichtspfl icht in voller Weise nach, so entfllt eine Haftung auch bei eingetretenem Schaden. Von der Auf-sichtsperson wird nur erwartet, dass diese nach bestem Wissen und Gewissen handelt. Werden diese Voraussetzungen nicht erfllt, kann dies zivil- und strafrechtliche Folgen haben.

    INFO InternetseitenWichtige Hinweise zur Aufsichtspflicht gibt es unter: www.jugend.rlp.de/aufsichtspflicht.html www.rechtsfragen-jugendarbeit.de www.aufsichtspflicht.de

    Gesetzliche Regelung

    Um rechtlich wirksam zu sein, muss die Auf-sichtspfl icht vertraglich geregelt sein. Eine gesetzliche Regelung der Aufsichtspfl icht gibt es allerdings nicht. Die Aufsichtspfl icht kann nur eine Person, die die gesetzliche Frsorge fr ein Kind innehat, auf eine andere Person bertragen.

    MATERIALKISTEDie rechtlichen Grundlagen zur Aufsichtspflicht und weitere ausfhrliche Informationen in M3.

    Aufbau einer Kommune

    Welche Personen spielen in der Kommunalpo-litik eine wichtige Rolle? Und was muss eine Kommune berhaupt alles erledigen? Wenn man versteht, wie die Strukturen der Gemein-deverwaltung aussehen und welche Personen bei bestimmten Fragen weiterhelfen knnen, funk-tioniert auch die Zusammenarbeit zwischen Jugendgemeinderat und Gemeindeverwaltung.

    Verwaltungsgliederung einer Gemeinde

    Eine Gemeinde ist in sogenannte Dezernate oder mter aufgeteilt. Beispiele hierfr sind Verwaltung, Finanzen, Bau und Kultur.

    MATERIALKISTEOrganigramm zur Verwaltungsgliederung einer Gemeinde in M3.

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    Aufgaben einer Kommune

    Eine Kommune ist in der Festlegung ihrer Aufgaben nicht vllig frei, zu einigen ist sie verpfl ichtet, andere wiederum sind freiwillig. Es gibt folgende Aufgabengruppen:

    Freiwillige Aufgaben: Hier entscheidet der Ge-meinderat sowohl ber das OB als auch ber das WIE. Das bedeutet, dass die Gemeinde entscheiden kann, ob sie diese Aufgabe erfllt und wie sie diese umsetzt. Dazu gehren zum Beispiel der Bau eines Schwimmbades oder die Einrichtung eines Jugendgemeinderats.

    Pfl ichtaufgaben ohne Weisung: Diese Aufga-ben mssen Gemeinden erfllen. Dazu gehren Schulen, Kindergrten, Friedhfe und Klranla-gen. ber das WIE darf der Gemeinderat selbst entscheiden, wie zum Beispiel also Schulen und Kindergrten ausgestattet sind. Allerdings sind die Spielrume der Kommunen durch Vorgaben des Landes eingeengt.

    Pfl ichtaufgaben nach Weisung: Der Gemeinde-rat hat bei diesen Aufgaben keine Mglichkeit, ber das OB und das WIE zu entscheiden, er muss diese Aufgaben wie vorgeschrieben er-fllen. Dazu zhlen die Durchfhrung von Wahlen, das Meldewesen und der Bereich Ord-nung und Sicherheit.

    Die Leistungen der Gemeinde

    Versorgung und Entsorgung: Wasser-, Strom-, Abwasser- und Abfallbeseitigung

    Infrastruktur: Straen, Gehwege, Friedhfe, Flchen fr Gewerbe und Wohnungen

    Soziale Sicherheit und Gesundheit: Sozi